und warum (fast eine moritat)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 27.12.2010, 17:45



und warum (fast eine moritat)


und hatten sich doch ihre finger gebrochen
die sehnen zerrissen
beim tasten begreifen
beim verhindern und halten die finger gebrochen

und jedermann fragte warum

und hatten sich doch ihre beine gestoßen
beim gehen geprellt
zwischen schließenden türen
an ecken und kanten die beine gestoßen

und jedermann fragte warum

und hatten dann still ihre münder gehalten
mit zähnen die knirschten
im sprachlosen schlucken
mit lahmen zungen die münder gehalten

und niemand fragte warum

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 29.12.2010, 11:21

Gute Arbeit, Niko, gefällt mir insgesamt sehr gut.
Die Brechungen mit dem 'und jedermann' versus 'und niemand' fallen gegenüber dem Rest ab und sind für mein Gefühl entbehrlich (ganz weg oder stattdessen vielleicht nur ein einfacher Reflex: und warum). Auch die "Ecken und Kanten" sind ein bißchen abgegriffen und prellen/ stoßen noch nicht genug - vor allem im Vergleich zum brutalen Anfang, wo die Sehnen zerreissen.
Grüße
Franz

Max

Beitragvon Max » 29.12.2010, 13:41

Hallo Niko,

was die einzeln stehenden Zeilen angeht, so stimme ich mit Franz überein - wobei das "Abfallen" auch daher kommen kann, dass die drei längeren Strophen sehr kräftige Vokabeln verwendet. Obwohl ich übrigens kein Freund von Interpunktion bim, fehlt mir hier

beim tasten begreifen


Hier führt die (vielleicht fehlende) Interpunktion zusammen mit der gemäßigten Kleinschreibung zu ein paar seltsamen Lesarten.
Insgesamt würde der Texte bei mir noch mehr innere Stellungnahme erzeugen, wenn ich einen Bezug kennte.

Liebe Grüße
Max


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