Hallo scarlett,
oh, das ist interessant. Weil es wirklich mit Max Gedicht spricht, es aufgreift und es verkehrt, etwas anderes hineinspricht, das antwortende LIch, das du mit hineinsprichst an den Strand. Und es ist für mich nicht ganz klar, und das finde ich auch wichtig, weil es mir sonst die Kraft verlieren würde, Max Gedicht einfach enträtseln würde, und auch mir dann zu pathetisch klingen würden, wer dieses „bleib“ ausgesprochen hat, ob es das Wort ist, das abgelegt wurde, oder das Wort, das in den Sand geschrieben wurde, oder eben das, was aus der zugeschnürten Kehle kommt. Und damit ist auch nicht klar, an wen es gewendet ist, weil wohl beide den Eindruck haben, dass sich der andere entfernt. Es scheint zu spät zu sein, man kann die Zeit nicht mehr halten. Was du dann ja schön wieder aufgreifst.
Es trägt dann natürlich auch etwas neues in Max Zeilen, so dass mir in diesem Licht dann die doppelt geschnürten Schuhe weniger eine Sicherheit, denn eine Härte zeigen zu scheinen und man auch diese Wahrnehmung, des nicht gehört worden zu sein, dann nochmal hinterfragt.
Auch der unterschiedliche Umgang mit dem Wort, dass das LIch hier sein Wort beim Stein ablegt, als wolle es, dass es geschützt ist, als solle es beständiger sein.
Hier erscheint mir dann die zweite Strophe innerhalb des Gedichtes die schwächste zu sein, weil sie nur Erklärung liefert, auch wenn ich es mag, dass es am Ende doch die gleichen Dinge, Elemente sind, die auf sie wirken. Ich finde es auch schade, dass das Wort dann plötzlich doch so materiell zu sein scheint, es war mir irgendwie geheimnisvoller, wie es so abgelegt wurde. Ich glaube ich würde auf die zweite Strophe daher am liebsten ganz verzichten, ich brauche sie nicht.
Ich würde diese beiden Gedichte eigentlich gerne untereinander sehen und könnte mir dann vorstellen, dass du am Anfang das „Erneut“ nicht aufgreifen musst, sondern es wirklich als Antwort oder Gegenwort beginnen könntest. Was mir im Vergleich zu Max Gedicht ein bisschen fehlt, ist auch die optische Gestaltung der Zeilen, dieses Gefühl, dass sie auch noch einmal etwas zeigen.
Bei „die Möwen rasten“ habe ich das Problem, dass ich rasende Möwen vor mir sehe, und das dann eine gewisse Komik entwickelt. .-) Ich weiß nicht, warum ich das beharrlich falsch lese. Vielleicht, weil die anderen Vokale so lang sind und ich es langsam lese.
Nur als Gedanke, Anregung:
Ich suche noch
nach diesem Wort
abgelegt beim großen Stein
auf dem die Möwen ihre Köpfe in den Federn bergen
Mein Zeh bohrt in NovemberkälteIch mag den Zeh, weil das LIch hier die Schuhe ausgezogen hat, es geht mit nackten Füßen, setzt sich aus, zeigt sich ungeschützt. Ich weiß nur nicht, ob mir die Kühle angesichts der Situation nicht noch zu weich und positiv vorkommt. Wäre es nicht schon eine Novemberkälte? Auch das „bohren“ gefällt mir in seiner Doppeldeutigkeit gut.
Die letzten beiden Strophen sind auch für mich die stärksten. Weil man spürt, dass da auch über das Wort hinaus etwas verlorenging, was man nicht halten konnte und doch versteht man das voneinander, LIch kann den Traum für sich deuten, man teilt sich noch mit, was in Max Gedicht schon nicht mehr möglich war.
Am Titel würde ich überlegen, ich finde es schade, dass er so vorwegnimmt und das Gedicht darauf reduziert, da würde ich mir etwas Offeneres wünschen.
Das hat Spaß gemacht, dank dir.

Liebe Grüße
Flora