Das ABC

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Last

Beitragvon Last » 09.01.2011, 12:03

Das ABC

Aber, so denk' ich mir: Ich

Brauche mich selbst, aber sonst?

Ceine Verbindung zur Welt.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 14.01.2011, 12:27

Hallo Last!

Hm, da fehlen mir wohl die richtigen "poetischen Fühler" - bei mir kommt vor allem Leere an? Oder vielleicht habe ich ja die richtigen Fühler, kann aber das, was einkommt, nicht richtig verarbeiten. Jedenfalls siehst du mich ratlos. Ich kann zum Beispiel die dritte Zeile nicht sinnvoll anbinden (über ihre Aufgabe hinaus, das "C" aufzufangen, natürlich).

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.01.2011, 13:04

Die Leere, ferdi, halte ich für beabsichtigt, durchaus auch gekoppelt mit generierter Ratlosigkeit.

Ich werde beim "C" allerdings zu ratlos. Ginge das ABC weiter, würde ichs vielleicht schlucken, aber so als letzte Zeile dümpelt mir die C-Zeile zu sehr herum.

Last

Beitragvon Last » 15.01.2011, 09:43

Hallo ihr beiden,

danke für die Rückmeldung.

Ja, was soll ich dazu sagen? Wenn die C-Zeile sich verschließt oder nicht ankommt, gibt es auch kaum einen Zugang zur kleinen Dichtelei. Dann hat man als Leser wohl auch wenig Freude daran. :confused:

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 15.01.2011, 18:22

Hallo,

das K-ersetzende C mag den Verbindungsabbruch symbolisieren: Das C klingt wie ein K, sieht aber anders aus.

Und weil in der Zeile die Verbindung abbricht, endet da auch das ABC.


Servus

Pjotr

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 15.01.2011, 18:57

Ja, Verbindungsabbruch im Sinne von Hilflosigkeit des Ich - so seh ich das.

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 15.01.2011, 21:07

Lieber Last,

ich dachte eigentlich, dass dieser Text der klarste Text ist, den ich je von dir gelesen habe, aber vielleicht lese ich ihn auch zu eindimensional?
Für mich geht es darum, wie das Ich "definiert" wird und dass der Versuch, sich dort selbst zu behaupten, selbst die Spielregeln aufzustellen, eben nicht funktioniert. Das Ich ist ein Gemeinschaftsprodukt, obwohl es gerade entscheidend für es ist, dass es sich nicht so anfühlt, weshalb es dann wieder auf die Idee kommt, aber zu sagen. Das ist schon eine ziemlich widersinnige Sache das ganze. (ich habe gerade erst was tolles dazu gelesen, aber ich komm gerade nicht drauf, was es war, da ging es jedenfalls auch darum, dass gerade aus der Gemeinschaftsbildung auch die Aggression entsteht, eben weil ersteres auch mithilfe von Abgrenzung funktioniert).

Daraus entsteht eigentlich die Spannung des Textes, der das ganze anhand der Sprache erzählt, weil Sprache ja eine Form, wenn nicht die Form der Gemeinschaft ist, das daran zu erzählen (oder die Trennlinien da gar aufzuheben) ist ja seit der neueren Philosophie ziemlich etabliert.

Dabei ist der Text nicht nur, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint, wie eine Art logischer Schluss aufgebaut, sondern Zeile 1 und zwei sind noch sehr in einander verstrickt (siehe etwa das "aber") und jeweils in sich auch nochmal lesbar/strukturiert. Das finde ich ganz wichtig, damit der Text insgesamt nicht zu logischweisheitlich daherkommt. Zeile 3 dagegen ist sehr stringent/klar gesprochen, obwohl sie zweifach zu lesen ist (in Pjotrs Sinne: Das ABC kommt nicht zustande (Verbindungslosigkeit zur Gemeinschaft macht es dem Ich nicht möglich) und zugleich ist dieses nichtzustandekommende ABC(DEFGH...XYZ) eben doch ein ABC, in dem Abbruch - auch wenn das nicht behauptet werden kann und außer im kurzen Akt auch vom Ich nicht erfahrbar ist.
Die Klarheit der letzten Zeile zeigt ihre Verbindugnslosigkeit/Nichtverstrickung (ich finde das sprachlich schön gemacht, weil du sprachlich hier mit dem Lesefluss arbeitest: Zeile eins und 2 sind verhakt, kreuzig, wie die Gemeinschaft, Zeile 3 ist danach - im Sinne des Aberversuchs des Ichs (oder nicht-Ich's .-)) sehr angenehm zu lesen, als erleichterung; und dann ist es schon vorbei.

Ich mag es, diesem Text zu folgen und hab ihn gern gelesen, was mir im Vergleich zu deinen anderen Texten abgeht, ist ein Berührungspunkt. Das kann natürlich so gewollt sein, weil der Text dann noch einmal "macht", was die Erzählinstanz macht, aber ob das funktioniert? Ist immer dann eine Frage, auf wen es zurückfällt bzw. ob der Text einen dranhält. Auch durch Verweigerung geht das ja durchaus. Da bin ich noch unsicher.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 15.01.2011, 22:06

Hallo Lisa.

Lisa hat geschrieben:(ich habe gerade erst was tolles dazu gelesen, aber ich komm gerade nicht drauf, was es war, da ging es jedenfalls auch darum, dass gerade aus der Gemeinschaftsbildung auch die Aggression entsteht, eben weil ersteres auch mithilfe von Abgrenzung funktioniert).
Das habe ich auch mal irgendwo gelesen. Ein interessanter Gedanke. Ich denke, es kommt auf die Art der Gemeinschaft an. Nur wenn sie geschlossen ist, also wenn ihre Größe limitiert ist, arbeitet sie mit Abgrenzung. Hingegen würde eine offene, fruchtende Gemeinschaft genau dadurch vernichtet. Daher ist, meiner Ansicht nach, das Ausmaß gemeinschaftsbedingter Aggression abhängig davon, ob es eine offene Gemeinschaft ist oder eine geschlossene (wie etwa im Geborgenheitswahn eines nationalistischen oder rassistischen Inzests).

Jede Gemeinschaft hat Probleme, die offene wie die geschlossene. Die offene Gemeinschaft hat allerdings mehr Ohren, sie bekommt mehrere Ideen zu hören, betreibt mehr Experimente, ist neugieriger: damit hat sie mehr Chancen, Probleme zu lösen. 26 Verbindungen sind besser als 3.


Servus

Pjotr

Last

Beitragvon Last » 15.02.2011, 11:25

Liebe Lisa, lieber Pjotr,

besser spät als nie melde ich mich auf eure feinen Kommentare zurück.

Ich denke, dass ihr beide ganz recht habt mit euren Überlegungen zum K-ersetzenden C und zur Eindimensionalität des Gedichts. Mir ging es hier in erster Linie um die Einübung einer Schreibtechnik, ein System aufzubauen, das notwendigerweise in einem Fehler mündet; ich wollte quasi einen Text schreiben, der das Unmögliche versucht und daran scheitert.

Inwiefern hier Berührpunkte fehlen, kann ich selbst nur spekulieren. Die Spielerei mit den Buchstaben empfinde ich persönlich als humoristisch, weil der Sprecher sich mit der Fortführung seines Konzepts selbst in Bredouille bringt. Das ist aber, zugegebener Maßen, eine sehr trockene Art von Humor.

Danke für's Lesen und Kommentieren.

LG
Last


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