Allgäuer Herbsttrilogie I

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Herby

Beitragvon Herby » 21.11.2010, 22:18

Allgäuer Herbsttrilogie
(Von Rehen und anderen Fluginsekten)

I

Wie fern ist mir die laute Welt,
schau ich vom Tal auf Bergeshöhen.
Das Laub ist gülden, grün die Matten,
ein Wegkreuz grüßt im Waldesschatten,
ich kann mich gar nicht satt dran sehen.
Ein wack’rer Landmann pflegt sein Feld.

Leise wogend steht der Tann,
in den, leicht saisonal verbittert,
das scheue Reh entweichen kann,
wenn es um seine Teile* zittert.
Mein Herz trinkt aus der Schönheit Fülle,
nur um mich rum, da stinkt’s nach Gülle.

(* vorzugsweise Rücken und Keule)

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 21.11.2010, 23:56

Hallo Herby!

Sehr treffend. Nach Gülle stinkt es allerdings auch hier im westfälischen Tiefland ;-)

Wobei ich mich ja schon frage, ob du die ersten vier Zeilen der zweiten Strophe wirklich brauchst?! Das empfinde ich als "Zwischenpointe", die zwar in sich nett ist, aber den Zusammenhang zwischen der ersten Strophe und dem schließenden Verspaar doch arg schwächt.

In der ersten Strophe verstehe ich nicht ganz, warum das "Ich" sich gerade am Wegkreuz nicht sattsehen kann?!

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.11.2010, 00:06

Lieber Herby,

einfach wunderprächtig und köstlich geschrieben.
Am meisten hab ich bei deinen klein geschriebenen Sätzen gelacht! :spin2:

Mit vorfreudigen Grüßen auf die zwei weiteren Teile der Trilogie
Mucki
P.S. Ich hoffe doch, dass du die Vogelattacke á la Hitchcock auch verdichten wirst!

Herby

Beitragvon Herby » 22.11.2010, 21:12

Hallo ferdi,

für deine Rückmeldung danke ich dir herzlich. Du sprichst den Beginn der zweiten Strophe an - es sollte auch eine Zwischenpointe sein, doch ich verstehe, was du meinst im Hinblick auf den Strophenzusammenhang. Vielleicht kann ich es "umbauen", mal sehen.
Das "sattsehen" bezieht sich jedoch keineswegs nur auf das Wegkreuz, sondern auch auf die Verse zwei, drei und vier. Ist das missverständlich?

Hi Mucki,

es freut mich, dass ich dich zum Schmunzeln bringen konnte. Ja, ja, das Kleingedruckte... ;-) Die photographisch dokumentierte Vogelattacke hat sich jedoch bisher standhaft jedweden Bedichtungsversuchen verweigert... ich sach ja: Biester! :smile:

Euch beiden liebe Grüße,
Herby

Quoth
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Beitragvon Quoth » 22.11.2010, 21:51

Wer das Land wirklich liebt, lieber Herby, der schließt die launigen Verse nicht mit einer solche Beschwerde ab, sondern schreibt z.B.: "die Lunge schwellt der Duft der Gülle." Dann kann der Leser es sich selbst überlegen, ob er diesen Duft wohl auch als solchen zu empfinden fähig und bereit wäre!

Was die Invasion der Vögel betrifft - wie wäre es mit:
"Die Spätzle teile ich mit Spatzen,
ich hungere und hör sie schmatzen!"

Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Herby

Beitragvon Herby » 23.11.2010, 21:22

Werter Quoth,

ich gebe ja gerne zu, dass ich ein Großstadtmensch bin, der aber gerade deshalb dem Landleben, so es denn zeitlich begrenzt ist, durchaus positive Seiten abzugewinnen weiß. Es jedoch zu lieben, überstiege meine emotionalen Möglichkeiten. Von daher differiert wohl unser Verständnis des Nomens "Duft" im Zusammenhang mit Gülle. :neutral:

Deine Verse zu meinen (Spatzen-)Photos gefallen mir dagegen ausnehmend gut, sie treffen den Punkt haargenau.

Hab lieben Dank für deine Rückmeldung, die ich mit Schmunzeln gelesen habe.

Herzlichst,
Herby

jondoy
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Beitragvon jondoy » 24.11.2010, 15:02

Hallo lieber Herby,

ich kenne eine blitzgescheite, authentische Bohéme, wie man sie selten findet, die wollte mal von der Großstadt raus aufs Land (natürlich nicht in ein bürgerliches Haus) ziehen (sie tippte darauf, dass der Vulkan, auf dem unsere Gesellschaft lifestylt, jetzt schon ausbricht); sie bat mich wegen ihres Plans um Rat. Es stellte sich raus, sie hatte, obgleich sie so klug, intelligent, und weit gebildeter als ich bin, so märchenhafte Vorstellungen darüber (vom Landleben), dass ich geradezu erschüttert und perplex war über solch unschuldige Naivität.
Ich finde gut, wenn und dass Menschen so vielschichtig sind, meine Erfahrung ist, dass sie gleichzeitig so viel und so wenig wissen.
Wenn ein Text ein Reh wäre, wäre ein Jäger nicht weit.

Namaste, Stefan

Herby

Beitragvon Herby » 26.11.2010, 20:33

Hallo Stefan,

wenn ich an Quoth schrieb, ich könne dem Landleben durchaus positive Seiten abgewinnen, stimmt das natürlich nur bedingt. Denn ein 14tägiger Aufenthalt in einem Wellnesshotel hat ja mit Landleben, selbst wenn es auf dem Land liegt, nur sehr bedingt zu tun (um es einmal vorsichtig auszudrücken). Die Idee, tatsächlich aufs Land zu ziehen, liegt mir dann doch eher fern, da würde mir zuviel fehlen.

Ansonsten ist deine Anmerkung

jondoy hat geschrieben:Ich finde gut, wenn und dass Menschen so vielschichtig sind, meine Erfahrung ist, dass sie gleichzeitig so viel und so wenig wissen.


von nachgerade philosophischer Nuancierung :smile:

Liebe Grüße,
Herby

jondoy
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Beitragvon jondoy » 29.11.2010, 15:03

Hallo Herby,

den Text hatte ich vor Tagen angeklickt wegen des Titels. Der Text selbst hätte mir keinen Kommentar entlockt, die Überschrift, der Textinhalt und die Kommentare, dieses - ich nenns jetzt adjektivlos (neutral) - ... Konglomerat war es, das mich spontan dazu animiert hat, eben so drauf zu antworten.

Hab vorhin die Rubrik gelesen, unter der der Text steht. Da steht tatsächlich "Humorige und satirische Lyrik", also reinpassen tut der Text hier dann wirklich. Ich persönlich empfind diese beiden Komponenten "Humorig und satirisch" und "Lyrik in Verflechtung fast als Widerspruch, eine seltsame Mischung, wär jedenfalls niemals mein Ding.

Schön, dass du so entspannt darauf geantwortet hast!

Namaste, Stefan

Niko

Beitragvon Niko » 29.11.2010, 15:44

gefällt mir sehr, herby! als langerprobter allgäu-reisender (meist wangen - ravensburg und den ganzen see herum) g´fallt mer des säääähr.
du horch amoal: i khennt mir denke, das es grad köstlicch wär, des ganze in schwäbisch zu schreibe....was moinscht?

heidenei: niko

Herby

Beitragvon Herby » 29.11.2010, 23:09

Hallo Stefan,

ich danke dir gleich zwiefach - zum einen dafür, dass du dich, konglomeratanimiert, doch noch zu einem Kommentar aufgerafft hast und dann zum anderen für deine - das ist jetzt bitte keine Ironie!! - feinfühlige Art der Meinungsübermittlung zu meinem Text selbst.* Du hättest aber auch ruhig schreiben können: "Ich finde diesen Text Schrott" oder ähnlich, ohne mich in ein tiefes Loch zu stürzen. Im Alter sieht man viele Dinge gelassener ;-) (das auch als Erklärung für deine Schlussbemerkung), und dies besonders, wenn der Text nicht mehr als eine Fingerübung aus einer Urlaubslaune heraus war, die keinerlei Anspruch auf Anspruch erhebt (Achtung: die folgenden beiden Texte der Trilogie werden, fürchte ich, noch schlimmer). :smile:

Was ich jedoch nicht verstehen kann, ist die Unvereinbarkeit, die sich für dich aus den Begriffen Humor und Lyrik zu ergeben scheint. Dass mein Text zumindest in die Rubrik passt, empfinde ich ja als irgendwie tröstlich, aber wo liegt für dich der Widerspruch? Lyrik und Humor gehen für mich durchaus zusammen.

edit: ich sollte sorgfältiger formulieren... Der erste Satzteil ist ebenso ironiefrei gemeint, Stefan!


Hi Niko,

hab herzlichen Dank für deine Antwort, wenn sie mich auch entschieden überfordert. Des Schwäbischen bin ich nun so überhaupt gar nie nicht mächtig, weder in Sprache noch in Schrift, es klingt in meinen Ohren immer wie Schnupfen (ich entschuldige mich hiermit ausdrücklich bei allen Salonschwaben). Solltest du aber als dieser Mundart offenbar Kundiger noch Aufträge annehmen, würde ich dir gerne denselben erteilen für die Übersetzung ins Schwäbische. Vielleicht täte sich so ja noch eine weitere Karriere für dich auf (der Harry Rowolt des Allgäu ;-) Über deine Gehaltsvorstellungen reden wir dann später.

Nein, ganz im Ernst jetzt, es freut mich, Niko, dass dir mein Text gefällt.

Euch Beiden (schreibt man das jetzt nun eigentlich groß oder klein? Ich lern's nie!) liebe Grüße,
Herby

jondoy
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Beitragvon jondoy » 30.11.2010, 11:17

Hallo Herby,

wollte doch gar nichts mehr dazu schreiben :-) , doch deine Antwort kann ich jetzt nicht einfach so stehen lassen.

Ich hätte bei diesem Text hier ganz bestimmt nicht schreiben können: "Ich finde diesen Text Schrott" oder ähnlich.
Ich les zwar oft balla balla (also oft was ganz anderes, als tatsächlich da steht, ich weiss nicht an was das liegt, vermutlich hat mir eine unbekannte Fee eine nicht in Zaum zu haltende Phantasie in die Wiege gelegt), aber das eine zumindest :-) hab ich dennoch bereits beim ersten Lesen bemerkt :-) , dass da jemand in einer ausgesprochen lyrischen Sprache (hier eher die "klassische" Form) schreibt. In dieser Sprache zu schreiben ist in meinen Augen allein schon eine Kunst (in so einem Korsett zu schreiben), finde ich. Außerdem, wenn mir ein Text persönlich nicht gefällt, heisst das ja natürlich noch lange nicht, dass der Text nicht "gut" ist, es ist mich Leser ja zuallerst (auch) eine Geschmacksfrage.
Das Wort "die folgenden beiden Texte der Trilogie" hätte ich selbst natürlich nicht in den Mund genommen, aber lesen zumindest werde ich sie, die anderen "Teile", sobald mir das möglich ist.

Das, was du da im ersten Satz deiner Antwort schreibst, triffts genau. Ich wollte dazu meine ehrliche Meinung schreiben ("übermitteln"), ohne zu verletzen. Das ist so ein schmaler Grat, und ich bin da nicht schwindelfrei (ich erinnere mich noch sehr gut an einen versteckten Fingerzeig: "das richtige Maß finden") :-)

Die Unvereinbarkeit, die ich dabei empfinde (bei der Symbiose "Lyrik und Humor"), wie kann ich das so auf die Schnelle oder überhaupt erklären,... tja, wenn ich an Lyrik denke, geht mir eigentlich immer zuallererst Poesie durch den Kopf, für Poesie bin ich empfänglich, in dem Moment, wenn es Poesie ist, ist mir nicht nach Satire, ich denk da natürlich mehr an Satire als an Humor, auch wenn es hier in diesem Text nicht um Satire, sondern um Humor handelt, wenn´s Humor sein soll, dann lieb ich persönlich halt mehr feine (Selbst)-Ironie, weniger so das Lachen über A(a)ndere (Dinge). Und wenn es Satire sein sollte, dann ist mein Geschmack...kräftiger, wilder, ironischer.

Ironie mag ich übrigens sehr, es hätte ruhig auch ironisch gemeint sein dürfen. :-) Entspannt zu sein ist für mich im Moment sozusagen geradezu...Pflicht :-) .

Namaste, Stefan

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.11.2010, 12:37

Hallo Herby,
Herby hat geschrieben:(Achtung: die folgenden beiden Texte der Trilogie werden, fürchte ich, noch schlimmer). :smile:

das macht mich natürlich neugierig! Also her damit! :mrgreen:

Saludos
Mucki

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 30.11.2010, 14:12

Leise wogend steht der Tann ...

Herbert, das ist einfach pomfortionös!!! So wie der ganze Text.

Lediglich die prophezeiten Fluginsekten finde ich käumlich darinnen, aber das wird vermutlich einer der noch fehlenden Teile deines Triptychons auflösen?
So darf man gespannt sein?
Man ist.

Leise schmunzelnd steht der
Tom :o)
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)


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