Wo sie zuhause den müll versteckt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klara
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Registriert: 23.10.2006

Beitragvon Klara » 24.10.2026, 20:06

Wo sie zuhause den müll versteckt

Kurz nur fahre ich hin
Ins dorf der frau
mit den frechen müden augen.
Sie lächelt und nickt und erzählt ihre alten geschichten.
Alles wie immer.
Ihr blick saugt wie immer,
süchtig nach dem wir.

Sie will besser sie will die rose sein.
Zum kaffeemachen ist sie zu alt.
Ich stehe in meinen wüsten jahren
Vor der verschlossenen tür in habacht
wie eine unwillige soldatin.

Ihr garten lodert im herbst, lauscht dem klagen ihrer knochen.
Wie kann er, ohne wein und tränen?
Die kamille vertrocknet im feuchten.

Der fliederduft ist lange vorbei.
Auf den stühlen klebt vogeldreck,
stocknüchtern wie sie nie war.

Ich war nie dumm genug, mich zu betrinken,
ihre scheibe zwischen sich und der welt schnitt mich fort.

Jedes mal habe ich vergessen,
wo sie den november versteckt.

[Jan Skácels "Wor wir zuhause das Salz haben", in Fährgeld für Charon, regte mich an zu dieser Art von Huldigung als Gegengedicht, das ein Für-Gedicht ist]

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