Seite 1 von 1

weniger scheint mehr

Verfasst: 09.02.2010, 22:49
von Niko


weniger scheint mehr


im dschungel der vokabeln
hab ich mein schweigen versteckt
versteckt in nischen
in bäume geritzt
und hinter die ohren geschrieben

all die bekannten fremden
ich rede nur mit ihnen

mein schweigen ist schatz
grimasse hinter maske
und unbemerktes lächeln

wehe dem der mich erkennt
den werde ich zerreden
hinter geschliffene spiegel bannen
und ihn mir entvölkern


.

Verfasst: 10.02.2010, 10:45
von leonie
Lieber Niko,

das kann ich gut nachvollziehen und mir gefällt Deine Umsetzung des Themas sehr gut. Das Versteckspiel, die Angst vor dem "Erkannt-Werden", der Umgang damit. Einzig das doppelte "versteckt", da überlege ich, ob man nicht eines einfach weglassen könnte.

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 10.02.2010, 13:33
von Niko
hallo leo!
freue mich, dass dir die umsetzung gefällt! das doppelte "versteckt" - hm..... das zweite bekommt bei mir beim innerlichen lautlesen so eine -wie soll ich´s nennen - leidenschaftliche betonung. es trifft es nicht ganz, aber geht in die richtung. aber nicht nur dahingeschrieben: ich denk nochmal drüber nach.

lieb grüßend: Niko

Verfasst: 11.02.2010, 17:06
von DonKju
Hallo Niko,

ein Text, der mich mitzunehmen weiß. Und nur ein kleiner Vorschlag: Wie wäre es analog zu "... hab ich mein schweigen versteckt ..." mit "... den werd ich zerreden ... " ?

Lieben Gruß dazu Hannes

Verfasst: 11.02.2010, 17:47
von Niko
hi bilbo!
danke für deinen komm! ich weiß allerdings nicht so ganz genau, was du mit deinem vorschlag meinst. geht es dir "nur" um das "e" bei werde"?
liebe grüße: Niko, mit fragezeichen auffe stirn

Verfasst: 11.02.2010, 17:53
von DonKju
Hi Niko,

das hast Du schon richtig interpretiert; Ich fand zum "hab ich" oben passe das "werd ich" weiter unten irgendwie besser - eine Kleinigkeit eben ...

nebst Grüßen vom Hobbit

Verfasst: 11.02.2010, 18:22
von Niko
ja, bilbo.....der parallelität wegen geht das. und die metrik verschlechtert es auch nicht. werd´s gleich ändern. danke!

lieben gruß: Niko

Verfasst: 12.02.2010, 21:37
von Max
Lieber Niko,

da geht es mir exakt wie Leonie. Sowohl mit dem Gefallen des Gesamtwerks (na, wie klingt das ;-) ?) als auch mti dem doppelten "versteckt", das ich noch nicht als eine sprachliche Verstärkung lesen kann.

Liebe Grüße
max

Verfasst: 01.03.2010, 11:38
von Niko
hi max!
also das "versteckt" hab ich jetzt mal einsam beschlossen, zweifach zu belassen. ich finde, es wird dadurch eindringlicher in der metrik. bekommt auch eine gewisse dynamische dramatik. für mich jedenfalls beim lesen.

aber für das "gefallen des gesamtwerkes" bedanke ich mich und freue mich sehr darüber!

lieben gruß: Niko

Verfasst: 17.03.2010, 13:27
von Elsa
Lieber Niko,

ich mag das doppelte versteckt (ich denke immer ans lautlesen) wie den ganzen Text sehr!

Lieben Gruß
ELsa

Verfasst: 17.03.2010, 14:14
von keinsilbig
hallo, Niko,


sehr intensiv, diese ansage des LyrIch an ein gegenüber!
die sprache als schutzwall vor zuviel nähe - ein spannendes phänomen voller dynamik, dem der text hier für mein empfinden sehr gerecht wird.


das verdoppelte "versteckt" lese ich genau so - in dieser intention, sich dazu zu zwingen, sich des eigenen versteckspiels und der ambivalenz dazu noch bewusster zu werden. dadurch lässt sich auch das gleichzeitige sehnen nach dem zulassen-können von nähe (ohne sich durch sprache im bedürfnis nach schutz vor einem "zuviel" davon gleich wieder distanzieren zu müssen) herauslesen.


gefällt mir daher außerordentlich gut, weil der innere zwiespalt, trotz der scheinbar deutlichen und klaren ansage dort zutage tritt. sehr authentisch also. und das mag ich!


gruß,

keinsilbig

Verfasst: 17.03.2010, 15:37
von Renée Lomris
Lieber Niko,

das gefällt mir sehr, sehr gut. Unter deinen Texten der, der mir bisher am besten gefällt. Die innere Stimme ist klar und eindringlich. Doch obwohl mir alles einleuchtet und gefällt, bin ich an den letzten zwei Versen hängen geblieben, denn ich fragte mich, was das genau bedeuten soll. Wohlgemerkt, es braucht nichts BESTIMMTES zu bedeuten, das Hindeuten reicht, aber ich habe überlegt, ob ich nicht doch nach einer Variante suchen würde: (dieser Schlusstelle:
hinter geschliffene spiegel bannen
und ihn mir entvölkern


vielleicht zu "bedeutungsbeladen" dieser Vorschlag:
-------- hinter geschliffenes Parkett bannen (Manieren, geschliffene Posen)
-------- und ihn mir entplaudern (entvölkern ist VIEL schöner, aber ich suche ein ähnliches Wort, das noch im Reden Sprechen oder so wäre.

Vermutlich gehe ich zu sehr in Richtung Konkretes. Aber ich hätte gern ein Wort desselben Kalibers wie "entvölkern" - das aber noch im Bedeutungsrahmen bleibt.

Ansonsten und sowieso: :daumen:
Renée

Verfasst: 17.03.2010, 22:23
von Niko
hallo elsa!
es freut mich, dass du mein doppeltes versteckt auch bestätigst und mich damit noch mehr bestärkst, richtig zu liegen. als richtig FÜR MICH empfunden hab ich´s ja ohnehin. aber ich muss es ja auch nicht lesen, das gedicht ;-)

hi keinsilbig!
weißt du, manchmal hat man sternstunden. ganz selten wegen eines gelungenen textes, und noch viel seltener durch einen kommentar, der genau das herausliest, was ich in dem fall hinein - und dazwischen gelegt haben wollte. mir belibt nichts als ein mehr als aufrichtiges "DANKE" an dich!

hi renée!
wenn du nach einer variante suchst, dann hast du die "hindeutung" ja schon gefunden! ;-) ne.....mal im ernst: ich verstehe schon, dass die letzten beiden zeilen gerade durch das "entvölkern" etwas sperrig rüberkommen. wobei "bedeutungsbeladen" mir eher die vorletzte zeile scheinen würde....
ehrlich gesagt habe ich keinen verbesserungsvorschlag und auch keine meinung zu den letzten beiden zeilen. sie sind, wie sie sind. und ich wüsste nicht, ob, wie und wohin ich sie ändern sollte. bin da im moment völlig hilflos......
aber vielleicht kommt dir oder mir oder wem ganz anderes ja noch eine eingebung???!!!

liebe grüße an euch alle. und vielen dank für euere kommentare! Niko