in meinen nebenräumen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 22.08.2010, 01:04




in meinen nebenräumen

blüht schneegeruch

ich habe gewohnheiten:

schleifen lasse ich ungebunden
und mich
rühr ich nicht an
die fenster sind nur nachts geöffnet
und türen schließ ich
ab und zu bin ich
nur an samstagen

und dann wurde mir
über´s herz ein netz geworfen
aus abend
und deinem haar

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 22.08.2010, 01:43

Ein Netz aus Abend. Bemerkenswerte Formulierung, wie ich finde. Der Abend-Begriff ist enorm vielgestaltig; schön, was für ein Bild hier wiederum entsteht. Sollte öfters bedichtet werden, ich bin ein Freund des Abends.

P.

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leonie
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Beitragvon leonie » 22.08.2010, 09:12

Das ist schön, Niko!
Gefällt mir sehr.

Liebe Grüße

leonie

Niko

Beitragvon Niko » 22.08.2010, 09:41

hallo leonie und pjotr!
danke für eure kommentare! und ein abend sollte des öfteren abendfüllend besungen werden.

liebe grüße: Niko

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 26.08.2010, 20:02

Lieber Niko,

also verschiedene Assoziationen hatte ich beim Lesen; möchte ich erstmal berichten:

seltsamer Weise dachte ich bei "blüht" und "Schnee" und "Geruch" irgendwie an feuchte Wände in alten Häusern und ein Bisschen Schimmel. Das gefiel mir nicht so, obwohl ich natürlich auch über diese Assoziation hinaus gedacht habe. Ich denke aber, es ist der "Geruch", den ich hier irgendwie trotz des zarten "Blühens" zu sehr in Richtung "Gestank" empfinde. Das ist jetzt vielleicht schwer nachzuvollziehen. Jedenfalls, bedrückte mich das schon am Anfang etwas, aber vielleicht geht es nur mir so?

Diese Formation

ab und zu bin ich
nur an samstagen


und die ungebundenen Schleifen kommen mir bekannt vor. Irgendwie hat diese Strophe schon etwas Wohnliches für mich, sodass mir das anschließende "dann" alles Vorherige schon zu negativ erscheinen lässt. Ich meine: ich hatte solche und solche Gewohnheiten, schlechte vielleicht, irgendwie, zumindest aber charakteristisch-bizarre doch. ABER DANN...

Ich weiß nicht, ob das von dir so beabsichtig ist, aber für mich bedeutet dieses simple "und dann" irgendwie schon eine große Zäsur hier. Eine zu große vielleicht, weil ich wie gesagt die "Gewohnheiten" nicht als "störend" empfinde, alsdass ich so ein "und dann" in dieser scheinbaren Unglaublichkeit (wegen der Gewohnheiten) lesen müsste. Macht das Sinn?

Also jedenfalls war eine erste Lesart bei mir so: dieses Ich ist etwas bizarr-kautzig, aber trotz (und das trotz ist bei dieser Lesart entscheidend) dieser Kautzigkeit wurde eben ein Netz von jemandem über das Herz des Kautzigen geworfen. Soweit.

Bei Netzen, die im Zusammenhang mit Herzen ausgeworfen werden, denk ich übrigens nicht selten an Nerudas 20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung. Daraus ist mir diese Metapher sehr im Kopf. Aber ich finde sie schön!

Zweite Lesart, die dann kam: dass die Netze auch wegen (und hier ist das wegen entscheidend...als das bietet sich beim bloßen "und dann" ja an...) der "Kautzigkeit" geworfen werden. Könnte mir dann aber vorstellen, dass man in den Gewohnheiten-Strophe noch etwas "Mülliges" (ich weiß das klingt jetzt komisch, aber ich erklär's gleich) einfügen könnte. Ich dachte nämlich dann an so Filmszenen, in denen Leute aus irgendwelchen Gründen fischen (müssen), in ihren Netzen aber nur Turnschuhe und Pfannen und so was finden. Gab's da nicht mal nen Film, wo jemand die ganzen Sachen gesammelt hat? Mh. In jedem Fall könnte ich mir dann etwas plastisch Fangbares in dieser Strophe vorstellen, was irgendwie zu den Netzen passt.

Ja.

Ein Bisschen Mysteriös finde ich das Abend-Haar-Netz übrigens auch. Also ich meine, Netz aus Abend kann hier so was Schöndüsteres, Warmdüsteres bedeuten. Ich mag das.

Ach ja, und mit Haaren, die einen umfangen, auch das Herz, hab ich's in meinen Gedichten ja auch nicht selten.

Von daher, nach anfänglichem Schimmel .-) ... ein wirklich sehr schönes Werk, das ich sicher noch ein paar mal lesen werde. Wird mich bestimmt auch noch mal in die ein oder andere Richtung inspirieren.

Noch was Formales: mir ist das Fettgedruckte, was gleichzeitig wohl Titel und Gedichtvers ist, irgendwie zu mächtig, also optisch, wenn danach diese nur mager erscheinenden normalfetten Zeilen kommen.

Herzlichst

Zafar


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