totentanz
o doch, er kommt!
mit seinen klotschen am dünnen gefüß
in seinen gebrochenen händen
poch-poch
die stoppuhr
totentanz
Hallo Renee,
eigentlich geht es (zumindestens bei mir) eher andersrum: Ich höre in den Texten den Hexameter, seine ihm eigene Bewegung, und dann zerteile ich ihn in die Einheiten, um zu überprüfen, ob es auch wirklich einer ist.
Ich glaube, wenn du dir die Zeit nimmst, "Hermann und Dorothea" einmal laut (!) zu lesen, weißt du alles, was man über den Hexameter wissen kann und muss, ohne jemals über "Versfüße" nachgedacht zu haben
Das Enjambement ist ja eigentlich auch nur ein Einschnitt im Text, eine Sprechpause, ein Sinneinschnitt, ein Haltepunkt; und genau so etwas hat ein Hexameter auch, irgendwo in der Mitte des Verses; in meinem Schemata ists immer mit "|" gekennzeichnet. Insofern habe ich das Enjambement nicht "übersprungen", es ist immer noch genau so wirksam wie vorher, nur dass der Einschnitt im Hexameter eben nicht durch den Anfang einer neuen Zeile, sondern durch das Maß "garantiert" wird.
Aber das ist ein anderes Thema - ich glaube, wir sollten Amanita ihren Faden zurückgeben bzw. wieder über ihren Text reden.gif)
Ein kurzer Versuch dazu: "In der Uhr ist Unruhe als Bestandteil eingebaut", schreibst du - und das stimmt natürlich. Aber das ist "abstrakte Unruhe", Unruhe, die erst über den Verstand entdeckt werden muss... Wirkliche Unruhe ist sinnlich. Behaupte ich jetzt einfach mal
Hm, beliebig einfaches Beispiel:
Ach der Tod kommt, der die Stoppuhr in der Hand hält!
Ach der Tod kommt, / der die Stoppuhr / in der Hand hält!
x x X X / x x X X / x x X X
Das wären drei "Ioniker a minore" (um die antiken Bezeichnungen aufzunehmen
), und ich finde, da merkt der Hörer schon auf, bevor sein Verstand überhaupt angefangen hat, den Text zu untersuchen?! Einfach, weil das so weit von dem weg ist, was man aus der Alltagssprache und der Prosa gewöhnt ist. Allerdings: wirklich unruhig ist das nicht... Das wird's erst, wenn man die Betonungen innerhalb einer Sinneinheit und zwischen unbetonten Silben gegeneinander setzt:
Der Tod naht sich, in der Hand haltend die Stoppuhren!
Der Tod naht sich, / in der Hand haltend / die Stoppuhren!
x X X x / x x X X x / x X X x
Jetzt mal vom Inhalt absehen bitte - ich sehe so schnell nicht, wie ich den 1:1 umsetzen kann
Aber ich wollte ja auch nur zeigen, wie Unruhe auf der Wortbewegungsebene sich darstellen könnte. Gut. Jetzt ist aber wirklich Schluss 
Ferdigruß!
eigentlich geht es (zumindestens bei mir) eher andersrum: Ich höre in den Texten den Hexameter, seine ihm eigene Bewegung, und dann zerteile ich ihn in die Einheiten, um zu überprüfen, ob es auch wirklich einer ist.
Ich glaube, wenn du dir die Zeit nimmst, "Hermann und Dorothea" einmal laut (!) zu lesen, weißt du alles, was man über den Hexameter wissen kann und muss, ohne jemals über "Versfüße" nachgedacht zu haben

Das Enjambement ist ja eigentlich auch nur ein Einschnitt im Text, eine Sprechpause, ein Sinneinschnitt, ein Haltepunkt; und genau so etwas hat ein Hexameter auch, irgendwo in der Mitte des Verses; in meinem Schemata ists immer mit "|" gekennzeichnet. Insofern habe ich das Enjambement nicht "übersprungen", es ist immer noch genau so wirksam wie vorher, nur dass der Einschnitt im Hexameter eben nicht durch den Anfang einer neuen Zeile, sondern durch das Maß "garantiert" wird.
Aber das ist ein anderes Thema - ich glaube, wir sollten Amanita ihren Faden zurückgeben bzw. wieder über ihren Text reden
.gif)
Ein kurzer Versuch dazu: "In der Uhr ist Unruhe als Bestandteil eingebaut", schreibst du - und das stimmt natürlich. Aber das ist "abstrakte Unruhe", Unruhe, die erst über den Verstand entdeckt werden muss... Wirkliche Unruhe ist sinnlich. Behaupte ich jetzt einfach mal
Hm, beliebig einfaches Beispiel:Ach der Tod kommt, der die Stoppuhr in der Hand hält!
Ach der Tod kommt, / der die Stoppuhr / in der Hand hält!
x x X X / x x X X / x x X X
Das wären drei "Ioniker a minore" (um die antiken Bezeichnungen aufzunehmen
), und ich finde, da merkt der Hörer schon auf, bevor sein Verstand überhaupt angefangen hat, den Text zu untersuchen?! Einfach, weil das so weit von dem weg ist, was man aus der Alltagssprache und der Prosa gewöhnt ist. Allerdings: wirklich unruhig ist das nicht... Das wird's erst, wenn man die Betonungen innerhalb einer Sinneinheit und zwischen unbetonten Silben gegeneinander setzt:Der Tod naht sich, in der Hand haltend die Stoppuhren!
Der Tod naht sich, / in der Hand haltend / die Stoppuhren!
x X X x / x x X X x / x X X x
Jetzt mal vom Inhalt absehen bitte - ich sehe so schnell nicht, wie ich den 1:1 umsetzen kann
Aber ich wollte ja auch nur zeigen, wie Unruhe auf der Wortbewegungsebene sich darstellen könnte. Gut. Jetzt ist aber wirklich Schluss 
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
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