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Heimat II

Verfasst: 14.04.2011, 13:55
von Klara
Heimat ist wie die Liebe:
Erinnerung an ein Versprechen
das schon im Sagen bricht
In Sehnsucht erst hält
Ein Leben lang gekittet, in der Hosentasche knitternd
Oft berührt und noch öfter zerrissen
Gekettet an vergangenes Wünschen, ein Zombie, oder ein Gedicht
Heimat ist wie die Liebe:
das Gegenteil von Freiheit
und raumlos im Überleben
notwendig utopisch.

Verfasst: 14.04.2011, 17:50
von Eule
Hallo Klara, ein durch seine starken Aussagen und Festlegungen provozierender Text, vor allem in den letzten vier Zeilen. Aber daher bestimmt auch nicht langweilig, kitschig oder hochstilisiert. Viele Grüße !

Verfasst: 14.04.2011, 18:46
von Teya
Hallo Klara,

großes Thema, für das du eine (auf den ersten Blick) einfache Analogie findest. So, wie du sie dann aber mit Bildern auflädst, muss ich sagen: sie passt. Und besticht daher gerade durch ihre Einfachheit.

Lieben Gruß,
Teya

Verfasst: 15.04.2011, 09:44
von Ylvi
Hallo Klara,

arne trifft es gut für mich. Es ist provozierend, weil es eben nicht bei der Sicht eines LIch bleibt (meine Heimat), sondern eine allgemeingültige Definition in den Raum stellt. Für mich persönlich funktioniert das wieder einmal nicht so gut. .-)

Ein Leben lang gekittet, in der Hosentasche knitternd
Oft berührt und noch öfter zerrissen
Gekettet an vergangenes Wünschen, ein Zombie, oder ein Gedicht
Hier würde ich nochmal genauer hinschauen, was die Bildebene anbelangt.
gekittet (Porzellan), und gekettet (etwas Festes) passt für mich nicht zu knitternd und zerrissen (Papier). Das "gekettet" empfinde ich hier auch als unnötige Dramatisierung. Wenn du darstellen möchtest, wie unterschiedlich sich das anfühlt, zeigt, würde ich nicht zweimal die Papierassoziation nehmen, dann vielleicht "zerquetscht" oder "zerrieben".

Überrascht war ich ein wenig von Teyas Kommentar So, wie du sie dann aber mit Bildern auflädst, denn ich sehe hier ganz viel "Kopf", Erklärung, Definition und große Worte (Heimat/ Liebe/ Erinnerung/ Versprechen/ Sehnsucht/ Freiheit ...) und wenig Bilder.

Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 15.04.2011, 09:57
von Klara
Hallo Arne, Teya - freut mich, dass es ankommt und anregt :)

Flora, verstehe ich, dass es für dich nicht rüberkommt.
gekettet, gekittet, geknittert habe ich wgen des Klangs gewählt, und wegen der Heterogenität, die dich stört. Aber mag sein, dass eine Assoziationskette über Lautlichkeit nicht so gut funktioniert (oder nicht garantiert funktioniert) wie eine über Semantik. All die Bildwelten, die sich durch ketten, kitten und knittern öffnen, spielen in das Bild Heimat, das ich - zugegeben stark verkürzt - anreiße. Ein Kritikpunkt, den ich akzeptiere: das Verkürzte, nicht ausgeführte, wie Schraffierte. Bin mir noch nicht sicher, ob ich ändern kann (oder will). Glaub nicht.

Anderes kann und will ich dazu gar nicht sagen - ich hoffe, du siehst mir das nach?
Auch die Schwere der Aussage im "gekettet", die du als überdramatisch empfindest, ist so gemeint.

Dass kein "lyrisches" Ich spricht, sondern ein (nicht genanntes, sozusagen anonymes) behauptendes Ich - tja. So steht es da jetzt. Und ich - also ich, Urheberin - will es so stehen lassen :)

herzlich
klara

Verfasst: 15.04.2011, 16:07
von Gerda
Liebe Klara,

erst einmal hast du mir mit diesem Text etwas zu (über)denken aufgegeben, was aber mit mir zu tun hat. Der Text gab den Anstoß und das wünscht man sich als Verfasserin ganz sicher, dass die Lesende nicht auf der Stele tritt.
Ich finde, genau wie Teya, dass das Gedicht mit seiner Aussage nur einfach wirkt ...
Das erst einmal vorweg, als Leseeindruck, ich denke, da kommt noch mehr von mir.

Sonnige Grüße
Gerda

Meine Heimat habe ich mir übrigens im Kopf zurecht gebaut ... Manchmal mault aber der Bauch ;-)

Verfasst: 15.04.2011, 21:35
von Max
Liebe Klara,

nicht nur ein goßes Thema - auch große Vergleiche, die Du da heranziehst. Aber das gedicht hält, was ich, wenn ich die Wörter "Heimat", "Liebe" und "Sehnsucht" ohne Kontext gelesen hätte, nie gedacht hätte.

Besonders gefällt mir
Heimat ist wie die Liebe:
das Gegenteil von Freiheit
und raumlos im Überleben


"notwendig utopisch" kling mir dagegen kopflastig.

Gern gelesen.

Liebe Grüße
max

Verfasst: 16.04.2011, 10:19
von Klara
ja, Max, genau das ist der Knackpunkt...
also: zwei Knackpunkte: das Verkopfrte und das trotzdem (deshalb?) noch Unklare darin.
Ich hasse Unklarheit!
Vielleicht kannst du die Krücke erstmal bvesser nachvollziehen, wenn ich etymologisch verrate:
überlebensnotwendig ist das Wort, das ich ohne Kopf und mit Bild noch nicht habe, jedenfalls nicht in der Kürze, die mir hier, bei diesem Text, erforderlich scheint.
Dann hab ich das getrennt, aber so wirkt es halt nicht, ohne das s zwischen überleben und notwendig. Dann steht da nur das Überleben. Ob es das uoptisch überhaupt braucht, so als deutliches Zeigen, wenn doch schon raumlos genannt wird? Ich weiß es selbst nicht...
Im Grunde handelt es sich wohl nicht um ein Gedicht, sondern um eine Art Statusmeldung:
Klaras Fortschritte (oder auch nicht) im Nachdenken über Heimat.
Oder so.

danke für deinen Kommentar - auch dir, Gerda, fürs Mitgehen :)

herzlich
klara

Verfasst: 22.04.2011, 08:11
von Gerda
Liebe Klara,

Versprechen müssen nicht zwangsläufig gebrochen werden ;-)
Hier meine nochmalige Rückmeldung.

Klara hat geschrieben:Heimat ist wie die Liebe:
Erinnerung an ein Versprechen
das schon im Sagen bricht
In Sehnsucht erst hält


Ich habe lange gegrübelt, ob es so, wie es dasteht, in der Aktivform überhaupt möglich ist...
und habe mich dafür entschieden (was nicht zwangsläufig heißt das es auch richtig ist), denn ich finde es stimming im Kontext mit der Erinnerung.

Klara hat geschrieben:Ein Leben lang gekittet, in der Hosentasche knitternd
Oft berührt und noch öfter zerrissen


Das gekittet und knitternd (obwohl ich gern - sie passieren mir ständig - Stabreime verwende), klingt mir nicht gut in de Ohren, wahrscheinlich liegt es am "i" und daran, dass ich hinter "Leben" eher "gekettet" - wegen der Heimat erwarte.

Klara hat geschrieben:Gekettet an vergangenes Wünschen, ein Zombie, oder ein Gedicht


Hier taucht mein eben vermisstes "gekettet" auf"
Mir würde "verknüpft" eher zusagen. Gekettet liegt beim Wünschen eher nicht nahe. Wünscht man sich nicht in der Regel etwas Positives, eine Veränderung zum Guten? Können Wünsche jemanden in Ketten legen, beschränken?

Ich kann mir indes vorstellen, dass man sich angebunden durch das fühlt, was andere (Eltern, Partner) als Heimat betrachteten, selbst aber nicht so empfunden hat, dann möchte man sich befreien, aber in diesem Sinn steht es m. E. nicht da..
Ein wenig weit hergeholt empfinde ich "ein Zombie, oder ein Gedicht", so beieinander stehend. Nehme ich statt "Zombie" "Untote", wird es für mich passender, wahrscheinlich weil ich es besser auf "Heimat" beziehn kann.

Das Gedicht scheint mir etwas sperrig, dadurch ein wenig verschlossen, auch wegen der vermeintlich fehleden Bezüge, die ich beim Lesen selbst immer neu herstellen muss. Ich weiß nicht, ob das von dir gewollt ist.

Klara hat geschrieben:Heimat ist wie die Liebe:
das Gegenteil von Freiheit
und raumlos im Überleben
notwendig utopisch.


Hier befreit sich der Text, klart auf, wird zur gelebten Erfahrung :-)
Die letzten 4 Verse, finde ich absolut gesehen für mich genau treffend - wie du dir nach meiner ersten Rückmeldung denken kannst.
Die letzten vier Verse könnten ohne die aufgezweigt Entwicklung im Text für sich ein Gedicht sein.
Sie sind stimmig und rund, was die andern Verse für mich nicht wirklich sind, oder nicht sein können.
Damit werde ich nicht so ganz warm ...

Diese letzten vier Verse, finde ich für mich genau treffend, Wahrheit und Vehikel zugleich. (Wie du dir nach meiner ersten Rückmeldung bestimmt schon gedacht hast). Sie machen das Gedicht für mich aus.

Liebe Grüße
Gerda

Verfasst: 22.04.2011, 12:06
von Max
Liebe Klara,

danbke für deine Erläuterung der "Krücke".

Nun verstehe ich besser und überlege mal, ob ich es anders sagen würde und könnte.

Liebe Grüße
max