Erfahrung VI
Status Quo mit Rückblick auf die mediale Kindheit
Die Seele immer noch belastet
Schwer noch immer das Gemüt
Geschichtsbericht und Kindersendung
Gelber Stern und Fliwatüt
Erfahrung VI
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Max
Hi Sam,
ich fürchte, dass der Anspruch die medialen Kindeheitserfahrungen zu verabreiten und ihren Einfluss auf das Heute zu bestimmen ist ein bisschen hoch gegriffen für einen Vierzeiler. So kann ich zwar mit
etwas anfangen, finde aber, dass das eigentlich die Zeile
nur doppelt - und dass der Text an dieser Stelle naturgemäß plakativ bleiben muss. (Weiß übrigens irgendjemaand, dessen Geburtsjahr in der 80ern oder 90ern liegt, noch etwas vom Fliwatüt?). Interessant bliebe zudem der Vergleich zu heute, wo die mediale Vielfalt (glaube ich) dazu führt, dass immer weniger hängen bleibt.
Liebe Grüße
Max
ich fürchte, dass der Anspruch die medialen Kindeheitserfahrungen zu verabreiten und ihren Einfluss auf das Heute zu bestimmen ist ein bisschen hoch gegriffen für einen Vierzeiler. So kann ich zwar mit
Gelber Stern und Fliwatüt
etwas anfangen, finde aber, dass das eigentlich die Zeile
Geschichtsbericht und Kindersendung
nur doppelt - und dass der Text an dieser Stelle naturgemäß plakativ bleiben muss. (Weiß übrigens irgendjemaand, dessen Geburtsjahr in der 80ern oder 90ern liegt, noch etwas vom Fliwatüt?). Interessant bliebe zudem der Vergleich zu heute, wo die mediale Vielfalt (glaube ich) dazu führt, dass immer weniger hängen bleibt.
Liebe Grüße
Max
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MarleneGeselle
Guten Morgen,
also für mich bringt gerade die Redunanz die Sache auf den Nenner, erklärt den Spätergeborenen auch zugleich, wovon die Rede ist. Übrigens kam das Fliwatüt vor einigen Jahren wieder im Fernsehen, soll auch als Geschenk-DVD gut laufen. Meine Tochter (Jahrgang 1991) mag das Fliwatüt immer noch.
Bei der medialen Vielfalt bleibt deshalb kaum noch was hängen, weil niemand mehr gezwungen ist, sich das Gesendete zu merken. Alle Jahre wieder ... In den letzten vierzig Jahren habe ich ein- bis dreimal in der Woche in irgendeinem Zusammenhang etwas von den Nazis mitbekommen. Rechnet mal nach. Mir hängt das braune Zeug, selbst als seriöse Doku, mittlerweile zu den Ohren raus.
Liebe Grüße
Marlene
also für mich bringt gerade die Redunanz die Sache auf den Nenner, erklärt den Spätergeborenen auch zugleich, wovon die Rede ist. Übrigens kam das Fliwatüt vor einigen Jahren wieder im Fernsehen, soll auch als Geschenk-DVD gut laufen. Meine Tochter (Jahrgang 1991) mag das Fliwatüt immer noch.
Bei der medialen Vielfalt bleibt deshalb kaum noch was hängen, weil niemand mehr gezwungen ist, sich das Gesendete zu merken. Alle Jahre wieder ... In den letzten vierzig Jahren habe ich ein- bis dreimal in der Woche in irgendeinem Zusammenhang etwas von den Nazis mitbekommen. Rechnet mal nach. Mir hängt das braune Zeug, selbst als seriöse Doku, mittlerweile zu den Ohren raus.
Liebe Grüße
Marlene
Hallo, Sam,
ich habe Deine anderen "Erfahrungen" nachgeblättert und festgestellt, dass Du darin eigentlich immer mit dem Vergehen der Zeit, der Erinnerung usw. Dich befasst. Leider habe ich die Serie vom "Fliewatüüt" nicht gesehen, als meine Kinder Kinder waren, war das schon vorbei. Was Du hier wohl aufzeigen willst, ist das Unkommensurable: Hier die unheile Vergangenheit, dort die runde heile Kinderwelt, und offenbar hat die unheile Vergangenheit gewonnen und bestimmt Deinen status quo bis heute. Bei mir würde das Pärchen etwa lauten: "Nacht und Nebel" und "Demian" - ist nicht ganz so inkommensurabel, aber doch auch.
Gruß
Quoth
ich habe Deine anderen "Erfahrungen" nachgeblättert und festgestellt, dass Du darin eigentlich immer mit dem Vergehen der Zeit, der Erinnerung usw. Dich befasst. Leider habe ich die Serie vom "Fliewatüüt" nicht gesehen, als meine Kinder Kinder waren, war das schon vorbei. Was Du hier wohl aufzeigen willst, ist das Unkommensurable: Hier die unheile Vergangenheit, dort die runde heile Kinderwelt, und offenbar hat die unheile Vergangenheit gewonnen und bestimmt Deinen status quo bis heute. Bei mir würde das Pärchen etwa lauten: "Nacht und Nebel" und "Demian" - ist nicht ganz so inkommensurabel, aber doch auch.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
-
Sam
Hallo Max,
vielen Dank!
Um ein allgemeines Verarbeiten von medialen Kindheitserfahrungen und ihren Einfluss auf das Heute ging es mir nicht. Diese "Erfahrungsgedichte" sind ja nichts weiter, als in Sprache eingefrorene Gedanken- oder Gefühlsmomente, die nur einen bestimmten Aspekt beleuchten. In der Hoffnung natürlich, dass das "Ganze" irgendwie doch hindurchschimmert. Sie sind im Grunde sehr persönlich, in ihrer Verkürzung aber wieder abstrakt und distanzschaffend genug, um mich damit einigermaßen Wohl zu fühlen. Frei nach dem Motto: Über das, was einen wirklich berührt, schreibt man entweder einen Roman oder einen Vierzeiler. In beidem kann man sich gut verstecken.
Dopplung findet man ja schon in den ersten beiden Zeilen. Das korrespondiert mit Zeile drei und vier. Aber Dopplung ist auch das Thema, das Zweifache nebeneinander, ineinander. Dagegen habe ich das Pathos der ersten beiden Zeilen mit dem Fliwatüt am Ende gesetzt, in der Hoffnung, dass Nebeneinander und Gegeneinander zum Ausdruck kommen.
Natürlich muss man damit rechnen, dass viele junge Leser mit Fliwatüt nichts anfangen können. Aber ganz ehrlich, wie steht es denn mit dem gelben Stern?
Hallo Marlene,
die mediale Bearbeitung des Krieges und der Shoa heutzutage stellt für mich kein Problem dar. Ich schaue oder lese nur, was ich möchte. Guido Knopp Infotainement oder Dokus auf Nachrichtenkanälen gehören eher nicht dazu. Als Kind aber hatte man keine Wahl.
Hallo Quoth,
mit deiner Einschätzung der "Erfahrungen" liegst du wahrscheinlich richtig. Ich mag sie als feine Zisilierungen ganz bestimmter Gedanken oder Gefühlen ansehen, vielleicht aber sind sie nur grob geschnitze Klötze.
Inkommenserabel trifft es wohl im diesem Fall sehr gut. Als jemand, der in den Sechzigern geboren wurde ist man nun ja völlig unschuldig an dem, was zwanzig oder dreissig Jahre zuvor in Deutschland passierte, hatt also ein "Anrecht" auf Fliwatüt. Auf der anderen Seite ist da das Gefühl, dass der gelbe Stern nicht in Vergessenheit geraten darf...
Vielen Dank!
Gruß
Sam
vielen Dank!
Um ein allgemeines Verarbeiten von medialen Kindheitserfahrungen und ihren Einfluss auf das Heute ging es mir nicht. Diese "Erfahrungsgedichte" sind ja nichts weiter, als in Sprache eingefrorene Gedanken- oder Gefühlsmomente, die nur einen bestimmten Aspekt beleuchten. In der Hoffnung natürlich, dass das "Ganze" irgendwie doch hindurchschimmert. Sie sind im Grunde sehr persönlich, in ihrer Verkürzung aber wieder abstrakt und distanzschaffend genug, um mich damit einigermaßen Wohl zu fühlen. Frei nach dem Motto: Über das, was einen wirklich berührt, schreibt man entweder einen Roman oder einen Vierzeiler. In beidem kann man sich gut verstecken.
Dopplung findet man ja schon in den ersten beiden Zeilen. Das korrespondiert mit Zeile drei und vier. Aber Dopplung ist auch das Thema, das Zweifache nebeneinander, ineinander. Dagegen habe ich das Pathos der ersten beiden Zeilen mit dem Fliwatüt am Ende gesetzt, in der Hoffnung, dass Nebeneinander und Gegeneinander zum Ausdruck kommen.
Natürlich muss man damit rechnen, dass viele junge Leser mit Fliwatüt nichts anfangen können. Aber ganz ehrlich, wie steht es denn mit dem gelben Stern?
Hallo Marlene,
die mediale Bearbeitung des Krieges und der Shoa heutzutage stellt für mich kein Problem dar. Ich schaue oder lese nur, was ich möchte. Guido Knopp Infotainement oder Dokus auf Nachrichtenkanälen gehören eher nicht dazu. Als Kind aber hatte man keine Wahl.
Hallo Quoth,
mit deiner Einschätzung der "Erfahrungen" liegst du wahrscheinlich richtig. Ich mag sie als feine Zisilierungen ganz bestimmter Gedanken oder Gefühlen ansehen, vielleicht aber sind sie nur grob geschnitze Klötze.
Inkommenserabel trifft es wohl im diesem Fall sehr gut. Als jemand, der in den Sechzigern geboren wurde ist man nun ja völlig unschuldig an dem, was zwanzig oder dreissig Jahre zuvor in Deutschland passierte, hatt also ein "Anrecht" auf Fliwatüt. Auf der anderen Seite ist da das Gefühl, dass der gelbe Stern nicht in Vergessenheit geraten darf...
Vielen Dank!
Gruß
Sam
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