poesiealbum
die zeitfäden
haha
die spanne ich jetzt
fest wie spinnenseide
knete aus
trockenem mösenschleim
tonmännchen
unter die decke
und hänge led-strahler dran
in warmweiß
und beleuchte
geschichtspfützen
hisse die juistflagge
spucke ins poesiealbum
sinke in
speichelkissen
und halte ab jetzt
die fresse
poesiealbum
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
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Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
-
Gerda
... ich weiß ja, man sollte nicht über Kritiken schreiben, sondern selbste eine verfassen, aber erstens bin ich zu spät (alles schon gesagt) und zweitens möchte ich die Rückmeldungen von Nifl, flora und Trixie loben.
Die Drei haben auf Details geschaut und sich differenziert geäußert, so dass ich mich ihrer Kritik anschließen kann.
@ Nifl ... ich bin ja erst kurz wieder dabei, aber die Kuschelmentalität scheint auch vor dem Salon nicht Halt zu machen ...
Das Kriterium "Ausgearbeiteter" Text scheint für machne Autoren außer Kraft gesetzt zu werden, so mein Eindruck.
LGG
Die Drei haben auf Details geschaut und sich differenziert geäußert, so dass ich mich ihrer Kritik anschließen kann.
@ Nifl ... ich bin ja erst kurz wieder dabei, aber die Kuschelmentalität scheint auch vor dem Salon nicht Halt zu machen ...
Das Kriterium "Ausgearbeiteter" Text scheint für machne Autoren außer Kraft gesetzt zu werden, so mein Eindruck.
LGG
- Thomas Milser
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Das Kriterium "Ausgearbeiteter" Text ist ja auch nur eins von vielen möglichen ...
Liebe Leute,
ich finde die Diskussion hier ausgesprochen fruchtbar, und es ficht mich jetzt aus der Distanz tatsächlich mal an, meinen eigenen Text zu interpretieren, gewissermaßen eine Abgleich stattfinden zu lassen zwischen Rückenmark-Geschriebenem und dem, was dahinterstehen mag.
poesiealbum
Zunächst ein (Gedanken-)Buch, mit Glanzbildern und Pelikan-Schönschrift
die zeitfäden
Das Alter, die Zeit des Umbruchs, des Leerseins, der Zeitverschwendung
haha
Trotz, Selbstverhöhnung
die spanne ich jetzt
Handwerker
fest wie spinnenseide
Mitbewohner im Schlafzimmer, eins der festesten Materialien der Welt
knete aus
nochmal Handwerker, doppeldeutig
trockenem mösenschleim
lange nicht gefickt
tonmännchen
stattdessen Vitrinenobjekte geerbt, geschlechtslos, kein Ersatz
unter die decke
da hängt jetzt ein Stahlseil, Beschreibung heimischer Umgebung (Schlafzimmer)
und hänge led-strahler dran
Das machen Innenarchitekten jetzt so, überall, vormals Halogen
in warmweiß
vormals kaltweiß, Hoffnung auf Rückkehr von Emotionen, Liebe, Zärtlichkeit?
und beleuchte
betrachte, interpretiere, blicke wehmütig auf
geschichtspfützen
Die hat mir auf den Teppich gepisst, die Sau
hisse die juistflagge
Zweite (neue) Heimat, Ort der Verheißung, die Flagge hängt in meinem Hof
spucke ins poesiealbum
führe die Überschrift ad absurdum, blicke nicht mehr zurück, das Ende von Wehmut und verkappter Romantik
sinke in
(lebens-)müde
speichelkissen
Die wasche ich morgen endgültig!
und halte ab jetzt
die fresse
womit zu diesem Thema alles gesagt wäre
Ich finde, treffender könnte mein derzeitiges Bilderbuch nicht aussehen. Der Kitt, der das alles zusammenhält, war der Moment, in dem die Niederschrift stattfand. Es hätten auch eine Dose Gulaschsuppe, ein überquillender Mülleimer, ein Anwaltsschreiben, eine Hautunreinheit oder Marianne darin vorkommen können.
Es beginnt poetisch, stock aber sofort, spult sich zum Brachialen runter, spuckt sich selbst in die Überschrift, und dann schweigt es. Kein schlechter Bogen, wie ich finde. Und keine schlechte Zeit, dieses Buch jetzt zuzuklappen.
Danke Euch,
Tom
Liebe Leute,
ich finde die Diskussion hier ausgesprochen fruchtbar, und es ficht mich jetzt aus der Distanz tatsächlich mal an, meinen eigenen Text zu interpretieren, gewissermaßen eine Abgleich stattfinden zu lassen zwischen Rückenmark-Geschriebenem und dem, was dahinterstehen mag.
poesiealbum
Zunächst ein (Gedanken-)Buch, mit Glanzbildern und Pelikan-Schönschrift
die zeitfäden
Das Alter, die Zeit des Umbruchs, des Leerseins, der Zeitverschwendung
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Mitbewohner im Schlafzimmer, eins der festesten Materialien der Welt
knete aus
nochmal Handwerker, doppeldeutig
trockenem mösenschleim
lange nicht gefickt
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stattdessen Vitrinenobjekte geerbt, geschlechtslos, kein Ersatz
unter die decke
da hängt jetzt ein Stahlseil, Beschreibung heimischer Umgebung (Schlafzimmer)
und hänge led-strahler dran
Das machen Innenarchitekten jetzt so, überall, vormals Halogen
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vormals kaltweiß, Hoffnung auf Rückkehr von Emotionen, Liebe, Zärtlichkeit?
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betrachte, interpretiere, blicke wehmütig auf
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Die hat mir auf den Teppich gepisst, die Sau
hisse die juistflagge
Zweite (neue) Heimat, Ort der Verheißung, die Flagge hängt in meinem Hof
spucke ins poesiealbum
führe die Überschrift ad absurdum, blicke nicht mehr zurück, das Ende von Wehmut und verkappter Romantik
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womit zu diesem Thema alles gesagt wäre
Ich finde, treffender könnte mein derzeitiges Bilderbuch nicht aussehen. Der Kitt, der das alles zusammenhält, war der Moment, in dem die Niederschrift stattfand. Es hätten auch eine Dose Gulaschsuppe, ein überquillender Mülleimer, ein Anwaltsschreiben, eine Hautunreinheit oder Marianne darin vorkommen können.
Es beginnt poetisch, stock aber sofort, spult sich zum Brachialen runter, spuckt sich selbst in die Überschrift, und dann schweigt es. Kein schlechter Bogen, wie ich finde. Und keine schlechte Zeit, dieses Buch jetzt zuzuklappen.
Danke Euch,
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
-
Niko
deine zuneigung zu bukowsky, tom, ist ja bekannt. und im ansatz schlägt sie hier durch "fresse halten" finde ich voll in ornung, mit mösenschleim hab ich ein problem. und zwar im wörtlich: damit habe ICH ein problem. von daher also nicht auf eine allgemeinheit übertragbar und somit dann wohl doch verdaulich.
im ganzen aber zeigt mir dieser und auch deine vorigen texte einen ganz anderen tom. einer, der die fantasiebarrieren völlig durchbricht und sich von der seele schreibt. das tut hier sicher jeder. aber bei dir ist zu spüren (für mich) dass dies nahezu mit brachialer gewalt passiert. und wie wowereit so geflügelt sagt: "und das ist gut so".
diese freitreten, freistrampeln, ja - vielleicht auch rausschreien ist spürbar, überträgt sich in nuancen dem leser und pflanzt in dessen gedanken, herz sozusagen ein samenkorn, es löst etwas aus. viel aus. und das finde ich immer noch das höchste, was man erreichen kann mit gedichten.
von daher
gnadenlos
gnadenlos - richtig - und gut
liebe grüße: Niko
PS: das erklären tut nicht not. und letztlich nicht gut. denn es gibt zusehr vor!
im ganzen aber zeigt mir dieser und auch deine vorigen texte einen ganz anderen tom. einer, der die fantasiebarrieren völlig durchbricht und sich von der seele schreibt. das tut hier sicher jeder. aber bei dir ist zu spüren (für mich) dass dies nahezu mit brachialer gewalt passiert. und wie wowereit so geflügelt sagt: "und das ist gut so".
diese freitreten, freistrampeln, ja - vielleicht auch rausschreien ist spürbar, überträgt sich in nuancen dem leser und pflanzt in dessen gedanken, herz sozusagen ein samenkorn, es löst etwas aus. viel aus. und das finde ich immer noch das höchste, was man erreichen kann mit gedichten.
von daher
gnadenlos
gnadenlos - richtig - und gut
liebe grüße: Niko
PS: das erklären tut nicht not. und letztlich nicht gut. denn es gibt zusehr vor!
-
Max
Hi Tom,
ich habe den Text jetzt ein paar Mal für mich gewendet und er bleibt schwierig für mich.
Dabei kann ich vor allem nur von einem Eindruck aus argumentieren, nämlich dem, dass der Text ein wenig zu breitbeinig daher kommt. Die Worte sind (all das mein Eindruck) nicht nur Mittel der Beschreibung der Situation, sondern sie sollen auch zum Teil vermitteln: Hey, guckt mal, so geh ich mit Situationen um.
Ein Beispiel sind für mich die Tonmännchen aus trocknem Mösenschleim - da will sich bei mir so recht kein Bild einstellen, vielleicht zum Glück nicht. Ein anderes
und halt ab jetzt
die fresse
das bei Bachmann so klingt
mein Wort
es soll verloren sein
Der Nachteil der für mich etwas zu dick aufgetragenen Pose ist nicht nur, dass mir posieren nicht sympathisch ist, sondern, dass der Text dadurch an Genauigkeit der Beschreibung und an Glaubwürdigkeit verliert - für mich jedenfalls.
Liebe Grüße
Max
ich habe den Text jetzt ein paar Mal für mich gewendet und er bleibt schwierig für mich.
Dabei kann ich vor allem nur von einem Eindruck aus argumentieren, nämlich dem, dass der Text ein wenig zu breitbeinig daher kommt. Die Worte sind (all das mein Eindruck) nicht nur Mittel der Beschreibung der Situation, sondern sie sollen auch zum Teil vermitteln: Hey, guckt mal, so geh ich mit Situationen um.
Ein Beispiel sind für mich die Tonmännchen aus trocknem Mösenschleim - da will sich bei mir so recht kein Bild einstellen, vielleicht zum Glück nicht. Ein anderes
und halt ab jetzt
die fresse
das bei Bachmann so klingt
mein Wort
es soll verloren sein
Der Nachteil der für mich etwas zu dick aufgetragenen Pose ist nicht nur, dass mir posieren nicht sympathisch ist, sondern, dass der Text dadurch an Genauigkeit der Beschreibung und an Glaubwürdigkeit verliert - für mich jedenfalls.
Liebe Grüße
Max
Ich wollte dazu noch anmerken, dass wir für "ausgearbeitete" Texte die Rubriken Publicus und Anonymus haben, ansonsten habe ich diesen Anspruch nicht. Ich jedenfalls stelle selten Texte ein, an die ich nicht selbst noch Fragen habe. Ich stelle sie eigentlich gerade deshalb ein: um zu sehen, wie sie wirken, ob sie ankommen, wenn nein, warum nicht, etc.
Ich finde, es gibt auch verschiedene Schreibertypen, die kann man nicht über einen Kamm scheren. Ich glaube, dass gerade Tom ein gutes Gespür für die Worte hat und Änderungen bei ihm sich im Nachhinein schon öfter als unnötig erwiesen haben.
Ich finde, der Autor kann entscheiden, wann er einen Text einstellt und was er sich von den Rückmeldungen erhofft.
Und ob der Text "ausgearbeitet" ist, kann man doch von außen sowieso schwer entscheiden.
Liebe Grüße
leonie
Ich finde, es gibt auch verschiedene Schreibertypen, die kann man nicht über einen Kamm scheren. Ich glaube, dass gerade Tom ein gutes Gespür für die Worte hat und Änderungen bei ihm sich im Nachhinein schon öfter als unnötig erwiesen haben.
Ich finde, der Autor kann entscheiden, wann er einen Text einstellt und was er sich von den Rückmeldungen erhofft.
Und ob der Text "ausgearbeitet" ist, kann man doch von außen sowieso schwer entscheiden.
Liebe Grüße
leonie
-
wüstenfuchs
Hallo,
ein aus-gearbeiteter Text fällt ins Aus.
Ich sitze hier echt kopfschüttelnd ob Gerdas Kommentar und frage mich, ob die Wortfrüchte dann wohl so ein aus-gearbeiteter Text sind.
Mit Kuscheln hat das nix zu tun,
diese Art Lyrik, die Gerda postuliert gefällt mir nicht.
Was nützt denn ein leerer aus-gearbeiteter Text mit aus-gearbeitetem Wortgeklingel oder Geworte, da ist mir einer der etwas auslöst, etwas anrührt, aufrüttelt oder radikal ist, viel lieber.
Musste raus,
Fux
ein aus-gearbeiteter Text fällt ins Aus.
Ich sitze hier echt kopfschüttelnd ob Gerdas Kommentar und frage mich, ob die Wortfrüchte dann wohl so ein aus-gearbeiteter Text sind.
Mit Kuscheln hat das nix zu tun,
diese Art Lyrik, die Gerda postuliert gefällt mir nicht.
Was nützt denn ein leerer aus-gearbeiteter Text mit aus-gearbeitetem Wortgeklingel oder Geworte, da ist mir einer der etwas auslöst, etwas anrührt, aufrüttelt oder radikal ist, viel lieber.
Musste raus,
Fux
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Geiler Faden, ähj ...
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Huhu,
ich glaube, dass man in diesem Faden (und auch in den dieterfäden) wieder einmal sieht, dass es nichts bringt, bestimmte Grundsätze zu haben und aufstellen zu wollen.
Natürlich gibt es Texte, die durch Befindlichkeiten oder einen mangelnden Abstand noch unausgereift sind und meist kann das der Autor dann nicht selbst einschätzen. Kommt vor.
Und sicher gibt es auch problematische Mechanismen und Abgründe beim intuitiven Schreiben.
Wie es auch genauso Probleme beim kontruierenden und kontrolliertem Schreiben gibt.
Für mich ist es eine leere Haltung zum konkreten Text, wenn man dann in diese Großdiskussionen verfällt - warum geht man nicht ganz direkt auf den einen Text, der hier steht, ein? (einige Kommentare haben das ja getan, aber einige eben nicht). Es ist doch gerade die Besonderheit von Kunst, dass sich da eben keine Regeln solcher Art aufstellen lassen, sondern dass eben jeder für sich ganz allein entscheiden muss, ob etwas für ihn Kunst ist oder nicht und ob er mit der Kunst etwas anfangen kann oder nicht. Das ist eine Herausforderung, wo man schnell aus Unsicherheit oder angenommenen Verhaltensmustern schnell in übernommene Phrasen verfällt...
Das gleiche gilt im Übrigen für die Kommentarebene: Wenn einem die bisherige anscheinend/scheinbare einhellige Meinung in einem Faden nicht gefällt, der schreibe doch einfach einen Kommentar und schon ist es ein anderer Faden. Warum man da immer salonverallgemeinern muss (und immer an der selben Stelle, an der sowieso klar ist, dass diese Muster immer vorherrschen), habe ich auch nach 5 Jahren noch nicht begriffen.
Zu dem Text selbst muss ich sagen: Dieser Text macht mit mir noch nichts, irgendwas läuft da noch nicht zusammen - die Idee finde ich toll: dieser Titel (Poesiealbum) und dann diese Antipoesiealbum- sprache und -themen. Aber trotzdem fügt der Text sich noch nicht zusammen für mich: Vielleicht liegt es daran, dass das Poesiealbum soweit verneint wird, dass eben kein "Buch" mehr da ist, wodurch die einzelnen Bilder/Fetzen eben auch keine Seiten mehr sind und darum auseinanderfallen, der Text sich auf Sprachebene (das bitte nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um die Wortwahl oder den Gestus, mich stören solche Worte wie mösenschleim oder fresse überhaupt nicht, darum geht es nicht) aber durchaus an den Aufbau eines Poesiealbums hält - und dann sozusagen sein "Skelett" in den eigenen Dekonstruktionsabgrund fällt - und auch keine Alternative schafft.
liebe Grüße,
Lisa
ich glaube, dass man in diesem Faden (und auch in den dieterfäden) wieder einmal sieht, dass es nichts bringt, bestimmte Grundsätze zu haben und aufstellen zu wollen.
Natürlich gibt es Texte, die durch Befindlichkeiten oder einen mangelnden Abstand noch unausgereift sind und meist kann das der Autor dann nicht selbst einschätzen. Kommt vor.
Und sicher gibt es auch problematische Mechanismen und Abgründe beim intuitiven Schreiben.
Wie es auch genauso Probleme beim kontruierenden und kontrolliertem Schreiben gibt.
Für mich ist es eine leere Haltung zum konkreten Text, wenn man dann in diese Großdiskussionen verfällt - warum geht man nicht ganz direkt auf den einen Text, der hier steht, ein? (einige Kommentare haben das ja getan, aber einige eben nicht). Es ist doch gerade die Besonderheit von Kunst, dass sich da eben keine Regeln solcher Art aufstellen lassen, sondern dass eben jeder für sich ganz allein entscheiden muss, ob etwas für ihn Kunst ist oder nicht und ob er mit der Kunst etwas anfangen kann oder nicht. Das ist eine Herausforderung, wo man schnell aus Unsicherheit oder angenommenen Verhaltensmustern schnell in übernommene Phrasen verfällt...
Das gleiche gilt im Übrigen für die Kommentarebene: Wenn einem die bisherige anscheinend/scheinbare einhellige Meinung in einem Faden nicht gefällt, der schreibe doch einfach einen Kommentar und schon ist es ein anderer Faden. Warum man da immer salonverallgemeinern muss (und immer an der selben Stelle, an der sowieso klar ist, dass diese Muster immer vorherrschen), habe ich auch nach 5 Jahren noch nicht begriffen.
Zu dem Text selbst muss ich sagen: Dieser Text macht mit mir noch nichts, irgendwas läuft da noch nicht zusammen - die Idee finde ich toll: dieser Titel (Poesiealbum) und dann diese Antipoesiealbum- sprache und -themen. Aber trotzdem fügt der Text sich noch nicht zusammen für mich: Vielleicht liegt es daran, dass das Poesiealbum soweit verneint wird, dass eben kein "Buch" mehr da ist, wodurch die einzelnen Bilder/Fetzen eben auch keine Seiten mehr sind und darum auseinanderfallen, der Text sich auf Sprachebene (das bitte nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um die Wortwahl oder den Gestus, mich stören solche Worte wie mösenschleim oder fresse überhaupt nicht, darum geht es nicht) aber durchaus an den Aufbau eines Poesiealbums hält - und dann sozusagen sein "Skelett" in den eigenen Dekonstruktionsabgrund fällt - und auch keine Alternative schafft.
liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
-
Max
Liebe Lisa,
ich finde nicht nur gut, was Du zu dem Salon im Allgemeinen, sondern auch, was Du zu Toms Text schreibst.
Die Klammer Poesiealbum-Antipoesiealbum ist mir nämlich vor laauter Detailsucherei aus den Augen geraten, wobei dann die Rolle der Juistfahne - die ich zwar als Bild mag, weil ich Tom kenne und Juist kenne, die aber vielleicht nicht unmittelbar übersetzt werden kann - etwas aus der Rolle fällt.
Liebe Grüße
Max
ich finde nicht nur gut, was Du zu dem Salon im Allgemeinen, sondern auch, was Du zu Toms Text schreibst.
Die Klammer Poesiealbum-Antipoesiealbum ist mir nämlich vor laauter Detailsucherei aus den Augen geraten, wobei dann die Rolle der Juistfahne - die ich zwar als Bild mag, weil ich Tom kenne und Juist kenne, die aber vielleicht nicht unmittelbar übersetzt werden kann - etwas aus der Rolle fällt.
Liebe Grüße
Max
- Thomas Milser
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- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Manchmal gibt es keine Alternativen, Lisa ... :o)
Ich finde es aber durchaus nicht unangenehm, wenn hier Reibung entsteht, und der Text polarisert, solange niemand besserwisserische Allgemeinplätzchen backt ...
Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht zu jedem Kommentar eine Antwort parat habe, aber ich habe alles mit größtem Interesse gelesen. Sehr aufschlussreich ...
Um das mal so zu sagen: Ich finde die Kommentare, die nicht direkt auf den Text eingehen und jedes Wort auf die Waage legen, sondern das thematisieren, was hinter dieser Art zu schreiben stehen mag, und die Befindlichkeiten und Emotionen erzählen, die beim Leser auslöst werden, eigentlich die besten. Worum gehts (dem Autor) eigentlich in diesem Fall?
Es gibt für mich Feil-Texte und Rock-Texte. Vielleicht versuche ich mal irgendwann, einen Feil-Text parallel hierzu zu entwickeln, als Variante mit gleichem Titel. Vielleicht auch nicht.
Ich danke jedenfalls tüchtig für die rege Anteilnahme!
Tom
Ich finde es aber durchaus nicht unangenehm, wenn hier Reibung entsteht, und der Text polarisert, solange niemand besserwisserische Allgemeinplätzchen backt ...
Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht zu jedem Kommentar eine Antwort parat habe, aber ich habe alles mit größtem Interesse gelesen. Sehr aufschlussreich ...
Um das mal so zu sagen: Ich finde die Kommentare, die nicht direkt auf den Text eingehen und jedes Wort auf die Waage legen, sondern das thematisieren, was hinter dieser Art zu schreiben stehen mag, und die Befindlichkeiten und Emotionen erzählen, die beim Leser auslöst werden, eigentlich die besten. Worum gehts (dem Autor) eigentlich in diesem Fall?
Es gibt für mich Feil-Texte und Rock-Texte. Vielleicht versuche ich mal irgendwann, einen Feil-Text parallel hierzu zu entwickeln, als Variante mit gleichem Titel. Vielleicht auch nicht.
Ich danke jedenfalls tüchtig für die rege Anteilnahme!
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
-
Niko
es ist nicht hier und es ist eigentlich NIE das wort allein, was einen text ausmacht. sondern vielmehr ist es das "schwingen" der worte, die etwas aus einem text machen. und darüber hinaus ist nicht ein einziger text, der hier im forum steht, ausgearbeitet. denn es findet sich immer jemand, der irgendwas anders machen würde, dem die wortwahl nicht passt, der meint, den sinn besser zu kennen als der verfasser selbst. wie einer der vorkommentatoren schrieb: "ausgearbeitete" texte sind allenfalls in publicus zu finden. und selbst da werden die texte immer gern auseinandergenommen. was auch gut so ist. ob die txte für den autor ausgearbeitet ist, spielt - wie hier gut ersichtlich - im weitern ja anscheinend keine rolle.
zum wesentlichen, dem text nochmal:
mit mösenschleim habe ich ein problem. das schrieb ich bereits. andererseits: will man dies in worte fassen und sich einer feineren art deutscher sprache befleissigen, müsste man dir, tom, mit recht stilbruch vorwerfen. es gehört da hin. auch wenns mir überhaupt nicht passt und eher ekel auslöst. selbst mit meiner partnerin, mit der ich wahrlich über alles reden kann, auch im sexuellen bereich, würde ich niemals auch in einem von geilheit verwirrten zustand im ansatz einen solchen terminus benutzen. aber nu: jeder jeck ist anders, jeder mensch ohnehin und würden alle den gleichen käse verzapfen wäre es totbringend langweilig. von daher zumindest erfrischend. irgendwie.gif)
ich mag die derbheit dieses textes, weil sie genutzt wird um in viel tiefer schichten eintauchen zu lassen. soetwas kommt aus dem leben. angriff als beste verteidigung, sich schützen mit kantigkeit. und wenn man dann aber soviel spürt an sensibilität, dann bekommt es eine ganz eigene, sehr fasziniernde note.
in manchen sachen hab ich mich jetzt sicher wiederholt, aber macht ja nix
liebe grüße: Niko
PS: weichkuschelkommentierverhalten - das thema hatten wir so oft. und alte hasen und häsinnen sollten inzwischen gelernt haben, auch mit kritiken umzugehen. auch mit den positiven. jeder kommentiert so, wie er kann. alles ist allemal besser als - um tom zu zitiern - die fresse halten.
zum wesentlichen, dem text nochmal:
mit mösenschleim habe ich ein problem. das schrieb ich bereits. andererseits: will man dies in worte fassen und sich einer feineren art deutscher sprache befleissigen, müsste man dir, tom, mit recht stilbruch vorwerfen. es gehört da hin. auch wenns mir überhaupt nicht passt und eher ekel auslöst. selbst mit meiner partnerin, mit der ich wahrlich über alles reden kann, auch im sexuellen bereich, würde ich niemals auch in einem von geilheit verwirrten zustand im ansatz einen solchen terminus benutzen. aber nu: jeder jeck ist anders, jeder mensch ohnehin und würden alle den gleichen käse verzapfen wäre es totbringend langweilig. von daher zumindest erfrischend. irgendwie
.gif)
ich mag die derbheit dieses textes, weil sie genutzt wird um in viel tiefer schichten eintauchen zu lassen. soetwas kommt aus dem leben. angriff als beste verteidigung, sich schützen mit kantigkeit. und wenn man dann aber soviel spürt an sensibilität, dann bekommt es eine ganz eigene, sehr fasziniernde note.
in manchen sachen hab ich mich jetzt sicher wiederholt, aber macht ja nix

liebe grüße: Niko
PS: weichkuschelkommentierverhalten - das thema hatten wir so oft. und alte hasen und häsinnen sollten inzwischen gelernt haben, auch mit kritiken umzugehen. auch mit den positiven. jeder kommentiert so, wie er kann. alles ist allemal besser als - um tom zu zitiern - die fresse halten.
Tom, mir fiel noch ein, dass für mich der Text sehr viel trotziger und aufmüpfiger klingt als scheinbar für Dich selbst (wenn ich Deine Selbstinterpretation lese)...das "haha" oder auch die "geschichtspfützen", das "spucken" natürlich.
Es klingt für mich nach Abkehr von Altem, aber nach einer guten Abkehr.
Liebe Grüße
leonie
Es klingt für mich nach Abkehr von Altem, aber nach einer guten Abkehr.
Liebe Grüße
leonie
dass der Text ein wenig zu breitbeinig daher kommt.
Das find ich wunderbar gesagt!
Posieren stimmt wohl - aber der Text ist ehrlich damit, mit seiner Breitbeinigkeit.Diese zumindest in der Vermittlung mir fühlbare (mag ja Unsinn sein) Aufrichtigkeit ist es wohl, die mich anzieht.
"Mösenschleim" mag ich auch nicht, ekelt mich als Wort, nicht wegen Schleim, sondern weil das Wort "Möse" ein ekelhaftes für mich ist, das ich nie benutze weder benutzt habe, und ich hab immer das Gefühl, wenn Frauen es benutzen, wollen sie die breitbeinigen Männer sich selbst gegenüber machen - cool und so... - aber ich glaube, das was ausgedrückt wird in diesem Fall, mag man halt nicht unbedingt, auch nicht das Breitbeinig-Ehrliche an sich selbst, oder wohin es mitunter führt (nicht unbedingt zu Mösenschleim ;))
einige der besten Texte sind, vermute ich, die gefeilten gerockten. Eins davon allein reicht nicht hin, nicht über den Augenblicksgefühlsausdruck hinaus. Je mehr davon - mit Hilfe dieser engagierten Diskussionen hier z.B. - entstehen können - tant mieux (umsobesser)
:)
-
Gerda
Hallo Wüstenfuchs,
Aha -
Kann es vllt. sein, dass du und ich unter "Ausgearbeitet" etwas völlig unterschiedliches verstehen?
Warum fragst du nicht erst einmal nach?
Warum stellst du, obwohl du nur einen Text von mir kennst gleich mein Lyrikverständnis in Frage?
Was heißt das "Lyrik postulliert?
Kann man Lyrik behaupten?
Ich führe eines der Kriterien an, die u. U. gute Lyrik hervorbringen können.
Gute Lyrik nämlich, ist eben nicht nur Geschmackssache, wie man oft genug glauben soll, sondern ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Auch und gerade die freie L.. Nimm dir mal Werke zeitgenössischer und bekannter Autoren vor (beispielsweise von Ron Winkler, Michael Lentz, oder auch vom leider zu früh verstorbenen Robert Gernhardt), lies diese Texte, die aus sich selbst heraus bestehen können und sich tragen. Die sind ausgearbeitet, sonst wäre sie nicht veröffentlicht.
Es muss dir keineswegs gefallen was ich schreibe, das verlangt niemand.
Warum gleich derart polemisch?
Offenbar haben wir sehr unterschiedliche Ansätze an einen Text heranzugehen. Auch die Vorstellungen von dem, was einen guten Text ausmacht, klaffen anscheinden auseinander.
Ich finde mich auf deiner Ebene gemnauso wenig zurecht, wie du anscheind auf meiner.
Tja, meine Fragen auch!
Bin gespannt.
Gerda
@ Tom
Mit deinem Text hat das ja alles nichts zu tun ... aber ich möchte das nicht auf PN-Ebene haben.
Lieber Tom ich bitte um Verständnis.
LGG
wüstenfuchs hat geschrieben:ein aus-gearbeiteter Text fällt ins Aus.
Aha -
Kann es vllt. sein, dass du und ich unter "Ausgearbeitet" etwas völlig unterschiedliches verstehen?
Warum fragst du nicht erst einmal nach?
wüstenfuchs hat geschrieben:Ich sitze hier echt kopfschüttelnd ob Gerdas Kommentar und frage mich, ob die Wortfrüchte dann wohl so ein aus-gearbeiteter Text sind.
Warum stellst du, obwohl du nur einen Text von mir kennst gleich mein Lyrikverständnis in Frage?
wüstenfuchs hat geschrieben:Mit Kuscheln hat das nix zu tun,
diese Art Lyrik, die Gerda postuliert gefällt mir nicht.
Was heißt das "Lyrik postulliert?
Kann man Lyrik behaupten?
Ich führe eines der Kriterien an, die u. U. gute Lyrik hervorbringen können.
Gute Lyrik nämlich, ist eben nicht nur Geschmackssache, wie man oft genug glauben soll, sondern ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Auch und gerade die freie L.. Nimm dir mal Werke zeitgenössischer und bekannter Autoren vor (beispielsweise von Ron Winkler, Michael Lentz, oder auch vom leider zu früh verstorbenen Robert Gernhardt), lies diese Texte, die aus sich selbst heraus bestehen können und sich tragen. Die sind ausgearbeitet, sonst wäre sie nicht veröffentlicht.
Es muss dir keineswegs gefallen was ich schreibe, das verlangt niemand.
wüstenfuchs hat geschrieben:Was nützt denn ein leerer aus-gearbeiteter Text mit aus-gearbeitetem Wortgeklingel oder Geworte, da ist mir einer der etwas auslöst, etwas anrührt, aufrüttelt oder radikal ist, viel lieber.
Warum gleich derart polemisch?
Offenbar haben wir sehr unterschiedliche Ansätze an einen Text heranzugehen. Auch die Vorstellungen von dem, was einen guten Text ausmacht, klaffen anscheinden auseinander.
Ich finde mich auf deiner Ebene gemnauso wenig zurecht, wie du anscheind auf meiner.
[/quote]wüstenfuchs hat geschrieben:Musste raus,
Fux
Tja, meine Fragen auch!
Bin gespannt.
Gerda
@ Tom
Mit deinem Text hat das ja alles nichts zu tun ... aber ich möchte das nicht auf PN-Ebene haben.
Lieber Tom ich bitte um Verständnis.
LGG
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