Worte

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 10.07.2010, 16:39

Traumzeichen versiegeln meinen Mund.

Ein weißes Licht kreuzt im Raum.

Trotzdem verliere ich Worte.

Sie schmecken nach bitterem Tee
und gleichen den Monden des Saturn.

Doch langsam schwinden sie
sinken in Mauerritzen.

von Eidechsen gehütet
in der Lücke der Zeit.

(geändert nach Flora)


vorherige Fassung:

Traumzeichen versiegeln meinen Mund.

Ein weißes Licht kreuzt im Raum.

Trotzdem verliere ich Worte.

Sie schmecken nach bitterem Tee
und gleichen den Monden des Saturn.

Doch langsam versteinern sie
verschwinden in Mauerritzen.

Eidechsen hüten sie
in der Lücke der Zeit.
Zuletzt geändert von wüstenfuchs am 14.07.2010, 11:40, insgesamt 1-mal geändert.

Max

Beitragvon Max » 10.07.2010, 23:03

Hallo Fux,

wie schön Dich einmal wieder hier zu sehen.

Das finde ich einen sehr interessanten und gleichzeitig einen sehr starken Text. Die Diktion der ersten Woret und Zeilen erinnert mich an Celan. "Traum" und "Zeichen" glaube ich dort wiederkehrend gelesen zu haben. Trotzdem hat das Gedicht da natürlich eigene, Fuxische Züge ...

Die beiden nächsten Strophen


Sie schmecken nach bitterem Tee
und gleichen den Monden des Saturn.

Doch langsam versteinern sie
verschwinden in Mauerritzen.



finde ich aber besonders stark, Die Saturnmonde so unterzubringen, dass sie zu einem bildhaften Vergleich taugen, ist schon einzig.

Die Worte, die in den Mauerritzen verschwinden, sind vielleicht auf den ersten Blick weniger auffällig, jedoch nicht weniger wirkungsvoll.

Die Schlussstrophe rundet das Gedicht ab - wobei sie für mich die teilweise surrelaistsichen Bilder in der Realität verankern.

Ein starkes Gedicht!
Max

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 11.07.2010, 09:42

Hallo Max,

danke für deinen Kommentar, der mich natürlich freut. Ich habe schon beim Einlesen gemerkt, dass es hier ein wenig celaniert. Es ist seltsam, aber ich habe fast nix von Celan gelesen. Mehr von Andre du Bouchet, der wohl von Celan übersetzt wurde. Ist auch ein spannender Lyriker.

Ich hatte eine sehr lange Flaute, sozusagen Schreibblockade und fange erst langsam wieder an. Hatte monatelang keine Produktion.

Ich hoffe, dass die Quelle jetzt wieder sprudelt,

Fux

Max

Beitragvon Max » 11.07.2010, 11:09

Lieber Fux,

das hoffe ich (natürlich für Dich aber auch für den salon) ebenfalls ... Ich kenne das ganz gut, aber irgendwann kommen die Texte auch wieder und man hat vielleicht Neues gefunden.

Hast Du mal einen Tipp zu du Bouchet, den kene ich eigentlich gar nicht.

Liebe Grüße
Max

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 11.07.2010, 11:43

Lieber Max,

ich nenne dir mal die BÜcher, die ich zuhause habe.

Andre du Bouchet

Bruchstücke vom Berg für die Landstrasse verwendet, veröffentlicht vom Lyrikkabinett München

Vakante Glut, Suhrkamp

Wiebke Amthor

Schneegespräche an gastlichen Tischen. Wechselseitiges Übersetzen bei Paul Celan und Andre du Bouchet

Emma Wagstaff

Provisionality and the Poem
Transition in the Work of du Bouchet, Jaccottet, and Noel

Viele Grüße
Wüstenfux

Max

Beitragvon Max » 11.07.2010, 12:11

Lieber Fux,

da ist ja mein nächster Besuch im Buchladen vorprogrammiert.

Herzlichen Fank
Max

Lydie

Beitragvon Lydie » 11.07.2010, 12:45

Lieber Fux,

Mir gefällt es auch, die Stimmung, die dein Gedicht für mich aufbaut, und ganz besonders gefallen mir die letzten beiden Zeilen:

Eidechsen hüten sie
in der Lücke der Zeit.

Herzlichst,

Lydie

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 11.07.2010, 13:05

Hallo Fux,

das gefällt mir auch sehr, sowohl klanglich, als auch von seiner Bildhaftigkeit, die Stimmung, die sich auftut, der Geschmack. Auch die luftigere Setzung und das reduzierte, schmaler werdende der letzten Zeilen finde ich sehr stimmig.

Die einzige Strophe, an der ich etwas hängenbleibe, ist das Versteinern nach dem tollen Bild der Saturnmonde, weil es dann für mich auf eine "Realebene" geholt wird und ich mich frage, ob die Monde wohl gasförmig sind? Und dann eben auch, wie etwas Versteinertes in Mauerritzen verschwinden kann? Wäre es rein vom Bild, aber auch vom Gedanke her nicht eher ein "verdunsten" oder "auflösen", nicht mehr (be-)greifen, schmecken können?

Beim Titel bin ich mir unsicher, ich mag zwar das Einfache, Aussprechende daran, aber andererseits reduziert es das Gedicht dann auch sehr auf dieses eine Wort. :-) Eigentlich fände ich die erste Zeile auch schön als Titel und auch anziehender, weil versprechender.

Liebe Grüße
Flora

p.s. schau mal in dein Postfach .-)
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Niko

Beitragvon Niko » 11.07.2010, 15:23

hi fuchs!
"trotzdem verliere ich worte" - die stelle mag ich hier ganz besonders. und sie kommt auch noch am schnörkellosesten daher. aber auch die für meine begriffe doch abstrakten bilder finde ich gelungen und bieten genügend transparenz.

hab´s gern gelesen!

lieben gruß: Niko

Mucki
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Beitragvon Mucki » 11.07.2010, 16:06

Hallo Ben,

schön, dich wieder zu lesen!

Dein Gedicht gefällt mir sehr. Dieses surreale Element darin, verbunden mit den sehr schönen, neuen Bildern.
Beim "verschwinden in Mauerritzen" bin ich kurz gestolpert, da "verschwinden" ja eher etwas Aktives ist. Passt das nachträglich zum Versteinern? Vielleicht kannst du es ja umdrehen?

doch langsam verschwinden sie
versteinern in Mauerritzen


Die Schlussstrophe ist eine Perle!

Saludos
Gabriella

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 11.07.2010, 17:17

Liebe Lydie, danke für deinen Kommentar.

Lieber Niko,
ja ja die Schnörkel, ich strebe eigentlich auch im Moment eine größere Kargheit an. Bin unterwegs. Danke fürs Lesen.

Liebe Flora, liebe Gabriella,

mein Titel ist schwach. Muss ich überdenken.

Da ihr das nun beide sagt, werde ich mir die Stelle mit dem Verschwinden bzw. Versteinern noch einmal durch den Kopf gehen lassen, wobei Mir Gabriellas Umdrehung gut gefällt.


Viele Grüße
Fux

Rala

Beitragvon Rala » 13.07.2010, 16:03

Hallo Ben!

Kann mich meinen Vorlesern nur anschließen, auch mir gefällt das sehr gut, und auch ich bin einzig am "versteinern" hängen geblieben. Abgesehen von Muckis Vorschlag mit dem Umdrehen, vielleicht würde etwas wie "zerfallen" oder "vertrocknen" oder Ähnliches besser passen (je nachdem, wie du dir das genau vorgestellt hast)?

Liebe Grüße,
Rala

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 13.07.2010, 17:08

Hallo Rala,

danke fürs Lesen. Monde zerfallen, lösen sich auf, verschwinden...

gerade gehe ich alle Alternativen durch...

wegen der Behütung durch die Eidechsen muss ja was von ihnen übrig bleiben.

Viele Grüße
Fux

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Beitragvon Ylvi » 14.07.2010, 08:07

Hallo Fux

da du noch am Überlegen bist, hier eine Anregung zum Weiterdenken, die auch das doppelte "sie" umgehen würde:

Doch langsam schwinden sie
sinken in Mauerritzen

von Eidechsen gehütet
in der Lücke der Zeit.


Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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