Viktoria-Luise P.

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Lisa
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Beitragvon Lisa » 10.01.2011, 22:03

Viktoria Luise P.


Sie besteht aus Kreisen,
außen die losen, weichen
und mitten im Gesicht das Wasser,
ihr Allerheiliges. Barbarisch allerheilig gesprochen
von anderen (Müßiggänger, Tagediebe!);
denn sie ist eine Bemächtigte.

Manchmal steigt ihr Wasser ungebührlich in die Höh,
tritt über, schwemmt den Gesichtskreis.
Dann ruft ihre Mutter (die Fenster um sie her): Viktoria!

Die Menschen halten sich in ihr auf,
sie kann sie nicht draußen behalten.
Sie fallen in sie ein,
wie Schatten durch geschlossene Fenster.

Jemand hat eine Matratze an ihre Ränder gelegt
(und ist dann fortgegangen),
was soll sie damit anfangen.

Ab und an kommt das Komitee
und reinigt sie von Kopf bis Fuß.
Es wird gezupft, gerupft, gekratzt, gescheuert.
Und dem Ungeziefer,
das sich in ihrem Haar niedergelassen hat,
wird der Garaus gemacht.
Ihre Gefährten (denn das sind sie) liegen darnieder,
krümmen sich hinter ihrem Ohr
zu einem Singsangpiepsen.


Nur wenn dieses Mädchen erscheint,
welches, sobald es die Wohnung verlässt,
die Furcht vor einem Unfall befällt,
etwa ein Auto käme aus dem Nichts und risse es um,
sobald es die Straßenseite wechselt,
und welches nur deshalb auf den Straßen ist,
weil seine Furcht zuhause, in den Zimmern,
einfach zu Boden zu gehen, tonlos auseinander zu fallen
wie vielleicht Holz in Scherben zerbräche,
noch bedeutend größer ist,
wenn also dieses Mädchen erscheint,
sich auf Luise legt, die weiße Haut ins Gras (taucht),
dann bebt der Schlummer in den Stein.
Und es ist ihm, als wüsste er zu schlafen.








Erste Version

Viktoria-Luise P.


Sie besteht aus Kreisen,
außen die losen, weichen
und mitten im Gesicht das Wasser,
ihr Allerheiliges. Barbarisch allerheilig gesprochen
von anderen (Müßiggänger, Tagediebe);
denn sie ist eine Bemächtigte.


Manchmal steigt ihr Wasser ungebührlich in die Höh,
tritt über, überschwemmt den Gesichtskreis.
Dann ruft ihre Mutter (die Fenster um sie her): Viktoria!


Die Menschen halten sich in ihr auf,
sie kann sie nicht draußen behalten.
Sie fallen in sie ein,
wie Schatten durch geschlossene Fenster.


Jemand hat eine Matratze an ihre Ränder gelegt
(und ist dann fortgegangen),
was soll sie damit anfangen.


Ab und an kommt das Komitee
und reinigt sie von Kopf bis Fuß.
Es wird gezupft, gerupft, gekratzt, gescheuert.
Und dem Ungeziefer,
das sich in ihrem Haar niedergelassen hat,
wird der Garaus gemacht.
Ihre Gefährten (denn das sind sie) liegen darnieder,
krümmen sich hinter ihrem Ohr
zu einem Singsangpiepsen.


Nur wenn dieses Mädchen erscheint,
das, sobald es die Wohnung verlässt,
von der Furcht vor der Plötzlichkeit eines Unfalls befallen wird,
etwa ein Auto käme aus dem Nichts und risse es um,
wenn es die Straßenseite wechselt,
und das nur deshalb auf den Straßen ist,
weil seine Furcht davor, zuhause, in den Zimmern,
einfach zu Boden zu gehen,
tonlos auseinander zu fallen auf eine Art,
wie vielleicht Holz in Scherben zerbräche,
noch bedeutend größer ist,
wenn also dieses Mädchen erscheint,
sich auf Luise legt, die weiße Haut ins Gras (taucht),
dann bebt der Schlummer im Stein.
Und es ist dem Stein, als wüsste er zu schlafen.


Im Traum können wir schlecht lieben.
Aber wir träumen doch die ganze Zeit.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 11.01.2011, 12:07

Hallo Lisa!

Das werde ich noch einige Male Lesen müssen, bevor es mir vertraut geworden ist, aber ich wage schon mal die Voraussage, dass es mir dann gefallen wird :-)

Nur im dem Absatz am Ende, Nur wenn dieses... wird mir das ganze etwas zu rhetorisch - der Aufwand zu groß für den Leser, der sich vieles doch zusammensuchen muss.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 11.01.2011, 12:13

Lieber ferdi,

schnell eine Antwort, weil ich gerade da bin: Deine Voraussage gefällt mir :-).

Mit dem letzten Absatz: Ja. Es ist zwar schon bewusst verschachtelt konstruiert, aber ich selbst hätte es durchaus etwas leichtlesiger. Wenn dir also mit deinem feinen Sinn für sowas, etwas einfällt: unbedingt her damit! Ich habe es selbst nicht ganz konstruiert bekommen und dachte, vielleicht ergibt sich das hier im Forum.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Louisa

Beitragvon Louisa » 11.01.2011, 12:55

Hui! Endlich mal wieder was von dir, Frauchen! Ich melde mich später!

Quoth
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Beitragvon Quoth » 11.01.2011, 18:23

Hallo, Lisa,
eine schöne Huldigung, weniger wohl an ihn, als an die Fontäne in seiner Mitte ("sie"). Die letzte Strophe fällt zwar "aus dem Rahmen", gefällt mir aber besonders gut, weil sie individualisiert und nicht wie die vorangehenden generalisiert. "Holz" würde ich durch Ton ersetzen (dann stimmen die Scherben besser und das Wiederholungsmoment würde mich nicht stören, im Gegenteil - tonloser Ton - das ist doch was!). Die "Plötzlichkeit" finde ich entbehrlich, Unfälle sind ja immer plötzliche d.h. unvorhergesehene, wenn auch befürchtete Ereignisse.
Ich bin ein Berliner!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 11.01.2011, 19:22

Au Mann, ich hab hier gerätselt und gerätselt, da muss man wohl wirklich Berliner sein, um auf den Springbrunnen zu kommen. *lach*

Max

Beitragvon Max » 11.01.2011, 20:11

Liebe Lisa,

selten, bzw. sehr lange nicht mehr, habe ich ein Gedicht von Dir so unmittelbar lesen können wie dieses. Du beschreibst die Welt wie sie ist (ich kann sie vor mir sehen - auch das, was ich normalerweise nicht sehe) und Dich mittendrin :-).
Auch ich werde dieses Gedicht mehrfach lesen - aber auch Vergnügen.

Liebe grüße
Max

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 11.01.2011, 21:02

Hallo Lisa,

wäre vielleicht folgendes eine Möglichkeit:

...
das, sobald es die Wohnung verlässt,
die Furcht vor dem Unfall befällt,
etwa ein Auto käme aus dem Nichts und risse es um,
...

Das Gedicht selbst strahlt eine Rodin'sche Melancholie aus, ein verspieltes Porträt einer weiblichen Skulptur stellte ich vor, übermalt, verfremdet, vom Publikum nicht mehr sonderlich beachtet, gleichwohl das, was dem Ort und denen, die ihn mögen, den Flair verleiht. Ich finde die Stimmung des Gedichts sehr gelungen, insbesondere die kleinen Widerhaken - das Ende 'bebt der Schlummer im Stein...' ist mir persönlich etwas zu süßlich-sanft. Die letzten zwei Zeilen - abgesehen von der Reminiszenz an 'stella maris (blixa bargeld)' finde ich rätselhaft (Träume sind doch voll von Gefühlen? Aber nicht Liebe?), werde ich noch nachspüren; es ist jedenfalls ein Gedicht, dem ich gerne nachspüre.

Franz

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leonie
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Beitragvon leonie » 11.01.2011, 22:20

Liebe Lisa,

ich finde es spannend, dass Max schreibst, Du beschreibest die Welt, wie sie sei. Mir geht es nämlich so, dass ich meine, Du zeigst, dass alles ganz anders sein könnte als wir es sehen/uns vorstellen/es erleben.
Durch den Schluss erscheint mir das so und von daher lese ich das Gedicht.
Es gefällt mir auch sehr, obwohl die Sprache stellenweise fast ein wenig umständlich anmutet, scheint es mir fast, das müsse so sein.
Beim Titel bin ich nicht sicher, ob Du nicht zu sehr das Risiko in Kauf nimmst, dass es ein "Ratespiel" darum gibt.
Ich habe gegoogelt, kam natürlich auf den Platz, was mir sehr plausibel erscheint.
Wenn das P. wegfiele, würde es für mcih deutungsoffener, mir würde das gefallen...

Ein feiner Text, den ich sicher noch öfter lesen werde! Liebe Grüße

leonie

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 12.01.2011, 06:38

ich finde es wundervoll.

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 12.01.2011, 17:22

Hallo Lisa,

auch mir gefällt es gut, vor allem die Zeilen, die das Mädchen zum Inhalt haben.
Allerdings muss ich leonie beipflichten, es sollte nicht unbedingt als Rätsel daher kommen. Das empfinde ich als etwas ungünstig.

Auch geht es mir auch so, dass es für mich die Realität verfremdet, sich auf ganz ungewohnte Weise damit auseinandersetzt.

Die Quelle oder Fontäne ist ja oft als Frau imaginiert worden.

Dies ist eine gelungene Version,

viele Grüße
Fux

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 12.01.2011, 17:38

Liebe Lisa,

sprachlich ein sehr gelungener Text, der auch mir erst Rätsel aufgab. Aber Brunnen, Fontäne assoziierte ich natürlich doch. Auf den Viktoria-Luise-Platz kam ich erst durch leonies google-Tipp ...


Barbarisch allerheilig gesprochen
von anderen (Müßiggänger, Tagediebe);
denn sie ist eine Bemächtigte.


Hier denke ich jedes Mal, es müsste "Müßiggängern, Tagedieben" heißen.

Jemand hat eine Matratze an ihre Ränder gelegt
(und ist dann fortgegangen),
was soll sie damit anfangen.


Diese Stelle ist spitze in ihrer lakonischen Alltäglichkeit!

Ihre Gefährten (denn das sind sie) liegen darnieder,
krümmen sich hinter ihrem Ohr
zu einem Singsangpiepsen.


Ich suchte auf Fotos nach Vögeln, die ihrer Nahrung beraubt wurden, die wiederum aus Algen und kleinen Wassertieren bestand, welche der Reinigung zum Opfer fielen. Meinst du das?

Die Klammertechnik verwendest du sehr gekonnt!

Das Mädchen ist sicher eine Art Verschlussstein, der im Winter die Fontäne ruhig stellt und die Leitungen vor Frost schützt? Feines Bild!

Die letzten beiden Zeilen finde ich ... darf ich das so brutal sagen? ... einfach nur kitschig und für so ein originelles Gedicht überflüssig. Aber Überfluss ist natürlich das Wesen einer Fontäne ... ;)

Viele Grüße
fenestra

Louisa

Beitragvon Louisa » 12.01.2011, 18:29

Ja, guten Abend noch einmal!

Interessant!

ich bin in Berlin geboren, ich kenne den Platz - ich wäre von alleine nie darauf gekommen, dass ein Platz gemeint ist :) ! Aber seitdem ich das verstanden habe, finde ich den Text sehr lustig... Ich finde aber nicht, dass Lisa die Welt so beschreibt "wie sie ist" - Das wäre ja ein Wunder!

Ich finde diesen Platz nach diesem Gedicht sehr sympathisch und beinahe etwas reinlich ;-) ... Aber auch sozialkompetent (die Vögel als Gefährten - sehr sympathisch, finde ich!!!) -

An den letzten Strophen:

" Nur wenn dieses Mädchen erscheint,
das, sobald es die Wohnung verlässt,
von der Furcht vor der Plötzlichkeit eines Unfalls befallen wird,
etwa ein Auto käme aus dem Nichts und risse es um,
wenn es die Straßenseite wechselt,
und das nur deshalb auf den Straßen ist,
weil seine Furcht davor, zuhause, in den Zimmern,
einfach zu Boden zu gehen,
tonlos auseinander zu fallen auf eine Art,
wie vielleicht Holz in Scherben zerbräche,
noch bedeutend größer ist,
wenn also dieses Mädchen erscheint,
sich auf Luise legt, die weiße Haut ins Gras (taucht),
dann bebt der Schlummer im Stein.
Und es ist dem Stein, als wüsste er zu schlafen.


Im Traum können wir schlecht lieben.
Aber wir träumen doch die ganze Zeit."

...erkenne ich persönlich, dass es ein Gedicht von Lisa ist (oh, wie gemein von mir!) :smile: !

Ich möchte mich gar nicht so genau auslassen, aber ich glaube: Lisa, das kannst du auch einfacher ausdrücken! :smile:

Ich meine, findest du das besonders gelungen (wenn ja, erkläre mir!):

"das, sobald es die Wohnung verlässt,
von der Furcht vor der Plötzlichkeit eines Unfalls befallen wird,
etwa ein Auto käme aus dem Nichts und risse es um,
wenn es die Straßenseite wechselt,
und das nur deshalb auf den Straßen ist,"


Da denke ich: Nanu! Was ist denn bloß mit dem Platz los :smile: ? Was ist denn da passiert?

Ich hätte das gerne etwas konkreter. Soll ich dazu auch einen konkreten Vorschlag machen oder möchtest du das tun oder findest du das unplausibel, was ich sage :smile: ?

Die letzten zwei Zeilen finde ich zwar etwas groß-gestisch, aber wann hat man schon mal Gelegenheit zu großen Gesten :smile: ? Liest sich jedenfalls sehr weise und ich denke gerne darüber nach :smile: !

Insgesamt ein sehr schöner Text, finde ich.

Grüße den Platz von mir oder die Plätzin... Ich bin sehr angetan von ihrem gutmütigen Charakter!

:blumen:

l

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 12.01.2011, 20:58

Hallo,

habt lieben Dank für die Rückmeldung :-)

Gabriella, dass du den Text nicht erkannt hast, dabei fiel mir die Idee dazu doch zu einem Monatsthema ein (Körper), nur bekam ich ihn nicht fertig damals - also wirklich! :razz: :mrgreen:

Ich antworte mal etwas zusammenfassend:

Leonie und wüstenfuchs, ich weiß, worauf ihr hinweisen möchtet, aber ich glaube eigentlich nicht, dass der Text durch das P. zu einem Rätselraten gerät. Die Idee des Textes war so etwas wie einen Ort/einen Platz (Raum) und das Innere von Menschen zusammenzuerzählen, weder der Platz noch das Menschliche sollte darin vorrangig Gestalt annehmen, es sollte eine Art Mischdarstellung werden, in der etwas schwingt von der Schwierigkeit sich zu fühlen, sich im Verhältnis zum anderen zu sehen, Grenzen zu ziehen und dergleichen (Kann man das, was einem Platz, geschieht auf Menschen erzählen und kann man damit etwas über Menschen erzählen, was man sonst nicht erzählen kann und vielleicht auch umgekehrt). Wenn ich das P. streiche, verschwindet für mich der Ortsbezug zu stark. Und ich mag die ganze Phrase auch klanglich. Man kann es schön hart aussprechen.

Das Wasser und insbesondere die Fontäne sind vielleicht am häufigsten erwähnt, auch Konzentrationspunkte, aber gemeint ist schon der ganze Platz, die anderen Kreise, das Getier, die Häuser (Fenster) umher. Das "sie" bezieht sich darauf, dass ich den Platz als weiblich setze.

Franz: Die Sprache soll durchaus etwas überzogen oder distanzierend wirken, irgendwie "soldatenlieblich", falls das etwas aufnimmt, was du meint. Ich wollte den Ton des Platzes treffen, der einerseits, kaiserlich, 100 Jahre alt und dann wirklich weich und warm genutzt wird von vielen Menschen und als letztes auch von der Stadt auf fast schon perverse Weise gereinigt wird (Müll wird alle paar Tage aufgepiekt, im Sommer wird dauernd der Brunnen vollgereinigt, Blumen und ganze Büsche werden im Frühling blühend in den Boden gestampft und im Herbst rausgerissen (auch die, die wieder blühen würden), Steine werden abgespritzt, der Rasen gemäht, die Kieswege gehakt...Laub gefegt, Eis gekratzt usf...wirklich fast jenden tag rückt da irgendeine Einheit an).
Da jetzt noch in Bezug auf meine gründe für den Stil mehr zu sagen, würde dann eher verquer werden, fürchte ich, ich hoffe, das ist OK so als Antwort. (danke für deinen Vorschlag, ich nehm das wahrscheinlich so in etwa).

Fenestra (und auch Louisa weiter unten): Ich habe "Müßiggänger und Tagediebe" geschrieben, weil ich damit grammatisch eine Art Ausruf (sowohl von der erzählinstanz oder auch vom "Platz") möglich machen wollte, ich denke, das ist erzählstimmentechnisch möglich. ich hatte erst zur Markierung ein ! dahinter, aber das gefiel mir vom Druck der Stimme dann nicht). Ich finde es OK so.
bei dem Ungeziefer handelt es sich um Ratten, da werden regelmäßig Giftköder ausgelegt.
Und: na klar kannst du das mit dem Kitsch sagen. Ich bin durchaus nicht ungefährdet da! Die letzten zwei Zeilen wegzulassen, hatte ich auch schon überlegt, da mir der Gedanke zwar einerseits gefällt, andererseits selbst auch "großgestisch" (<---gut getroffen Louisa ) daherkommt. Ich frage mich, ob das, was ich erzählen will, auch ohne die Zeilen erzählt wird und ob es überhaupt "wirklich" das ist, was ich sage oder ein stilisierter Selbstbetrug (=mein Libelingskitschtopf). Keine Ahnung :smile:
Allerdings hatte ich eigentlich Zweifel bei den ganzen letzten vier Zeilen. Wenn dann würde ich wohl so enden lassen:

dann bebt der Schlummer im Stein
, als wüsste er zu schlafen.


Das "bebt" gefällt mir auch nicht gerade, aber ich wollte unbedingt ein Wort, das möglichst wenig belebt, also auch noch als "physikalisches Phänomen" lesbar ist.
Und mir gefällt nicht, dass der bezug unsicher ist @"er". Vielleicht trotzdem besser?


Max: Ich finde das eigentlich eine gute Frage, ob ich hier etwas genau beschreibe, wie es ist. Natürlich gibt es das nicht, aber im Sinne meiner Signatur würde ich genau sagen: Ja, mithilfe bestimmter Verfahren beschreibe ich es (bestimmte Dinge, die sonst ausgelassen werden) zumindest eher wie es ist. .-) - jedenfalls, wenn es hinhaut.


Quoth: Ich habe schon öfter bemerkt, wie genau du recherchierst und denke, es ist kein Zufall, dass du den realen Bezug hier aufgetan hast. Danke, dass sich dadurch eine Diskussion öffnen könnte! Du bist da auf deine Art sehr text"würdigend" (die Anführungsstriche dafür, damit es nicht zu dicke klingt).
Zu den Kürzungsvorschlägen: Ja, könnte ich machen. Es ist nicht so, dass ich deine Varianten nicht bedacht hätte. Der tonlose Ton gefällt mir allerdings nicht so, aber das tonlos streichen wäre vielleicht möglich, aber mir ist gerade wichtig, eine "widersinnige" Art des Auseinanderfallens zu beschreiben und für mich hat es etwas totes/tonloses, wenn ich mir faseriges Holz vorstelle, dass glatt in Scherben zerbricht, ich finde das ganz unheimlich, aber vielleicht habe ich da auch einfach eine nicht nachvollziehbare Phantasie, möchte aber nicht auf sie verzichten). Bei den anderen Stellen überlege ich allerdings auch. Ich gebe auch zu, dass diese Stellen noch relativ frische Bearbeitungen sind (genauso wie das Ende) und ich da meistens nach einiger Zeit selbst denke, dass diese Verdeutlichung nicht zielführend ist; allerdings erscheint es mir dafür zunächst umso wichtiger :pfeifen: :smile: , mal schauen.


Xanthippe: :hut0039:

ich bastel noch ein bisschen und meld mich dann wahrscheinlich nochmal.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.


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