Allgäuer Herbsttrilogie II u. III

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Herby

Beitragvon Herby » 30.11.2010, 19:07

Allgäuer Herbsttrilogie
(Von Rehen und anderen Fluginsekten)

(Eins für Mucki, eins für Tom ... :pfeifen: )


II
Ein Reh, es litt gar sehr an Schnupfen,
tat schniefend durch die Wälder hupfen.
Da rief von fern der alte Hirsch:
„Sieh dich bloß vor, denn es ist Pirsch,
du kennst den alten Leopold,
dem ist kein Waldtierleben hold.“

So suchte es ob dieser Warnung
und weil’s am Leben hing, nach Tarnung.
Der Jäger lag und lauerte,
das Reh stand still. Es dauerte.
Da wuchs in Bambis Nas‘ ein Niesen,
im Waidmann Frust, er wollte schießen.

Und es geschah: das Reh, es noss,
Leo schoss.

Fazit:
Nasenreiz plus Jägerschrot
beschleunigen des Wildes Tod.



III
Ich saß bei Speis und rotem Wein,
doch blieb ich nicht sehr lang allein.
Als Gast flog Frau Drosophila
zu Tisch und sprach: „Was riech ich da?“
Drauf stürzte sie, wie ferngesteuert,
sich in mein Glas. Ist das bescheuert?!

Das Tier fand einen feuchten Tod,
beschwipst, doch ohne Ton,
in meinem Côtes
du Rhone.


Fazit:
Für Tiere, die zu spät bedenken,
wohin die Triebe sie wohl lenken,
wird durch des Rebensaftes Duft
ein Trinkgefäß sehr schnell zur Gruft.


(Ich hab ausnahmsweise gleich beide eingesetzt, dann hamwer's hinter uns :smile: )

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 30.11.2010, 19:43

Oh Herby, mein Meister der Reime! :nicken:

es ist wunderbar und liest sich gar so köstlich! :mrgreen:
Aber, du böser böser du! Wie kannst du nur die armen Viecher alle krepieren lassen? *empörtbin*

Glucksende Grüße
Mucki

scarlett

Beitragvon scarlett » 30.11.2010, 20:22

mein gott, ist das köstlich zu lesen und gut gemacht!!!!

herby, dabnke für diesen lesegenuss!

herzlichst,
monika

Benutzeravatar
Lisa
Beiträge: 13944
Registriert: 29.06.2005
Geschlecht:

Beitragvon Lisa » 30.11.2010, 22:15

Hallo Herby,

:totlach:

ich habe auch über alle drei herzlich gelacht! Kommt bei mir fein gemacht und angenehm skurril an!

Minianmerkung: Ist ein Reh Dammwild? dann könnte man eventuell "des Wildes" durch Dammwild ersetzen, klänge weniger versgeschuldet?

Mehr! Dekalogie bitte!! Mindestens .-)

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Niko

Beitragvon Niko » 30.11.2010, 22:56

Für Tiere, die zu spät bedenken,
wohin die Triebe sie wohl lenken,
wird durch des Rebensaftes Duft
ein Trinkgefäß sehr schnell zur Gruft.


das ist für mich unbeschreiblich gut, herby! heinz erhardt, der von uns zitierte, hätte das nicht besser machen können! ganz ehrlich - grandios!!!

liebe grüße: niko

Quoth
Beiträge: 1853
Registriert: 15.04.2010
Geschlecht:

Beitragvon Quoth » 01.12.2010, 15:52

Gefällt mir gut, Herby, hat Eleganz!
Als alter Weidmann muss ich freilich eine winzige Anmerkung machen: Auf Schalenwild (und dazu gehört Rehwild) darf in Deutschland nicht mit Schrot geschossen werden. Dein Jäger hat sich also zu allem Überfluss auch noch eines illegalen Schrotschusses schuldig gemacht (http://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/__19.html).
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 01.12.2010, 22:02

O Dichter Herby sei nicht streng
- sieh bitte Poesie nicht so eng
Und diese Zeilen nur als Huldigung
Als Zeichen meiner Bewunderung

----

Da ich im Allgäu weil zuweilen
Kann ich dem Drang nicht widerstehn,
Meinen Eindruck mitzuteilen
Von den Tieren, die ich hier gesehn.

Tiere gibt es hier in Massen,
Die sich alle sehen lassen,
So: fahren Ponies, Esel-, Pferdgespann.
dich bis zu jenem Dorf
Wo gestochen wird Wurzacher Torf-

Dort Tony eine Kneipe hat,
Im Garten, hinter Maschendraht,
Australiens majestätische Strauße
Die wandeln hin, die wandeln her
Fühlen sich wohl nicht zu Hause
Federn beben, Herzen pochen sehr.
Tonys Kneipe bietet seinen Gästen
ein Riesenomelett, als wollt er sie mästen

Für kleine und für große Leute
ein Rührei, das man nicht vergißt
den kleinen Franz trifft es heute,
er will's partout nicht essen, so ein Mist!

Der Eltern Freud war ihm nicht einerlei.
Zwar ess ich nichts von diesem Ei,
Doch wenn ihr wollt, gehn wir zu den Lamas hin,
Gleich um die Ecke, bei meinem Freund, dem Köhler Tim,

Tim sagt, es wär klasse zuzukucken
Wie die Lamas einander bespucken.

Den Lamas brauchen wir nichts zu stehlen
Wir werden sie auch gar nicht quälen,
Wir sehen nur ein Stündchen zu,
Wie sie sich verhalten, zu ihrem Du.


Ich find der Kanbe hat Manieren
seine Eltern so nett an der Nase rumzuführen.

+++++



[hatte große Probleme mit dem Mittelteil .. alles viel zu lang ...)

Herby

Beitragvon Herby » 06.12.2010, 17:03

Meinen herzlichen Dank allen, die bei den Texten schmunzeln konnten.
Liebe Grüße
Herby (etwas indisponiert z.Zt., daher so kurz)


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 15 Gäste