Finde ich sehr gelungen!
Angefangen vom Titel "Wolfsbarsch", der über den Umweg "Homo homini lupus" die Verwirrung der Identität des Sprechers untermauert. Denn bis zur dritten Strophe muss der Leser denken, es handele sich um einen Menschen, der eine Delikatesse genießt und an einer Gräte zu ersticken droht. Erst der Vergleich "wie von einer schnur gezogen" bringt ja die Erwägung ins Spiel, dass hier ein Fisch beschreiben könnte, wie er geangelt wird.
Ergiebiger bleibt für mich aber die Vorstellung, dass ein Mensch an der Angel hängt, und die Frage: wer oder was der Menschenfischer ist? Wer entreißt ihn aus den fleischlichen Genüssen und hieft ihn in einem Prozess der Verklärung ("alles verschwamm um mich herum") an die Oberfläche?
Und weshalb ringt das lyrische Ich jetzt um Atem: Wegen dem Angelhaken im Hals oder wegen der Gräte? Oder vielleicht weil er im völlig falschen Element, im Wasser statt an der freien Luft, gewesen ist?
Jedenfalls lese ich hier nicht nur eine Todes- sondern auch eine Geburts- oder Neugeburtsszene. Daran gewinnt der Text unheimlich. Denn ein geistiges Erwachen wird mit einem fleischlichen Niedergang gleichgesetzt ohne dabei einen der beiden Pole zu bevorzugen und ohne zu versuchen eine dritte, vielleicht transzendente Erklärung darüber abzugeben, in welchem Verhältnis beide zueinander stehen könnten.
In diese Erklärungslücke hinein lese ich dann die letzte Strophe, der ja auch ein Gedankenstrich vorausgeht. Jetzt wird das Ich (ich schreibe bewusst nicht mehr
lyrisches Ich) doch noch eingepackt. Doch noch wie ein Fisch in den signalfarbenen Eimer geworfen. Man mag das subjektiv als ein Höllenszenario oder objektiv als den Lauf der Dinge beurteilen, aber darauf ist der Text nicht angelegt. Hier wird eine Feststellung gemacht, die Folge aus dem Geschehen gezogen, aber nicht die Situation beurteilt. Ein großartiger Schluss in meinen Augen: Am Ende ist alles im Eimer.

LG
Last