Aigues Mortes

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
scarlett

Beitragvon scarlett » 22.09.2010, 17:31

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Zuletzt geändert von scarlett am 02.03.2011, 13:32, insgesamt 1-mal geändert.

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 02.10.2010, 13:33

Liebe Monika,

bei dem Titel allein kann ich kaum unberührt bleiben, was für ein wunderbarer Ortsname ...
nur die beiden Worte des Titels beschwören ein zumindest im deutschen Sprachraums sehr unausgelaugten Inhalt. Ich verstehe nun, dass die Salz-metapher eine dir eigene Bedeutung spricht, du sie brauchst und ich sie hier möglicherweise erst richtig verstanden habe.

Das gefällt mir sehr gut. Es berührt mich.

Ich erwähne nur am Rand (und dann nicht mehr, ich schwörs) dass mir scheint, als ob UNSERE Sprache auf einer Realität stehen blieb, die nicht mehr Allgemein- Hab-undGut ist.
Deshalb bemühe ich das Wortproblem, denn mir scheint wichtig, nicht nur das STiftersche seiner Zeit mitzugestalten, sondern auch ... das Unstiftersche.

(Stifter fiel mir ein, für uns mehr Bachmann unc Celan ... )

Lass diesen meinen Absatz weg, lies noch einmal den Anfang: Salz und Wasser .... sehr sehr schön

liebe Grüße
Renate
Zuletzt geändert von Renée Lomris am 02.10.2010, 22:01, insgesamt 1-mal geändert.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 02.10.2010, 18:58

mir scheint, als ob UNSERE Sprache auf einer Realität stehen blieb, die nicht mehr Allgemein- Hab-undGut ist.


Was meinst du damit, liebe Renée? Meinst du mit UNSERE die Deutschen, die Franzosen, die DichterInnen dieses Forums?

Die Salz-Metapher ist sehr interessant und hat viel Potential, liebe scarlett! Etwas zu direkt finde ich das alles allerdings ausgedrückt, ich würde mehr mit Umschreibungen arbeiten. Worte wie trostlos und Wunden stoßen den Leser so direkt auf den Frust des lyrischen Ichs, dass kein Raum für Mehrdeutigkeiten mehr übrig ist. "und mich körnt" klingt irgendwie unfreiwillig komisch.

Viele Grüße
fenestra

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 02.10.2010, 22:09

Liebe Scarlett, Aigues Mortes werde ich mir ausdrucken, erinnert mich Schönes...

Liebe Fenestra, ich meine unsere bildungsbürgerliche Sprache (an der ich sehr hänge, hab sie mir schwer erkämpfen müssen) es gibt zur Zeit eine immer tiefergehende Schlucht zwischen den Sprachschichten.
Off Topic
Die Sprache stirbt, die, die wir kennen, eine andere ist da, die wir nicht kennen und auch nicht künstlich kennen können. Hat wenig zu tun mit dem immer wieder bedauerten Sprachverlust, es ist ein Hang, der da hinunterstürzt. Aber vermutlich ist das dann nu einer dieser lang andauernden Agonien, eine fruchtbare, nicht nur furchtbare ...

Quoth
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Beitragvon Quoth » 02.10.2010, 23:00

Hallo, Scarlett,
seit Benoite Groults Roman "Salz auf unsrer Haut" ("Les vaisseaux du coeur") ist für mich der Dreiklang Salz, Erotik und Frankreich irgendwie belegt, eventuell auch verbraucht und ich kann mich nicht wirklich auf den Text einlassen. Das ist ungerecht, aber solche Superbestseller, die dann auch noch (schlecht) verfilmt werden, besetzen Begriffe und Themen. Vielleicht nur bei mir?
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 03.10.2010, 12:11

Liebe Renée,

in der neuen Ausgabe der Zeit steht ein lesenswerter Artikel genau darüber. Nämlich, dass der deutsche Gegenwartsroman sich einer Alltagssprache auf "Augenhöhe der Leser" bedient, die aber dazu führt, dass wir uns lesend genau in dem selben langweiligen, reduzierten Medium befinden, wie im realen Leben auch. Natürlich gibt es Gegenbeispiele, die heißen dann "Retro Chic", eine aufgebrezelte, eitle Kunstsprache (wie ich sie bei Uwe Tellkamp empfinde). Beides ist keine wirkliche Erneuerung der Sprache. Scarletts Gedicht würde ich weder dem einen noch dem anderen zuordnen, daher weiß ich gar nicht, warum du das gerade hier zur Sprache bringst.

In der Lyrik hat man noch stärker als in der Prosa die Möglichkeit, mit Sprache zu spielen, sie aufzubrechen, zu erneuern, auch zu collagieren mit Alltagssprache. Wird leider zu wenig genutzt.

Viele Grüße
fenestra

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 03.10.2010, 17:54

<liebe Scarlett,

Das mit der Sprachebene ist ein Problem bei mir, egal ob Lyrik, ob Prosa, das kommt und geht. Deine Gedichte sind schon von einer schöpferischen Wortgewalt geprägt, die manchmal irritiert, nie gleichgültig lässt, Es gibt immer etwas bei dir zu entdecken.

Liebe Fenstra, du hast Recht, und deine Gedichte beweisen das auf meisterliche Art, Sprache muss durchwalkt werden. Die Wörter mögen herzhafte, zupackende Dichterinnenhände. Der Rest: das sind Phänomene, die man gelegentlich verstärkt wahr nimmt. Die ich möglicherweise übertreibe

Wenn ich die Energie noch habe, gibt es einen Text von Quignard *über * tote und sterbende Sprachen, ihre Bedeutung in der Konstruktion ....

Herby

Beitragvon Herby » 03.10.2010, 20:11

Liebe Monika,

diesen Text hab ich schon vor einigen Tagen gelesen, als ich noch im Stress war, und er hat sich seither trotzdem festgesetzt - das alleine spricht doch schon mal sehr für ihn, oder? :smile:

Was mich rein sprachlich an ihm fasziniert, sind die Bedeutungsvielfalt bzw. die Konnotationsvarianten von "Salz" sowie die Beziehung der Verben "fließen" und "körnen", von der eine Spannung ausgeht, die den Text trägt.

Gefällt mir sehr sehr gut!

Liebe Abendgrüße,
Herby

scarlett

Beitragvon scarlett » 04.10.2010, 09:59

Hallo,

ja die toten Wasser ...

Es freut mich, dass der Text ankommt, zumindest bei einigen.
Anders als Quoth verbinde ich nichts, aber rein gar nichts mit dem besagten Roman, der mich völlig unberührt gelassen hat und den ich aus dem Grund wohl total vergessen habe ... ja da war mal was, und?
Wenn Salz Erotik Südfrankreich bei jemandem auf eine ganz bestimmte Weise belegt ist, nun denn, damit kann ich leben, bei mir ist dieser Dreiklang eben auch belegt, anders.

Ich würde gern mitlachen, Fenestra, bei der unfreiwilligen Komik von "und mich körnte" - aber ich bin wohl zu humorlos.

Zum Thema Sprachebene/Erneuerung der Sprache usw. will ich mich hier nicht weiter äußern, das wär mal was fürs Cafe oder sonstwo, da ich glaube, dass das sehr ausführlich und auch kontrovers diskutiert werden könnte.

Fakt ist, Renate, ich weiß, was du meinst ... und sag nur mal danke!

Lieber Herby,

schön, dich auch mal wieder zu lesen, und dass es gerade dieser meiner Texte ist, der dich hat "auftauchen" lassen, innehalten lassen in deinem Stress, freut mich ganz besonders.

Liebe Grüße,
scarlett/Monika

Quoth
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Beitragvon Quoth » 04.10.2010, 10:46

Hallo, Scarlett,
dass Du mit diesem (übrigens nicht schlechten) Buch nichts verbindest, ist klar, die Frage ist, wie es damit bei Deiner Leserschaft steht und ob es Sinn machen könnte, so etwas beim Abfassen eines Textes mitzureflektieren. (3 Millionen verkaufte Exemplare allein in Deutschland).
"Salz auf unsrer Haut" spielt übrigens nicht an der südfranzösischen, sondern an der bretonischen Küste. In der Verfilmung wurde der Ort, um glaubhaft auf Englisch drehen zu können, nach Schottland verlegt.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 04.10.2010, 11:57

Lieber Quoth

Hier taucht wieder ein interessantes Rezeptionsproblem auf. An mir ist das Salz von Benoîte Groult ebenfalls vorbei gerauscht, obwoohl ich inzwischen mehr von ihr gelesen habe, sie wurde von uns Feministinnen natürlich unterschätzt, weil sie Bestseller schrieb ... (...) Das mag auch am Titel liegen, da ich mehr in der französischen Kultur verankert bin als in der deutschen.
Dieses Empfinden von Klischee und schon hundert mal gehört gelesen, ist offenbar bei jedem sehr unterschiedlich. Und es kann auch nicht sein, dass man nur ums Klischee herum - mit oder gegen - schreibt.

Ich versuche nur, eventuell bestehende, von mir so empfundene Rezeptionsraster des Blauen Salon etwas aufzubrechen, was vielleicht unnötig ist. Vielleicht wäre es besser, ich versuchte auf klügere Weise mich anzupassen, aber jeder geht so vor, wie es ihm möglich ist.

Ich hoffe, dass es mir gelingt, mein Interesse an den eingestellten Texten deutlich zu machen.

Durch die verschiedenen Kommentare, und dazu gehören auch deine, merke ich, wie oberflächlich ich lese, und das zwingt mich zu genauerem Hinsehen. So hoffe ich doch, nach und nach etwas mehr Gründlichkeit zu entwickeln.

salutations fraternelles ....
Renate


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