Fragen beim Lesen der Zeitung
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger die Poetin,
die das Ufer reinigt,
ihren Protest aufs Ölzeug?
Was keucht, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
lachend im Sandkasten spielt?
(Mit Dank an Last und Leonie)
(der Mann, der geändert in die Poetin, die - Dank an Elsa)
(Erste Version)
Auf welchen Tisch legt den Schreibblock der Dichter,
dem der Monsun
eben sein Haus wegschwemmte?
Schreibt mit teerigem Finger der Poet,
der eben das Ufer reinigte,
seine Verse aufs Ölzeug?
Was formuliert, torfrauchgesättigt,
der Literat, dem in der Datsche
Manuskripte und Notebook verbrannten?
Weiß die Autorin nicht mehr,
wie ihr die Eltern den Sandkasten verboten,
weil der Geigerzähler knackste?
Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt?
Fragen beim Lesen der Zeitung
Lieber Quoth,
Ich schätze immer wieder an deinen Texten, wie du das Leben hienieden einbeziehst.
Und du hast recht damit, es zu tun, denn die meisten scheuen sich davor (oft auch ich), weil
es ein gefährliches Terrain ist, immer wieder Kritik geäußert wird zu derartigen Themen, ob es
überhaupt statthaft ist, aktuelle Katastrophen zu verdichten.
Mich stört die lyrische Verpackung, die ungewöhnliche "Verdrehung" nicht, im Gegenteil, sie gefällt mir.
Nur hier:
hätte ich vom "verdienen" Abstand genommen, Schicksal ist nun mal. Man kann nur dankbar sein,
sogar demütig, wenn es einen nicht trifft.
Ich würde es einfacher formulieren:
Wie seltsam ist es doch, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt.
Das wäre wohl meine Wahl gewesen.
Lieben Gruß
ELsa
Ich schätze immer wieder an deinen Texten, wie du das Leben hienieden einbeziehst.
Und du hast recht damit, es zu tun, denn die meisten scheuen sich davor (oft auch ich), weil
es ein gefährliches Terrain ist, immer wieder Kritik geäußert wird zu derartigen Themen, ob es
überhaupt statthaft ist, aktuelle Katastrophen zu verdichten.
Mich stört die lyrische Verpackung, die ungewöhnliche "Verdrehung" nicht, im Gegenteil, sie gefällt mir.
Nur hier:
Quoth hat geschrieben:Wie habe ich’s verdient, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt?
hätte ich vom "verdienen" Abstand genommen, Schicksal ist nun mal. Man kann nur dankbar sein,
sogar demütig, wenn es einen nicht trifft.
Ich würde es einfacher formulieren:
Wie seltsam ist es doch, dass ich
Tisch, Papier, Notebook und Manuskripte
noch habe und dass der Kleine
ungefährdet im Sandkasten spielt.
Das wäre wohl meine Wahl gewesen.
Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen
In der Tat, Sam und Elsa, das "Verdienen" ist ein religiöser Fremdkörper in dem Text, der Verstand weiß es, aber das Herz fragt doch so dumm und antiquiert und will sich mit einer Welt nicht abfinden, in der es kein "Verdienen" im ethischen Sinne gibt - vielleicht ist es auch der kierkegaardsche Salto ins Absurde. Ich möchte ihn beibehalten - und das Wort "seltsam", liebe Elsa, ist mir einfach zu vage.
Ebenso die Satzstellung in der ersten Strophe, die von Euch, Flora, Xanthippe und Gerda, moniert wurde. Die Satzstellung ist im Deutschen glücklicherweise sehr variabel, Du, Ferdi, hast das noch zugespitzt, die hervorhebende Endstellung kann dem vorbehalten werden, was man betonen möchte, und daran möchte ich hier keinesfalls was ändern. Dein Vorschlag, Xanthippe, ist auf wunderbare Weise entspannt, aber entspannt will und kann ich über diese Dinge nicht schreiben, mir kommt das vor, als riefe man einem Verängstigten zu: Nun entspann dich doch! Und Dein Vorschlag, Flora, erinnert mich an das Perlmutt, mit dem die Auster das Sandkorn umschließt. Ich will aber nur Sandkörner schreiben.
Ich möchte hier Dinge klar ausdrücken und benennen, die eine künstlich-kunsthandwerkliche Verrätselung weder benötigen noch vertragen, freue mich deshalb, dass das bei Euch, Klara, Elsa, Sam und Ferdi so wohl auch ankommt, teilweise auch bei Dir, Pjotr. Mir dienen die Zeilenumbrüche vor allem dazu, den Fragen etwas Zögerndes, Tastendes geben.
Dass der Text Euch an Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" erinnert, Zefira und Klara, freut mich. Eine interessante Frage wirfst Du auf, Zefira: Verstummen Dichter nicht vor Katastrophen? Was ist das Minimum an existenzieller Sicherheit und Geborgenheit, das ein Mensch braucht, um überhaupt an Schreiben denken zu können?
Mit Dank für Befassung
Quoth
Ebenso die Satzstellung in der ersten Strophe, die von Euch, Flora, Xanthippe und Gerda, moniert wurde. Die Satzstellung ist im Deutschen glücklicherweise sehr variabel, Du, Ferdi, hast das noch zugespitzt, die hervorhebende Endstellung kann dem vorbehalten werden, was man betonen möchte, und daran möchte ich hier keinesfalls was ändern. Dein Vorschlag, Xanthippe, ist auf wunderbare Weise entspannt, aber entspannt will und kann ich über diese Dinge nicht schreiben, mir kommt das vor, als riefe man einem Verängstigten zu: Nun entspann dich doch! Und Dein Vorschlag, Flora, erinnert mich an das Perlmutt, mit dem die Auster das Sandkorn umschließt. Ich will aber nur Sandkörner schreiben.
Ich möchte hier Dinge klar ausdrücken und benennen, die eine künstlich-kunsthandwerkliche Verrätselung weder benötigen noch vertragen, freue mich deshalb, dass das bei Euch, Klara, Elsa, Sam und Ferdi so wohl auch ankommt, teilweise auch bei Dir, Pjotr. Mir dienen die Zeilenumbrüche vor allem dazu, den Fragen etwas Zögerndes, Tastendes geben.
Dass der Text Euch an Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" erinnert, Zefira und Klara, freut mich. Eine interessante Frage wirfst Du auf, Zefira: Verstummen Dichter nicht vor Katastrophen? Was ist das Minimum an existenzieller Sicherheit und Geborgenheit, das ein Mensch braucht, um überhaupt an Schreiben denken zu können?
Mit Dank für Befassung
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Ich wollte kurz was zu dem "verdient" was sagen.
In Elsas Variante ist die Frage schon reflektiert und beantwortet.
Mir gefällt eigentlich, dass sie im Text noch als gestellte Frage auftaucht. Natürlich evoziert sie die Antwort: Du hast das gar nicht verdient. Eine andere Antwort ist auf diese Frage ja gar nicht möglich.
Aber gerade dadurch wir d es für mich noch herausgehoben, wie unverdient und auch ungerecht es ist. In diesem Fall gut für den Autor.
Normalerweise bemerkt man die Ungerechtigkeit, wenn sie gegen einen ist. Und das finde ich hier auch bemerkenswert: Hier nicht. Hier merkt einer: Ich komme verdammt gut weg.
Ich finde, deshalb sollte es so bleiben.
Ich würde eher den doppelten Sandkasten etwas variieren, vielleicht "dass der Kleine /ungefährdet mir Sandkuchen bäckt", vielleicht würde ich es sogar noch spitzer machen "lustig lachend mir Sandkuchen bäckt", um die Absurdität noch hervorzuheben.
Liebe Grüße
leonie
In Elsas Variante ist die Frage schon reflektiert und beantwortet.
Mir gefällt eigentlich, dass sie im Text noch als gestellte Frage auftaucht. Natürlich evoziert sie die Antwort: Du hast das gar nicht verdient. Eine andere Antwort ist auf diese Frage ja gar nicht möglich.
Aber gerade dadurch wir d es für mich noch herausgehoben, wie unverdient und auch ungerecht es ist. In diesem Fall gut für den Autor.
Normalerweise bemerkt man die Ungerechtigkeit, wenn sie gegen einen ist. Und das finde ich hier auch bemerkenswert: Hier nicht. Hier merkt einer: Ich komme verdammt gut weg.
Ich finde, deshalb sollte es so bleiben.
Ich würde eher den doppelten Sandkasten etwas variieren, vielleicht "dass der Kleine /ungefährdet mir Sandkuchen bäckt", vielleicht würde ich es sogar noch spitzer machen "lustig lachend mir Sandkuchen bäckt", um die Absurdität noch hervorzuheben.
Liebe Grüße
leonie
Hallo Quoth,
Ich vermute du meinst damit, dass du dieses unbearbeitete Sandkorn, dem Leser einpflanzen möchtest, dass er sich selbst daran reibt? (Wobei der Text dafür dann wieder zu deutlich "bearbeitet" ist?) Für mich geht es so jedoch nicht auf, da mich der Text aufgrund seiner sprachlichen Gestaltung eben gar nicht erreicht. Für diesen Ansatz scheint mir auch das schreibende, fragende LIch/der Autor in diesem Gedicht zu stark im Fokus zu stehen, so dass diese "Neutralität" des Sandkorns auch seine Haltung zu spiegeln scheint.
Liebe Grüße
Flora
Das ist vielleicht ein gutes Bild. Dann wäre meine Erwartung an die Aufgabe des Autors vielleicht die, dass er als Auster fungiert und durch das Perlmutt seiner Sprache (s)ein Schmerz, (s)eine Reibung für den Leser sichtbar, spürbar, erfahrbar wird.Und Dein Vorschlag, Flora, erinnert mich an das Perlmutt, mit dem die Auster das Sandkorn umschließt. Ich will aber nur Sandkörner schreiben.
Ich vermute du meinst damit, dass du dieses unbearbeitete Sandkorn, dem Leser einpflanzen möchtest, dass er sich selbst daran reibt? (Wobei der Text dafür dann wieder zu deutlich "bearbeitet" ist?) Für mich geht es so jedoch nicht auf, da mich der Text aufgrund seiner sprachlichen Gestaltung eben gar nicht erreicht. Für diesen Ansatz scheint mir auch das schreibende, fragende LIch/der Autor in diesem Gedicht zu stark im Fokus zu stehen, so dass diese "Neutralität" des Sandkorns auch seine Haltung zu spiegeln scheint.
Ich halte Verdichtung und eine lyrische Umsetzung, zumindest vom Ansatz her, nicht für eine künstliche Verrätselung. Ich denke schon, dass diese Dinge, Themen ein Arbeiten mit Sprache und Gestaltung vertragen.Ich möchte hier Dinge klar ausdrücken und benennen, die eine künstlich-kunsthandwerkliche Verrätselung weder benötigen noch vertragen
Kommt bei mir nicht so an, aber das ist natürlich wieder nur mein subjektiver Leseeindruck. .-)Mir dienen die Zeilenumbrüche vor allem dazu, den Fragen etwas Zögerndes, Tastendes geben.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
- Thomas Milser
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- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Hallo Qouth,
dieser Text - oder besser gesagt dessen Sprache - wirkt für mich eher wie investigativer Journalismus in Strophenform denn als Lyrik. Letztere besteht für mich in ihrem Wesen in der Transformation, und davon kann ich hier nichts sehen. Da werden beobachtende, zeitgeschehenbezogene Aussagen 1:1 aufgelistet, und sonst passiert eigentlich nichts. Im Grunde ist es nicht mal investigativ, weil das alles recht harmlos ohne nähere Beleuchtung, ohne Ursachenbenennung, ohne Wut oder Anklage daherkömmt. Aufrütteln tut der Text jedenfalls nicht. Die Nachrichten kennen wir alle. Und dass das niemand gut findet, was andernorts passiert, und dass wir hier relativ verschont sind, ist jetzt so neu auch nicht.
Was ist denn deine Intention bei diesem Text?
Gruß,
Tom.
dieser Text - oder besser gesagt dessen Sprache - wirkt für mich eher wie investigativer Journalismus in Strophenform denn als Lyrik. Letztere besteht für mich in ihrem Wesen in der Transformation, und davon kann ich hier nichts sehen. Da werden beobachtende, zeitgeschehenbezogene Aussagen 1:1 aufgelistet, und sonst passiert eigentlich nichts. Im Grunde ist es nicht mal investigativ, weil das alles recht harmlos ohne nähere Beleuchtung, ohne Ursachenbenennung, ohne Wut oder Anklage daherkömmt. Aufrütteln tut der Text jedenfalls nicht. Die Nachrichten kennen wir alle. Und dass das niemand gut findet, was andernorts passiert, und dass wir hier relativ verschont sind, ist jetzt so neu auch nicht.
Was ist denn deine Intention bei diesem Text?
Gruß,
Tom.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Und ich möchte noch kurz etwas zu dem künstlich Verästelten sagen. Im Großen und Ganzen hat Flora für mich sehr gut auf den Punkt gebracht, was ich selbst denke, besonders was das Sandkorn und den Perlmutt angeht. Was ich nicht wirklich verstehe, ist dieser Satz von Dir, Quoth,
Mein Problem ist, dass ich nicht sehe, wo du sie klar ausdrückst, für mich verzichtest du eben gerade nicht auf eine kunsthandwerkliche Verästelung und an anderer Stelle hast du ja genau die auch verteidigst. Ich glaube, ich muss mich schon wieder Flora anschliessen, denn für mich hängt das Gedicht auch zwischen investigativem Journalismus (wie Tom das in seinem Kommentar nennt) und einem Gedicht. Wenn die Fragestellung, die ich immer noch uneingeschränkt berechtigt und gut und lohnenswert finde, dort schweben würde, wäre es gut.
Ich möchte hier Dinge klar ausdrücken und benennen, die eine künstlich-kunsthandwerkliche Verrätselung weder benötigen noch vertragen
Mein Problem ist, dass ich nicht sehe, wo du sie klar ausdrückst, für mich verzichtest du eben gerade nicht auf eine kunsthandwerkliche Verästelung und an anderer Stelle hast du ja genau die auch verteidigst. Ich glaube, ich muss mich schon wieder Flora anschliessen, denn für mich hängt das Gedicht auch zwischen investigativem Journalismus (wie Tom das in seinem Kommentar nennt) und einem Gedicht. Wenn die Fragestellung, die ich immer noch uneingeschränkt berechtigt und gut und lohnenswert finde, dort schweben würde, wäre es gut.
-
Last
Das hier gefällt mir von der Intention und der Idee her sehr gut, bei der Umsetzung hapert es aber.
Günter Kunert schreibt in seinem Gedicht "B.B.s spät gedenkend": "Kein / lesender Arbeiter stellt noch / eine Frage: Es gibt ja / keine Antworten mehr." Gegen diesen Trend des Schweigens richtet sich dein Gedicht, Quoth. Die Aufgabe des Künstlers ist es, Fragen zu stellen. Auch wenn der Zeitgeist sich damit begnügt jene Gespräche über Bäume zu führen als wären die Ungerechtigkeiten des Lebens, die jedem ins Auge stechen, nicht intellektuell genug für die Literatur.
Deshalb erinnert mich das auch an "Des Kaisers neue Kleider". Künstler schweigen darüber, dass der Kaiser nackt ist, weil diejenigen, die das Kleid nicht sehen, ja als dumm gelten. Dann fragt man sich wirklich: "Weiß die Autorin nicht mehr"?
Was mir leider überhaupt nicht gefällt, ist der zwanghafte Gebrauch von Synonymen für "Dichter" und "schreiben", die in jeder Strophe mehr schlecht als recht variiert werden. Dabei wäre es gar nicht nötig, in jeder Strophe mit einem neuen Wort von einem jeweils anderen Dichter zu sprechen. Man hätte einen abstrakten Dichter nehmen können, der in Strophe 1 genannt und anschließend nur noch "er" genannt wird.
Ich möchte ja nicht gemein sein, aber "was formuliert [...] der Literat" ist wirklich eine grottenschlechte Formulierung.
Noch schlimmer ist es in Strophe 2, in der sogar die rhetorische Frage scheitert. Die Ölkatastrophe raubt dem Dichter ja nicht sein Schreibzeug. Die Antwort auf die Frage lautet einfach: Nein, er schreibt zuhause auf Papier wie jeder andere auch.
Günter Kunert schreibt in seinem Gedicht "B.B.s spät gedenkend": "Kein / lesender Arbeiter stellt noch / eine Frage: Es gibt ja / keine Antworten mehr." Gegen diesen Trend des Schweigens richtet sich dein Gedicht, Quoth. Die Aufgabe des Künstlers ist es, Fragen zu stellen. Auch wenn der Zeitgeist sich damit begnügt jene Gespräche über Bäume zu führen als wären die Ungerechtigkeiten des Lebens, die jedem ins Auge stechen, nicht intellektuell genug für die Literatur.
Deshalb erinnert mich das auch an "Des Kaisers neue Kleider". Künstler schweigen darüber, dass der Kaiser nackt ist, weil diejenigen, die das Kleid nicht sehen, ja als dumm gelten. Dann fragt man sich wirklich: "Weiß die Autorin nicht mehr"?
Was mir leider überhaupt nicht gefällt, ist der zwanghafte Gebrauch von Synonymen für "Dichter" und "schreiben", die in jeder Strophe mehr schlecht als recht variiert werden. Dabei wäre es gar nicht nötig, in jeder Strophe mit einem neuen Wort von einem jeweils anderen Dichter zu sprechen. Man hätte einen abstrakten Dichter nehmen können, der in Strophe 1 genannt und anschließend nur noch "er" genannt wird.
Ich möchte ja nicht gemein sein, aber "was formuliert [...] der Literat" ist wirklich eine grottenschlechte Formulierung.
Noch schlimmer ist es in Strophe 2, in der sogar die rhetorische Frage scheitert. Die Ölkatastrophe raubt dem Dichter ja nicht sein Schreibzeug. Die Antwort auf die Frage lautet einfach: Nein, er schreibt zuhause auf Papier wie jeder andere auch.
- Thomas Milser
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- Geschlecht:
Und nicht zuletzt: Ist es nicht auch die Herstellung und der Betrieb unserer Notebooks, was dazu beiträgt, dass eben solche Katastrophen immer heftiger werden? Dürfen wir westlichen Energiefresser überhaupt den Zeigefinger erheben, solange wir mit dem SUV Urwaldbretter aus dem Baumarkt für den Sandkasten holen?
Wenn dieser Text als derlei Selbstanzeige zu verstehen wäre, dann bekäme er für mich schon etwas mehr Gehalt. Eine bloße offene Frage am Ende wäre mir dann aber immer noch zu wenig. Da fehlte mir der eigene Aderlass ...
Wenn dieser Text als derlei Selbstanzeige zu verstehen wäre, dann bekäme er für mich schon etwas mehr Gehalt. Eine bloße offene Frage am Ende wäre mir dann aber immer noch zu wenig. Da fehlte mir der eigene Aderlass ...
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
-
Gerda
Hallo Quoth, hallo in die Runde,
nehme ich Last's ersten Satz seiner Rückemledung und meinen letzten so komme ich nicht umhin die Schnittmenge zu sehen
.
Ich muss aber konstatieren, dass Last diesen Text tatsächlich sehr viel besser analysiert und zu Recht auseinandeandergenommen hat.
Mir kam das hier nicht sogleich in den Sinn, ich übe mich noch in Zuirückhaltung nach meiner Rückkehr in den Salon.
Aber Last liegt mit seiner Einschätzung goldrichtig! Auch dieser Logikfehler > Ölkatastrophe!
Die anderen Komm., mich eingeschlossen, haben wohl allesamt etwas flüchtig gelesen, oder aber die kritische Brille nicht auf der Nase gehabt.
Ich schließe mich in allen Punkten Last an und wiederhole, dass an diesem Text zu arbeiten ist und wie sich herauskrsitallisiert nicht nur am Satzbau und der Form (Hier gebe ich auch Tom mit seiner Kritik Recht).
Im Gunde stehen hier nur Notizen für ein Gedicht.
Liebe Grüße
Gerda
nehme ich Last's ersten Satz seiner Rückemledung und meinen letzten so komme ich nicht umhin die Schnittmenge zu sehen
.
Ich muss aber konstatieren, dass Last diesen Text tatsächlich sehr viel besser analysiert und zu Recht auseinandeandergenommen hat.
Mir kam das hier nicht sogleich in den Sinn, ich übe mich noch in Zuirückhaltung nach meiner Rückkehr in den Salon.
Aber Last liegt mit seiner Einschätzung goldrichtig! Auch dieser Logikfehler > Ölkatastrophe!
Die anderen Komm., mich eingeschlossen, haben wohl allesamt etwas flüchtig gelesen, oder aber die kritische Brille nicht auf der Nase gehabt.
Ich schließe mich in allen Punkten Last an und wiederhole, dass an diesem Text zu arbeiten ist und wie sich herauskrsitallisiert nicht nur am Satzbau und der Form (Hier gebe ich auch Tom mit seiner Kritik Recht).
Im Gunde stehen hier nur Notizen für ein Gedicht.
Liebe Grüße
Gerda
Hallo, Leonie, freue mich, dass Du Dich mit dem paradoxen "verdient" hier anfreunden kannst. Den Sandkasten lass ich erst noch mal, aber den fröhlichen Kleinen nehm ich Dir vielleicht ab.
Hallo, Flora, ja, der Dichter als Perlmutt ums Sandkorn schließende Auster - ein ästhetisches Konzept, das absolut nicht meines wäre, aber vielleicht, hier zum Forendogma erhoben, manches klarer machen würde. Klar stehe ich im Vordergrund, kein Autor kann um sich selbst herum schreiben, ich gehe darauf in meiner Antwort für Thomas noch ein.
Hallo, Thomas, vom investigativen Journalismus bin ich weit entfernt, gebe aber zu, dass ich immer mal wieder in die Hamburger Drucksache hineinschaue. Nein, hier projiziere ich selbst mich und meine Ängste auf die per Zeitung an mich heranschwappenden und -schwelenden Nöte, u.a. auch deshalb, weil "Zwanzig Millionen Menschen ohne Obdach" uns völlig kalt lassen, ein einzelner Leidender aber berührt. Die Transformation liegt bei diesem Text in der Fiktion von Figuren, die nur in meiner Vorstellung existieren und in denen großenteils ich selbst enthalten bin. Zu Deinem zweiten Beitrag: Was glaubst Du, wenn ich hier was zur (Mit)Verantwortung geschrieben hätte, wie ich dann als Moraltante abgekanzelt würde!
Hallo, Xanthippe, ja, da schwebt sie - auch wenn ich den Begriff des "investigativen Journalismus" hier, wie schon Thomas gegenüber erklärt, für Fehl am Platze halte.
Hallo Last, ich hätte fast schon mal Deine Elegie kommentiert, aber dann merkte ich, dass ich es nicht mag, wenn Texte sich selbst formal klassifizieren, und da hab ich's gelassen. Nun zu Deinen Einwänden: Poet, Dichter und Literat sind für mich drei ganz verschiedene Typen von Autoren, von daher lasse ich Deinen Einwand nicht gelten. Ob die Verschiedenheit hier freilich nötig ist, frage ich mich, von Dir angeregt, und ändere da wohl gleich was. Ebenso bei dem Strandreiniger - da geht es nicht um einen Mangel an Schreibmöglichkeiten, sondern eher um ein symbolisches Schmieren.
Das Wort "grottenschlecht" verstehe ich nicht. Grotten sind etwas sehr Schönes.
Hallo Gerda,
hier stehen Notizen für ein Gedicht nach Deinen Vorstellungen. Für mich reichen die Notizen völlig aus, und wenn es dann eben kein Gedicht ist, ist es mir auch egal. Mir reicht es, diskussionswürdige Texte zu schreiben, ich bin weder ein Poet noch ein Dichter, ich bin nur ein Literat ...
Gruß und Dank für Befassung
Quoth
Hallo, Flora, ja, der Dichter als Perlmutt ums Sandkorn schließende Auster - ein ästhetisches Konzept, das absolut nicht meines wäre, aber vielleicht, hier zum Forendogma erhoben, manches klarer machen würde. Klar stehe ich im Vordergrund, kein Autor kann um sich selbst herum schreiben, ich gehe darauf in meiner Antwort für Thomas noch ein.
Hallo, Thomas, vom investigativen Journalismus bin ich weit entfernt, gebe aber zu, dass ich immer mal wieder in die Hamburger Drucksache hineinschaue. Nein, hier projiziere ich selbst mich und meine Ängste auf die per Zeitung an mich heranschwappenden und -schwelenden Nöte, u.a. auch deshalb, weil "Zwanzig Millionen Menschen ohne Obdach" uns völlig kalt lassen, ein einzelner Leidender aber berührt. Die Transformation liegt bei diesem Text in der Fiktion von Figuren, die nur in meiner Vorstellung existieren und in denen großenteils ich selbst enthalten bin. Zu Deinem zweiten Beitrag: Was glaubst Du, wenn ich hier was zur (Mit)Verantwortung geschrieben hätte, wie ich dann als Moraltante abgekanzelt würde!
Hallo, Xanthippe, ja, da schwebt sie - auch wenn ich den Begriff des "investigativen Journalismus" hier, wie schon Thomas gegenüber erklärt, für Fehl am Platze halte.
Hallo Last, ich hätte fast schon mal Deine Elegie kommentiert, aber dann merkte ich, dass ich es nicht mag, wenn Texte sich selbst formal klassifizieren, und da hab ich's gelassen. Nun zu Deinen Einwänden: Poet, Dichter und Literat sind für mich drei ganz verschiedene Typen von Autoren, von daher lasse ich Deinen Einwand nicht gelten. Ob die Verschiedenheit hier freilich nötig ist, frage ich mich, von Dir angeregt, und ändere da wohl gleich was. Ebenso bei dem Strandreiniger - da geht es nicht um einen Mangel an Schreibmöglichkeiten, sondern eher um ein symbolisches Schmieren.
Das Wort "grottenschlecht" verstehe ich nicht. Grotten sind etwas sehr Schönes.
Hallo Gerda,
hier stehen Notizen für ein Gedicht nach Deinen Vorstellungen. Für mich reichen die Notizen völlig aus, und wenn es dann eben kein Gedicht ist, ist es mir auch egal. Mir reicht es, diskussionswürdige Texte zu schreiben, ich bin weder ein Poet noch ein Dichter, ich bin nur ein Literat ...
Gruß und Dank für Befassung
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Hallo!
Last, warum setzt du voraus, dass "die Ölkatastrophe dem Dichter das Schreibzeug raubt" (oder eben nicht)? Im Text steht davon doch nichts. Oder meinst du, weil in dem Abschnitt davor und dem danach von einem Verlust die Rede ist, müsste das in diesem Abschnitt auch der Fall sein?! Das sähe ich dann anders...
Dass dir die Synonyme nicht zusagen, kann ich verstehen; ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das nicht eher ein Geschmacks- als ein Werturteil ist. Mir zumindest würden eine Ansammlung von "er" genauso auf den Magen schlagen; Personalpronomenshäufungen sind... bäh, jedes weniger ist ein Gewinn
Tom, da wirfst du aber ein wenig dem Apfel vor, keine Birne zu sein
Natürlich wäre ein Text mit dem von dir geforderten bezug auch spannend, aber hier geht es eben um andere Dinge.
Gerda, ich bin mir ganz sicher, dass hier ein vollwertiges Gedicht steht.
Ferdigruß
Edit: Hm, Quoth war vor mir da...
Last, warum setzt du voraus, dass "die Ölkatastrophe dem Dichter das Schreibzeug raubt" (oder eben nicht)? Im Text steht davon doch nichts. Oder meinst du, weil in dem Abschnitt davor und dem danach von einem Verlust die Rede ist, müsste das in diesem Abschnitt auch der Fall sein?! Das sähe ich dann anders...
Dass dir die Synonyme nicht zusagen, kann ich verstehen; ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das nicht eher ein Geschmacks- als ein Werturteil ist. Mir zumindest würden eine Ansammlung von "er" genauso auf den Magen schlagen; Personalpronomenshäufungen sind... bäh, jedes weniger ist ein Gewinn

Tom, da wirfst du aber ein wenig dem Apfel vor, keine Birne zu sein
Natürlich wäre ein Text mit dem von dir geforderten bezug auch spannend, aber hier geht es eben um andere Dinge.Gerda, ich bin mir ganz sicher, dass hier ein vollwertiges Gedicht steht.
Ferdigruß

Edit: Hm, Quoth war vor mir da...
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
-
scarlett
Hallo Quoth,
ich nehme den Text als das, was er (in meinen Augen zumindest) ist: als einen sehr authentischen, wahr-haftigen Ausdruck der Gedanken eines Schreibers, der sich nicht wohl fühlt in seiner Haut, wenngleich er nicht so naiv ist zu glauben, dass diese schriftliche Auseinandersetzung irgendwas in der Welt ändern, geschweige denn verbessern könnte. Aber darum geht es m M nach auch nicht.
Ich spüre Echtheit hinter und in den Zeilen, da ist ein Gefühl, dass nach einer Form, nach einem Halt schreit- und insofern ist das für mich sehr wohl ein Gedicht. Ob gut oder schlecht - das mag ich gar nicht beurteilen, aber es ist echt, d. h. ICH nehme dem Schreiber diese Zeilen ab.
Vielleicht wäre der "Welt" dennoch gedient, wenn mehr Menschen zumindest für einen Moment innehalten würden, um zu realisiseren, auf welch hohem Niveau oftmals bei uns gejammert wird.
Liebe Grüße,
scarlett
ich nehme den Text als das, was er (in meinen Augen zumindest) ist: als einen sehr authentischen, wahr-haftigen Ausdruck der Gedanken eines Schreibers, der sich nicht wohl fühlt in seiner Haut, wenngleich er nicht so naiv ist zu glauben, dass diese schriftliche Auseinandersetzung irgendwas in der Welt ändern, geschweige denn verbessern könnte. Aber darum geht es m M nach auch nicht.
Ich spüre Echtheit hinter und in den Zeilen, da ist ein Gefühl, dass nach einer Form, nach einem Halt schreit- und insofern ist das für mich sehr wohl ein Gedicht. Ob gut oder schlecht - das mag ich gar nicht beurteilen, aber es ist echt, d. h. ICH nehme dem Schreiber diese Zeilen ab.
Vielleicht wäre der "Welt" dennoch gedient, wenn mehr Menschen zumindest für einen Moment innehalten würden, um zu realisiseren, auf welch hohem Niveau oftmals bei uns gejammert wird.
Liebe Grüße,
scarlett
ich finde diese Diskussion hier sehr spannend, auch wenn sie sich sicher ein Stück weit vom konkreten Text abzulösen scheint.
Wieso würde ein "Forendogma" einiges klären? Und was würde es klären? Wäre es denn notwendig, etwas zu klären? Dogmatisch und verbindlich noch dazu? Das ist was ich hier schätze, die Offenheit und für mich die Möglichkeit meine Position zu überdenken und dann weiterhin zu vertreten oder sie zu verändern. Ich habe übrigens nicht im Geringsten das Gefühl, dass Du das wesentlich anders siehst.
Ich glaube auch gar nicht, dass es wirklich um eine Entscheidung zwischen "investigativem Journalismus" oder der Beschreibung eines sehr persönlichen Gefühls geht, sondern einfach um verschiedene Ansätze und Ideen, wie etwas, das uns allen sehr diskussionswürdig erscheint, formal verbessert werden könnte. Und das Problem ist sicher, dass wir als Kommentatoren, ebensowenig wie Du als Verfasser, dabei von uns selbst absehen können. Ich habe einmal ein Seminar besucht, in dem die Seminarleiterin, die Texte niemals kritisiert hat, sondern die Fähigkeit hatte, jeden Text sehr individuell daraufhin zu untersuchen, wie er "funktioniert" und den Verfasser dann zu fragen, ob es diese "Funktion" war, die er beabsichtigt hatte.
Diese sehr rege Diskussion zeigt ja mehr als alles andere, dass Dir das sehr gut gelungen ist, diskussionswürdige Texte zu schreiben. Und um noch einmal darauf zurückzukommen, was ich meine mit dem Schweben statt dem Hängen zwischen den Formen, zitiere ich hier mal Herta Müller, die den Schauspieler Bruno Ganz zitiert:
"Ja, bei Lyrik ist es möglich, daß eine Zeile einen riesigen Raum freilegt, und zwar über das hinaus, was da an Wörtern Sinn ergibt. Auf seltsame Weise verschränkt sich das dann mit der nächsten Zeile, dauernd werden neue Räume geöffnet. Also nicht wie in linearer Prosa in der Art der Beweisführung. Da wird mit Verschiebungen, mit vertikalen und sehr seltsamen Bewegungen gearbeitet. Lyrik befindet sich für mich in einem großen Raum, von Luft eingehüllt. Es ist immer mehr gemeint, es wird mehr bewegt als unmittelbar aus den Wörtern spricht."
Das hast Du auf den Weg gebracht mit diesem Gedicht, aber ich finde noch sprechen die Wörter zu deutlich, um wirklich Räume zu öffnen.
Dir vielen Dank für diese fruchtbare Diskussion
Xanthi
Quoth hat geschrieben:Hallo, Flora, ja, der Dichter als Perlmutt ums Sandkorn schließende Auster - ein ästhetisches Konzept, das absolut nicht meines wäre, aber vielleicht, hier zum Forendogma erhoben, manches klarer machen würde. Klar stehe ich im Vordergrund, kein Autor kann um sich selbst herum schreiben, ich gehe darauf in meiner Antwort für Thomas noch ein.
Wieso würde ein "Forendogma" einiges klären? Und was würde es klären? Wäre es denn notwendig, etwas zu klären? Dogmatisch und verbindlich noch dazu? Das ist was ich hier schätze, die Offenheit und für mich die Möglichkeit meine Position zu überdenken und dann weiterhin zu vertreten oder sie zu verändern. Ich habe übrigens nicht im Geringsten das Gefühl, dass Du das wesentlich anders siehst.
Ich glaube auch gar nicht, dass es wirklich um eine Entscheidung zwischen "investigativem Journalismus" oder der Beschreibung eines sehr persönlichen Gefühls geht, sondern einfach um verschiedene Ansätze und Ideen, wie etwas, das uns allen sehr diskussionswürdig erscheint, formal verbessert werden könnte. Und das Problem ist sicher, dass wir als Kommentatoren, ebensowenig wie Du als Verfasser, dabei von uns selbst absehen können. Ich habe einmal ein Seminar besucht, in dem die Seminarleiterin, die Texte niemals kritisiert hat, sondern die Fähigkeit hatte, jeden Text sehr individuell daraufhin zu untersuchen, wie er "funktioniert" und den Verfasser dann zu fragen, ob es diese "Funktion" war, die er beabsichtigt hatte.
Quoth hat geschrieben: Für mich reichen die Notizen völlig aus, und wenn es dann eben kein Gedicht ist, ist es mir auch egal. Mir reicht es, diskussionswürdige Texte zu schreiben, ich bin weder ein Poet noch ein Dichter, ich bin nur ein Literat ...
Diese sehr rege Diskussion zeigt ja mehr als alles andere, dass Dir das sehr gut gelungen ist, diskussionswürdige Texte zu schreiben. Und um noch einmal darauf zurückzukommen, was ich meine mit dem Schweben statt dem Hängen zwischen den Formen, zitiere ich hier mal Herta Müller, die den Schauspieler Bruno Ganz zitiert:
"Ja, bei Lyrik ist es möglich, daß eine Zeile einen riesigen Raum freilegt, und zwar über das hinaus, was da an Wörtern Sinn ergibt. Auf seltsame Weise verschränkt sich das dann mit der nächsten Zeile, dauernd werden neue Räume geöffnet. Also nicht wie in linearer Prosa in der Art der Beweisführung. Da wird mit Verschiebungen, mit vertikalen und sehr seltsamen Bewegungen gearbeitet. Lyrik befindet sich für mich in einem großen Raum, von Luft eingehüllt. Es ist immer mehr gemeint, es wird mehr bewegt als unmittelbar aus den Wörtern spricht."
Das hast Du auf den Weg gebracht mit diesem Gedicht, aber ich finde noch sprechen die Wörter zu deutlich, um wirklich Räume zu öffnen.
Dir vielen Dank für diese fruchtbare Diskussion
Xanthi
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Quoth hat geschrieben: Was glaubst Du, wenn ich hier was zur (Mit)Verantwortung geschrieben hätte, wie ich dann als Moraltante abgekanzelt würde!
Nuja, ich weiß nicht genau, was der Text bewirken soll, wenn sich der Autor nicht ein bisschen aus dem Fenster lehnt und zumindest provoziert. Gerade Letzteres kommt mir zuwenig rüber. Und leider schwingt dann bei mir auch so ein bisschen Doppelmoral mit ...
Müsste man das Thema nicht aggressiver angehen? (Selbst-)Entblößender? Bitterer? Ohnmächtiger? Desillusionierter?
LieGrü
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
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