Die Puppenspieler

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Mucki
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Beitragvon Mucki » 24.09.2006, 12:39

Die Puppenspieler

Gelbe Ampel.
Du siehst grün.
Sie spielen gut,
mit dir,
die vielen runden Helfer.
Fatales Blind.
Ehrgeiz treibt dich,
den sie schüren,
weiter,
immer weiter.
Preis spielt keine Rolle,
Hauptsache, du machst mit,
als Marionette,
an Fäden gezogen,
hinterhältig bewegt.
Bist gefangen,
mehr,
immer mehr,
bis Ampel auf rot.
Fäden zerschnitten.
Freiheit?
Nein!
Die Puppenspieler siegen.
Flammen lodern auf.
Der Vorhang fällt.

© Gabriella Marten Cortes
24.09.2006
Zuletzt geändert von Mucki am 05.10.2006, 12:14, insgesamt 2-mal geändert.

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 26.09.2006, 12:58

Liebe magic,

ich habe auch die Tabletten als die Puppenspieler gesehen und finde auch nicht, dass die Ärzte thematisiert müssen (generell ist das sicher eine wichtige Hauptfacette dabei, was ja aber nicht heißt, dass die Ärzte immer fokussiert werden müssen). Es geht erst mal um das Ich und worauf es sich zu welchen Preisen einlässt.

Was ich noch nicht durchschaut habe ist das mit den Ampeln...gibt es da konkrete Bezüge?
Für mich passt das Bild der Ampel ( daher noch?) nicht zu dem Bild Puppenspieler....

Wenn es keine konkreten Bezüge gibt würde ich mich für ein Hauptbild entscheiden...Puppenspiel oder Ampel....

Liebe grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.09.2006, 13:28

Liebe Lisa,

eben, es geht um den Preis, den das LyrIch zahlen muss, weil es im fatalen Spiel der "Helfer" gefangen ist, nicht mehr herauskommt.

Zur Ampel: gelb = Alarmglocken klingeln im Inneren des LyrIch, doch das LyrIch stellt auf Grün, weil die "Helfer" ihr Spiel treiben, sprich das LyrIch die Warnungen verdrängen lassen, und das LyrIch weiter macht, bis die Ampel auf rot steht, dann ist es zu spät, das LyrIch ist nicht mal mehr Marionette, sondern zahlt einen sehr hohen Preis: "Flammen lodern auf" = burn out, "Der Vorhang fällt" = Aus.
Saludos
Magic

Mucki
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Beitragvon Mucki » 28.09.2006, 00:28

Liebe Lisa,

könntest du bitte diesen Text verschieben zu Lyrik und Kultur? Danke dir.
Ich habe eben noch mal die genauen Unterthemen angesehen. Dort passt es am Besten rein, weil es hier um eine kritische Betrachtung geht, die das Verhalten von Menschen betrifft, "gezwungen" durch unsere "Ellenbogengesellschaft".
Saludos
Magic

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 29.09.2006, 13:00

Liebe magic,

klar, schon geschehen @verschieben.

Danke für deine Erklärungen mit der Ampel - ja so habe ich das auch gelesen. Aber kannst du dir nicht vorstellen, das Bild der Ampeln rauszunehmen und das Bild der Tabletten als Puppenspieler konszequenter auszuarbeiten?

Die Ampeln sind für mich doch etwas plakativ und zerstören zudem die Atmosphäre...ich denke, man kriegt die von dir gewollten Aspekte auch alle anhand des Puppenspielerbildes hin...

AUfbau:
vorstellung BEGINNT

Vorstellung PAUSE

Vorstellung ENDE

(analog zur Amepkonstellation)......in eine Vorstellung kann man sich auch vertiefen, sodass einem nicht mehr auffällt....



Das Gedicht hier ist dann natürlich nicht mehr dasselbe, aber das muss es ja auch nicht. Eine zweite neue Fassung könnte ich mir sehr spannend vorstellen. Vielleicht sogar als Prosatext viel besser zu gestalten, da man mehr Fläche für die Metapher zur Verfügung hat. Dann könnte man auch auf solche in meinen Augen peotisch etwas unglücklichen Einschübe wie "die runden Helfer" verzichten und nur in der Ebene des Bildes bleiben. Dafür würde ich einen Titel wählen, der Eindeutigkeit vermittelt, unter dem dann das Geschehen abläuft, das muss ja kein Geheimnis sein. Und wenn es eines sein soll, dann würde ich es aber auch ein Geheimnis sein lassen und gar keine Andeutungen machen, die so konkret sind.

Vielleicht ließe sich ja auch ein Minidrama (analog zum Aufbau des Puppentheaters, draus machen:

Die Regieanweisungen bzw. die Auflistung der Personenkonstellationen könnten dabei als "Beipackzettel" fungieren...

Die Puppenspieler - die Puppenspieler
Krokodil - die grüne Pille
Prinzessin - die rosa Pille
Kasper - die bunte Pille
Polizist - die blaue Pille
...


aufbau..:


....ich könnte mir das so spannend vorstellen:

- Ich guckt beginnende Vorstellung an
- Handlung des Stückes läuft
- Ich vertieft sich rein, vergisst außen ("realität", "konsequenzen")
- Pause (in der Pause könnte ich mir einen schönen aufbau eines treffens der sekttrinkenden ärzte vorstellen, wodurch man dann auch moshes Thema mit einbauen könnte...)
- Fortsetzung, Handlung spitzt sich zu...im Stück wollen die Figuren feuer legen (vielleicht nehmen sie den Beipackzettel als Zündholz?)
- ich bleibt aber selbst als erste Flammen lodern in handlung vertieft, sie es immer noch als Stück...
- Flammen greifen hinter vorhang/bühne dann auch auf "realität" zuschauerraum zu...
- ich merkt zu spät, dass die Flammen/Puppenspieler/die Konsequenz des Stückes nicht nur Spiel sind, sondern bitterer Ernst...
- doch es ist zu spät...Ich verbrennt in Zuschauerraum...

Wenn man das surreal schreibt, kann ich mir das für das Thema schon spannend vorstellen...
...ist natürlich was ganz anderes...aber ich glaube du hast genug Nähe zum Thema, es bedeutet dir genug, als dass sich dieser Aufand vielleicht lohnen würde?

(Ansonsten habe ich halt nur ein bisschen gesponnen) :-)

Liebe grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.09.2006, 13:42

Wow, liebe Lisa,

das ist ja eine hervorragende Idee! Du hast vollkommen Recht. Ich kann es als neuen Prosa-Text tatsächlich so aufbauen. Ui, das werde ich versuchen, das wird spannend! Mal sehen, ob es mir gelingt!

Danke dir für diesen tollen Anstoß!
Saludos
Magic


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