hallo leonie!
ich hatte deinen Text eben schon einmal kommentiert, aber dann ist mir die Seite entfleucht

... Jetzt weiß ich dafür aber schon, was ich insgesamt darüber sagen kann

Also:
Mir gefallen die Bilder des ersten Abschnitts der ersten Strophe sehr gut - Das Bild dieser verwirrten, aufgescheuchten Herde, die Schutz bietet als Ebenbilder des Gefühlslebens finde ich sehr gut ausgesucht. Allerdings driftest du dann später plötzlich in relativ `übliche`, aber auch mit Sorgfalt ausgewählten Beziehungs-Bilder ab. Diese Beziehungs-Bilder wirken nun im Vergleich zu diesem starken Anfang sehr schwach auf mich. Ich würde also versuchen die "Bildebene" wieder zurecht zu rücken, das Ende also wieder bildlich mit dem Anfang zu verknüpfen, oder gegebenfalls einige von diesen Gefühls-Zweisamkeits-Metaphern zu streichen. Alles, was du darin nämlich sagst findet sich für mein Verständniss schon viel stärker zu Anfang des Textes. Es ist fast so als erklärtest du deine eigenen Anfangs-Bilder im Nachhinein.
Noch einmal genauer (und ich ändere gleich einige Kleinigkeiten, wenn es dir nichts ausmacht):
"Hufe aufgesetzt im Steppensand
verschwimmt die schützende Herde
der Lauf graziös dem Tod entgegen (denn hier brauche ich das Enjambement nicht!)
schon liegt hinten
das ersehnte Bild
schneidet den Weg ab.
Hier dachte ich: Nach diesem Bild sehne ich mich aber auch

... Mm... wie kann eine Herde denn einem Bild nachlaufen? Und wie kann ein Bild den Weg abschneiden? Sicher, man kann das alles so als Metaphern aufgreifen und sagen: Na, es ist ja die Herde eigentlich das Ich, dass keinen Schutz findet und deshalb einem Bild nachläuft - aber das mag ich nicht so gerne lesen... Es wäre für mich "schöner" gewesen, wenn du in diesen Bildern geblieben wärst. Das hat doch eine große Bewegung, diese galloppierende Herde! Könnte man z.B. auch sagen:
am Ende liegt das Wasser
und schneidet den Weg ab
???
So etwas in der Art würde ich mir wünschen, weißt du?
"Nicht mehr kämpfen, sich hingeben
seinem Eindringen in die Lende"
Das ist an und für sich schon ein spannender Vers, aber ich weiß gar nicht wie ich das (wie gesagt) mit der HErde vom Anfang in Verbindung bringen kann. Vielleicht könnte man auch sagen:
Die Herde ist davon gerannt und ich
bin hier geblieben, geb mich hin
seinem Eindringen in die Lende
Oder so ähnlich (...) das sind ja nur Versuche von mir die Bildebenen wieder zu verweben.
"einen Moment berühren sich Blicke
in Gräsern.
(z.B.???? und dann ohne Umbruch weiter:)
in Gräsern trinkt er sie ertrinkt (das Worspiel fand ich toll!)
das Herz klingt wie lahme Hufe
(oder sowas)
"als gehöre es nicht mehr ihr." - das fand ich nicht sehr überzeugend...und dann müsste es natürlich im Bild weitergehen, vielleicht:
"Als falle es in fremde Welten"
Ehrlich gesagt habe ich auch nur eine blasse Ahnung wie man das möglichst elegant machen kann, das sollen wie gesagt auch nur kleine Vorschläge sein, wie man die starken Anfangsbilder behalten könnte ohne den Rest zu vernichten. Ich weiß nicht, was du davon hälst, aber ich glaube so eine Version wäre sehr spannend.
Auf jeden Fall habe ich das gerne gelesen!
Liebe Grüße!
l