[geh ich unter allen Bäumen]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 17.04.2010, 15:25

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geh ich unter allen Bäumen
und Regen blinkt, der mit mir flirtet
spielt in der Wärme eines Vogels
der Klang
von Erinnerungswerterem
das Lachen im Gras erkenne ich
wie immer
ist es deines

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aus der Reihe:

"an den, mit dem ich im Gras..."


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VFM
Zuletzt geändert von FawzZalum am 25.04.2010, 13:35, insgesamt 2-mal geändert.

carl
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Beitragvon carl » 18.04.2010, 00:19

Hallo Zafar,

mir gefällt dein Gedicht sehr gut!
Ich empfinde es im guten Sinne als Fortschreibung einer alten Erfahrung:
Für die(den) Liebende(n) wird die Umgebung zum Spiegelbild des(der) Geliebten.
Sie bekommt eine persönliche Tiefe, die sie objektiv betrachtet nicht hat.
Bleibt dem Leser überlassen, ob er das für eine Illusion hält.
Oder ob die Wirklichkeit so antwortet, wie sie angesprochen wird...

Konkret im Einzelnen:
Deine Sprache ist, im Gegensatz zu manch einem andern deiner Gedichte, einfach und mit nur wenig ausgewählten Worten emotional aufgeladen.
In der 1. Zeile ist das "allen". Ich erspüre dabei "all die Bäume, unter denen wir zusammen gingen".
Oder auch alle Bäume, die es überhaupt gibt, unter denen Liebende jemals gegangen sind.
Dafür spricht auch das Präsens "gehe ich..." Ich verstehe es im Sinne von "immer, wenn ich gehe..." Und dann gehen alle, die Ähnliches erlebt haben, mit.
Der Regen ist fein und blinkt an den Zweigen, von denen er noch spärlich tropft.
Er flirtet durch Berührung der Haut.
Und ist damit schon ein Anklang an Erinnerungswerteres.
"wenn ich im Regen gehe... spielt in der Wärme eines Vogels/ der Klang ..."
Dabei denke ich an das Lied der Amsel im Regen, der einzige Vogel, der in diesen Breiten im Regen singt (von dem ich weiß). Die Wärme eines Sommertages zieht sich in der Ankühlung durch den Regen in dieses Lied zurück.
Das Lied wird zu einem Gefäß des Erlebten unter widrigen Umständen -
Und doch ist es nur ein Anklang an Erinnerungswerteres.
An diesem sperrigen Wort könnte man vielleicht noch arbeiten.
Besonders, weil das konkrete Erleben des Regenspaziergangs gegeben und nicht selbst eine Erinnerung ist.
Es löst die Erinnerung an die Begegnung mit dem Geliebten aus.
Durch den Komparativ wird aber der Spaziergang selbst zur Erinnerung.
Andrerseits ist klar, was gemeint ist: die Umgebung ist von den Gedanken an den Liebsten erhellt und damit ist diese Erinnerung wirklicher als das konkrete Gegenüber in Baum, Regen, Vogel und Gras.
Und genau darauf laufen die letzten drei Zeilen zu.
Wobei die vorletzte Zeile sowohl zur vorigen, wie zur letzten gezogen werden kann.
Das Schlusswort ist "dein Lachen". Wie immer.

Das ist nicht neu. Es ist wie immer. Aber es ist aktuell deines.

LG, Carl

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 25.04.2010, 12:03

Hallo Zafar,

ich finde hier das Blinken und den Vogel aus [was sind es schon...] wieder. In der Reihe würde ich vermuten, dass dieses Gedicht früher entstanden ist und das andere daraus hervorging. Auch diese Momentaufnahme, dieser Spaziergang, die Wechselbeziehung zwischen Innen und Außen, gefällt mir.

Was mir, aber das mag an mir liegen, gar nicht klingt, weil das einfach ein hässliches Wort ist, das so gar nicht das fassen kann, was es sollte, wäre das "flirtet". Das "blinkt" verstärkt dieses Gefühl hier noch.

"Erinnerungswerterem" scheint mir, wie auch carl schon schrieb, sperrig. Eine weichere, stärkere Lösung fällt mir aber auch nicht ein, ich glaube dafür müsste es eben eines deiner Bilder sein, das das Erinnerungswertere aufnehmen kann und nicht in einer nüchternen Wertung und im Allgemeinen verharrt.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 25.04.2010, 14:25

Liebe Flora,

(das andere Gedicht ist übrigens das erste der Reihe; dies hier ist Part II :mrgreen: :razz: )

Flora hat geschrieben:Was mir, aber das mag an mir liegen, gar nicht klingt, weil das einfach ein hässliches Wort ist, das so gar nicht das fassen kann, was es sollte, wäre das "flirtet". Das "blinkt" verstärkt dieses Gefühl hier noch.


Ich find aber schon, dass "flirten" und "blinken", auch klanglich, sehr gut zum tröpfelnden Regen passen. Und finde das als Anglizismus jetzt auch gar nicht so tragisch. Auch die Geschichte des Wortes finde ich passend (schnell nachgeschlagen bei Wikipedia :pfeifen: ):

it has been attributed to the old French conter fleurette, which means "to (try to) seduce" by the dropping of flower petals, that is, "to speak sweet nothings"

Außerdem fällt mir auch kein besseres Wort ein, dass eine derartige Gegenseitigkeit ausdrückt (also mit mir)...oder vielleicht, "der mit mir schäkert" :spin2:

"Erinnerungswerterem" scheint mir, wie auch carl schon schrieb, sperrig. Eine weichere, stärkere Lösung fällt mir aber auch nicht ein, ich glaube dafür müsste es eben eines deiner Bilder sein, das das Erinnerungswertere aufnehmen kann und nicht in einer nüchternen Wertung und im Allgemeinen verharrt.



Ja, stimmt schon, ist ein Bisschen hölzern...ich werd mal überlegen. Danke für die Anregung..

Herzlichst

Zafar


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