wolfsbarsch
das fleisch war zart
und schmeckte wunderbar
als mir ein jäher schmerz
durch den gaumen fuhr
und mein kopf nach hinten gerissen wurde
wie von einer schnur gezogen
alles verschwamm um mich herum
in tosen und branden
und ich durchbrach die oberfläche
wurde von einer weichen schwarzen
gummihand gepackt
und rang um atem
-
das letzte
was ich sah
war ein
roter
plastikeimer
wolfsbarsch
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Moin Tom,
der Fischfresser, der sich plötzlich fühlt, wie der Fisch, den er geangelt hat. Jou, warum nicht. Für ne Vegetarierin wie mich, ein durchaus (an)sprechender Text.
Ich frage mich jedoch, ob es die letzte Passage noch braucht. Meiner Meinung nach nicht. Ist vorher schon alles gesagt.
Saludos
Mucki
der Fischfresser, der sich plötzlich fühlt, wie der Fisch, den er geangelt hat. Jou, warum nicht. Für ne Vegetarierin wie mich, ein durchaus (an)sprechender Text.
Ich frage mich jedoch, ob es die letzte Passage noch braucht. Meiner Meinung nach nicht. Ist vorher schon alles gesagt.
Saludos
Mucki
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Niko
hallo tom!
mir gefällt vor allem die "zweite ebene" die sich mir zumindest auftut. gibt´s nix weiter zu zu sagen für mich als dass ich es gelungen finde. die letzte strofe bräuchte es meiner meinung nach auch nicht. aber dann müsste das ende mit "ringen um atem" auch abschließender formuliert werden.
liebe grüße: Niko
mir gefällt vor allem die "zweite ebene" die sich mir zumindest auftut. gibt´s nix weiter zu zu sagen für mich als dass ich es gelungen finde. die letzte strofe bräuchte es meiner meinung nach auch nicht. aber dann müsste das ende mit "ringen um atem" auch abschließender formuliert werden.
liebe grüße: Niko
Hi Niko,
meinst du mit der zweiten Ebene "das Fressen und Gefressen werden"?
Der Wolfsbarsch ist ja ein Nachträuber und frisst andere Fische, Krebse, etc.
Also, dass dieser Text quasi aus der Sicht des Wolfsbarsches selbst geschrieben ist?
Saludos
Mucki
Niko hat geschrieben:mir gefällt vor allem die "zweite ebene" die sich mir zumindest auftut.
meinst du mit der zweiten Ebene "das Fressen und Gefressen werden"?
Der Wolfsbarsch ist ja ein Nachträuber und frisst andere Fische, Krebse, etc.
Also, dass dieser Text quasi aus der Sicht des Wolfsbarsches selbst geschrieben ist?
Saludos
Mucki
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Last
Finde ich sehr gelungen!
Angefangen vom Titel "Wolfsbarsch", der über den Umweg "Homo homini lupus" die Verwirrung der Identität des Sprechers untermauert. Denn bis zur dritten Strophe muss der Leser denken, es handele sich um einen Menschen, der eine Delikatesse genießt und an einer Gräte zu ersticken droht. Erst der Vergleich "wie von einer schnur gezogen" bringt ja die Erwägung ins Spiel, dass hier ein Fisch beschreiben könnte, wie er geangelt wird.
Ergiebiger bleibt für mich aber die Vorstellung, dass ein Mensch an der Angel hängt, und die Frage: wer oder was der Menschenfischer ist? Wer entreißt ihn aus den fleischlichen Genüssen und hieft ihn in einem Prozess der Verklärung ("alles verschwamm um mich herum") an die Oberfläche?
Und weshalb ringt das lyrische Ich jetzt um Atem: Wegen dem Angelhaken im Hals oder wegen der Gräte? Oder vielleicht weil er im völlig falschen Element, im Wasser statt an der freien Luft, gewesen ist?
Jedenfalls lese ich hier nicht nur eine Todes- sondern auch eine Geburts- oder Neugeburtsszene. Daran gewinnt der Text unheimlich. Denn ein geistiges Erwachen wird mit einem fleischlichen Niedergang gleichgesetzt ohne dabei einen der beiden Pole zu bevorzugen und ohne zu versuchen eine dritte, vielleicht transzendente Erklärung darüber abzugeben, in welchem Verhältnis beide zueinander stehen könnten.
In diese Erklärungslücke hinein lese ich dann die letzte Strophe, der ja auch ein Gedankenstrich vorausgeht. Jetzt wird das Ich (ich schreibe bewusst nicht mehr lyrisches Ich) doch noch eingepackt. Doch noch wie ein Fisch in den signalfarbenen Eimer geworfen. Man mag das subjektiv als ein Höllenszenario oder objektiv als den Lauf der Dinge beurteilen, aber darauf ist der Text nicht angelegt. Hier wird eine Feststellung gemacht, die Folge aus dem Geschehen gezogen, aber nicht die Situation beurteilt. Ein großartiger Schluss in meinen Augen: Am Ende ist alles im Eimer.
LG
Last
Angefangen vom Titel "Wolfsbarsch", der über den Umweg "Homo homini lupus" die Verwirrung der Identität des Sprechers untermauert. Denn bis zur dritten Strophe muss der Leser denken, es handele sich um einen Menschen, der eine Delikatesse genießt und an einer Gräte zu ersticken droht. Erst der Vergleich "wie von einer schnur gezogen" bringt ja die Erwägung ins Spiel, dass hier ein Fisch beschreiben könnte, wie er geangelt wird.
Ergiebiger bleibt für mich aber die Vorstellung, dass ein Mensch an der Angel hängt, und die Frage: wer oder was der Menschenfischer ist? Wer entreißt ihn aus den fleischlichen Genüssen und hieft ihn in einem Prozess der Verklärung ("alles verschwamm um mich herum") an die Oberfläche?
Und weshalb ringt das lyrische Ich jetzt um Atem: Wegen dem Angelhaken im Hals oder wegen der Gräte? Oder vielleicht weil er im völlig falschen Element, im Wasser statt an der freien Luft, gewesen ist?
Jedenfalls lese ich hier nicht nur eine Todes- sondern auch eine Geburts- oder Neugeburtsszene. Daran gewinnt der Text unheimlich. Denn ein geistiges Erwachen wird mit einem fleischlichen Niedergang gleichgesetzt ohne dabei einen der beiden Pole zu bevorzugen und ohne zu versuchen eine dritte, vielleicht transzendente Erklärung darüber abzugeben, in welchem Verhältnis beide zueinander stehen könnten.
In diese Erklärungslücke hinein lese ich dann die letzte Strophe, der ja auch ein Gedankenstrich vorausgeht. Jetzt wird das Ich (ich schreibe bewusst nicht mehr lyrisches Ich) doch noch eingepackt. Doch noch wie ein Fisch in den signalfarbenen Eimer geworfen. Man mag das subjektiv als ein Höllenszenario oder objektiv als den Lauf der Dinge beurteilen, aber darauf ist der Text nicht angelegt. Hier wird eine Feststellung gemacht, die Folge aus dem Geschehen gezogen, aber nicht die Situation beurteilt. Ein großartiger Schluss in meinen Augen: Am Ende ist alles im Eimer.

LG
Last
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Moin Ihr Landratten :o)
So gut wie der verehrte Kollege Last kann ich das gar nicht erklären.
Ich stand bei diesem Strand-Angler, und hab mir die beiden Barsche in dem Eimer angesehen. Der Eimer war nur halb mit Wasser gefüllt, und die Jungs steckten da mehr oder weniger kopfüber drin. Mit ganz schwachen Kiemenbewegungen, und kaum noch Lebenszeichen. Der Angler fischte einen davon heraus und zeigte ihn mir.
Es muss etwas in diesen flachen und irgendwie flehenden Augen gewesen sein, oder auch das vergebliche tonlose Aufklappen des Mauls, was mich so beeindruckte; vielleicht auch der zeitlichen Nähe meiner kürzlichen Sterbebegleitung wegen.
Um es mit den Worten von Last zu sagen: Am Ende ist alles im Eimer! Deswegen brauche ich die letzte Strophe unbedingt.
Und heute abend gibts leckeren Fisch! Mahlzeit!
Danke Euch für die Besprechung.
Tom
So gut wie der verehrte Kollege Last kann ich das gar nicht erklären.
Ich stand bei diesem Strand-Angler, und hab mir die beiden Barsche in dem Eimer angesehen. Der Eimer war nur halb mit Wasser gefüllt, und die Jungs steckten da mehr oder weniger kopfüber drin. Mit ganz schwachen Kiemenbewegungen, und kaum noch Lebenszeichen. Der Angler fischte einen davon heraus und zeigte ihn mir.
Es muss etwas in diesen flachen und irgendwie flehenden Augen gewesen sein, oder auch das vergebliche tonlose Aufklappen des Mauls, was mich so beeindruckte; vielleicht auch der zeitlichen Nähe meiner kürzlichen Sterbebegleitung wegen.
Um es mit den Worten von Last zu sagen: Am Ende ist alles im Eimer! Deswegen brauche ich die letzte Strophe unbedingt.
Und heute abend gibts leckeren Fisch! Mahlzeit!
Danke Euch für die Besprechung.
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
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