Ins Blaue

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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leonie
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Beitragvon leonie » 14.02.2011, 17:12

Ins Blaue

Ich schreibe mich täglich
ins Blaue,
ich sage mich aus.
In einer Sprache, die ich nicht kenne.

Sie wird im Spiegel entziffert,
von rechts nach links.
Fragend schau ich in schillernde Flächen,
doch bleiben sie stumpf und stumm.

Einmal kam einer,
der verstand
meine Sprache, er las in mir
und mir schien,
es gefiele ihm, ja, er fand,
was er las, zart.
Und schön.

Wie soll ich meine Seele halten, dass…

Erzähl mir, sagte ich rau,
was du liest. Damit es
Werden kann.
Da wandte er sich ab,
als sei er nur
des Lesens kundig
und seine Ohren verschlossen.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 21.03.2011, 15:18

Hallo Leonie,

hier bin ich schon oft vorbeigekommen und jedes Mal fallen mir wieder ein paar der Zeilen besonders ins Auge, die für mich ganz für sich stehen könnten, die ich sehr mag, an deren Ende ich jedoch eine andere Wendung "lese", als der Text dann tatsächlich geht. (Das also natürlich nicht als Änderungsvorschlag, nur um zu Zeigen.)

Ich schreibe mich täglich ins Blaue / Ich sage mich aus

Einmal kam einer, der verstand
und mir schien,
es gefiele ihm, ja, er fand,
was er las, zart.
Und schön.

Erzähl mir, sagte ich rau,
damit es werden kann.

Da wandte er sich ab
ins Blaue.


(Das großgeschriebene "Werden" verstehe ich nicht so richtig, es sieht gerade am Zeilenanfang eher nach einem Tippfehler, oder Wordänderung aus.)
Dein Ende steht für mich ein bisschen im Widerspruch zur ersten Strophe, in der es ja auch heißt: ich sage mich aus. Die unterschiedlichen Ebenen würde ich dem Gedicht nach eher darin sehen, dass er zwar lesend (innerlich) versteht, dies aber selbst nicht (für LIch) in Worte fassen kann, in eine "verständliche" Sprache übersetzen. Er ihr nicht seine Sicht, sein "Lesen" erklären kann, oder möchte. Von daher würde ich an der Stelle eher den "verschlossenen Mund", als die "Ohren" erwarten?
Ich weiß nicht, ob es für mich vorwurfsvoll klingt. Das "rau" könnte man so lesen, oder aber so, dass man darin schon das Weinen ahnt.

Die Spiegelstrophe fällt für mich zum Rest ab, weil das ein so gängiges Motiv ist und ich auch keine wirkliche Anbindung ans "Blaue" finde, oder es über die Augenfarbe irgendwie für mich nicht aufgeht, da ja etwas "geschrieben" wird. Auch wird das "nicht Kennen" der eigenen Sprache für mich ausgehebelt, wenn sie doch im Spiegel entziffert wird?
Fragend schau ich in schillernde Flächen,
doch bleiben sie stumpf und stumm.

Das empfinde ich als widersprüchlich, entweder schillern sie, oder sie sind stumpf? Auch frage ich mich, ob LIch wirklich "in" die Flächen (Augen) schaut, oder nicht an ihrer schillernden Oberfläche hängenbleibt, wenn sie für LIch "stumm" bleiben?

Ich habe gerne darüber nachgedacht, auch wie es sich für mich mit dem Zitat verhält. Ich lese es eher als Inspirationsquelle, und nicht in deine Zeilen eingebunden und würde es daher vielleicht eher darüberstellen und den Autor dazuschreiben.

Ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich so spät noch dazu schreibe, auch wenn es für dich vermutlich schon abgeschlossen ist. Es hat mich einfach in den Fingerspitzen gejuckt. .-) (Die anderen Kommentare habe ich nicht alle gelesen, vielleicht wurde also auch manchens schon angesprochen.)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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leonie
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Beitragvon leonie » 22.03.2011, 10:23

Liebe Flora,

es ist tatsächlich so, dass ich den Text für mich beiseite gelegt habe, weil ich den Eindruck habe, er wird doch nicht so, wie ich ihn gerne hätte und ich kriege das im Moment auch nicht hin.
Vielleicht muss ich ihn wirklich irgendwann neu schreiben. Aber das Thema hat mich zur Zeit ein wenig verloren, sozusagen.

Ich würde mir sehr gerne Deine Anregungen dazu abspeichern, denn ich könnte mir vorstellen, dass ich nach einer "Abhängzeit" damit weitermache und auch besser vorankomme damit.

Danke Dir, dass Du noch dazu geschrieben hast!

Liebe Grüße

leonie


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