und ein seufzer

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 18.11.2010, 20:29




und ein seufzer


meine züge
sind in allen dekaden gleich
über den wortgleisen
surrt die einsamkeit
entlegener wahngleise

und innen unter der aircondition
gedanken to go
und ein seufzer
im vorbeischießenden licht
nichts entgleist
beim niemals ankommen

im kopfbahnhof

dann sie an der schwelle
und zwischen einem augenwort und mir
legt sich der wind schlafen
Zuletzt geändert von Niko am 04.12.2010, 09:38, insgesamt 2-mal geändert.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 03.12.2010, 21:38

Hallo Niko!

Es ist schon komisch... Das scheinen doch bis ins letzte durchgestaltete Zeilen zu sein - warum regt sich dann so gar nichts bei mir? Kein Mitgehen, kein Berührtsein, nichts. Ich bin jetzt schon zum wiederholten Mal hier (manchmal hinft ja Geduld), aber alles, was sich nach dem erneuten Lesen einstellte, war ein Tolkien-Zitat:

Die Geschöpfe deiner Kunst leben nur aus deinem Sein; sie bewegen sich, wenn du gedenkst, sie zu bewegen, und wenn dein Gedenken anderswo weilt, stehen sie still. Ist es das, was du begehrst?!

Was auch immer das nun bedeutet :confused:

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Niko

Beitragvon Niko » 03.12.2010, 21:48

erst einmal wirklich aufrichtigen dank für deinen kommentar, ferdi. in diesen tagen ist das meine gedichte betreffend nicht selbstverständlich, dass sich kommentare unter meine texte verirren.
und ja: du hast recht - meine texte geben nichts her. du kennst es vielleicht auch. die durststrecken in denen sich schreibtechnisch nichts bewegen will. wo man sich sogar von dem schreiben abwendet oder es meidet, weil man ja eh ahnt, dass man nix zu wege bringt. aber dennoch ist da eine innere unruhe, ein trieb. der sich nicht mit auszeiten begnügen will, der schreiben will.

und diesem kampf versuche ich durcch schreiben nachzugeben. wohlwissend, dass das ergebnis schwerlich qualität aufweisen kann. die ergebnisse sind halbherzig. vielleicht manchmal mit ein zwei aufhellern drin, aber nichts, wo ich sagen kann, dass es eine runde sache ist, die mich befriedigt.

und so entstehen solche texte.
in anlehnung an luther kann ich nur sagen" jetzt sitz ich hier und kann nicht anders". und hoffe, dass sich irgendwann der knoten löst.

liebe grüße: niko

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 04.12.2010, 00:43

guten Abend Niko,

Das was du über Durststrecken schreibst, kann ich sehr gut verstehen. Aber ich glaube auch, dass deine Texte odeer unsrer aller Texte nicht nur in von der Rezeption hier im Blauen Salon abhängig sind. Es sind Texte. Die Texte, die gefallen, sind nicht unbedingt unsere Besten.

Was Ferdi mit dem Tolkien-Zitat schreibt ist eine Formulierung dessen, was du hinzusetzest.

Ich glaubem dass die Gedichte, die du schreibst - allgemein - ganz stark von deiner Fähigkeit abhängen, den Wortlaut mit einer Intesität des Inhalts schwingen zu lassen. Wenn man ein Dutzend solcher Texte gelesen hat, erscheint das Orginelle nicht mehr im Vordergrund. Die Wiederkehr ist keine skandierende mehr, sondern eine numerierende.

Vielleicht wäre es gut, du schriebst mal einen Prosatext, eine Reflexion über eine hier angetroffene Problematik, über dein Unbehagen bei(m) etc ---- Zähnebürsten..

Entschuldige, wenn ich das hier OT so schreibe ...

liebe Grüße
Renée

in solchen Fällen sagt der Franzose : de quoi elle se mêle ... (was geht sie das an)
nicht viel, nur ein wenig ...

Niko

Beitragvon Niko » 04.12.2010, 09:02

es geht uns alle an, renée, denn wir schreiben alle texte und anscheinend durchleben wir so oder anders - dramatisch ausgedrückt - die gleichen qualen.

vielleicht geht es mir zu gut zum schreiben. am besten kann ich schreiben, wenn der deckel vom kochenden kessel fliegen will. wenn aber weder depressive gedanken noch der überschwang beispielsweise einer verliebtheit mir "zusetzen", ist die notwendigkeit des schreibens nicht gegeben.

ich habe im laufe der 10 jahre, in denen ich schreibe, festgestellt, dass gedichte immer auch etwas mit meiner lebenssituation zu tun haben. manchmal hält mir erst das lesen eines fertigen gedichts den spiegel vor augen.

gedichte ohne seele sind keine. da hat ferdi schon recht. es kommt - das habe ich selbst auch immer gesagt - viel stärker auf die schwingung eines textes an, auf das, was nicht lesbar ist, als auf die kunst des gestylten wortes.
und das fehlt mir im moment. im doppelten sinne.

ich habe - ja - angst, das nichts mehr kommt. mich hat der satz von grass auf eine merkwürdige art berührt, als er vor kurzem sagte: dies ist mein letztes buch. ich habe mich leergeschrieben." und im laufe meines lebens habe ich festgestellt, dass etwas, was mich ganz unerklärlich bewegt, wie dieser satz zb. mich irgendwann auf die ein oder andere weise auch mich treffen wird.

liebe grüße: niko

PS: wenn´s der moderation zuviel offgetoppel ist, dann mag sie den faden ins café verlegen.

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 05.12.2010, 20:56

Hallo Niko,

so ganz erschließt sich mir deine Klage nicht, das Rätsel des Schreibens ist doch sehr oft Teil des Schreibens selbst. So habe ich dein Gedicht auch gelesen und nicht als ungelungen empfunden. Schwierig für mich sind die letzten drei Zeilen, wo 'sie' auftaucht:

"dann sie an der schwelle
und zwischen einem augenwort und mir
legt sich der wind schlafen"

Dazu fiel mir als 'sie' nur die Muse ein, die das vergebliche Vor-Sich-Hinwerkeln im Konventionellen in einem Augenblick überwindet. Nur - was schläft da der Wind ein? Wünscht sich das schreibende Ich nicht eher, dass ein Sturm kommt und ihn aus den Gleisen ins Neue, Nie-Durchfahrene hebt?
Grüße
Franz


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