Fragen beim Lesen der Zeitung
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger die Poetin,
die das Ufer reinigt,
ihren Protest aufs Ölzeug?
Was keucht, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
lachend im Sandkasten spielt?
(Mit Dank an Last und Leonie)
(der Mann, der geändert in die Poetin, die - Dank an Elsa)
(Erste Version)
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger der Poet,
der eben das Ufer reinigte,
seine Verse aufs Ölzeug?
Was formuliert, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt?
Fragen beim Lesen der Zeitung
-
Last
Hallo Quoth,
vielen Dank für die Rückmeldung. Wenn Dichter, Poet und Literat verschiedene Künstlertypen sind, öffnet sich scheinbar etwas in deinem Text, das ich bisher völlig übersehen habe. Ich nehme die "grottenschlechte Formulierung" mit Entschuldigung zurück.
Ob ich das sich neu Eröffnende nun schon erahne oder mich auf dem nächsten Holzweg befinde, kann ich noch nicht sagen. Mich verwirrt dabei auch die rasche Änderung von "Poet" zu "Mann" etwas. Deshalb verharre ich zunächst mal bei der Erstversion.
Aus deinem Kommentar zu "Feierabend" entlehne ich dein Verständnis der Kategorie "Lyrik und Kultur". "Wie, wann und warum entsteht Lyrik", fragst du da. Auch die "Fragen beim Lesen der Zeitung" können ähnlich gelesen werden: Unter welchen Bedingungen wird von wem geschrieben?
Die verschiedenen Nachrichtenbilder werden jeweils einem Künstlertypen zugeordnet und dabei als dessen Arbeitsbedingungen verstanden. Jedoch fällt es mir schwer, die Begriffe Dichter, Poet und Literat mit den Bildern in Einklang zu bringen.
Bei der Autorin scheint die Biografie einen wichtigen Einfluss zu haben. Der Literat geht vielleicht strukturiert vor und plant im Voraus. Der Poet geht wiederum impulsiv zur Sache. Beim Dichter komme ich auf keinen grünen Zweig.
Teilweise entsteht für mich eine Ironie, die mit den der Realität entlehnten Nachrichtenbildern nicht zusammenpasst. Vielleicht lese ich die selbst mit hinein. Vielleicht gehen die Eigenschaften der Künstertypen aus dem Text allein nicht deutlich genug hervor.
Der Dichter z.B., "verdichtet" er so sehr, dass der Tisch verschwindet? Oder inwiefern kann der weggeschwommene Tisch als Bedingung seines Schreibens verstanden werden?
Hier in etwa bleibe ich stecken. Wahrscheinlich auch, weil der Text dann doch mehr darauf abzielt die Verwirrung zu äußern, der man im Informationsfluss gegenübersteht, und weniger eine Klassifikation von Künstlertypen ist.
__________
Hallo Ferdi,
in den Strophen eins und drei wird der Verlust des Schreibzeugs explizit ausgesprochen. In Strophe zwei wird alternatives Schreibzeug genannt, implizit fehlt also auch hier das gewöhnliche Schreibzeug. Strophe zwei ähnelt ihren Nachbarstrophen zudem durch die Katastrophensituation und die Grundstruktur der rhetorischen Frage. Das Ölpest-Bild aus diesem Kontext heraus zu lesen, fällt mir schwer.
Gegen Synonyme habe ich grundsätzlich nichts. Der Gebrauch davon sollte aber nicht soweit ausufern, dass die gewählten Worte stilistisch nicht mehr zum Text passen oder die Bilder nicht mehr funktionieren.
Literat und formulieren sind Worte, die eher in einer literatur-wissenschaftlichen Arbeit zu finden sind. Zur lyrischen Beschreibung des schriftstellerischen Schaffens eignen sie sich nur bedingt. Zum Nachrichtenbild eines Waldbrandes bilden sie auch einen Kontrast, den ich als Ironie lesen muss oder als Unvermögen des Autors.
vielen Dank für die Rückmeldung. Wenn Dichter, Poet und Literat verschiedene Künstlertypen sind, öffnet sich scheinbar etwas in deinem Text, das ich bisher völlig übersehen habe. Ich nehme die "grottenschlechte Formulierung" mit Entschuldigung zurück.
Ob ich das sich neu Eröffnende nun schon erahne oder mich auf dem nächsten Holzweg befinde, kann ich noch nicht sagen. Mich verwirrt dabei auch die rasche Änderung von "Poet" zu "Mann" etwas. Deshalb verharre ich zunächst mal bei der Erstversion.
Aus deinem Kommentar zu "Feierabend" entlehne ich dein Verständnis der Kategorie "Lyrik und Kultur". "Wie, wann und warum entsteht Lyrik", fragst du da. Auch die "Fragen beim Lesen der Zeitung" können ähnlich gelesen werden: Unter welchen Bedingungen wird von wem geschrieben?
Die verschiedenen Nachrichtenbilder werden jeweils einem Künstlertypen zugeordnet und dabei als dessen Arbeitsbedingungen verstanden. Jedoch fällt es mir schwer, die Begriffe Dichter, Poet und Literat mit den Bildern in Einklang zu bringen.
Bei der Autorin scheint die Biografie einen wichtigen Einfluss zu haben. Der Literat geht vielleicht strukturiert vor und plant im Voraus. Der Poet geht wiederum impulsiv zur Sache. Beim Dichter komme ich auf keinen grünen Zweig.
Teilweise entsteht für mich eine Ironie, die mit den der Realität entlehnten Nachrichtenbildern nicht zusammenpasst. Vielleicht lese ich die selbst mit hinein. Vielleicht gehen die Eigenschaften der Künstertypen aus dem Text allein nicht deutlich genug hervor.
Der Dichter z.B., "verdichtet" er so sehr, dass der Tisch verschwindet? Oder inwiefern kann der weggeschwommene Tisch als Bedingung seines Schreibens verstanden werden?
Hier in etwa bleibe ich stecken. Wahrscheinlich auch, weil der Text dann doch mehr darauf abzielt die Verwirrung zu äußern, der man im Informationsfluss gegenübersteht, und weniger eine Klassifikation von Künstlertypen ist.
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Hallo Ferdi,
in den Strophen eins und drei wird der Verlust des Schreibzeugs explizit ausgesprochen. In Strophe zwei wird alternatives Schreibzeug genannt, implizit fehlt also auch hier das gewöhnliche Schreibzeug. Strophe zwei ähnelt ihren Nachbarstrophen zudem durch die Katastrophensituation und die Grundstruktur der rhetorischen Frage. Das Ölpest-Bild aus diesem Kontext heraus zu lesen, fällt mir schwer.
Gegen Synonyme habe ich grundsätzlich nichts. Der Gebrauch davon sollte aber nicht soweit ausufern, dass die gewählten Worte stilistisch nicht mehr zum Text passen oder die Bilder nicht mehr funktionieren.
Literat und formulieren sind Worte, die eher in einer literatur-wissenschaftlichen Arbeit zu finden sind. Zur lyrischen Beschreibung des schriftstellerischen Schaffens eignen sie sich nur bedingt. Zum Nachrichtenbild eines Waldbrandes bilden sie auch einen Kontrast, den ich als Ironie lesen muss oder als Unvermögen des Autors.
- Thomas Milser
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- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Die glaubhaftesten Texte entstehen m.E. aus einer Entbehrung / einem Schmerz / einer großen Freude / einer Wut / einer Sprachlosigkeit heraus; in jedem Fall einem inneren Bedürfnis folgend. Sattsein war noch nie Wurzel tieferen und nachhaltigen Gedankenguts.
Eingedenk dessen bleibt mir für deinen Text nur eine einzige Beschreibung: Belanglos.
Sorry, das hat keine Kraft,
Tom
Eingedenk dessen bleibt mir für deinen Text nur eine einzige Beschreibung: Belanglos.
Sorry, das hat keine Kraft,
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Lieber Quoth, Die Veränderungen sind gut.
Lieber Tom, ist nicht dein Ernst, den Text als belanglos zu bezeichnen? *wunder*
Manchmal frage ich mich ja schon, nicht nur bei dir, wie im Salon kommentiert wird. Seltsam.
Liebe Grüße
ELsa
Lieber Tom, ist nicht dein Ernst, den Text als belanglos zu bezeichnen? *wunder*
Manchmal frage ich mich ja schon, nicht nur bei dir, wie im Salon kommentiert wird. Seltsam.
Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen
Manchmal frage ich mich ja schon, nicht nur bei dir, wie im Salon kommentiert wird. Seltsam.
Manchmal haben wahrscheinlich manche Leute eine ziemlich schlechte Laune...
Die glaubhaftesten Texte entstehen m.E. aus einer Entbehrung / einem Schmerz / einer großen Freude / einer Wut / einer Sprachlosigkeit heraus; in jedem Fall einem inneren Bedürfnis folgend. Sattsein war noch nie Wurzel tieferen und nachhaltigen Gedankenguts.
Das, lieber Tom, ist das beliebigste, billigste, abgeschriebenste und aufgeblasenste, was ich bislang von dir gelesen hab. Du behauptest als unwiderlegbar, was heftig diskutiert wird (braucht Kunst Leid?). Suggerierst, dass DEINE ERFAHRUNG ? oder dein ERACHTEN? dir (?) ebensolches Schreiben und Lesen ermöglicht (ein Wissender - wow). Woher willst du das eigentlich so genau wissen? Wo bleibt die Phantasie in dieser "Kunsttheorie"? Ich frage mich: Woher kommt diese beinahe selbstgerecht wirkende Zweifellosigkeit in dieser Frage? Da reihst du, kommentierend, ein Klischee ans andere, eine Unterstellung an die nächste. Dein Kommentar weiter oben hatte mich bereits verblüfft - dort sprichst du von "investigativem JOurnalismus" (pardon, aber das ist Unsinn, vermutlich meintest du Meinungsjournalismus?) und fährst einen Kommentar weiter fort auf eine moralsaure, vorwurfsvolle Art, die mir gar nicht zu deinen sonstigen Äußerungen zu passen scheint:
Und nicht zuletzt: Ist es nicht auch die Herstellung und der Betrieb unserer Notebooks, was dazu beiträgt, dass eben solche Katastrophen immer heftiger werden? Dürfen wir westlichen Energiefresser überhaupt den Zeigefinger erheben, solange wir mit dem SUV Urwaldbretter aus dem Baumarkt für den Sandkasten holen?
Wenn dieser Text als derlei Selbstanzeige zu verstehen wäre, dann bekäme er für mich schon etwas mehr Gehalt. Eine bloße offene Frage am Ende wäre mir dann aber immer noch zu wenig. Da fehlte mir der eigene Aderlass ...
"Wir westlichen Energiefesser" sollten nicht "den Zeigefinger" heben (meine Güte, Tom, das kannst du besser, oder?), sondern an unserem Verhalten etwas ändern. Das bleibt dir unbenommen - dennoch hast du, ohne Argumentation oder Aufforderung, kein Recht, anderen zu unterstellen, sie würden das nicht versuchen oder gar tun. Mit dem Text hat das allerdings wenig zu tun - diese Art des Kommentierens hat er einfach nicht verdient.
Der "eigene Aderlass" bleibt dir unbenommen (vermutlich arbeitest du täglich dran ;))
Auf die "Argumentation", man dürfe auf - bleiben wir ganz neutral: weltweite Fehlentwicklungen nicht hinweisen oder sie kritisieren, nur weil viele der Hinweisenden von diesen Entwicklungen indirekt zunächst profitieren (Wohlstand, "Freiheit", Flexibilität etc.), trägt nicht. Damit erstickst du jedes Engagement, das nicht Mutter Theresa oder Che Guevara nacheifert, im Keim.
Es gibt keine total konsequenten Menschen, es gibt allerdings immer Konsequenzen in jedem Handeln.
Brecht hat seine Texte, glaube ich, nicht in erster Linie für die geschrieben, die alles schon (besser) wissen, sondern hat erstmal Ideen angestoßen, Zweifel füttern wollen bei Leuten, die nicht von Haus aus täglich drei Bücher lesen (können).
Eine ähnliche Nachdenklichkeit hervorzurufen, ein vages Unwohlsein in Worte zu fassen und ihm möglicherweise eine Richtung zu geben - das gelingt dem Text durchaus. Von einem zeitkritischen Text den Nachweis revolutionäres (auch textrevolutionäres) Handeln einzufordern, erscheint mir nicht fair. Da möchte man dann doch dem Kommentator, dessen Spieß sozusagen umdrehend, zurufen: Schreibe und lebe erstmal selbst, wie du es forderst
herzlich
klara
PS Meiner Erfahrung nach verändert sich weder die Welt noch der einzelne Mensch, indem er möglichst vielen Leuten möglichst schlechte Laune und ein möglichst schlechtes Gewissen macht. Das reicht als Motor für Veränderung nicht - sondern hemmt sie eher. Weil sich-schlecht-und-schuldig-Fühlen(-machen) ein Zustand ist, dessen Ursachen dann man bei sich sucht - und nicht in - gemeinsamem - Veränderungshandeln. Depression in mannigfacher Ausformung ist die Folge - zurzeit gut erkennbar bei allerlei menschlichem Getier, Privatheitswahn etc. Ikea statt Analyse. Die Leute ziehen sich in sich zurück und verkaufen sich ihre "Erfolge" oder Misserfolge mit nicht-anders-Können, weil die Welt nunmal so ist. Mit "satt" hätte das weniger zu tun als mit nicht erlaubtem Hunger.
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Ach Klara, du übertreibst ...
Ich werde doch wohl noch einen Text so finden dürfen wie ich ihn eben finde. Und ich habe ja auch darzulegen versucht, warum. Anderen und dem Autor seien ihre Meinungen unbelassen. Meine mir aber bitte auch.
Ich arbeite daran ...
Gruß,
Tom.
Ich werde doch wohl noch einen Text so finden dürfen wie ich ihn eben finde. Und ich habe ja auch darzulegen versucht, warum. Anderen und dem Autor seien ihre Meinungen unbelassen. Meine mir aber bitte auch.
Klara hat geschrieben: Schreibe und lebe erstmal selbst, wie du es forderst
Ich arbeite daran ...
Gruß,
Tom.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Ich werde doch wohl noch einen Text so finden dürfen wie ich ihn eben finde.
Na klar, und wie hier halt üblich kann jemand (in diesem Fall ich) widersprechen.
Das sehe ich anders. Du hast moralisch argumentiert - nicht textlich...Und ich habe ja auch darzulegen versucht, warum.
und dann eben nicht (d)eine bescheidene "Meinung" gechrieben, sondern Behauptungen über die Urgründe der Kunst in den Raum gestellt. Man macht das dann manchmal so (ich kenn das ja auch): Im Eifer des Gefechts zückt man die Klinge, wo eine Nadel vielleicht angebrachter wäre - und schneidet sich dann an seiner eigenen Selbstgerechtigkeit. An seiner Besserwisserei. An seinem ECHTEN Gutsein.Anderen und dem Autor seien ihre Meinungen unbelassen. Meine mir aber bitte auch.
Ich glaub sogar, ich verstehe dein Missbehagen - an dem Text -, kann da sogar ein Stück mitgehen, fand aber, dass es eher aus Vermutungen dem lyrischen Ich gegenüber sich speiste als aus den geschriebenen Worten begründet werden könnte. Oder es entsteht auch deshalb, weil man beim Lesen - sich ertappt fühlt? Und damit nicht zufrieden geben will? Oder aus einem Bedürfnis nach einer anderen Stoßrichtung, das der vorliegende Text nicht erfüllt.
Davon gehe ich aus... und hoffentlich nicht nur du...Ich arbeite daran ...
However: Die Debatte hier war einigermaßen fruchtbar, finde ich, und dazu hast nicht zuletzt du beigetragen ;)
-
Renée Lomris
Hallo Quoth,
Welche Art der Kritik und welche Art von Lyrik?
Hoffentlich kannst du etwas mit dem folgenden Kommentar anfangen, ein Versuch das Problem des Kommentierens im Allgemeinen anzusprechen. Ein Versuch, dein Gedicht unter zwei bisher ungenannten Aspekten zu betrachten.
Dein Gedicht entfachte eine lebhafte, angeregte Debatte. Zu Toms Reaktion : Meiner Ansicht nach sollte man ausdrücken dürfen, und zwar auch polemisch, dass einem ein Gedicht missfällt, dass ein Thema epigonal, banalisierend, klischeehaft behandelt wurde. Auch wenn Kritik weh tut (und ich finde es ebenso notwendig, dass diese „narzistische Wunde“ Ausdruck finden darf unf respektiert wird) so wirkt sie doch dann am stärksten auf uns, wenn sie Leseeindrücke widergibt, die auf echtem Empfinden beruhen.
Dabei berücksichtigt man die vermutete Kapazität des Schreibenden, Kritik vertragen zu können. Was mich betrifft, sind meine Anmerkungen umso kritischer, je beachtenswerter mir der Autor oder die Autorin erscheint. Anders formuliert, damit jetzt mein Lob nicht als versteckte Kritik aufgefasst wird: es ist relativ leicht, zu loben und positive Kritik abzugeben. Es ist weitaus schwerer, negative, kritische Kommentare zu formulieren.
Ich verstehe, dass man vor der Aufgabe zurückschreckt, jemandem erklären zu müssen, was man unfertig, dilettantisch, banal, verschwatzt, konventionnell findet. Zumal, wenn einem u.U. eine große Bildungslücke den Weg zum Verständnis eines Textes versperrt.
Dazu kommt die Forums-Kultur, der Kaffee&Kuchen-aspekt, dem insbesondere weibliche Autoren unterworfen sind. Wenn eine Schreiberin nicht ganz ins Schema passt, wird auf die Hühner-Hackordnung zurückgegriffen. Passt ein Mann nicht ganz rein, wellt ihm Verständniswogendes entgegen.
All diese (z.T. von mir übertriebenen) Erscheinungen, diese ungeschriebene Regeln und Vorschriften erklären, dass es an kritischer Kritik mangelt. – Ich habe vergessen die Faulheit zu erwähnen. Faulheit erklärt diesen Mangel – ich bin oft zu faul, zu sehr mit meinen existentiellen Problemen beschäftigt, egoistisch, der Welt abhanden gekommen, da würde das Verfassen einer vernichtenden (die Vernichtung beträfe dann zumeist den Verfasser der Kritik, wenn nicht gewisse Umstände die Vernichtung des Autoren (den Weggang) einleiteten.
Deshalb danke ich dir, Quoth, doppelt und dreifach: das Thema des Desengagements so bearbeitet zu haben und als beachtenswerter Autor die Kritik von gleichfalls beachtenswerten Autoren heraufbeschworen zu haben;
Wenn der Dichter, der Autor, der Literat den Griffel niederlegt, weil er in einer Welt aus Zuckerwatte erstickt, dann ist er wirklich in einer Sackgasse. Deshalb müssen bestimmte Dinge gesagt werden, bevor sie einem zu Zuckerguss erstarrten Lesehelden zu Ruhm und Ehre verhelfen;
Zum Text selbst ist schon viel gesagt worden: nur eines, den Anfang betreffend: ich fand die Verwendung der Deklinationen des bestimmten Artikels, die Platzierung der Worte, und die daraus entstehende Rhythmik sehr gelungen.
Anfangs wollte ich ebenfalls den "gestelzten Ton" monieren. Die Brechtsche Distanzierung, der hohe Turm der Intellektuellen, das ist mir nicht gegeben, dazu braucht es offensichtlich einen guten Schuss altphilologischer Tradition. . Wenn man ihn aber an sich heran lässt, erschließt sich der Text eben aufgrund dieser Tradition, deren beste Vertreter in der militanten Philosophie zu finden sind. Ein Habermas'sches Gedicht.
Ich bin kein Freund von militanter, appellierender Literatur, da ich glaube, dass die Konzentration des Literaten auf sein Gestell - Gerät - auf seinen Gänsekiel schon allein ein Akt des Widerstands ist. Ich lese sie jedoch und finde sie oft moralisierend. Aber sie bringt Debatten in Gang ... das tut mehr als gut.
Fragen, die sich stellen - Wunsch nach Auseinandersetzung - Schreiben? Ich werde mich mal mit Leonies Text befassen ´....
liebe Grüße
Renée
Welche Art der Kritik und welche Art von Lyrik?
Hoffentlich kannst du etwas mit dem folgenden Kommentar anfangen, ein Versuch das Problem des Kommentierens im Allgemeinen anzusprechen. Ein Versuch, dein Gedicht unter zwei bisher ungenannten Aspekten zu betrachten.
Dein Gedicht entfachte eine lebhafte, angeregte Debatte. Zu Toms Reaktion : Meiner Ansicht nach sollte man ausdrücken dürfen, und zwar auch polemisch, dass einem ein Gedicht missfällt, dass ein Thema epigonal, banalisierend, klischeehaft behandelt wurde. Auch wenn Kritik weh tut (und ich finde es ebenso notwendig, dass diese „narzistische Wunde“ Ausdruck finden darf unf respektiert wird) so wirkt sie doch dann am stärksten auf uns, wenn sie Leseeindrücke widergibt, die auf echtem Empfinden beruhen.
Dabei berücksichtigt man die vermutete Kapazität des Schreibenden, Kritik vertragen zu können. Was mich betrifft, sind meine Anmerkungen umso kritischer, je beachtenswerter mir der Autor oder die Autorin erscheint. Anders formuliert, damit jetzt mein Lob nicht als versteckte Kritik aufgefasst wird: es ist relativ leicht, zu loben und positive Kritik abzugeben. Es ist weitaus schwerer, negative, kritische Kommentare zu formulieren.
Ich verstehe, dass man vor der Aufgabe zurückschreckt, jemandem erklären zu müssen, was man unfertig, dilettantisch, banal, verschwatzt, konventionnell findet. Zumal, wenn einem u.U. eine große Bildungslücke den Weg zum Verständnis eines Textes versperrt.
Dazu kommt die Forums-Kultur, der Kaffee&Kuchen-aspekt, dem insbesondere weibliche Autoren unterworfen sind. Wenn eine Schreiberin nicht ganz ins Schema passt, wird auf die Hühner-Hackordnung zurückgegriffen. Passt ein Mann nicht ganz rein, wellt ihm Verständniswogendes entgegen.
All diese (z.T. von mir übertriebenen) Erscheinungen, diese ungeschriebene Regeln und Vorschriften erklären, dass es an kritischer Kritik mangelt. – Ich habe vergessen die Faulheit zu erwähnen. Faulheit erklärt diesen Mangel – ich bin oft zu faul, zu sehr mit meinen existentiellen Problemen beschäftigt, egoistisch, der Welt abhanden gekommen, da würde das Verfassen einer vernichtenden (die Vernichtung beträfe dann zumeist den Verfasser der Kritik, wenn nicht gewisse Umstände die Vernichtung des Autoren (den Weggang) einleiteten.
Deshalb danke ich dir, Quoth, doppelt und dreifach: das Thema des Desengagements so bearbeitet zu haben und als beachtenswerter Autor die Kritik von gleichfalls beachtenswerten Autoren heraufbeschworen zu haben;
Wenn der Dichter, der Autor, der Literat den Griffel niederlegt, weil er in einer Welt aus Zuckerwatte erstickt, dann ist er wirklich in einer Sackgasse. Deshalb müssen bestimmte Dinge gesagt werden, bevor sie einem zu Zuckerguss erstarrten Lesehelden zu Ruhm und Ehre verhelfen;
Zum Text selbst ist schon viel gesagt worden: nur eines, den Anfang betreffend: ich fand die Verwendung der Deklinationen des bestimmten Artikels, die Platzierung der Worte, und die daraus entstehende Rhythmik sehr gelungen.
Anfangs wollte ich ebenfalls den "gestelzten Ton" monieren. Die Brechtsche Distanzierung, der hohe Turm der Intellektuellen, das ist mir nicht gegeben, dazu braucht es offensichtlich einen guten Schuss altphilologischer Tradition. . Wenn man ihn aber an sich heran lässt, erschließt sich der Text eben aufgrund dieser Tradition, deren beste Vertreter in der militanten Philosophie zu finden sind. Ein Habermas'sches Gedicht.
Ich bin kein Freund von militanter, appellierender Literatur, da ich glaube, dass die Konzentration des Literaten auf sein Gestell - Gerät - auf seinen Gänsekiel schon allein ein Akt des Widerstands ist. Ich lese sie jedoch und finde sie oft moralisierend. Aber sie bringt Debatten in Gang ... das tut mehr als gut.
Fragen, die sich stellen - Wunsch nach Auseinandersetzung - Schreiben? Ich werde mich mal mit Leonies Text befassen ´....
liebe Grüße
Renée
Renée,
darf ich dir kurz sagen, wie wunderbar ich gerade deine Worte zum Kommentieren, Kritisieren allgemein finde? Das werde ich noch häufig lesen und hoffentlich ein bisschen davon umsetzen können.
darf ich dir kurz sagen, wie wunderbar ich gerade deine Worte zum Kommentieren, Kritisieren allgemein finde? Das werde ich noch häufig lesen und hoffentlich ein bisschen davon umsetzen können.
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Ich danke dir auch, Reneee, weil ich mir dann nicht mehr so als Arsch vorkomme, nur, weil ich mal was Negatives sage. Und auch wenn Klara da auf die Balkone steigt, muss das mal erlaubt sein.
Ich habe sicherlich nichts aus einer "schlechten Laune" heraus formuliert, noch sind meine Kommetare "allgemeingültig" oder "selbstherrlich", Sie sind genau so subjektiv, wie sich das gehört.
Und wenn das hier nicht mehr möglich ist, dann kommentiere ich halt nur noch Texte, die mir gefallen.
Bestgelaunte Grüße
Tom.
Ich habe sicherlich nichts aus einer "schlechten Laune" heraus formuliert, noch sind meine Kommetare "allgemeingültig" oder "selbstherrlich", Sie sind genau so subjektiv, wie sich das gehört.
Und wenn das hier nicht mehr möglich ist, dann kommentiere ich halt nur noch Texte, die mir gefallen.
Bestgelaunte Grüße
Tom.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Hallo, Thomas, Du musst Dir nicht als Arsch vorkommen, Du hast Dich einfach zu Deinem Ansatz bekannt, und Dir dies Bekenntnis entlockt zu haben, ist immerhin ein Verdienst meines belanglosen Textes. Wie Du freilich darauf kommst, dass satt ist, wer weder in Russland verbrannt, noch in Pakistan weggeschwemmt, noch am Golf verölt wird, ist mir schleierhaft. Mein Text beruht auf einem Hunger, aber einem, den er Dir als Antriebskraft offenbar nicht vermittelt. Du lebst und schreibst nach Deinem Ansatz - mit allen Risiken, wie man bei den Dieter-Texten nachlesen kann. Ich kommentiere sie nicht, weil ich dem Zwiespalt zwischen literarischer Kritik und tatsächlichem Beileidsempfinden aus dem Wege gehe - und auch nicht überzeugt bin, dass ein guter Trauertext einen wirklichen Trauerfall braucht. Ich bin stolz darauf, dass Du, um Renée zu zitieren, meine Kapazität, Kritik vertragen zu können, offenbar als hoch eingeschätzt hast - und es wäre für Dich sicherlich eine Enttäuschung, damit nicht Recht gehabt zu haben!
Renée, Dir herzlichen Dank für Deinen Exkurs über die Forenkommentierkultur.
Klara, was hast Du für eine fulminante Beredsamkeit! Dagegen bin ich ein stummer Fisch.
Last, das "grottenschlecht" hättest Du nun nicht gleich zurücknehmen müssen. Ich finde, es ist einfach nur ein sehr dummes Wort. Ich unterscheide übrigens nicht in lyrikgeeignete und lyrikungeeignete Worte. Das läuft darauf hinaus, die Lyrik zu einem abgesonderten und sterilen Ort des Hübschen und Edlen zu machen.
Elsa, vielen Dank! Mit dem "Mann" freilich bin ich nicht zufrieden. Vielleicht mache ich doch wieder einen Poeten aus ihm - denn zusammen mit dem Protest gibt das was.
Ferdi, auch Dir vielen Dank für Dein positives Urteil.
Mit herzlichem Dank für Befassung und Diskussion
Quoth
Renée, Dir herzlichen Dank für Deinen Exkurs über die Forenkommentierkultur.
Klara, was hast Du für eine fulminante Beredsamkeit! Dagegen bin ich ein stummer Fisch.
Last, das "grottenschlecht" hättest Du nun nicht gleich zurücknehmen müssen. Ich finde, es ist einfach nur ein sehr dummes Wort. Ich unterscheide übrigens nicht in lyrikgeeignete und lyrikungeeignete Worte. Das läuft darauf hinaus, die Lyrik zu einem abgesonderten und sterilen Ort des Hübschen und Edlen zu machen.
Elsa, vielen Dank! Mit dem "Mann" freilich bin ich nicht zufrieden. Vielleicht mache ich doch wieder einen Poeten aus ihm - denn zusammen mit dem Protest gibt das was.
Ferdi, auch Dir vielen Dank für Dein positives Urteil.
Mit herzlichem Dank für Befassung und Diskussion
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Quoth hat geschrieben: Ich bin stolz darauf, dass Du, um Renée zu zitieren, meine Kapazität, Kritik vertragen zu können, offenbar als hoch eingeschätzt hast - und es wäre für Dich sicherlich eine Enttäuschung, damit nicht Recht gehabt zu haben!
Yep!
Zwei Mann, ein Wort!
:o-}
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Quoth hat geschrieben:Elsa, vielen Dank! Mit dem "Mann" freilich bin ich nicht zufrieden. Vielleicht mache ich doch wieder einen Poeten aus ihm - denn zusammen mit dem Protest gibt das was.
Lieber Quoth, es könnte auch eine Autorin sein
.gif)
Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen
Sehr gut Elsa, ich habe den Mann in eine Poetin verwandelt - und Du weißt sicherlich, an wen ich dabei denke!
Hallo, Thomas - das klingt ja nach dem "Beginn einer wunderbaren Freundschaft" ...
Gruß
Quoth
Hallo, Thomas - das klingt ja nach dem "Beginn einer wunderbaren Freundschaft" ...
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Hallo scarlett,
Du hast weiter oben was sehr Erfreuliches über meinen Text gesagt:
"Ich spüre Echtheit hinter und in den Zeilen, da ist ein Gefühl, dass nach einer Form, nach einem Halt schreit."
Dafür wollte ich mich noch bedanken, es hat mich sehr erfreut - sogar den Begriff "authentisch" hast Du mir gutgeschrieben.
Irgendwie ist Dein Kommentar dem Seitenwechsel zum Opfer gefallen und ich las ihn erst jetzt ...
Herzlich
Quoth
Du hast weiter oben was sehr Erfreuliches über meinen Text gesagt:
"Ich spüre Echtheit hinter und in den Zeilen, da ist ein Gefühl, dass nach einer Form, nach einem Halt schreit."
Dafür wollte ich mich noch bedanken, es hat mich sehr erfreut - sogar den Begriff "authentisch" hast Du mir gutgeschrieben.
Irgendwie ist Dein Kommentar dem Seitenwechsel zum Opfer gefallen und ich las ihn erst jetzt ...
Herzlich
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Wer ist online?
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