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auch anders
Verfasst: 13.06.2010, 18:24
von Mucki
2. Fassung:
du
es gibt zeiten
in denen ich auf wolken gehe
einfach so mit festem grund
nach dem ich nicht frage
es genieße keine zweifel zu jagen
beide hände loslasse
ich seh dich lächeln
du hast es gewusst
kennst mein geheimnis
das stört mich nicht
dein wissen musst du wohl hüten
auch das weißt du und
es ist gut
Ursprungsversion:
du
es gibt zeiten
in denen ich auf wolken gehe
einfach so mit festem grund
nach dem ich nicht frage
es genieße keine zweifel zu jagen
beide hände loslasse
mir wolken wachsen
große weiße leuchtende
ich seh dich lächeln
du hast es gewusst
kennst mein geheimnis
hey
das stört mich nicht
dein wissen musst du wohl hüten
auch das weißt du und
es ist gut
Verfasst: 15.06.2010, 13:51
von Quoth
Hallo, Gabriella,
Dein Text fordert mich auf, mich in die Rolle eines angesprochenen lyrischen Du hineinzuversetzen, das vom lyrischen Ich in ein Geheimnis eingeweiht wird. Merkwürdige Schauder laufen mir über den Rücken bei einem solchen mir gewährten Einblick in eine Beziehung, in die ich nie so indiskret wäre hineinzublicken, wäre ein Teil ihres Innenlebens hier nicht gleichsam ausgestellt. Aber wird sie nicht nur ausgestellt, weil sie in Wirklichkeit gar nicht existiert? Ist dies nicht Lyrik-fiction? So wird das lyrische Du ja zum Schluss auch noch aufgefordert, das Wissen um dieses Geheimnis "wohl zu hüten". Pscht! Nicht weitersagen! Was für ein Geheimnis ist das nun? Das lyrische Ich vermag gelegentlich "auf Wolken zu gehen" und ihm wachsen dann auch noch flügelartige Wolken, es verwandelt sich also in eine Art Wolkenengel ... Ich glaube, die Autorin will uns mit dieser Geheimniskrämerei um ein recht schlichtes "Geheimnis" auch ein bisschen auf den Arm nehmen ... Sehe ich es so, dann wird aus dem Text das durchaus anmutige Bild eines mädchenhaften Narzissmus!
Gruß
Quoth
"so" eingefügt
Verfasst: 15.06.2010, 14:23
von Mucki
Hallo Quoth,
deine Interpretation bzw. Reaktion auf den Text finde ich echt interessant und auch witzig irgendwie, da ich mit so einer Lesart gar nicht gerechnet habe. ,-)
Ja, welches Geheimnis es ist, steht eigentlich im Text, ist also eigentlich kein echtes Geheimnis. Es ist eine sehr positive Seite, die das LI hier von sich zeigt. Bzw., eigentlich zeigt es diese ja nicht, sondern LI weiß ja, dass es dem Du bekannt ist. LI bekennt sich lediglich dazu, spricht also geradezu "verschwörerisch" mit dem Du.
Nein, keine "Lyrik-Fiktion". Diese "auch andere" Seite, die im LI steckt, versuchte ich durch diesen Wolkenbild darzustellen.
Insgesamt soll das Ganze ziemlich positiv konnotiert sein und keine "Schauer" über den Rücken des Leser laufen lassen, eher im Gegenteil. ,-)
Saludos
Gabriella
Verfasst: 15.06.2010, 23:28
von Elsa
Liebe Mucki,
mich schaudert nicht, ganz im Gegenteil, du malst mir hier ein Bild voller Leichtigkeit, ein "es geht auch anders" eines LIs, das dies vermutlich selten empfinden kann.
Zugleich ist da was wie Flirt mit dem Du, weil ja beiden darum wissen, dass es 1. möglich ist und 2. viel zu selten passiert. Das gefällt mir bis auf ein paar Zeilen.
ich würde es eher so lesen, dass die beiden letzten Zeilen der 1. Str. entfallen, die nehmen mir eher das Bild, als es zu erweitern. Mir gefiele dort der Übergang zum Du von den Händen weg besser. Und das "hey" wäre trotz des kleinen Flirtcharakters, den ich wahrnehme, auch nicht so meins.
Meine "Wunschfassung" sähe demnach so aus:
du
es gibt zeiten
in denen ich auf wolken gehe
einfach so mit festem grund
nach dem ich nicht frage
es genieße keine zweifel zu jagen
beide hände loslasse
ich seh dich lächeln
du hast es gewusst
kennst mein geheimnis
das stört mich nicht
dein wissen musst du wohl hüten
auch das weißt du und
es ist gut
Lieben Gruß
ELsie
Verfasst: 15.06.2010, 23:55
von Mucki
Liebe Elsie,
Elsa hat geschrieben:du malst mir hier ein Bild voller Leichtigkeit, ein "es geht auch anders" eines LIs, das dies vermutlich selten empfinden kann.
genau darum geht es. Du kennst mich zu gut, Elsie.
.gif)
Über deinen Vorschlag zur Streichung der beiden Zeilen und des "Hey" denk ich noch nach.
Danke dir!
Saludos
Mucki
Verfasst: 16.06.2010, 08:27
von Elsa
Gabriella hat geschrieben:Du kennst mich zu gut, Elsie.
.gif)
Liebe Grüße
ELsie
Verfasst: 16.06.2010, 13:28
von Mucki
Ich hab deinen Vorschlag übernommen, Elsie.
Steht als 2. Fassung oben. Ja, ist besser so.
Danke dir!
Saludos
Mucki
Verfasst: 16.06.2010, 23:11
von Max
Liebe Mucki,
ich würde mir wünschen, dass das Gedicht noch mehr eine eigene Stimme zeigt.
Wörter wie
Geheimnis, Lächeln, Wolke etc.
sind ja sehr stark im Grundvokabular der Lyrik verankert und entwicklen ihre eigene Sprache erst dann, wenn man sie mit Unerwartetem konfrontiert.
Liebe Grüße
max
Verfasst: 16.06.2010, 23:23
von Mucki
Hi Max,
du hast sicher Recht mit dem "Grundvokabular". Doch ich möchte es hier ganz schlicht halten, keine großen Metaphern suchen oder Umschreibungen. Das würde für mich hier irgendwie zu sehr gesucht wirken.
In diesem Textlein ist mir diese "Leichtigkeit" und dieses "Verschwörerische" zwischen Ich und Du wichtig. Da braucht es für mich nichts Unerwartetes. Die Natürlichkeit ist mir hier wichtig. Und manchmal spreche ich halt auch eine einfache Sprache. Vielleicht ist sie gerade richtig für diese Natürlichkeit. ,-)
Saludos
Mucki