Gespräch im Grünen oder: Der Thronfolger des Königs,...

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Louisa

Beitragvon Louisa » 14.09.2010, 14:13

Zweite Version:

Der Thronfolger des Königs, eine Hofdame und ich
rühmen sich im Grünen, tata!


Kling, kling - der evening
kam aus der Uhr, füllte uns
Riesling in die Kelche, mon amour
war göttlich anzusehen
beim Zigaretten drehen.

Tatsächlich war'n wir drei
vom höchsten Stande breit
war auch die Zeit, weich
und lauwarm wie ein Hefeteig
ging sie uns auf - worauf-

hin die Dame sagte:
'Wir müssen
Wir müssen uns doch alle einmal
austauschen!'


doch wir konnten nicht mehr
reden, nur noch plauschen -
In allem lag die größte Ruh',
der König hörte ihr nicht zu

Und seine Küsse waren BLAU
wie Blumen in Gedichten
aus dem Expressionismus (You know?)
Nur saftiger waren die Blüten-
blätter an seinem Mund.

Sie machte ein großes Tamtam
um das Dessert. Er, Herr König,
solle doch wissen:
'Kuchen ist vorhanden!'

'Kuchen braucht keiner!'
sagte ich lauthals zum
Aquarium -

'Und wir müssen
wir müssen die Espressomaschine
entkalken lassen!'
entfuhr es der Hofdame.

Der König nahm mich in sein Gemach
und rief ihr zum Abschied noch nach:

'Das, Madame, sind jene Utopien,
die NIEMALS Wirklichkeit werden,
Das Schicksal nimmt frei seinen Lauf,
aber der Kalk bleibt bestehen.'

und die Hofdame sagte:
'Damit können wir einmal
ins Fernsehen gehen!'



Ursprungsversion:

Der Thronfolger des Königs, eine Hofdame und ich
rühmen sich im Grünen, tata!


Kling, kling - der evening
kam aus der Uhr, füllte uns
Riesling in die Kelche, mon amour

war göttlich anzusehen
beim Zigaretten drehen, die Dame
neben mir war überzeugt:
'Damit können wir einmal
ins Fernsehen gehen!'


Tatsächlich war'n wir drei
vom höchsten Stande breit
war auch die Zeit, weich
und lauwarm wie ein Hefeteig
ging sie uns auf - worauf-

hin die Dame sagte:
'Ihr da, zwei Leben habe ich:
Eines am Helmholzplatz und das andre
weiß ich nicht...'


In allem was sie sagte lag die größte Ruh',
denn der König hörte ihr nicht zu
und seine Küsse waren BLAU
wie Blumen in Gedichten
aus dem Expressionismus (You know?)

Nur saftiger waren die Blüten-
blätter an seinem Mund, sodass
wir nicht reden konnten,
nur noch plauschen

'Wir müssen
Wir müssen uns doch alle einmal
austauschen!'
meinte die Hofdame

und machte ein großes Tamtam
um das Dessert. Er, Herr König,
solle doch wissen:
'Kuchen ist vorhanden!'

'Kuchen braucht keiner!'
sagte ich lauthals zum
Aquarium -

'Wir müssen
Wir müssen die dunkle Wäsche
mit einem separaten Waschmittel
waschen!'


Dies war der letzte Wunsch
der Königin, er lastete auf mir,
ihrer Nachfolgerin - zudem
war der König Socken-Fetischist -

Mist! Jetzt müssen wir endlich mal-
Wir müssen die dunkle Wäsche
mit einem separaten Waschmittel
waschen!

Bevor es zu spät ist,
bevor sie nass wird, ach!
Ist ja auch schlimm, sowas.

'Und wir müssen
wir müssen die Espressomaschine
entkalken lassen!'
entfuhr es der Hofdame.

Der König nahm mich in sein Gemach
und rief ihr zum Abschied noch nach:

'Das, Madame, sind jene Utopien,
die NIEMALS Wirklichkeit werden,
Das Schicksal nimmt frei seinen Lauf,
aber der Kalk bleibt bestehen.'

Louisa

Beitragvon Louisa » 21.09.2010, 10:15

...mmm....aber ich finde die Rede des Königs am Ende gar nicht schwächer als die Anfangsstrophen... Bin ich so wahrnehmungsgestört :smile: ?

Schade um die Funken ;)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 21.09.2010, 17:31

fenestra hat geschrieben: Quoth hat mir mal einen Trick beigebracht, den ich seither "Quothsche Inversion" nenne: Die starken ersten Verse einfach an den Schluss verrücken, damit alles andere darauf zuläuft. Das geht natürlich nicht immer und auch nicht ohne weitere Bearbeitung, aber manchmal hilfts.


Nanuskoje? (polnischer Ausdruck des Erstaunens).

Wie kann denn ein Textstück, was für den Anfang ersonnen ist, einfach mal so ans Ende verschoben werden, ohne dass da was völlig anderes draus entsteht?
Die Alternative wäre ja doch eher, nach einem starken Anfang einfach ein noch besseres Ende zu schreiben, nö?

Zum Text:
Nachdem ich Louisa hab lesen hören im Broschek-Video, hege ich auch eine große Milde für derlei Spaßtextchen. Das war so zauberhaft :love-anfang: :love:

Allerdings muss ich mich hier manchen Vorrednern anschließen, dass es am Ende zu dolle wird, bzw. für mich zu weit raus geht. Ich glaube nicht, dass sich Spontaneität und Verdichtung unbedingt ausschließen, insofern könnte hier Kürzung nicht das Schlechteste sein. Man weiß es nicht genau ...

Tom
:lachen0031:
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

Quoth
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Beitragvon Quoth » 21.09.2010, 20:41

Hallo, Thomas,
Du staunst über die von fenestra zitierte "Quothsche Inversion" und schreibst:
Wie kann denn ein Textstück, was für den Anfang ersonnen ist, einfach mal so ans Ende verschoben werden, ohne dass da was völlig anderes draus entsteht?

Natürlich geht das nicht, ohne dass etwas anderes daraus entsteht. Aber wenn dieses andere besser ist, was spricht dann dagegen, es so zu machen?
Gerade erzählende Gedichte wie das von Louisa - mit Dialog und Setting - können auch als ein Minidrehbücher gelesen werden, und wer schon mal an einem Schneidetisch gesessen hat, weiß, wie immens ein Ablauf durch Positionsveränderungen von Szenen verbessert - und natürlich auch verschlechtert! - werden kann. Man muss es ausprobieren! Ich könnte mir vorstellen, dass man den Text von Louisa mit interessanten Effekten ummontieren kann. Auch für einen Drehbuchautor kann es ein Schlag in die Magengrube sein, wenn seine tolle Anfangsszene an den Schluss oder in die Mitte verschoben wird - aber oft genug sagt er sich dann nach einigen Tagen: Warum bin ich darauf nicht selbst gekommen?
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 21.09.2010, 21:43

Ja, warum eigentlich nIcht? :o)

Naja, bei längeren Texten mag das je nach Erzählbogen austauschbar sein ...

Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

Louisa

Beitragvon Louisa » 22.09.2010, 15:07

Das klingt spannend und charmant ihr zwei! Ich probiere es später aus!

:blumen:

l auf dem Weg zur Oma

Louisa

Beitragvon Louisa » 22.09.2010, 20:24

Hey!

Na, wie gefällt euch die neue Fassung (siehe ganz oben) ? Ich habe keinen blassen Schimmer, was sich lustiger liest.

(Tom, hast du das ganze Broschek-Video gesehen oder nur das von Youtube?)

Schönen Abend,
l

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Beitragvon Thomas Milser » 22.09.2010, 21:22

Nur Youtube. Krieg ich mehr?
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Beitragvon leonie » 22.09.2010, 21:30

Ich will auch mehr!!! Bittteeee!

Louisa

Beitragvon Louisa » 22.09.2010, 23:12

Oh, ich wollte nichts Geheimes sagen :eek: ... öhm... ich bin nicht dafür verantwortlich! Wahrscheinlich gibt es auch nur das, was ihr schon kennt:

http://www.youtube.com/watch?v=K8oZwbi3 ... r_embedded

Lalala.... gute Nacht!
l

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Beitragvon Quoth » 25.09.2010, 18:36

Hallo, Louisa,
da hast Du Dich ordentlich ins Zeug gelegt, Einiges umgestellt und um rund ein Drittel gekürzt. Der Wäsche und der Waschmaschine trauere ich nicht nach, ein wenig dem Helmholzplatz, gar nicht einverstanden bin ich mit der Verlegung des Fernsehen-Satzes an den Schluss, denn da ist die Erzählerin bereits im Zimmer des Königs und kann das nicht mehr hören.
Ob es besser ist so? Man müsste beides gelesen hören!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 25.09.2010, 21:13

Gute Überarbeitung, ich finde es runder so! :) Und auch zum unterhaltsamen Vorlesen bestens geeignet! Ich denke, man darf einen Text ohnehin nicht nur an der Vorlesetauglichkeit messen. In der richtigen Stimmung, mit der richtigen Stimme und Ausstrahlung, könnte jemand sogar das Telefonbuch vorlesen (was ja auch schon mal geschah), und es wirkt unterhaltsam ...


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