NOEL, deine Sprachkunst besticht mich immer. Keiner deiner Texte lässt mich gleichgültig. Weil ich diese Fertigkeit bewundere, aber auch bei manchen Stellen abwehrend (widerspenstig) reagiere, will ich einmal versuchen, diesen unterschiedlichen Empfindungen, Wahrnehmungen nach zu gehen.
zum ersten Text :
Janaan - spricht mich sehr an, es erinnert mich an die Liebe, die ich dem Gelobten Land entgegengebracht habe - das hat für mich eine besondere, sehr persönliche Bedeutung.
solche Stellen wie diese irritieren mich ob ihrer poetischen Glanzpapier-Art:
unsere minuten
haben zu viele namen
die die tage stunden
ich verstehe nicht wirklich, was dqs heißen mqg: nqmen, die die Tqge stunden ...
Dieser erste Text geht dann an mir vorüber wie ein allzu schöner, eleganter Mensch, dessen melancholische Eleganz ich gerade noch wahr nehme, aber nicht in mich hinein nehme ... Die Distanz ist sicherlich von dir so gewollt.
zum zweiten Text:
Er spricht mich formal am meisten an. Hier schwingt die Sprache virtuos, die Tonalität überzeugt. An solchen Sprachtrillern kann ich nicht vorbeigehen ohne Begeisterung;
deine worte zersätzen mich
und inhaltlich ist der letzte Vers großartig - ich lasse die formale Kunst weg: sie verfolgt dich überall.
zum dritten:
Hier sind die Zeilenbrüche, die Zungenbrüche, die Verlaufsbrüche das ins Auge FALLENDE Merkmal. Der Fluss Lethe, das Brackwasser = das ist mir zu poetisch...
So sehr ich die feinen Ziselierer unter den Sprachkünstlern bewundere und immer wieder zur Lieblingslektüre mache, so sehr wünsche ich eine Art Vulgärpoesie herbei, die das Dichterische im "einfachen" "ungestickten" Leben ansiedelt ...
gute N8
mal sehen, ob ich noch schlafen kann ...
lG
Renée