November
November spielt ums Haus
löst Blätter vom Baum
schweigsames Urgesetz
treibt selbst Licht erdwärts
Horchendes Auge
jenseits des Fensters
dort tanzt Gott
oder
November
November spielt ums Haus
löst Blätter vom Baum
schweigsames Urgesetz
treibt selbst Licht erdwärts
Horchendes Auge
jenseits des Fensters
tanzt Gott
November
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wüstenfuchs
Hallo Lydie,
ein Urtext, der auf die ersten oder letzten Dinge zählt.
"das Licht erdwärts...", gefällt mir sehr gut.
Danach das Paradox des "horchenden Auges", das dem Göttlichen schon sehr nahe kommt. Dann das Absolutum Gott.
Der Text gefällt mir, gleichzeitig frage ich mich, ob es richtig ist, Gott direkt auszusprechen. Allerdings wären alle Umschreibungen schwierig und würden der Geschlossenheit des Textes schaden.
Ein schwer wiegender Text in jeder Hinsicht.
Viele Grüße
Fux
ein Urtext, der auf die ersten oder letzten Dinge zählt.
"das Licht erdwärts...", gefällt mir sehr gut.
Danach das Paradox des "horchenden Auges", das dem Göttlichen schon sehr nahe kommt. Dann das Absolutum Gott.
Der Text gefällt mir, gleichzeitig frage ich mich, ob es richtig ist, Gott direkt auszusprechen. Allerdings wären alle Umschreibungen schwierig und würden der Geschlossenheit des Textes schaden.
Ein schwer wiegender Text in jeder Hinsicht.
Viele Grüße
Fux
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Herby
Liebe Lydie,
du stellst uns hier einen Text vor, der zunächst mit einem scheinbar bekannten Motiv beginnt: die im November fallenden Blätter. Doch anders als viele Herbst- bzw. Novembergedichte tritt der titelgebende Monat in den ersten beiden Versen nicht schwermütig und rau auf, er „spielt“ ums Haus und hierzu passt, dass er die Blätter nicht vom Baum bläst, fegt oder gar reißt, er „löst“ sie. Dieses Verb gibt dem Bild etwas Leichtes, Harmloses. Aber diese Stimmung kippt schon ab dem dritten Vers und seiner Wortwahl. Das Nomen „Urgesetz“ hat für mich alleine durch das Präfix eine Schwere, zu der folgerichtig der nächste Vers passt: das Licht wird erdwärts getrieben.
Dann jedoch kommt ohne Überleitung ein Bruch, der dem Gedicht endgültig eine tiefere, surreale Ebene verleiht. Das expressionistisch anmutende Bild des tanzenden Gottes bleibt letztendlich offen, sowohl was die Person des Gottes betrifft als auch den Anlass bzw. die Art des Tanzes. Die Bildhaftigkeit der letzten beiden Verse der ersten sowie der zweiten Strophe insgesamt legen für mich eine gewisse Bedrohung, Endzeitstimmung in den Text, was noch durch die Ortsangabe „jenseits des Fensters“ unterstützt wird, wenn ich Fenster als eine Art Metapher oder pars pro toto für „privaten, geschützten Raum“ lese.
Im Moment tue ich mich noch schwer mit dem Zusammenhang zwischen den beiden Strophen. Die Verse I/3,4, so sie denn als Bindeglied zwischen den Strophen gedacht sein sollten, haben sich für mich nicht als tragfähige Hilfe erwiesen.
Ich habe auch schon versucht, deinen Text als zwei in eins zu lesen, will sagen als zwei eigenständige Gedichte unter einem Titel. Aber auch das hat mich in Bezug auf die zweite Strophe nicht befriedigt.
Rein sprachlich überlege ich bei dem letzten Vers, ob „dort“ nicht entbehrlich ist. Mir will der Sinn der Betonung nicht einleuchten, die du damit der Ortsangabe verleihst.
Liebe Lydie, das waren einige Gedanken, die mir beim Lesen deines Textes, der mir nachgeht, durch den Kopf gingen.
Herzliche Grüße ins Wochenende,
Herby
du stellst uns hier einen Text vor, der zunächst mit einem scheinbar bekannten Motiv beginnt: die im November fallenden Blätter. Doch anders als viele Herbst- bzw. Novembergedichte tritt der titelgebende Monat in den ersten beiden Versen nicht schwermütig und rau auf, er „spielt“ ums Haus und hierzu passt, dass er die Blätter nicht vom Baum bläst, fegt oder gar reißt, er „löst“ sie. Dieses Verb gibt dem Bild etwas Leichtes, Harmloses. Aber diese Stimmung kippt schon ab dem dritten Vers und seiner Wortwahl. Das Nomen „Urgesetz“ hat für mich alleine durch das Präfix eine Schwere, zu der folgerichtig der nächste Vers passt: das Licht wird erdwärts getrieben.
Dann jedoch kommt ohne Überleitung ein Bruch, der dem Gedicht endgültig eine tiefere, surreale Ebene verleiht. Das expressionistisch anmutende Bild des tanzenden Gottes bleibt letztendlich offen, sowohl was die Person des Gottes betrifft als auch den Anlass bzw. die Art des Tanzes. Die Bildhaftigkeit der letzten beiden Verse der ersten sowie der zweiten Strophe insgesamt legen für mich eine gewisse Bedrohung, Endzeitstimmung in den Text, was noch durch die Ortsangabe „jenseits des Fensters“ unterstützt wird, wenn ich Fenster als eine Art Metapher oder pars pro toto für „privaten, geschützten Raum“ lese.
Im Moment tue ich mich noch schwer mit dem Zusammenhang zwischen den beiden Strophen. Die Verse I/3,4, so sie denn als Bindeglied zwischen den Strophen gedacht sein sollten, haben sich für mich nicht als tragfähige Hilfe erwiesen.
Ich habe auch schon versucht, deinen Text als zwei in eins zu lesen, will sagen als zwei eigenständige Gedichte unter einem Titel. Aber auch das hat mich in Bezug auf die zweite Strophe nicht befriedigt.
Rein sprachlich überlege ich bei dem letzten Vers, ob „dort“ nicht entbehrlich ist. Mir will der Sinn der Betonung nicht einleuchten, die du damit der Ortsangabe verleihst.
Liebe Lydie, das waren einige Gedanken, die mir beim Lesen deines Textes, der mir nachgeht, durch den Kopf gingen.
Herzliche Grüße ins Wochenende,
Herby
-
Max
Liebe Lydie,
ein starker Text für mich.
Die Entwicklung von der alltäglichen Beobachtung zu Gott ist vollkommen stringent. Schöm ist einfach die beobachtung, dass das Licht der Bewegung der Blätter folgt. Schön auch, dahinter ein Urgesetz zu vermuten, warum dieses "schweigsam" ist, ist für mich die einzige wirklich offene Stelle des Textes, man könnte es in meinen Augen auch fortlassen.
Überdenkenswert scheint mir auch Herbys Vorschlag, das "dort" im letzten Vers wegzulassen, was den text in meinen Augen noch stärker verschränken würde. So oder so, aber ein wirklich guter Text.
Liebe grüße
Max
ein starker Text für mich.
Die Entwicklung von der alltäglichen Beobachtung zu Gott ist vollkommen stringent. Schöm ist einfach die beobachtung, dass das Licht der Bewegung der Blätter folgt. Schön auch, dahinter ein Urgesetz zu vermuten, warum dieses "schweigsam" ist, ist für mich die einzige wirklich offene Stelle des Textes, man könnte es in meinen Augen auch fortlassen.
Überdenkenswert scheint mir auch Herbys Vorschlag, das "dort" im letzten Vers wegzulassen, was den text in meinen Augen noch stärker verschränken würde. So oder so, aber ein wirklich guter Text.
Liebe grüße
Max
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Lydie
Hallo Fux, Herby und Max,
ganz herzlichen Dank erst einmal für eine Kommentare, die für mich jeweils etwas weitertreiben, erhellen, vertiefen, sehr interessant, Danke!
@ "ein Urtext, der auf die ersten oder letzten Dinge zählt": lieber Fux, das ist wunderschön auf den Punkt gebracht.
@ Lieber Herby, deine Wahrnehmungs- und Leseweise ist sehr interessant für mich. Sie bringt in der Tat die Kontraste gut heraus, zwischen leichtem lichtvollen Spiel und dem "schweigsamen Urgesetz erdwärts",
zwischen Leichtigkeit und "Erd-Zeit"/"End-Zeit", nicht im apokalyptischen sondern im zyklischen, irdischen Sinne. Von daher auch, für mich jedenfalls, nicht wirklich bedrohlich oder erschreckend, sondern eher eine Naturbetrachtung, die sich dann auch auf das menschliche Leben übertragen lässt, wo dann auch der Tod im Spiel ist, aber als etwas das dahinein gebunden ist, nicht als der grosse Schrecken.
"Das expressionistisch anmutende Bild des tanzenden Gottes bleibt letztendlich offen, sowohl was die Person des Gottes betrifft als auch den Anlass bzw. die Art des Tanzes": ja, das bleibt offen. Aber der Bezug ist für mich schon klar: dort, in diesem Spiel eben, der Leichtigkeit des Sich Lösens, dem lautlosen Gesetz, dem Licht erdwärts, in all dem "tanzt Gott".
"Jenseits des Fensters", das ist sehr konkret der das Gedicht auslösende Blickwinkel: ein Haus mit vielen Fenstern, der Blick auf Park und Garten "draussen" und das, was dort geschieht.
Dank dir, Herby! Auch für den ebenfalls von Max aufgenommenen Vorschlag das "dort" wegzulassen. Das hatte ich auch schon gedacht. Das "dort" ging mit einer Zeichensetzung einher, die ich dann aufgegeben habe.
@ Lieber Max, Dein Kommentar freut mich sehr. Das "schweigsam", ja, weil es sich dem Auge über die Bewegung erdwärts offenbart, wortlos eben.
Lieber Gruß,
Lydie
ganz herzlichen Dank erst einmal für eine Kommentare, die für mich jeweils etwas weitertreiben, erhellen, vertiefen, sehr interessant, Danke!
@ "ein Urtext, der auf die ersten oder letzten Dinge zählt": lieber Fux, das ist wunderschön auf den Punkt gebracht.
@ Lieber Herby, deine Wahrnehmungs- und Leseweise ist sehr interessant für mich. Sie bringt in der Tat die Kontraste gut heraus, zwischen leichtem lichtvollen Spiel und dem "schweigsamen Urgesetz erdwärts",
zwischen Leichtigkeit und "Erd-Zeit"/"End-Zeit", nicht im apokalyptischen sondern im zyklischen, irdischen Sinne. Von daher auch, für mich jedenfalls, nicht wirklich bedrohlich oder erschreckend, sondern eher eine Naturbetrachtung, die sich dann auch auf das menschliche Leben übertragen lässt, wo dann auch der Tod im Spiel ist, aber als etwas das dahinein gebunden ist, nicht als der grosse Schrecken.
"Das expressionistisch anmutende Bild des tanzenden Gottes bleibt letztendlich offen, sowohl was die Person des Gottes betrifft als auch den Anlass bzw. die Art des Tanzes": ja, das bleibt offen. Aber der Bezug ist für mich schon klar: dort, in diesem Spiel eben, der Leichtigkeit des Sich Lösens, dem lautlosen Gesetz, dem Licht erdwärts, in all dem "tanzt Gott".
"Jenseits des Fensters", das ist sehr konkret der das Gedicht auslösende Blickwinkel: ein Haus mit vielen Fenstern, der Blick auf Park und Garten "draussen" und das, was dort geschieht.
Dank dir, Herby! Auch für den ebenfalls von Max aufgenommenen Vorschlag das "dort" wegzulassen. Das hatte ich auch schon gedacht. Das "dort" ging mit einer Zeichensetzung einher, die ich dann aufgegeben habe.
@ Lieber Max, Dein Kommentar freut mich sehr. Das "schweigsam", ja, weil es sich dem Auge über die Bewegung erdwärts offenbart, wortlos eben.
Lieber Gruß,
Lydie
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