diplombiologe

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klimperer

Beitragvon Klimperer » 19.01.2013, 10:49

ist der taxifahrer
seine söhne
studieren noch beide
haben noch
eine lange fahrt vor sich

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 20.01.2013, 12:00

Hallo Niko,

deine Version gefällt mir sehr gut.

Ich finde, wir können, alle zusammen, dieses heikle Thema besser bewältigen.

Später komme ich auf deinen Kommentar über V.G zurück

Danke,

Carlos

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 20.01.2013, 12:03

Liebe Lisa,

ich danke dir für deine wohlwollende Worte und für deine gerechte Kritik. Leider ist meine Reaktion auf die Meinung der anderen verloren gegangen. Ich habe vorgeschlagen, alle zusammen über das Thema zu schreiben. Niko hat es schon getan.

Saludos,

Carlos

Max

Beitragvon Max » 20.01.2013, 14:12

Hallo Klimperer,

vermutlich ist beinahe alles zu diesem Text gesagt?!

Ich mag auch Nikos Version vielleicht ein wenig lieber als Deine - es fehlt mir bei diesem ein bisschen weniger der Grund, warum man einen solchen Text schreiben sollte. Mir geht es bei dem Tenor des Textes ein wenig wie Nifl in seinem Kommentar.
Natürlich gibt es da etwas, über das man nachdenklich, zornig oder traurig werden kann (und zwar so sehr, dass man das alles in Verse kleiden möchte). Die Frage ist nur: Was ist es? es ist ja nicht der Unterschied zwischen Taxifahrer und Diplombiologen, wie Du richtig bemerkst. Für mich ist es die Diskrepanz zwischen der Haltung, mit der manche Menschen in ihr Studium gehen, die Begeisterung für ein konkretes Fach und der Desillusioniertheit, die sie nach diesem Studium haben. Es wäre gut, wenn das stärker zum Ausdruck käme.

Liebe Grüße
Max

pjesma

Beitragvon pjesma » 20.01.2013, 15:23

hm, bei mir kommt das gedichtlein schon an, zwar nicht als meisterwerk, aber eine süßbittere gedanke schon...vielleicht weil ich eine andere sozialfazette berührt empfinde (die nicht ausdrücklich erwähnt ist aber dürfte nicht allgemein unbekannt sein)---ein blickwinkel der zbsp. polnischer putzfrau die musikkonservatorium abschluß hat sich dennoch mit putzen vergnügen muss da ihr abschluss nicht anerkannt wird, eine afrikanische ärztin die däumchen drehen muss und von arbeitsamt zum hilfs!pflegepersonal "umgeschult" wird, oder sic! eine kroatische pädagogin auf der blumenwiese ;-)))...jedenfalls schlummert sehr viel von diese bitterniss drinne und sehr viel arroganz und eingebildeter überlegenheit des umfelds---(mein gott, wie viele verlorenen, verschenkten resourcen!). klar ist jeder arbeit "wert", aber meinetwegen kann man sich diese massenruhighaltendemeinung in der suppe kochen, es geht schlicht und einfach um kohle, um einkommen und existenz die mit einem arbeit gesichert wird, und diesbezüglich wird man als diplombiologe schon höher bewertet als taxi fahrer. besonders rührend finde ich dass zum ende des gedicht immer noch eine glaube an bildung vorhanden ist, und diese glaube um preis einer elterliche "selbstopferung" weiter gegeben wird, es ist oft so in familien mit migrationshintergrund (was jetzt /migr.etc/ wie gesagt nicht explizit erwähnt wurde, aber ich kann mir nicht helfen: ich lese es daraus. ich lese daraus dieses "fremdländisches" optimismus, in der art "leben ist hart aber ungerecht---dennoch wir packen es an und kriegen es hin----"
lg

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 20.01.2013, 15:38

ich lese daraus dieses "fremdländisches" optimismus, in der art "leben ist hart aber ungerecht---dennoch wir packen es an und kriegen es hin----"


Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe, pjesma, aber dieser "Optimismus" ist nicht unbedingt etwas Fremdländisches: Ich kenne das aus eigener Erfahrung, wollte ein best. Fach studieren und habe es nicht getan, weil mir jeder sagte, damit kannst du hinterher das Klo tapezieren, und statt dessen wählte ich ein anderes Studium, mit dem ich nun wiederum auch das Klo tapezieren kann. Meine ältere Tochter studiert auf - rate mal was? Diplombiologin; nur die jüngere hat sich für ein Fach entschieden, das gegenwärtig als erfolgsgarantiert gilt. Aus meiner eigenen Biografie heraus stehe ich inzwischen auf dem Standpunkt: studiere das Fach deiner 1. Wahl, arbeitslos werden kannst du mit jedem anderen auch.

Genau diesen verhaltenen Optimismus (womöglich auch ein Seitenzweig des Idealismus) lese ich auch aus diesem Gedicht. Wobei ich Nifls Einwand schon nachvollziehen kann; es ist ja offensichtlich aus der Perspektive des Fahrgastes geschrieben, und es liegt nahe, eine gewisse Herablassung, vielleicht sogar Schadenfreude mitzulesen. Wobei ich aber nicht sicher bin, ob das am dem Text liegt oder an mir selbst.

Grüße von Zefirsa
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

pjesma

Beitragvon pjesma » 20.01.2013, 15:44

ja, gut möglich, zefi...es werden schon einem wie den anderem die steine in weg gelegt ;-)...jedenfalls stimme ich mit dir 100 pro überein in der meinung:"studiere das Fach deiner 1. Wahl, arbeitslos werden kannst du mit jedem anderen auch." ...und gebe es auch weiter so (auweia vielleicht einem optimistischen angehendem germanisten...)
lg

Niko

Beitragvon Niko » 20.01.2013, 16:03

ich glaube - und darin ist klimperers text gut - er lässt offen. ich lese darin keine schadenfreude aber auch nichts beleidendes. für mich steht er neutral da. und es ist eigentlich der leser, der auf grund seines lebenserfahrungsschatzes das seinige dazwischenliest.

liebe grüße: niko

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 20.01.2013, 19:10

Hallo Max, Pjesma, Zefira, Niko,

vielen Dank euch allen für das Interesse, dass dieses Thema erweckt hat.

Ich finde es gut, wenn man es nicht braucht, sich selbst zu verteidigen ...

Ein anderer Aspekt vom Taxifahrerdasein, der mich sehr bewegt, ist die Gefahr, der diese Menschen oft, besonders in der Nacht, ausgesetzt sind. Schon ein paar mal in meinem Leben habe ich Taxis mit Flor an den Antennen gesehen.

Wie dem auch sei, ich finde es toll, dass man kommuniziert und sich austauscht. Natürlich muss man extrem vorsichtig sein mit dem, was man sagt. Winston Churchill, ein Mann der Tat, sagte: "Man macht sich mehr Feinde durch Worte als durch Taten."

Bis bald,

Carlos


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