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on / off

Verfasst: 04.09.2010, 08:58
von Niko


on / off



erfahrungen off
den moment aufsaugen
wie ein milchbrötchen den café au lait
und dann auflösen
sich und alles verhärtete
und runterschlucken
den ganzen brei
und ausscheißen

und abspülen

erfahrungen on
momente ignorieren
wie imprägniertes den regen
und dann zähneknirschen
und runterschlucken
sich und alles verhärtende
bis zu den magenkrämpfen
und dann
zum abführmittel werden

erfahrungen off




.

Verfasst: 04.09.2010, 09:56
von Louisa
Hallo Niko!

Aha :smile: - interessant. Mein erster Gedanke war allerdings: Huch! Da hat jemand seine anale Phase aber nicht genügend ausgelebt! :eek:

Die ersten Zeilen der ersten Strophe gefallen mir noch ganz gut - dieses Aufsaugen des Brötchens ist ein gutes Bild, finde ich.

Dass man dadurch aber in der Lage sein könnte "alles verhärtete aufzulösen" ist mir noch nicht ganz deutlich geworden. Was ist denn in diesem BILD-Zusammenhang das "Verhärtete" ? So ein Brötchen zum Beispiel, was ja ohnehin schon sehr weich ist, und was durch die Flüssigkeit noch weicher wird... dass dies nun für den einströmenden, erfahrungsfreien, reichen Moment steht - das fand ich schon stark und das hat mir auch vollkommen gereicht. Ich wäre an deiner Stelle bei diesem einfachen einzelnen Bild geblieben und hätte das allgemeine "Verhärtete" ausgelassen. Kannst du dir ja noch überlegen.

Die Beschreibung des Toilettengangs in Verbindung mit dem Genuss der Gegenwart ist mir dann doch etwas zu merkwürdig, glaube ich. Vor allem bei einem Text, wo das "abspülen" schon so bedeutungsschwanger aufgeladen wird, dass es eine eigene Zeile verdient :smile: ! Das fand ich nun wirklich übertrieben, Niko... Es ist ja klar, dass du damit diesen wunderbaren, speziellen und direkten Augenblick meinst, der nicht in den Erfahrungsbalast eingenommen wird sondern einfach an einem herunter gleiten soll, aber das ist mir dann in diesem Zusammenhang einfach zu albern...

Ähnlich geht es mir mit der zweiten Strophe. Wieso sagst du nicht "Versiegeltes" an Stelle von "Imprägniertes" - letzteres hört sich arg gekünstelt an, finde ich- Ansonsten ist aber auch dieses Bild nicht schlecht.

Wieso knirscht man die Zähne, wenn man etwas hartes herunterschlucken bzw. kauen will??? Sollte man da nicht eher lange kauen oder lange darauf herumbeißen, "malmen" vielleicht?

Da fehlt mir nun wieder ein bestimmtes Beispiel für etwas Hartes als Pendent zum Milchbrot... ein altes Brot würde sich ja anbieten...

Ich verstehe auch nicht wieso man dann zum Abführmittel "wird" ? Sollte man das nicht nehmen?

Also ehrlich gesagt kann ich bei längerem Nachdenken mit diesen Scheiß-Metaphern gar nichts anfangen. Sie irritieren und belustigen mich eher als das ich sie ernst nehmen oder bestaunen könnte. Es gibt aber manch andere Gedanken und Bilder im Text mit denen ich an deiner Stelle weiter arbeiten würde.

Viel Spaß!
l

Verfasst: 04.09.2010, 11:31
von Niko
hallo louisa!
wie schön, dass du dich trotz irritieren und belustigen noch zu einem kommentar hinreißen lassen konntest. und obendrein, wo du mit
diesen Scheiß-Metaphern gar nichts anfangen
kannst.

dieses Aufsaugen des Brötchens ist ein gutes Bild, finde ich.

Dass man dadurch aber in der Lage sein könnte "alles verhärtete aufzulösen" ist mir noch nicht ganz deutlich geworden. Was ist denn in diesem BILD-Zusammenhang das "Verhärtete" ?

dass man durch die einnahme eines mit kaffee vollgesogenen milchbrötchens nicht in der lage ist, alles verhärtete auf zu lösen, ist auch mir bewusst (ich hab´s versucht!) die permanent-großschreibung des wortes bild mag ein versehen sein, ich vermute mehr, dass du mir sagen möchtest, dass dir das an genannter stelle nach bild-niveau zu drastisch plakativ ist. aber ich gehe mal von einem versehen aus.

Da fehlt mir nun wieder ein bestimmtes Beispiel für etwas Hartes als Pendent zum Milchbrot... ein altes Brot würde sich ja anbieten...
man muss nicht zu jedem bild ein gegenbild schaffen, finde ich.

Wieso knirscht man die Zähne, wenn man etwas hartes herunterschlucken bzw. kauen will??? Sollte man da nicht eher lange kauen oder lange darauf herumbeißen, "malmen" vielleicht?
ich denke mal, dass sich bei zähneknirschen und herunterschlucken (alles verhärteNDE) sich ein bild einstellt, dass nicht mit dem vorgang des essens direkt zu tun hat. - wie auch bereits in der ersten strofe nicht ein direkter nahrungsaufnahmeprozess beschrieben ist. in beiden fällen steht ein "wie" voran. brötchen im kaffee und imprägniertes im regen. versiegeltes ist mir nicht dasselbe wie imprägniertes.

liebe grüße: niko

Verfasst: 04.09.2010, 11:57
von Thomas Milser
Hey Niko,

da rockts mir sehr genehm :o)

Analphasiges kann ich daran nicht entdecken. Mir gefällt die innere Struktur der Strophen, das Wiederkehrende aber Abgewandelte (verhärtete/verhärtende). Da muss man genau lesen und hat ein Weilchen zu tun :o)

Das Einzige, was ich - wie Louisa - vom Bezug her nicht gebrillert kriege, ist am Ende das 'zum Abführmittel werden'. Ich verstünde, wenn der Sprecher irgendetwas zum Abführmittel machte, jedoch nicht, wie er das selbst werden soll.

Und in Zeile 3 ist eine Milch doppelt - wenn auch frankophilisiert -, davon könnte man eine abziehen (die des Brötchens?). Da könnte ich mir eine Wortneuschöpfung wie 'Weichbrötchen' oder sowas vorstellen.

Ansonsten schön geiler knochentrockener wissender Text!

Tom

Verfasst: 13.09.2010, 17:20
von Niko
naja, tom... mit dem "zum abführmittel werden" wollte ich ausdrücken, dass schließlich der zusammenbruch oder der neuanfang (der daraus erwächst) aus einem selbst kommt. man macht sich die magengeschwüre und das leben schwer und irgendwann, wenn das geschwür vor dem platzen steht, und bevor das leben einen vollends erdrückt, setzt ein selbsterhaltungstrieb und überlebensmechanismus ein. und ich nenne das "zum abführmittel werden". sozusagen reinigung von innen.

hatte milchbrötchen und milchkaffee. und dachte dann, ich hätt es mit café au lait galant umschifft...hm....werde das noch ändern.

danke für das "geile" und "knochentrockene"!

liebe grüße: Niko

Verfasst: 13.09.2010, 19:37
von Max
Hi Niko,

mir geht's wohl eher wie Louisa. Ich mag die Milchbrötchen-Metapher und auch das Abperlen des Regens. Dass sich Erfahrung aber so hartnäckig im Magen ansammelt und dort verarbetet werden will, finde ich schwierig. Das schlägt mir zwar auf den Magen, aber ich finde es schwierig, die ausgeschalteten Erfahrungen damit zu vergleichen, dass man alles Harte ausscheißt ... Nu ja, mag Geschmackssache sein (auch irgendwie hier nicht treffend ;-)).

Liebe Grüße
Max