und ja

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 05.04.2010, 13:20



und ja


ohnmächtige wortwolken
ziehen durch die abendbäume
an ihren enden erkämpfen sich die stunden
ihr bleiberecht

die gefahr für knoten ist zu groß
blicken wir uns zu
und niemand vermutet
was uns unbewusst
gelungen
die dreifaltigkeit dieses momentes
im hauch eines atems entschlüsselt
vergoldet schweren ton
und leichtes schweigen

und ja
wir hatten nie das glück
unempfindlicher zu sein

so bleiben wir auf der strecke
und mit jedem schritt
erreichen wir
ziellinien und neuland



.

Benutzeravatar
noel
Beiträge: 2666
Registriert: 04.08.2006

Beitragvon noel » 05.04.2010, 16:21

und ja
wir hatten nie das glück
unempfindlicher zu sein



wäre das wirklich ein glück???

Niko hat geschrieben:

und ja


ohnmächtige wortwolken
ziehen durch die abendbäume
an ihren enden erkämpfen sich die stunden
ihr bleiberecht


ohnmacht & dennoch erkämpfen sich an den abend(bäumen)
die stunden ihr bleiberecht, bleiberecht in ohnmacht...
bringe ich nicht übereins

Niko hat geschrieben:die gefahr für knoten ist zu groß
blicken wir uns zu
und niemand vermutet
was uns unbewusst
gelungen
die dreifaltigkeit dieses momentes
im hauch eines atems entschlüsselt
vergoldet schweren ton
und leichtes schweigen


gefahr für knoten, also nicht das einswerden zweier, sondern gefahr?
trotz der verbindung der beiden, da sie unbewusst (unbewusst?) die heiligkeit eines augenblickes bewahrten...
auch hier verstehe ich den widerspruch (für mich) per se nicht

Niko hat geschrieben:und ja
wir hatten nie das glück
unempfindlicher zu sein

dazu schrieb ich schon, doch frage ich mich, wie der anschluss zu verstehen sei.
denn auf der strecke bleiben ist negativ konnotiert,
doch verwendest du es mit ziellinie & neuland
???????????

Niko hat geschrieben:so bleiben wir auf der strecke
und mit jedem schritt
erreichen wir
ziellinien und neuland.


sehr viele verdrehungen & &

gefurchter stirne noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

Niko

Beitragvon Niko » 07.06.2010, 22:30

hallo noel!
auf der strecke bleiben - ich hab es bewusst so gewählt. für mich bedeutet es auch: auf dem weg bleiben. von außenstehenden wird das aber oft mehr bewertet mit "auf der strecke bleiben" im negativ besetzten sinne. und wenn man auf dem weg bleibt, seine strecke weg geht, dann erreicht man immer wieder ziele (ziellinien) und betritt dadurch zwangsläufig wieder neuland.
gefahr für knoten, also nicht das einswerden zweier, sondern gefahr?
trotz der verbindung der beiden, da sie unbewusst (unbewusst?) die heiligkeit eines augenblickes bewahrten...
auch hier verstehe ich den widerspruch (für mich) per se nicht
unter der zeile "gefahr für knoten..." steht ja auch "blicken wir uns zu" - also subjektive empfindung, eine ahnung, dass zuviel verknoten die beziehung letztlich zerstört. diese "dreifaltigkeit des augenblicks" bedeutet ja etwas kaum begreifbares. etwas übersinnliches, überirdisches, was in einem großen gefühl zwischen zwei menschen, zu zwei menschen spricht. und dieser besonderheit hat man ja nicht erreichen wollen. sie passiert unbewusst, ungewollt...
ohnmächtige wortwolken
ziehen durch die abendbäume
an ihren enden erkämpfen sich die stunden
ihr bleiberecht

die ohnmächtigen wortwolken stehen für mich für "konversation". die ohnmacht offenbart sich durch gesprächen, die völlig belanglos sind und nichts mit einem liebespaar zu tun haben... das erkämpfen des bleiberechts bezieht sich nicht auf die abendbäume sondern auf die wortwolken. kommt das nicht rüber?

ich danke dir ganz herzlich für die detaillierte auseinandersetzung!

liebe grüße: Niko

DonKju

Beitragvon DonKju » 11.06.2010, 17:43

"und ja", lieber niko,

wieder einmal ein sehr schöner text, wobei ich mir den auch so denken könnte:

[Strophe 1 ohne Artikel, finde ich schwebender ...]
"ohnmächtige wortwolken
ziehen durch abendbäume
an ihren enden erkämpfen sich stunden
ihr bleiberecht

...

so bleiben wir auf der strecke
und mit jedem schritt
erreichen wir
ziellinien und startpunkte"
[das hat so etwas hübsch geegnsätzliches ...]

entscheiden muß selbstverfreilich nun der autor ...

mlg donkju :mrgreen:


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 18 Gäste