Fragen beim Lesen der Zeitung
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger die Poetin,
die das Ufer reinigt,
ihren Protest aufs Ölzeug?
Was keucht, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
lachend im Sandkasten spielt?
(Mit Dank an Last und Leonie)
(der Mann, der geändert in die Poetin, die - Dank an Elsa)
(Erste Version)
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger der Poet,
der eben das Ufer reinigte,
seine Verse aufs Ölzeug?
Was formuliert, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt?
Fragen beim Lesen der Zeitung
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Tja, Reibung erzeugt Wärme :o)
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Lieber Quoth,
diese Diskussion ist sehr interessant! Vieles geht mir durch den Kopf:
Wann ist der Punkt erreicht, wo aufgrund von existeller Bedrohung ein Kulturgut wie Literatur einfach bedeutungslos wird? Natürlich kann Literatur oder Musik auch Trost spenden in tiefster Verzweiflung. Vielleicht hängt das auch vom einzelnen Menschen und seiner Vorgeschichte ab.
Dein Text weckt durch die Auflistung konkreter Beispiele Interesse und spielt dabei auch ins Groteske. Jemand, dessen Haus gerade weggespült wurde, schert sich natürlich nicht darum, wo er seinen Block hinlegt.
Die Strophe mit der Erinnerung an den Sandkasten fügt sich für mich schlecht ins Schema. Es ist ein wenig so, als würde man sagen: Wir haben hier keine eigenen Umweltkatastrophen zu bieten, nur eben diesen Fall out einer fernen Katastrophe und die Erinnerung daran. Sicherlich auch ein lohnendes Thema, das sich m.E. nach in diesem Text zu wenig entfalten kann.
Die letzte Strophe ist mir zu direkt. Dieses Gefühl des unverdient Davongekommenseins sollte sich eigentlich beim Leser durch die vorangegangenen Strophen von selbst einstellen. So ist es tatsächlich mehr ein Tagebucheintrag, als ein Gedicht.
Sprachlich würde ich die ersten Strophen etwas plakativer gestalten.
Ich habe mich mal an einer Variante versucht:
Wohin
legt der Dichter den Schreibblock
wenn der Monsun
sein Haus wegschwemmt?
Worauf
schreibt die Poetin
ihre Wut
während sie Ölvögel aufliest?
Was behält
torfrauchgesättigt
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Wie stark
ist ein Sturm
in meinem Kopf entfacht
und dann sorgfältig
aufs geduldige Papier
gebannt?
Viele Grüße
fenestra
diese Diskussion ist sehr interessant! Vieles geht mir durch den Kopf:
Wann ist der Punkt erreicht, wo aufgrund von existeller Bedrohung ein Kulturgut wie Literatur einfach bedeutungslos wird? Natürlich kann Literatur oder Musik auch Trost spenden in tiefster Verzweiflung. Vielleicht hängt das auch vom einzelnen Menschen und seiner Vorgeschichte ab.
Dein Text weckt durch die Auflistung konkreter Beispiele Interesse und spielt dabei auch ins Groteske. Jemand, dessen Haus gerade weggespült wurde, schert sich natürlich nicht darum, wo er seinen Block hinlegt.
Die Strophe mit der Erinnerung an den Sandkasten fügt sich für mich schlecht ins Schema. Es ist ein wenig so, als würde man sagen: Wir haben hier keine eigenen Umweltkatastrophen zu bieten, nur eben diesen Fall out einer fernen Katastrophe und die Erinnerung daran. Sicherlich auch ein lohnendes Thema, das sich m.E. nach in diesem Text zu wenig entfalten kann.
Die letzte Strophe ist mir zu direkt. Dieses Gefühl des unverdient Davongekommenseins sollte sich eigentlich beim Leser durch die vorangegangenen Strophen von selbst einstellen. So ist es tatsächlich mehr ein Tagebucheintrag, als ein Gedicht.
Sprachlich würde ich die ersten Strophen etwas plakativer gestalten.
Ich habe mich mal an einer Variante versucht:
Wohin
legt der Dichter den Schreibblock
wenn der Monsun
sein Haus wegschwemmt?
Worauf
schreibt die Poetin
ihre Wut
während sie Ölvögel aufliest?
Was behält
torfrauchgesättigt
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Wie stark
ist ein Sturm
in meinem Kopf entfacht
und dann sorgfältig
aufs geduldige Papier
gebannt?
Viele Grüße
fenestra
Vielen Dank, fenestra - du hast das schön umgeformt, vor allem die letzte Strophe - sie ist ganz Deine und wirft die Frage auf, ob nicht alles Aufschreiben auch ein Beruhigen und Entschärfen ist ... An der Sandkiste hänge ich, auch wenn die Situation nicht passt. Schon als wir hier mal "Sandkiste" als Stichwort der Woche oder des Monats hatten, wollte ich einen Text mit Link zu Geigerzählergeknackse einstellen, aber ich hab das technisch nicht hingekriegt, das war aber gleichsam der erste Anlass. Texte tragen ja auch ihre Jahresringe in sich herum!
Allen, die hier mitdiskutiert haben, noch mal herzlichen Dank, vor allem meinem lieben Feind Thomas.
Gruß
Quoth
Allen, die hier mitdiskutiert haben, noch mal herzlichen Dank, vor allem meinem lieben Feind Thomas.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
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