Glaubensbekenntnis

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.04.2013, 18:44

Glaubensbekenntnis

Was glauben Sie denn
sprechen kann Gott ja wohl nicht
oder hörten Sie jemals etwas
von göttlichen Stimmbändern
hahaa formalintriefend
inmitten goldener Tröge
hinpilgern würden Sie – das weiß ich
Sie beten ja auch zu einem Stück Brot
und der Einsilbige zeigt sich praktisch
wenn Sie nicht weiter wissen
sprechen Sie doch mal
Ordnung und Aleatorik gleichzeitig aus
oder buchstabieren Sie Hoffnung
ach lieber rufen Sie Gott an
(klingt so erhaben)
Ich nutze mein Handy

Estragon

Beitragvon Estragon » 11.07.2013, 12:38

Das ist Tolstoi in der Kutsche.





:daumen:
Zuletzt geändert von Estragon am 11.07.2013, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 11.07.2013, 12:52

ist auch 'n Glaubensbekenntnis, wer da nun in der Kutsche sitzt.

Das lyrische Ich kann jeder sein, das muss mit dem Autoren-Ich wirklich nicht in direktem Zusammenhang stehen. Ob der indirekte Einfluss auszuschalten ist, weiß ich nicht.

Estragon

Beitragvon Estragon » 11.07.2013, 12:54

Nein, nein du hast es doch gehört, dass lyrische Ich bist immer Du

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 11.07.2013, 12:55

Boah, bin ich viele

Estragon

Beitragvon Estragon » 11.07.2013, 12:56

du bist nur das lyrische Ich, alles andere gehört den Eimern

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 11.07.2013, 17:56

Herzlichen Dank nochmal an Pjotr, auch wenn ich das mit dem lyrischen Ich nicht ganz so sehe. Aber Du hast glaube ich das (heraus-)gelesen, was ich auch meinte.
In meiner Vorstellung sind es eher Männer, die sich unterhalten; aber das spielt glaube ich keine wesentliche Rolle.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 11.07.2013, 18:50

Genau, das spielt keine Rolle.

Mit dem Einssein meine ich den Moment, wenn das schreibende Wesen sich in das geschriebene Ich hineinversetzt, um größtmögliche Authentizität zu erzeugen. Manchmal fehlt sie, manchmal entsteht sie zufällig, meistens ist sie doch aber gewollt. Die Lesenden wollen ja überzeugt, berührt werden, sie haben in der Regel die gleichen Sprach-Antennen wie der Schreibende, das gleiche Gefühlsrepertoire; der gelesene Text enthält Auslöser für dieses und jenes Gefühl. Am Ende versetzen sich alle in einen anderen Menschen. Spiegelneuronen. Die Menschheit ist ein riesiges Fang-den-Hut-Brettspiel. Der eine Hut stülpt sich über den anderen.

Tolstoi ist lebenserfahren, er nutzt diese Erfahrung und versetzt sich hinein in jene Personen, die er erzeugt, er haucht sich in sie hinein, damit sie lebendig werden, damit sie authentisch werden. Den will ich sehen, der glaubt, dieser Vorgang sei ein zufälliges Lotteriespiel. Der Autor als Lottospieler. Mal gucken, obs authentisch wird. Neh, das ist mit emotionaler Intelligenz absichtlich so gemacht. Ich meine ja nicht, dass Tolstoi sich dabei physisch wie Anne Karenina anzieht und schminkt, sondern sich geistig in die notwendige Gefühls- und Gedankenwelt versetzt.

Sprache funktioniert doch eh nur deshalb, weil wir spüren, was der andere meint. Das Hineinversetzen ist ja auch nicht so außergewöhnlich. Schwierig ist nur, das Versetzte zu ... wie sagt man ... zu ertexten, zu vertexten, zu texten. Aber nicht zutexten ...

Vielleicht schreibe ich mal was über Lydia Lyrich. Mal googeln, obs die schon gibt ...


Ahoi

P.


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