eines tages

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 01.05.2011, 15:39


eines tages
werde ich leicht sein
über den dingen schweben
die mir heute zu schwer wiegen
eines tages
werde ich lachen
die dinge wegwinken
die mich heute weinen lassen
eines tages
kann heute sein

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 03.05.2011, 15:55

Hallo Gabriella!

Hm, "über den Dingen schweben" ist aber auch geläufig & sehr häufig... Google hat für genau diesen Wortlaut über 40.000 Treffer, für "schwebt über den Dingen" über 30.000 etc.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 03.05.2011, 18:22

Hallo Gabriella,

dein Verkürzungsvorschlag entspricht nicht mehr meiner Intention.
Mich würde interessieren, ob mein Lesen schon an deiner Intention vorbeigeht, oder ob diese Sinnänderung für dich erst durch die neuen Zeilen entsteht, also quasi durch meinen "Übersetzungsversuch".

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 03.05.2011, 19:52

Hi Flora,
Flora hat geschrieben:Vielleicht lese ich aber auch falsch, da mir die angesprochene "Hoffnung" ins Jenseits verlagert scheint und damit das Gedicht eine ganz andere Wendung für mich bekommt.

diese Hoffnung auf das Jenseits entspricht meiner Intention.
Flora hat geschrieben:eines tages
leicht sein
werde ich
über die dinge
schweben, lachen, wegwinken
worüber ich weine
eines tages
könnte heute
tot sein

Dieser "Übersetzungsversuch" geht daher für mich in die falsche Richtung.
LI wünscht sich ja, dass "eines tages" heute sein möge. Und wenn da steht, "eines tages könnte heute tot sein", drückt dies genau das Gegenteil aus. Dein Vorschlag bezieht sich also auf deine erste Lesart:
Flora hat geschrieben:das Gedicht liest sich so glatt und "leicht" dahin, dass ich merke, dass ich schon zu Beginn fast aussteige und gar nicht mehr wirklich "hinhöre", weil ich den Eindruck habe, dass es sich an einer Oberfläche bewegt, die bekannt scheint (@Lichtlein) in der es aber überhaupt nicht "stattfindet". Dass da nur über etwas drübergestreichelt wird mit vollständigen abgerundeten Sätzen. Mir fehlt der Haken. Ich würde stark reduzieren und es brüchiger, offener werden lassen.

Da würde dein Vorschlag gut passen.

Lieben Gruß
Gabi
P.S. Ferdi, "über den Dingen schweben" sagt man aber nicht. Die Floskel, also, das, was man immer so daher sagt, heißt eben "über den Dingen stehen".

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leonie
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Beitragvon leonie » 03.05.2011, 20:32

Liebe Gabi, liebe alle,

mich hat die Ambivalenz berührt, denke ich.
Es ist ja eine Sehnsucht und zugleich Hoffnung darin, dass das Schwere verschwinden möge. Aber wie es geschieht, das bleibt offen. Es könnte hier sein, könnte aber auch jenseitig sein. Und insofern ist ja im Grunde auch offen, ob "heute" bedeutet, dass man auf der Erde weiterleben kann oder eben nicht. Ich lese eine gewisse Todessehnsucht heraus, die aber aus dem Wunsch entspringt, leichter leben zu können. Also zugleich eine Lebenssehnsucht ist. Wenn diese nur noch erfüllbar scheint durch den Tod, dann macht mich das sehr traurig. Aber es ist ja nicht klar, ob es nur durch den Tod möglich ist. Es könnte sich ja auch heute und hier das Blatt zum Leben wenden. Dann würde es mich froh machen können. Aber es bleibt in der Schwebe.

Ist das verständlich?

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 04.05.2011, 08:45

Hallo Gabriella,

Und wenn da steht, "eines tages könnte heute tot sein", drückt dies genau das Gegenteil aus.
Ich würde mir wohl durch die Zeilenumbrüche Worte ergänzen und durch die Gleichstellung "leicht sein" – "tot sein" eher in diese Richtung lesen:
eines tages
könnte heute (sein) / (ich) könnte heute
tot sein

Aber das ist ja auch nicht wichtig, denn es sollte ja nur Anreiz sein selbst nochmal zu schauen und für dich bleibt deines ja stimmig.

Für mich spielt denke ich eine Rolle, dass die Todessehnsucht in deinem Text wirklich nur durchschimmert und der Text sich selbst auch sprachlich schon ganz "leicht" liest, im Grunde schon den Zustand des Schwebens zeigt und es so dem Leser "leicht" macht das ganze in eine "Lebenssehnsucht", wie Leonie schreibt, umzudrehen. Da der Tod, der ja für LIch etwas Positives darstellen soll, aber nicht benannt wird, schon das Wort von LIch scheinbar nicht in den Mund genommen werden will, oder kann, entsteht für mich der Eindruck, dass es letztlich keine Sehnsucht zeigt, sondern nur mit einem Gedanken gespielt wird.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

jondoy
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Beitragvon jondoy » 07.05.2011, 00:41

Hallo liebe Gabriella,

seit heute abend les ich den text anders.

ich war in pasing. weisst du, es geht mir so manches durch den kopf,
ich les das jetzt aus einem anderen blickwinkel,

eines tages werde ich leicht sein
über den dingen schweben
die mir heute zu schwer wiegen
eines tages
werde ich lachen
die dinge wegwinken
die mich heute weinen lassen
eines tages
kann heute sein


das nur dieses heute nicht bald ist.

Buenas noches,
stefan


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