Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und verstreute Wacholderbeeren
bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche
unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
Schlangenwispern
-
Niko
weißt du, fuchs, ich bin ehrlich:
jedes deiner bilder kann ich nicht wechseln, kann nicht das gedicht jetzt, nach einmaligem lesen vollends entschlüsseln. aber diese bilder! diese schwingung!!! - geile kiste!
ich werde mich noch eindringlicher im einzelnen damit beschäftigen. weniger um zu kritisieren, sondern um zu lernen. das ist für mich absolut klasse lyrik!
bis später - niko
jedes deiner bilder kann ich nicht wechseln, kann nicht das gedicht jetzt, nach einmaligem lesen vollends entschlüsseln. aber diese bilder! diese schwingung!!! - geile kiste!
ich werde mich noch eindringlicher im einzelnen damit beschäftigen. weniger um zu kritisieren, sondern um zu lernen. das ist für mich absolut klasse lyrik!
bis später - niko
- Thomas Milser
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Hi Fux,
die Bilder als solche finde ich schön, sogar teilweise sehr schön, aber es mag sich kein Ganzes einstellen. Ich wünschte mir mehr Zusammenhang, das sind mir für ein Gedicht zu viele alleinstehende Sätze. Ich kann das nur so erklären, dass ich das schwer rhythmisch durchlesen kann. Ich bleibe immer wieder stehen.
Häng ma nix an den Nagel, durch so Phasen müssen wir durch, Alder! Laufe jetzt selber seit fast 1,5 Jahren trocken, das braucht ...
... kommt aber wieder, ich schwör!
Tom
die Bilder als solche finde ich schön, sogar teilweise sehr schön, aber es mag sich kein Ganzes einstellen. Ich wünschte mir mehr Zusammenhang, das sind mir für ein Gedicht zu viele alleinstehende Sätze. Ich kann das nur so erklären, dass ich das schwer rhythmisch durchlesen kann. Ich bleibe immer wieder stehen.
Häng ma nix an den Nagel, durch so Phasen müssen wir durch, Alder! Laufe jetzt selber seit fast 1,5 Jahren trocken, das braucht ...
... kommt aber wieder, ich schwör!
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Hi Ben,
diesen Text hätte ich, z.B. im Anonymus eingestellt, sofort als deinen erkannt. Du hast deine eigene Handschrift, Bilder zu schreiben. Das finde ich klasse. Auch sehe ich hier durchaus einen roten Faden, eine Geschichte.
Nur würde ich es anders setzen. Diese vielen Zeilen dazwischen sind m.E. gar nicht nötig. Vielleicht so:
Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und
verstreute Wacholderbeeren bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche
unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
Saludos
Mucki
diesen Text hätte ich, z.B. im Anonymus eingestellt, sofort als deinen erkannt. Du hast deine eigene Handschrift, Bilder zu schreiben. Das finde ich klasse. Auch sehe ich hier durchaus einen roten Faden, eine Geschichte.
Nur würde ich es anders setzen. Diese vielen Zeilen dazwischen sind m.E. gar nicht nötig. Vielleicht so:
Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und
verstreute Wacholderbeeren bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche
unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
Saludos
Mucki
-
Niko
ich finde, gerade mit texten wie diesem sollte man äußerst behutsam sein, was ändern angeht. natürlich weiß ich, dass man als autor immer ein ambivalentes gefühl zum text hat: man ist überzeugt von dem, was da steht und ist genau in gleichem maße völlig unsicher, ob es überzeugen kann. und dann neigt man leicht dazu, einleuchtende änderungsvorschläge anzunehmen. ich schlage oft genug selbst vor, etwas zu ändern. aber generell finde ich es neben inhaltlichem gleichgewicht mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, die "schwingung", das entgegengereichte emotionsband, dass dem leser in die hand gelegt wird, nicht selbst zu zerschneiden. nur in den seltensten fällen gelingt es, zu ändern und dabei nichts zu zerstören.
also: sei auf der hut, fuchs! und springe blos nicht ab. und wenn dir dein zeugs noch so wirr vorkommt. es ist wegbereiter für etwas neues, dass sich dann irgendwann mit einer plötzlichkeit und einer gewalt einstellt, dass du es selbst kaum begreifen kannst.
diese besondere stimmung, die mich mit deinem text erreicht, wird besonders hervorgerufen durch die kürze der phrasen und auch durch die leerzeilen.
hier gefällt mir zb. das sie trug den roten hut - wunden trug das ausgebrannte land.......diese beiden "trug" sprechen gewissermaßen für mich miteinander. durch dein gedicht zieht sich ein wechselbad von einerseits sommerleichte und andererseits melancholie. es fließt nicht ineinander über, es wird nicht gegenübergestellt, sondern du springst verwebend "irgendwie" zwischen den beiden hin und her. und dass das funktioniert, find ich genial.
die "schwarze flügel-zeile" finde ich auch wundervoll. unten am fluss dazu genommen gibt mir die chance einer eigenen interpretation. somit ergibt sich ein bild im kontext zum bereits gelesenen. dann später "nur die pinien zählten die stunden" da ist sie wieder, dieses sommerleichte. und das gefühl bekomme ich, obwohl ich vorher lese, dass sich der sommer in ihr herz nagelt. was dann doch wohl eher negativ - wie sagt man - konnotiert(?) ist.
ich habe es eben nach dem kommentieren nochmal gelesen, gerade jetzt nach längerer pause wieder. manchmal relativieren sich ja erste eindrücke. das, mein lieber, ist hier nicht der fall. immer noch erste sahne.
ich gratuliere dir zu diesem text!
liebe grüße: Niko
also: sei auf der hut, fuchs! und springe blos nicht ab. und wenn dir dein zeugs noch so wirr vorkommt. es ist wegbereiter für etwas neues, dass sich dann irgendwann mit einer plötzlichkeit und einer gewalt einstellt, dass du es selbst kaum begreifen kannst.
diese besondere stimmung, die mich mit deinem text erreicht, wird besonders hervorgerufen durch die kürze der phrasen und auch durch die leerzeilen.
Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und verstreute Wacholderbeeren
bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
hier gefällt mir zb. das sie trug den roten hut - wunden trug das ausgebrannte land.......diese beiden "trug" sprechen gewissermaßen für mich miteinander. durch dein gedicht zieht sich ein wechselbad von einerseits sommerleichte und andererseits melancholie. es fließt nicht ineinander über, es wird nicht gegenübergestellt, sondern du springst verwebend "irgendwie" zwischen den beiden hin und her. und dass das funktioniert, find ich genial.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche
unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
die "schwarze flügel-zeile" finde ich auch wundervoll. unten am fluss dazu genommen gibt mir die chance einer eigenen interpretation. somit ergibt sich ein bild im kontext zum bereits gelesenen. dann später "nur die pinien zählten die stunden" da ist sie wieder, dieses sommerleichte. und das gefühl bekomme ich, obwohl ich vorher lese, dass sich der sommer in ihr herz nagelt. was dann doch wohl eher negativ - wie sagt man - konnotiert(?) ist.
ich habe es eben nach dem kommentieren nochmal gelesen, gerade jetzt nach längerer pause wieder. manchmal relativieren sich ja erste eindrücke. das, mein lieber, ist hier nicht der fall. immer noch erste sahne.
ich gratuliere dir zu diesem text!
liebe grüße: Niko
-
Max
Lieber Fux,
ich habe den Eindruck, dass Gedicht ist direkt so angelegt, dass Toms Leseeindrcuk entsteht, viele schöne, sogar serh schöne Bilder, beispielsweise
oder
aber der Text widersetzt sich einem einheitlichen Lesegefühl. Ich frage mich nur, warum hast Du das so gemacht, denn das Du mit Sprache sehr bewusst umgehst, habe ich ja inzwischen gelernt ..
Liebe Grüße
Max
ich habe den Eindruck, dass Gedicht ist direkt so angelegt, dass Toms Leseeindrcuk entsteht, viele schöne, sogar serh schöne Bilder, beispielsweise
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche
unten am Fluss.
oder
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
aber der Text widersetzt sich einem einheitlichen Lesegefühl. Ich frage mich nur, warum hast Du das so gemacht, denn das Du mit Sprache sehr bewusst umgehst, habe ich ja inzwischen gelernt ..
Liebe Grüße
Max
-
wüstenfuchs
Hallo, ehrlich gesagt habe auch ich schon Zeilen hin-und hergerückt, um dem was Tom Und Max sagen, aus dem Weg zu gehen. Es schien mir auch ein wenig diffus und dann doch wieder nicht.
Wie Max schreibt,
war aber doch eine geheime Verbindung da, so dass genau diese Einzelbilder insgesamt etwas ausdrückten, etwas Lückenhaftes, ein Gefühl von Vorder- und Hintergrund. So als säße das Mädchen eben da und hätte nur Einzeleindrücke, so als spräche sie in diesem Ton. Drum sehe ich auch Änderungen als schwierig an, wie Niko schon sagte. Es ist ihre Befindlichkeit in der Landschaft und auch ihr Aufgehobensein und ihre Melancholie.
Viele Grüße
Fux
Wie Max schreibt,
war aber doch eine geheime Verbindung da, so dass genau diese Einzelbilder insgesamt etwas ausdrückten, etwas Lückenhaftes, ein Gefühl von Vorder- und Hintergrund. So als säße das Mädchen eben da und hätte nur Einzeleindrücke, so als spräche sie in diesem Ton. Drum sehe ich auch Änderungen als schwierig an, wie Niko schon sagte. Es ist ihre Befindlichkeit in der Landschaft und auch ihr Aufgehobensein und ihre Melancholie.
Viele Grüße
Fux
-
Last
In solchen Gedichten sehe ich eine Herausforderung. Natürlich stellt sich auch bei mir nicht sofort ein Eindruck ein, worum es hier geht, oder viel eher: was die Verse miteinander verbindet. Aber eine Naturbeschreibung muss ja weder eindeutig symbolisch noch ganz klar darstellend sein, - ein Zwischending ist meist viel spannender.
Und sowas finden wir auch hier. Mir scheint es vor allem darum zu gehen, wie das Mädchen ihre Umwelt wahrnimmt. Direkt im ersten Vers öffnet sich diese Perspektive: „Der Sommer küsste ihre Augenlider.“ Es geht um ihre Aus- und Einsichten und viel mehr noch um die Möglichkeit, die Augen davor zu verschließen. So kann auch jeder Vers als einzelner Augenblick gelesen werden, mit jedem Blinzeln beginnt ein neuer Moment.
Nichtsdestotrotz verweilen Rückstände des Vorhergegangenem, die den neuen Eindruck überlappen und ihm gerade dadurch den besonderen Ausdruck, den individuellen Charakter der Betrachterin verleihen.
Langsam wandelt sich so die Wahrnehmung des Sommers vom zarten Oberflächlichen zum harten Tiefgreifenden: „Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.“
Strophe zwei bietet nun eine Erholung von den Eindrücken. Ich lese sie wie eine Pause. Das Mädchen hockt sich hin und gibt ihre aktive Betrachterrolle auf, zu schwer sind ihr die Eindrücke geworden. Dann folgt auch der Schlaf, der von Anfang an unterschwellig da war. Die Augen wurden geöffnet und nun wieder geschlossen.
Gerade diese Pause von der belastenden Wahrnehmung ist wichtig. Zu sehr drängt das Innere sich dem Äußeren auf und spiegelt sich darin wider. Es trägt Zusammenhänge in die Umwelt, die gar nicht da sind oder die andere sein könnten, Zusammenhänge, die immer unpräzise sind und sich damit nicht zufrieden geben. Erst wenn diese Wahrnehmung unterbrochen wird, erst wenn die Augen geschlossen werden, fällt überhaupt auf, welche Belastung es ist, Wahrnehmung sein zu müssen.
Ich mach an dieser Stelle mal Schluss mit meiner Interpretiererei, fühle mich aber weiter inspiriert, weil dieses Gedicht auf anderen Ebenen noch sehr viel mehr bietet. Auf die Bildsprache bin ich noch gar nicht eingegangen, auch nicht auf das Mädchen, deren Wesen sich wirklich nur in ihrer Wahrnehmung zeigt und sonst alles verschweigt, und noch nicht mal auf den Titel, der ja verdeutlicht, wie sehr es hier auch um die Sprache des Textes selbst geht, das "Schlangenwispern". All diese Eindrücke wirken zusammen und hinterlassen mich als zustimmenden Leser, der sagt: ja, so ist das! aber das So nicht endgültig beschreiben kann.
P.S.: Stand im achten Vers ursprünglich: "Sie hockte sich im verdorrten Gras" oder hab ich das hineingelesen?
So blöd es klingen mag: ich hatte anfangs gedacht, dass sie dort ein Geschäft erledigt und auch das Rauchen des Tages darauf zurück bezogen, dass sie eben auf das verdorrte Gras pinkelt (und die Lesart hatte mir sogar gefallen
).
Und sowas finden wir auch hier. Mir scheint es vor allem darum zu gehen, wie das Mädchen ihre Umwelt wahrnimmt. Direkt im ersten Vers öffnet sich diese Perspektive: „Der Sommer küsste ihre Augenlider.“ Es geht um ihre Aus- und Einsichten und viel mehr noch um die Möglichkeit, die Augen davor zu verschließen. So kann auch jeder Vers als einzelner Augenblick gelesen werden, mit jedem Blinzeln beginnt ein neuer Moment.
Nichtsdestotrotz verweilen Rückstände des Vorhergegangenem, die den neuen Eindruck überlappen und ihm gerade dadurch den besonderen Ausdruck, den individuellen Charakter der Betrachterin verleihen.
Langsam wandelt sich so die Wahrnehmung des Sommers vom zarten Oberflächlichen zum harten Tiefgreifenden: „Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.“
Strophe zwei bietet nun eine Erholung von den Eindrücken. Ich lese sie wie eine Pause. Das Mädchen hockt sich hin und gibt ihre aktive Betrachterrolle auf, zu schwer sind ihr die Eindrücke geworden. Dann folgt auch der Schlaf, der von Anfang an unterschwellig da war. Die Augen wurden geöffnet und nun wieder geschlossen.
Gerade diese Pause von der belastenden Wahrnehmung ist wichtig. Zu sehr drängt das Innere sich dem Äußeren auf und spiegelt sich darin wider. Es trägt Zusammenhänge in die Umwelt, die gar nicht da sind oder die andere sein könnten, Zusammenhänge, die immer unpräzise sind und sich damit nicht zufrieden geben. Erst wenn diese Wahrnehmung unterbrochen wird, erst wenn die Augen geschlossen werden, fällt überhaupt auf, welche Belastung es ist, Wahrnehmung sein zu müssen.
Ich mach an dieser Stelle mal Schluss mit meiner Interpretiererei, fühle mich aber weiter inspiriert, weil dieses Gedicht auf anderen Ebenen noch sehr viel mehr bietet. Auf die Bildsprache bin ich noch gar nicht eingegangen, auch nicht auf das Mädchen, deren Wesen sich wirklich nur in ihrer Wahrnehmung zeigt und sonst alles verschweigt, und noch nicht mal auf den Titel, der ja verdeutlicht, wie sehr es hier auch um die Sprache des Textes selbst geht, das "Schlangenwispern". All diese Eindrücke wirken zusammen und hinterlassen mich als zustimmenden Leser, der sagt: ja, so ist das! aber das So nicht endgültig beschreiben kann.
P.S.: Stand im achten Vers ursprünglich: "Sie hockte sich im verdorrten Gras" oder hab ich das hineingelesen?
So blöd es klingen mag: ich hatte anfangs gedacht, dass sie dort ein Geschäft erledigt und auch das Rauchen des Tages darauf zurück bezogen, dass sie eben auf das verdorrte Gras pinkelt (und die Lesart hatte mir sogar gefallen
).Hallo Fux,
das finde ich auch sehr gelungen, es liegt etwas traurig Verzauberndes in und vor allem auch zwischen den Zeilen. Am Bild dieser Mädchenlandschaft. Ich würde sie auf keinen Fall zusammenziehen, ich glaube sie brauchen diese Luft. Ich würde eher die zweizeiligen zu Einzeilern machen, weil ich es ein bisschen schade finde, dass durch den Zeilenumbruch plötzlich etwas hervorgehoben wird, betont, und durch die Herausstellung die Dichtung sichtbar und spürbar wird. Auch würde es gerade in der zweiten Zeile die Weite, das Hinausreichen, stützen.
Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und verstreute Wacholderbeeren bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
Schließlich fällt der Schlaf, vielleicht auch auf den Betrachter. Was hat sie getan, was wurde ihr getan, es wird nicht gesagt, aber man schmeckt noch die rauchigen Spuren in der Luft, liest sich wieder zurück, folgt den Wacholderspuren und wünschte, dass der Sommer so sanft geblieben wäre.
Auch klanglich wirklich toll gemacht, je öfter ich es lese, desto verflochtener und stimmiger, bildhafter erscheint es mir.
edit: ach so, zum Titel wollte ich noch schreiben, dass ich ihn auch ganz fein finde und er für mich etwas wie eine lebende Verbindung zwischen Betrachter und Mädchen zu sein scheint.
Liebe Grüße
Flora
das finde ich auch sehr gelungen, es liegt etwas traurig Verzauberndes in und vor allem auch zwischen den Zeilen. Am Bild dieser Mädchenlandschaft. Ich würde sie auf keinen Fall zusammenziehen, ich glaube sie brauchen diese Luft. Ich würde eher die zweizeiligen zu Einzeilern machen, weil ich es ein bisschen schade finde, dass durch den Zeilenumbruch plötzlich etwas hervorgehoben wird, betont, und durch die Herausstellung die Dichtung sichtbar und spürbar wird. Auch würde es gerade in der zweiten Zeile die Weite, das Hinausreichen, stützen.
Der Sommer küsste ihre Augenlider.
Sie trug den roten Hut und verstreute Wacholderbeeren bis zum Bärenwald.
Wunden trug das ausgebrannte Land.
Ein schwarzer Flügel zog eine tiefe Furche unten am Fluss.
Der Sommer nagelte sich ihr ins Herz.
Sie hockte im verdorrten Gras.
Der Tag rauchte.
Nur die Pinien zählten die Stunden.
Endlich fiel der Schlaf.
Das finde ich interessant, für mich zeigt sich darin nicht die Perspektive des Mädchens, von ihm selbst erfahre ich nichts, sondern desjenigen, der es betrachtet, auf eine Weise liebend und fast so, als wolle er es behüten bis es einschläft.Last hat geschrieben:Mir scheint es vor allem darum zu gehen, wie das Mädchen ihre Umwelt wahrnimmt. Direkt im ersten Vers öffnet sich diese Perspektive: „Der Sommer küsste ihre Augenlider.“ Es geht um ihre Aus- und Einsichten und viel mehr noch um die Möglichkeit, die Augen davor zu verschließen.
Schließlich fällt der Schlaf, vielleicht auch auf den Betrachter. Was hat sie getan, was wurde ihr getan, es wird nicht gesagt, aber man schmeckt noch die rauchigen Spuren in der Luft, liest sich wieder zurück, folgt den Wacholderspuren und wünschte, dass der Sommer so sanft geblieben wäre.
Auch klanglich wirklich toll gemacht, je öfter ich es lese, desto verflochtener und stimmiger, bildhafter erscheint es mir.
edit: ach so, zum Titel wollte ich noch schreiben, dass ich ihn auch ganz fein finde und er für mich etwas wie eine lebende Verbindung zwischen Betrachter und Mädchen zu sein scheint.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Last
Flora hat geschrieben:Last hat geschrieben:Mir scheint es vor allem darum zu gehen, wie das Mädchen ihre Umwelt wahrnimmt. Direkt im ersten Vers öffnet sich diese Perspektive: „Der Sommer küsste ihre Augenlider.“ Es geht um ihre Aus- und Einsichten und viel mehr noch um die Möglichkeit, die Augen davor zu verschließen.
Das finde ich interessant, für mich zeigt sich darin nicht die Perspektive des Mädchens, von ihm selbst erfahre ich nichts, sondern desjenigen, der es betrachtet, auf eine Weise liebend und fast so, als wolle er es behüten bis es einschläft.
Schließlich fällt der Schlaf, vielleicht auch auf den Betrachter. Was hat sie getan, was wurde ihr getan, es wird nicht gesagt, aber man schmeckt noch die rauchigen Spuren in der Luft, liest sich wieder zurück, folgt den Wacholderspuren und wünschte, dass der Sommer so sanft geblieben wäre.
Auch klanglich wirklich toll gemacht, je öfter ich es lese, desto verflochtener und stimmiger, bildhafter erscheint es mir.
Festmachen kann ich meine Lesart letztenendes nur an den beiden Sommer-Versen. Der erste drängt mich ja dazu, über die Wahrnehmung nachzudenken, und da küsst der Sommer eben "ihre Augenlider". Ich verstehe das dann als Berührpunkt zwischen dem Phänomen Sommer (man muss schon daran scheitern zu definieren, was das überhaupt ist) und individueller Wahrnehmung. Obwohl alle eingefangenen Momente den Sommer erklären, ist keiner von ihnen der Sommer, sondern ein eigenständiger Moment, der für nichts steht als für sich selbst.
Später nagelt der Sommer sich "ihr ins Herz", was mich dazu veranlasst die vielen Metaphern (Wunden des Landes, rauchender Tag, stundenzählende Pinien, etc.) als Ausdruck ihres Erlebens zu deuten, als unvermeidbare Verbindung von Sinneseindrücken und Emotion.
Neben den Metaphern erfahre ich aber auch nichts über das Mädchen. Wenn wir die Metaphern nicht als Produkt ihrer Wahrnehmung verstehen, sondern einem beobachtenden Sprecher zuschreiben, würde das Mädchen selbst der Umwelt angehören. Dann würde ich hier surreale Tendenzen vermuten, die auch noch Wahrnehmung thematisieren, allerdings auf andere Weise. Die lyrischen Bilder könnten konkreter aber gleichzeitig fantastischer gelesen werden. So z.B. die Anspielung auf Volksmärchen in Vers 2 und 3, oder auch die Wunden des Landes als Risse im Boden, aus denen tatsächlich Blut strömt. Der Vorstellungskraft wären wenige Grenzen gesetzt. Sogar eine konkrete Übersetzung des Sommers als Sexualstraftäter wäre dann möglich, die wiederum eine psychologische Lesart provoziert (es lohnt sich, das mal am Text durchzuspielen!).
-
wüstenfuchs
Liebe Flora, lieber Last
ich bedanke mich für die ausführliche Analyse meines Textes. Er vertieft sich durch eure Kommentare und ich muss nun über das reichhaltige Material nachdenken und meditieren.
Zuerst war da das Bild des Mädchens, dann die Landschaftsbilder, in die ich (auf nicht ausschließlich bewusster Ebene) eine Korrespondenz mit ihrem inneren Erleben, ihrer Verletztheit zu legen versuchte, ohne etwas direkt anzusprechen. Oder die Sommerwahrnehmungen flossen durch das Bewusstsein des Mädchens.
Die geräumige Zeilenstellung gefällt mir gut, Flora.
Last, das stimmt, war aber ein Tippfehler (freudsch), erst stand da sie hockte sich...
Interessant dein Rekurrieren auf die Sexualproblematik (meine Freundin hat eine derartige Erfahrung machen müssen), die ich aber nicht bewusst eingebaut habe hier, mit der ich aber zwangsläufig innerlich zu tun habe)
Werde mich wieder zu Wort melden, wenn ich mir noch klarer geworden bin über das Ganze.
Viele Grüße
Fux
ich bedanke mich für die ausführliche Analyse meines Textes. Er vertieft sich durch eure Kommentare und ich muss nun über das reichhaltige Material nachdenken und meditieren.
Zuerst war da das Bild des Mädchens, dann die Landschaftsbilder, in die ich (auf nicht ausschließlich bewusster Ebene) eine Korrespondenz mit ihrem inneren Erleben, ihrer Verletztheit zu legen versuchte, ohne etwas direkt anzusprechen. Oder die Sommerwahrnehmungen flossen durch das Bewusstsein des Mädchens.
Die geräumige Zeilenstellung gefällt mir gut, Flora.
Last, das stimmt, war aber ein Tippfehler (freudsch), erst stand da sie hockte sich...
Interessant dein Rekurrieren auf die Sexualproblematik (meine Freundin hat eine derartige Erfahrung machen müssen), die ich aber nicht bewusst eingebaut habe hier, mit der ich aber zwangsläufig innerlich zu tun habe)
Werde mich wieder zu Wort melden, wenn ich mir noch klarer geworden bin über das Ganze.
Viele Grüße
Fux
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