haushaltsauflösung

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.01.2011, 23:33

haushaltsauflösung

noch einmal
in diesem düsteren berg
letzte schätze aufspüren
zwischen den sedimenten
mit der spitzhacke
kindheitsjahre zerstören
abraum
in säcken wegschleppen
die schlüssel abgeben
adieu

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 06.01.2011, 23:25

Hallo Amanita,

mich irritierte beim ersten Lesen nach dem gelungenen Einstieg erstmals die Spitzhacke.
Das schien mir dann jedoch ein nicht beiläufiges Bild, und von ihm aus irritiert mich beim zweiten Blick einiges an dem Gedicht:
der 'düstere Berg' am Eingang - zusammen mit dem 'noch einmal' ist das für mich ein Bild für einen ungeliebten Ort.
Das Ende - Abraum wegschleppen, Schlüssel abgeben und ein schnodderiges 'An Gott' passt als Klammer dazu. Das führt bei mir dazu, die Auflösung des Haushalts als Befreiung zu lesen.
Schätze suchen? Ja, ist bei mir Stimmungsmäßig aber völlig anders belegt, passt gar nicht zur Atmosphäre. Mit der Spitzhacke? Ja, aber erneut völlig andere Ecke, nicht wenn ich gerade noch Schätze suchte. Kindheitsjahre zerstören? Das ist aktiv, nicht: sie sind verschüttet, für immer verloren, zerbrochen oder so ähnlich. Sie werden zerhackt - warum, wenn es Schätze sind? Auflösen, verabschieden einerseits, Zerhacken andererseits, das kriege ich nicht mehr zusammen.
Grüße
Franz

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 23:47

Ja, alles voller Widersprüche. So ist es, wenn man (fast) alles in Müllsäcke stopfen muss. Die "Schätze" sind das, was man dann doch behält - ein wichtiges Foto oder ein Brief. Aber der doofe Wandbehang, den die Mutter nach kindlichen Wünschen bestickt hat, auf dem die Käferchen alle Namen hatten usw., der kommt zum Abraum. So leid es einem tut. Es ist ein Wechsel zwischen aktiv und passiv, zwischen Wollen und Nichtwollen, zwischen ja und nein. Alles weg (bis auf die wenigen Schätze, wie gesagt), zum Schluss der Schlüssel. Da gibt es nichts "zusammenzukriegen". Nur schnell-schnell, endlich fertig werden. Manchmal turnen die Gefühle um einen herum, raunen: Mach nochmal Müllsack x auf. NEIN.

Gerda

Beitragvon Gerda » 07.01.2011, 00:12

Liebe Amanita,

der Titel macht neugierig und ich begann, wie sicher andere Leser auch, mit einer bestimmten Erwartungshaltung zu lesen.
Es dauerte nicht lange und ich strauchelte.
RäuberKneißl hat geschrieben:der 'düstere Berg' am Eingang - zusammen mit dem 'noch einmal' ist das für mich ein Bild für einen ungeliebten Ort.

So lese ich den Text zunächst auch.
Danach weiß ich allerdings nicht, ob es sich um eine Haushaltauflösung handelt oder eher doch um die Bewältigung zurückliegender Probleme, denen Lyrich zu Leibe rücken will (wegen der Sedimente und der Spitzhacke), oder ob im Rahmen der Auflösung tatsächlich eine Schatzsuche gemeint ist, die ich positiv lese.

Das alles würde mich nicht stören, wären es für mich echte Interpretatoionsmöglichkeiten.
Ich habe aber das Gefühl , dass es dem Text an Richtung fehlt (der Titel ist schließlich eine Vorgabe), ferner eine gewisse Stringenz, die mit den Metaphern erkennbar im Rahmen der Intention bleibt.

Konkret: Lese ich "Haushaltauflösung", denke ich an die Auflösung beispielsweise eines elterlichen Haushalts (Der Titel ist wenig poetisch und lässt sich wohl kaum übertragen).
Bei einer solchen "Auflösung" kann man tatsächlich Schätze finden. Aber mit der Spitzhacke? Oder Kindheitsjahre zerstören bei einer solchen Aktion? War die Kindheit nicht längst vorher zerstört? Sollte hier gestaute Wut aus früheren Jahren ein Ventil finden, so kommt der Gedanke zwar auf, aber bei mir nicht nachvollllziehbar an.
Sollten (negative) Erinnerungen verarbeitet werden, halte ich das für nicht gelungen. Sie bleiben erhalten, sind Teil der Person, die die Säcke schleppt und entsorgt. Diese sind weder mit dem Adieu abzuschließen noch mit dem Schlüssel, der abgegeben wird.

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2011, 08:05

Verarbeitet werden muss nur die Aktion der Haushaltsauflösung, nicht die Kindheit. Dadurch wird ein Ort düster, der es vorher nicht war.

Viel Abraum, wenig Schätze. Viel Leid, wenig Sich-Freuen.

Stirnrunzelgrüße von Amanita (die das natürlich nicht unlogisch findet).

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 07.01.2011, 08:37

Das "wahr" bei einem wahren Schatz bezöge sich auf den Schatz, das ist wahr. Aber das "letzte" beim letzten Schatz hat keinen Selbstbezug, meine ich. Das letzte bezieht sich nur auf die raumzeitliche Stelle des Schatzes, nicht auf dessen Wert.

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 07.01.2011, 11:11

Liebe Amanita,

Verarbeitet werden muss nur die Aktion der Haushaltsauflösung, nicht die Kindheit. Dadurch wird ein Ort düster, der es vorher nicht war.


Das habe ich durch das "noch mal" aber dann eindeutig gegen deine Intention gelesen. Dann würde ich das "noch mal" streichen (denn was heißt dann "noch mal?) und dann kann auch das "letzte" stehen bleiben?

liebe Grüße,
Lisa
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Beitragvon leonie » 07.01.2011, 11:14

Liebe Amanita,

mir geht es wie Lisa, ich denke, es wäre besser, das "noch einmal" wegzulassen.
Ich finde, dass der Text die Ambivalenz gut aufnimmt, ich wünsche ihn mir gerade nicht eindeutig...

Liebe Grüße

leonie

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2011, 11:18

Huch - mein Posting hat sich auch schon haushaltsaufgelöst.

Hatte Lisa gefragt, wie sie das "noch einmal" (miss-)verstanden hat.

Und frage in die Runde: Was anstatt noch einmal?


Nach den (vor-)letzten Reaktionen tendiere ich übrigens dazu, alles zu lassen wie es ist.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2011, 11:23

die schlüssel abgeben
schluss



Wär' das was?

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 07.01.2011, 11:24

Liebe Amanita,

na für mich heißt "noch mal", dass das schon mal geschehen ist. Mir ist zwar klar, dass gemeint ist: noch einmal, bevor die Schlüssel abgegeben werden, aber trotzdem löst das die Spannung auf ein schon mal vorgefallen für mich sprachlich nicht auf. Was anstatt, fragst du: Ich denke: Alles wäre nur Füllwort, warum nicht ohne? Ich persönlich finde den Text übrigens auch so ambivalent "besser" und habe das (vielleicht trügerische) Gefühl, dass ich das nicht einfach falsch in den text hineinlese, sondern er davon auch was in sich trägt. Weshalb ich das "noch einmal" nicht streichen würde, sondern nach wie vor das "letzte.

Es ist immer schön, wenn so viele was je anderes wollen .-)))

liebe Grüße,
Lisa

Ps: Neee...@ Schluss.
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Klara
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Beitragvon Klara » 07.01.2011, 11:27

Hallo Amanita,
das ist ein gelungener Text, finde ich!
Bloß nichts dran ändern! Ich nehme an, er drückt genau aus, was er soll, jedenfalls wirkt er auf mich völlig rund und in sich stimmig.

Besonders die letzten Schätze haben es mir angetan, und überhaupt die Schätze,
und das adieu, das alles Gott anbefiehlt, ungewiss, vage, und doch endgültig - ganz toll.

herzlich
klara

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2011, 11:28

Lisa und alle, es ist selbstverständlich beides gemeint:

noch einmal = wieder(holt)

noch einmal = und danach Schluss

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2011, 11:29

Klara, *lach*, was tut das gut!!! :frosch:

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.01.2011, 11:52

Hallo Amanita,

nachdem ich deine Kommentare las, was die Ambivalenz angeht und wie die Kindheit in deinen Zeilen aufgegriffen sein soll, würde ich den Text auch so lassen.

Liebe Grüße
Gabi


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