sesshin

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Hakuin

Beitragvon Hakuin » 04.09.2006, 12:49

sesshin

einen stein
mitten ins gesicht geworfen
wasserkreise bahnen ziehn


© hakuin

wasserkreise ihre bahnen ziehn => wasserkreise bahnen ziehn
Zuletzt geändert von Hakuin am 04.09.2007, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.

Niko

Beitragvon Niko » 05.09.2006, 01:32

sorry, hakuin.....
das macht irgendwie gar keinen sinn für mich. einen stein, den man ins gesicht wirft mag kreise ziehen. so hätte ich noch etwas herauslesen können. aber du schreibst ausdrücklich "wasserkreise", die dann bahnen ziehen. und sesshin? ist das eine gedichtsform wie ein senryû?

konfuse grüße: Niko

aram
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Beitragvon aram » 05.09.2006, 04:55

der text erinnert durch paradoxie an eine koan-übung, was auch der titel 'sesshin' kontextuell stützt.
als koan interpretiert, ist die konstruktionslogik dann einfach nachzuvollziehen - gegenüberstellung / überlagerung eines steinwurfs a) ins gesicht b) ins wasser - wobei durch 'mitten ins' (gesicht) und 'bahnen ziehn' (von wasserkreisen) die koantypischen 'vexierbilder' für den bildhaft erfassenden, aber linear operierenden verstand erzeugt werden: einerseits die vorstellung von durch steinwurf ausgelöstem 'bahnen ziehen' in einem getroffenen gesicht , andererseits die vorstellung eines 'aussermittig' in die durch ihn erzeugten ringwellen ins wasser geworfenen steines
(bzw. gegenüberstellung der bezüge/assoziationen gezielt = mittig = ungezielt = egal ob gezielt oder ungezielt = mittig / sowie einbindung von 'gesicht', 'bahnen ziehen' 'stein''wurf' usw. in diese assoziation)
- paradoxa, die genügend dichte erzeugen, um den verstand 'leerlaufen' zu lassen, falls er die real gestellte aufgabe einer lösungsfindung 'an sich zieht'.

aus zen-sicht ist eine solche interpretatorische erläuterung allerdings völlig wertlos, sie kann nur als gar nicht lösungsbezogen (reine analyse) oder als verstandesmäßige lösung gesehen werden, beides ist irrelevant.

synthese / lösung ist jedoch intuitiv zu schauen kann somit wiederum nicht teil einer textinterpretation sein.

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 05.09.2006, 10:32

@aram

namaste ;-)

das eine
das andere
beides
beides nicht
nichts von alledem

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 05.09.2006, 10:37

@niko

mehr als aram könnte ich dir auch nicht schreiben.
das ungesagte zu diesem gedicht liegt im DARÜBER HINAUS

grüße dich,
hakuin

Niko

Beitragvon Niko » 05.09.2006, 11:55

ich habe unter dem begriff sesshin folgendes gefunden:

http://www.zen-kokoro.de/Kurse.html

komme aber in dem zusammenhang nicht auf irgendeine parallele zu dem gedicht oder zu deinen erläuterungen, aram....

lieben gruß: Niko

aram
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Beitragvon aram » 05.09.2006, 12:25

hallo niko,

ebenfalls 'keine ahnung', habe bloß 'sesshin koan' gegoogelt und fand das stützt sich.
http://www.bodhidharmazendo.net/Sesshin1.html
"Sesshin" bezeichnet eine Zeit intensiver Praxis von Zazen, Rezitieren, Koan-Übung, formalen Mahlzeiten und täglichen Dharma-Vorträgen.

d.h. es gibt wörtliche und übertragene bedeutung des begriffes.

liebe grüße, aram

Gast

Beitragvon Gast » 05.09.2006, 12:55

Hakuin hat geschrieben:sesshin
einen stein
mitten ins gesicht geworfen
wasserkreise ihre bahnen ziehn


Hallo hakuin,
muss es denn :
wasserkreise ihre bahnen ziehn
heißen, oder wäre ein Umstellung möglich :frage:
wasserkreise ziehn ihre bahnen

ich finde die Vertauschung von Prädikat und Subjekt stört den Sprachfluss doch sehr...

Es ist für mich - und ich denke, da bin ich nicht allein, - ist es fast unmöglich einen Zugang, zu dieser fernöstlichen vom Zen geprägten Poesie zu bekommen.
Ganz banal könnt man natürlich auch den schluss aus dem Vers ziehen, dass sich auf der Wasseroberfläche halt ein gesicht gespiegelt hat, dann entsteht für mich zumindest ein deutbares Bild.

Dennoch gern gelesen und Dank arams Ausführungen meine blaase Ahnung eine wenig eingefärbt.

Ist das eine, deiner von der See mitgebrachten Impressionen?

Liebe Grüße
Gerda

siehe hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Sesshin

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 06.09.2006, 11:56

Ooooh, liebe Gerda

zu deinem vorschlag in: wasserkreise ziehe ihre bahn

fällt mir eine ähnlichkeit zum kommentar von max zu meinem gedicht "tau" auf.
dort schrieb ich: ...tau sich löst...
und die anregung war: tau löst sich...
zu gebrauchen.

es ist selbstloser, ohne wissen darum, dass es so ist. wasser ist sich dessen nicht bewusst, es MACHT es nicht.

vielleicht daher dieser stil zu schreiben.

...es ist eine impression aus eben diesem sesshin (was das ist hat aram bereits erl.), sie fasst das erlebte wie in einem tagebuch in einem lichtblitz zusammen. der ausgangspunkt war tatsächlich ein koan und das mehstündige meditieren in strenger form.

jaaaa und es ist doch ebenso erstaunlich die ebene zu wechseln und einfach ins wasser zu schauen und sich einen stein ins gesicht zu werfen mit eben diesem resultat.

grüß dich herzlich
hakuin

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 06.09.2006, 11:58

haaaaaa, knack!

wasserkreise bahnen ziehn!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

hakuin

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 06.09.2006, 11:59

sesshin

einen stein
mitten ins gesicht geworfen
wasserkreise bahnen ziehn

hakuin

aram
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Beitragvon aram » 06.09.2006, 15:21

Hakuin hat geschrieben:haaaaaa, knack!

wasserkreise bahnen ziehn!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



.-) :daumen:

Gast

Beitragvon Gast » 06.09.2006, 15:50

Ja, Hakuin,
da geht bei mir dann auch der Daumen hoch :daumen: , denn ohne Artikel ist es stärker und es stört mich auch nicht mehr die Umkehrung von Prädikat und Subjekt.

LGG


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