Liebe Elsa,
sie lässt mich zwar nicht kalt, doch so richtig warm werde ich mit der Winternacht auch noch nicht

, obwohl ich den Text jetzt mehrfach gelesen habe.
Da ist der Titel, der für mich nicht so recht zur ersten Strophe passen will, die mir mit den ziehenden Nebeln eher herbstlich klingt. Zudem frage ich mich, ob die Verbindung von "winternacht" und "schwarz" gleich als erstem Wort nach der Überschrift nicht eine gewisse Redundanz auf engstem Raum aufweist. Anstelle der Schwärze will ich immer Elemente wie Kälte, Frost, Eis etc. suchen, die sich ja ebenso auf eine metaphorisch-zwischemenschliche Ebene beziehen ließen, dies umso mehr, als ja die zweite, kontrastierende Strophe mit "Wärmebildern" arbeitet, Wärme sogar gleich in II/1 dezidiert erwähnt wird, verstärkt noch durch den warmen Farbton des Bernsteins.
Und auch bei der folgenden Stelle
im herzgrund
hinterm brustbein
frage ich mich, ob die beiden Nomen nicht eine Dopplung sind, zumal das Nomen "brustbein" in meinen Augen bzw. Ohren sehr (zu) anatomisch nüchtern klingt und damit in einem starken Kontrast zu dem vorhergehenden "herzgrund" und den folgenden Nebeln steht. Im Moment ist mir der Sinn der sehr genauen Ortsangabe "im ... hinterm..." noch nicht klar. Würde es nicht reichen, wenn die Nebel "nur" im Herzgrund ziehen?
In der zweiten Strophe stolpere ich über die Setzung des vorletzten Verses:
lauschen weg vom
die mir durch die letzten beiden Wörter "weg vom" etwas holprig vorkommt. Ich glaube, es hülfe mir schon, wenn "vom" in die letzte Zeile wandern würde, also
lauschen weg
vom verstand sich auflösen
Was den Zusammenhang der beiden Strophen betrifft, verstehe ich es so, dass in I der Ist-Zustand, in II die sich daraus ergebenden Träume/Wünsche. Dabei nimmt nach meinem Verständnis der Vers
bernsteinwärme missen
eine Art Mittel- oder Zwischenposition ein, der sowohl auf das, was ist (I) als auf das, was sein möchte (II), bezogen werden kann. Von daher ist seine rein äußerliche Zuordnung zur zweiten Strophe im Sinne einer Art von Ein- bzw. Hinführung nachvollziehbar und irritierend zugleich. Ich habe mir deinen Text einmal mit diesem Vers als eigene Strophe gedruckt, also...
schwarz verschleiert
im herzgrund
hinterm brustbein
wenn die nebel ziehn
bernsteinwärme missen
am abendlichen strand
in wellenträumen
lauschen weg vom
verstand sich auflösen ...was mich aber auch nicht sonderlich überzeugt hat.
Liebe Elsa, das waren jetzt einige Gedanken zu deinem Text, die hoffentlich nicht zu wirr in die Tasten flossen.
Herzliche Grüße und einen schönen zweiten Advent dir nach Wien,
Herby