Flora hat geschrieben:*lach* Ich habe das tatsächlich jedes Mal falsch gelesen. Wahrscheinlich hatte ich Durst. .-) Zeigt aber vielleicht auch darauf, dass mein Gehirn versucht hat sich einen Sinn hineinzulesen, den ich leider auch mit niederdüsternd nicht finde, mir fehlt da etwas, das im Kontext der Vögel für mich lesbar ist. Was wagen sie denn nicht?
Wenn du es mit Gezweig oder Gelaub ersetzen würdest, müsste es doch heißen:
wo kaum ein Vogel hier
sich in mein niederdüsterndes Gelaub wagt
Dann passt aber der Anschluss wieder nicht mehr, denn da sollen die Vögel ja das Geraun selbst nicht wagen, oder?
nee, also ich wollte schon "etwas wagen" schreiben und nicht "sich in etwas wagen", aber ich verstehe schon dein Anliegen. Dennoch, ich benutze die Worte nicht immer dem (auch meinem eigentlichen) typischen Verständnis nach. Ja, von der Logik her hieße es in jedem Fall "sich in etwas wagen". Aber für mich spricht ein bloßes "etwas wagen" hier sogar beide Aspekte an, nämlich den "lokalen" (also sich irgendwo hin wagen) und den "ideellen" (irgendeinen Schritt, eine Eigenschaft etc wagen); ja. Vielleicht ist das zu kompliziert gedacht. Naja, so richtig gefallen tut mir die Zeile mit dem Gefieber/Geraun jetzt aber auch nicht mehr...
(edit: ich fand das "Dürstende" eigentlich ganz spannend. .-))
naja...
Hier ist der Sprecher also durchaus männlich (zu verstehen),
Mmmh, mir fällt es schwer hier einen Mann sprechen zu hören. Geht das nur mir so?
Diese Wechsel, die für den Leser nicht zu erkennen sind, finde ich schwierig und unnötig irritierend, zumal unter diesen Titeln, die doch auch schon Ansprachen sind und von daher eine Zuordnung nahelegen? Ich würde dann vielleicht versuchen mit unterschiedlichen Formatierungen oder ähnlichem zu arbeiten.
Nö, also mir fällt das nicht schwer, hier einen Mann sprechen zu lassen und zu sehen.
Warum nun der Reihentitel explizit die Rollen diktieren muss, kann ich auch nicht nachvollziehen. Für mich macht es durchaus Sinn, dass in einer gedichteten Liebesbeziehung auch beide Partner zum sprechen kommen. Auch wenn innerhalb der Reihe - das kann ich sagen - der Schwerpunkt sicher auf einem weiblichen Sprecher liegt, schreiben sich manchmal (oder öfter sogar) die "männlichen (oder zumindest als von einem männlichen Ich gesprochen empfundenen) Gedanken" dahin, quasi als Antwort. Schließlich ist es nie eine bloße "Anbetung" an "den Wachsamen", eine einseitige; vielleicht auch gar keine Anbetung, denn wer sagt denn, dass der Wachsame das Lyr. Du der Liebesbeziehung ist? Ich will das jetzt nicht verneinen oder bejaen, aber es kommt explizit zumindest kein Wachsamer in irgendeinem Teil der Reihe vor, ja.
Ich denke auch, dass durch "gewöhnlich" in Richtung Weiblichkeit (bzw Männlichkeit) assoziierbare Begriffe und Wendungen (etwa das Kleid) doch ein Sprecher eindeutig deutbar (

) ist. Zumindest hier ist es doch eindeutig, oder? Ich weiß nicht, ob du jetzt auch von einem Wechsel innerhalb der Gedichte ausgehst. Das ist nicht der Fall. Und wenn da gewechselt wird (selten), dann mache ich das schon kenntlich (nämlich durch kursiv; auch direkte Rede).
Nein, also innerhalb dieses Gedichtes gibt es keinen Sprecherwechsel.
Das Ding ist einfach - und das verstehe ich - dass man als Leser immer eindeutig zuschreiben will, wer hier jetzt zu wem spricht; vor allem bei Liebesgedichten, was auch nicht unerheblich ist, da es schon einen Unterschied macht, ob ein Sprecher und dessen Metaphorik und Symbolik nun weiblich oder männlich gelesen wird. Immer kommen da ja auch Erfahrungswerte hinzu, etwa indem man das Geschlecht des Autors auf den Sprecher bezieht - was sicher nicht immer legitim ist - oder das Wissen, dass Autor XY meist in dieser und jener Sprecherform schreibt.
Von meiner Warte aus ist natürlich immer klar, ob der Sprecher nun weiblich oder männlich ist, auch bei "neutral" erscheinenden Texten (klar, habs ja auch geschrieben). Denn im Deutschen ist doch durch eine Ansprache "du" noch längst nicht geklärt, an was für ein "du" die Ansprache gerichtet ist (anders als im Arabischen etwa, wo es männl. und weibl. "du" gibt; wobei klassisch auch bei Gedichten an Frauen schon seit dem 7ten Jahrhundert immer die männl. Ansprache verwendet wird). Und ich möchte das auch nicht immer explizit definiert wissen oder sehen, denn ich meine schon, dass "ich" und "du" in Gedichten, sofern keine genau feminisierten (Kleid, Bluse, Busen, Hüften, wallendes Haar - sicher oft etwas klischeehaft, aber eben typischerweise, was ok ist) oder maskulinisierten (Hemd, Bart, Stimme, Statur usw) Passagen vorliegen, interpretierbar sind. Und ein männlicher Leser wird das vielleicht anders lesen als ein weiblicher. Das ist auch ok.
Wäre aber mal interessant für mich zu wissen, was dich hier eher einen weiblichen als männlichen Sprecher lesen lässt. Vielleicht bin ich einfach "betriebsblind"
Das mit den unterschiedlichen Formatierungen verstehe ich deswegen nicht. Muss ich das als Autor vorschreiben?
Es ist nunmal auch so - was vielleicht durch die Einzelgedichte hier nicht ganz klar wird - das diese Reihe (auch andere) von einem gewissen Spiel mit dem Ansprechen, Verehren und Betrachten lebt. Schon das lyrisches Ich und Du des Reihentitels, also die an den Wachsamen Schreibende und der Wachsame sind seltsam, so seltsam wie ihre Beziehung. Vielleicht ist der Titel auch deshalb irreführend, weil ich ihn ins Deutsche nicht ganz trefflich übertragen habe, denn erst aus "ila man yasharu l-layla", eigentlich "an jemanden/den, der nachts wacht/wachsam ist", wurde irgendwann im Deutschen "an den Wachsamen", was eher dem Arab. "ila sahran", wobei sahran ein Eigenname ist, entspräche. Wobei ich im Hinblick auf die ganze Reihe in Deutsch den Titel "an den Wachsamen" doch schon wieder ganz passend finde, irgendwie. Ach, das ist ein Sprachzwiespalt.
Vielleicht wäre es ganz zuträglich, mal mehrere Gedichte am Stück zu lesen, aus der Reihe, aber 104 Teile sind einfach zu viel zum Einstellen, fürchte ich...
Herzlichst
Zafar