Hallo Ben,
schön wieder etwas von dir zu lesen. Ich bin gleich mal im Text.
Wenn der Titel "weiße Worte" lautet, würde ich der ersten Zeile, dem Einstieg ins Gedicht, noch einen Artikel gönnen, sonst erscheint mir das zu gleichgeschaltet und somit in Konkurrenz tretend.
der Erlentisch
erscheint zwei Stufen tiefer
draußen fächelt der Bambus
den die sinkende Sonne grünt
Pechsträhne
endloses Warten
am Rande
der späte Nachmittag
schluckt taubstumme Falter
Das gefällt mir alles sehr! Es ist wunderbar bildhaft und stimmungsvoll.
Tinte
brombeergetönt
verläuft auf weißem Blatt
Hier fehlt mir auch ein Artikel und ev. würde ich rein klanglich auch das Papier noch dazunehmen. "verläuft auf einem weißen Blatt Papier"
Sprachgelände
ohne Worte
Steilflug
scheuert an den Knöcheln
Hier verliert es mich. Das Sprachgelände finde ich fein, weil ich die stachelig verlaufenen Brombeerranken gegen den fächelnden Bambus sehe (und in dem Wort für mich auch "Testgelände" mitschwingt).
Aber "ohne Worte", verstehe ich nicht, denn der Titel spricht ja von "weißen Worten" und in Verbindung mit dem "weißen Blatt" hatte ich es so gelesen, dass es Worte gibt, geben muss, sie aber nicht sichtbar werden, dass das Niederschreiben unmöglich scheint?
Und huch, wo kommt der Steilflug her und wie kann er an den Knöcheln scheuern?
Sprachgelände
stachelige Ranken
reißen an den KnöchelnSo wäre es für mich stimmiger im Bild bleibend, aber vielleicht übersehe ich auch etwas und stehe auf der Leitung.
Liebe Grüße
Flora