haushaltsauflösung

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.01.2011, 23:33

haushaltsauflösung

noch einmal
in diesem düsteren berg
letzte schätze aufspüren
zwischen den sedimenten
mit der spitzhacke
kindheitsjahre zerstören
abraum
in säcken wegschleppen
die schlüssel abgeben
adieu

Lyrillies

Beitragvon Lyrillies » 07.01.2011, 18:02

Hallo Amanita,

mir geht es wie Klara - ändere bloß nichts!
Für mich stimmt jedes Wort. Übrigens finde ich besonders das "noch einmal" gelungen - ich habe es direkt mit doppelter Bedeutung gelesen und finde gerade diese sehr passend, sie drückt gleichzeitig die Traurigkeit und den Wunsch danach aus, dass die Auflösung doch endlich vorbei wäre damit man damit abschließen kann.
Die Spitzhacke gefällt mir ebenfalls, anders kommt man durch die Schichten der angesammelten Jahre nicht hindurch, kann nichts auflösen, was aber doch geschehen muss.
Das Wort Abraum finde ich übrigens auch sehr gelungen - einerseits Abfall, Zeug das weg muss, das keiner mitnehmen kann oder will - und doch hatte es seinen Raum in den Jahren die da durchwühlt werden müssen. wahrscheinlich irgendwo am Rande des Blickfeldes, aber es war da und fügt langsam allgemeiner werdenden Erinnerungen Details hinzu. Sehr schön.

Liebe Grüße,
Ellie

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 08.01.2011, 12:49

Liebe Amanita,

dieser kurze Text lässt vor meinen Augen große Sedimentablagerungen erstehen, die auch ich irgendwann abtragen muss - zum Glück ist es noch nicht so weit. Sicher empfindet jeder Mensch, jede Tocher, jeder Sohn, anders in einer solchen Lage. Die Stärke deines Textes ist für mich, dass du nicht versuchst, die Gefühle selbst zu beschreiben, sondern nur den Vorgang. Die Schätze, die auftauchen, sind bei jedem andere, mal Materielle, mal Ideelle, mal ist es vielleicht auch eine Erleichterung, etwas wieder zu entdecken, um es zu entmystifizieren und loszulassen.

Das Adieu ("Gott befohlen") ist mir Nordlicht persönlich fremd, daher empfinde ich nichts dabei, so mag es manchem Leser ergehen. Den Titel finde ich gut und wichtig (um Verschlüsselung zu vermeiden).

Viele Grüße
fenestra


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