Version 2 (auf Anregung von Herby im Präsenz):
nachtjob
die halbe nacht
gleitet der suchscheinwerfer
ums haus
im fensterkreuz
zerspringt er
zwischen gläsern und porzellan
die bleichen polygone
auf den fliesen
vermesse ich
für meine nächste
mon > d’ spa / lter < ei)
nachtjob
die halbe nacht
glitt der suchscheinwerfer
ums haus
im fensterkreuz
zersprang er
zwischen gläsern und porzellan
die bleichen polygone
auf den fliesen
vermaß ich
für meine nächste
mon > d’ spa / lter < ei)
nachtjob
Liebe fenestra,
auf unheimliche Weise werde ich in die Atmosphäre hereingezogen, die entsteht, wenn in der Nähe eines, meines Hauses ein vermisster Mensch gesucht wird, womöglich ein Vebrechen begangen wurde. Aber das Rebus der Schlusszeile löse ich nicht auf, lande immer wieder bei "Mondspalterei" analog zu "Haarspalterei".
Gruß
Quoth
auf unheimliche Weise werde ich in die Atmosphäre hereingezogen, die entsteht, wenn in der Nähe eines, meines Hauses ein vermisster Mensch gesucht wird, womöglich ein Vebrechen begangen wurde. Aber das Rebus der Schlusszeile löse ich nicht auf, lande immer wieder bei "Mondspalterei" analog zu "Haarspalterei".
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
ich will ja nicht schon wieder die alte kontroverse aufbringen, ob es bei gedichten vordergründig um die entschlüsselung oder die wirkung geht (und vielleicht hängt das ja für manche leser auch untrennbar zusammen). aber ich denke der schluss (so wie ich ihn entschlüssele, nämlich indem ich ihn lese wie er da steht) untermauert einfach das bild, das zuvor gezeichnet worden ist, der mond, das licht der suchscheinwerfer, das fensterkreuz, ... wie die bilder, die lichter gespalten werden, was ja die assoziation zu wortspalterei noch zusätzlich erhält, also dieses gespaltene, ich merke, dass ich das nicht wirklich logisch erklären kann, aber für mich schliesst sich da ein kreis, wird das bild abgerundet, und das spüre ich eher, als es zu verstehen. aber für mich ist das völlig in ordnung.
ich denke der schluss ... untermauert einfach das bild, das zuvor gezeichnet worden ist,
Genau. Und das, was der schlaflose Dichter dann daraus später macht. So wars gedacht!
Vielleicht habe ich in der letzten Zeile mit der Zeichensetzung etwas zu viel gespielt?
Was mich verblüfft: Dass ihr den Suchscheinwerfer so wörtlich nehmt. Auch hier war eigentlich nichts anderes gemeint, als der Mond, ich dachte, dass müsste spätestens am Ende des Textes klar werden. Der Vollmond schaut im Laufe der Nacht in alle Zimmerecken, er leuchtet in jeden Winkel. Wer soll da noch schlafen?
Ich danke euch, dass ihr euch habt hineinziehen lassen in diese Vollmond- bzw. Scheinwerfernacht!
Viele Grüße
fenestra
-
Herby
Hallo Fenestra,
das gefällt mir zunächst einmal in seiner geheimnisvollen und atmosphärischen Dichte ausnehmend gut. Gelungen finde ich auch den Aufbau des Textes, der auf die letzte Zeile zuläuft, ebenso die treffliche Doppeldeutigkeit des Titels.
Ich frag mich gerade, ob sich durch einen Tempuswechsel ins Präsens die Intensität noch steigern ließe. Aber müde, wie ich bin, sollte ich diese Frage vielleicht besser auf wachere Zeiten verschieben...
Sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße in dein Wochenende,
Herby
edit: oder Präsens in der vorletzten Strophe?
"vermaß > vermesse"??
das gefällt mir zunächst einmal in seiner geheimnisvollen und atmosphärischen Dichte ausnehmend gut. Gelungen finde ich auch den Aufbau des Textes, der auf die letzte Zeile zuläuft, ebenso die treffliche Doppeldeutigkeit des Titels.
Ich frag mich gerade, ob sich durch einen Tempuswechsel ins Präsens die Intensität noch steigern ließe. Aber müde, wie ich bin, sollte ich diese Frage vielleicht besser auf wachere Zeiten verschieben...
Sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße in dein Wochenende,
Herby
edit: oder Präsens in der vorletzten Strophe?
"vermaß > vermesse"??
Lieber Herby,
das ist eine gute Anregung! Ich habe gleich mal eine Version im Präsenz oben angefügt, mir gefällt sie gut, herzlichen Dank!
Liebe Elsa,
meinst du, wenn ich die Zeichensetzung etwas zurücknähme, hättest du es gleich erkannt? Und vielleicht bis zu bei der letzten Zeile angekommen wärst, trotzdem etwas Krimi gehabt? ;)
Liebe Gabriella,
Schlafwandlerin ist auf jeden Fall auch eine mögliche Lesart.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
fenestra
das ist eine gute Anregung! Ich habe gleich mal eine Version im Präsenz oben angefügt, mir gefällt sie gut, herzlichen Dank!
Liebe Elsa,
meinst du, wenn ich die Zeichensetzung etwas zurücknähme, hättest du es gleich erkannt? Und vielleicht bis zu bei der letzten Zeile angekommen wärst, trotzdem etwas Krimi gehabt? ;)
Liebe Gabriella,
Schlafwandlerin ist auf jeden Fall auch eine mögliche Lesart.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
fenestra
Liebe fenestra,
ich hatte das schon vor einigen Tagen gelesen und habe es gleich erkannt. (Das jetzt als Rückmeldung für Dich, irgendwie war mir das Bild gleich nah, ich habe auch nur an den Mond (als Suchscheinwerfer) gedacht, der dann durch Brechung in "Polygone" (das musste ich googeln, wieder was gelernt, wie oft bei Deinen Texten!) zerfällt) , ich mag solche leicht surrealistischen Gedanken wie den, dass man die dann vermessen kann für eine Mond (statt Haar-)spalterei...
Ein sehr schöner Text, auch super umgesetzt, finde ich!
Liebe Grüße
leonie
ich hatte das schon vor einigen Tagen gelesen und habe es gleich erkannt. (Das jetzt als Rückmeldung für Dich, irgendwie war mir das Bild gleich nah, ich habe auch nur an den Mond (als Suchscheinwerfer) gedacht, der dann durch Brechung in "Polygone" (das musste ich googeln, wieder was gelernt, wie oft bei Deinen Texten!) zerfällt) , ich mag solche leicht surrealistischen Gedanken wie den, dass man die dann vermessen kann für eine Mond (statt Haar-)spalterei...
Ein sehr schöner Text, auch super umgesetzt, finde ich!
Liebe Grüße
leonie
fenestra hat geschrieben:meinst du, wenn ich die Zeichensetzung etwas zurücknähme, hättest du es gleich erkannt? Und vielleicht bis zu bei der letzten Zeile angekommen wärst, trotzdem etwas Krimi gehabt? ;)
Liebe fenestra, ja, ich hätte es erkannt. Un ja, bis auf die letzte Zeile wäre es nach wie vor ein Krimi für mich gewesen.
Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen
Zumal es in Krimis ja auch sehr oft um argumentatorische Haarspalterei geht!
Die Vergangenheitsversion (der Rückblick auf den Nachtjob) hat aber auch ihre Schlüssigkeit. Es wird ein lyrischer Bericht daraus.
Die Zerlegung des Worts Mondspalterei ist deshalb so irritierend, weil sie keinerlei Rücksicht auf die Wortstruktur (Silben, Laute) nimmt und offenbar auch nicht in dem Wort versteckte andere Worte (etwa Mo(h)n ins Auge fasst, sondern eigentlich nur die Zerlegung, Aufspaltung des Mondlichts durch die Fensterkreuze und -rahmen nachahmen will. Nicht der Mond, sondern sein einfallendes Licht wird "gespalten".
Gruß
Quoth
Die Vergangenheitsversion (der Rückblick auf den Nachtjob) hat aber auch ihre Schlüssigkeit. Es wird ein lyrischer Bericht daraus.
Die Zerlegung des Worts Mondspalterei ist deshalb so irritierend, weil sie keinerlei Rücksicht auf die Wortstruktur (Silben, Laute) nimmt und offenbar auch nicht in dem Wort versteckte andere Worte (etwa Mo(h)n ins Auge fasst, sondern eigentlich nur die Zerlegung, Aufspaltung des Mondlichts durch die Fensterkreuze und -rahmen nachahmen will. Nicht der Mond, sondern sein einfallendes Licht wird "gespalten".
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Die Zerlegung des Worts Mondspalterei ist deshalb so irritierend, weil sie keinerlei Rücksicht auf die Wortstruktur (Silben, Laute) nimmt und offenbar auch nicht in dem Wort versteckte andere Worte (etwa Mo(h)n ins Auge fasst
Ganz stimmt das nicht, ich hatte natürlich ausprobiert, was sich durch verschiedene Spalttechniken machen lässt. Hier ein Auszug aus meinem Probierzettel:
mond / spal / tere / i
mond / spal / ter / e / i
mond / spalt / er / ei
mon / dsp / alt / ere / i
mo / nd / sp / al / te / re / i
monds / palt / ere / i
Ich habe mich dann für die oben zu sehende Version entschieden, weil für mich dort sprachlich durchaus etwas durchschimmerte:
mon = französisch "mein"
d'spalter ~ beim oberflächlichen Hinschauen psalter, der psalter
ei = ei ;)
Der nachtwandelnde Dichter (das lyr. Ich) macht (mangels anderer Themen, könnte man spöttisch sagen) auch noch aus gespaltenem Mondlicht ein Gedicht.
Liebe leonie, danke für deine Rückmeldung! Der Mond hat dir also gleich ins Gesicht geleuchtet! :)
"Polygone" beschrieb einfach am besten, was ich in der Nacht tatsächlich auf den Fliesen gesehen habe.
Welche Zeitform ich nun endgültig nehme, werde ich entscheiden, wenn das Gedicht etwas "abgehangen" ist. Im Augenblick sitzt die Vergangenheitsversion noch so fest verankert in meinem Kopf, dass ich sozusagen befangen bin. Das kennt ihr sicher. Manchmal kann man mit zeitlichem Abstand die eigenen Texte besser lektorieren.
Euch allen nochmal Danke und ... es geht übrigens wieder auf Vollmond zu! Wäre das nicht auch mal ein Monatsthema?
Viele Grüße
fenestra
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