Hallo Pjotr,
danke für den Erbsenzählerhinweis, ich würde sagen der Gebrauch des Wortes "ästhetisch" weist für mich auf eine distanzierte, erlernte, verkopfte Schönheitsdefinition hin, deren Urteil durch die Lehre der Ästhetik für begründbar und erklärbar gehalten wird. Die Bezeichnung "ästhetisch" weckt den Anschein objektiv und daher auch allgemeingültig zu sein. "Schön" hingegen ist für mich ein wissend und bekennend subjektives, emotionales, weiches Wort, oft eingeleitet durch einen kleinen Freudenausruf: "oh!". .-)
Das wäre jetzt der Versuch einer kleinen Privatdefinition. Ich weiß nicht, ob sie das Erbslein für dich rettet?
Hallo Renée,
dieser Ton steht dir gut und klingt fuer mich in seiner ungehaltenen Art sehr glaubhaft.
Das ist für mich wirklich spannend und ich freue mich, dass du dich hier meldest, weil auch einige deiner Kommentargedanken und Bilder (auch unsere kleine Diskussion unter "die versäumte..."), aber auch die Tendenz und Bewegung, die ich im Moment im Forum unter manchen Texten wahrnehme, hier eingeflossen sind. Ich denke auch, dass die ungehaltene Art in sich glaubhaft ist, wie es aber eben auch die Sanften (Stimmen) gibt und unzählige Zwischentöne. Für mich ist die Glaubhaftigkeit oder gar Ehrlichkeit (was als Hinweis immer wieder in Kommentaren auftaucht, aber doch immer vom Text weg auf den Autor weist?) nicht festzumachen am Grad der Sanftheit oder Härte eines Textes. Mich ärgert oder wundert dieser Rückschluss und Hinweis immer wieder. Der Ton des Mittelteiles steht dem Text gut, weil er (für mich) in der Gegenüberstellung, der Konfrontation etwas aufzeigt. Mir persönlich steht und liegt er weniger, aber das ist ja auch nicht wichtig. .-)
Es freut mich aber natürlich, dass der Text für dich eine eigene Geschichte, Situation, Beziehung zeigen kann.
Hallo Ferdi,
Ob ich Fenestras Gleichung Ich + Du = Frau und Mann so fest verankert sehe, weiß ich nicht...
Würde ich auch nicht so sehen.
Und ob ich die Großschreibung des Mittelteils so überzeugend finde? Hm Aber wenn schon, dann bitte WEISSEM statt WEIßEM - das liest sich einfach ekelig und schließlich gibts kein großes "ß"
*lach* Danke. Das hat Word so eingesetzt und ich habe es übersehen, wird sofort geändert. Die Großschreibung hat für mich hier schon eine Funktion.
Insgesamt kann ich mit dem Text auf jeden Fall etwas anfangen
Schön.

Hallo Fenestra,
Es ist gruselig und sehr einprägsam geschrieben. Ich sehe eine sehr sanfte Frau vor mir, die durch ihre Sanftheit die Brutalität eines Mannes unterläuft bzw. erträgt. Sie flieht mit den Blicken aus dem Fenster in einen märchenhaften Wald.
Diese Leseweise hat mich überrascht, aber ich kann sie nun auch nachvollziehen, nachlesen. Warum schließt du so sicher auf einen Mann?
Die Sanftheit bringt ihn zur Rage, sie ist ihm unerträglich und kommt ihm falsch vor.
Ja, das lese ich auch so.
Was ich nicht mag, ist die Stelle:
"ich leck dich
mit meiner Hyänenzunge
frei"
Hyänen sind Aasfresser. Der Mann müsste sie erst totschlagen ... Aber davon abgesehen, klingt das "ich leck dich" zu sehr nach dem üblichen "leck mich" und damit unerträglich vulgär. Vielleicht würde "ich lecke dich" schon etwas besser klingen.
Ich glaube genau dieser Beiklang des "unerträglich vulgären" oder vielleicht auch aufdringlich übergriffigen, grenzüberscheitenden stimmt hier für mich. Da steht ja nicht, dass LIch aufgefressen wird, sondern eben freigeleckt, vielleicht auch mit der Assoziation einer Geburt. (Das Ich des Mittelteiles spricht seinem Gegenüber den Geier zu, der ebenfalls Aasfresser ist, vielleicht ein Hinweis, wie der Text noch aufgefasst werden könnte.) Die Hyäne habe ich sicher gewählt, weil sie auch noch andere "Eigenheiten" hat, die für mich hier sehr schön als Hintergrundassoziation gepasst haben. Aber ich möchte da auch nicht zu viel erklären und damit andere Leseweisen wegnehmen. Wenn es für dich so einprägsam und stimmig war, freut mich das.
Liebe Grüße euch und danke für die Rückmeldungen
Flora