Die kleine Frau verlässt die Zeit

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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 31.08.2013, 09:49

Worauf ich mich verlassen kann,
sagt die kleine Frau,
ist die Tatsache, dass ich alles verlassen kann.

Mein Leben und auch den Tod,
die Männer, die Frauen und sogar die Kinder.
Es ist nur eine Frage der Reihenfolge.

Erst muss man ankommen in der Gegenwart,
dann verlässt einen die Zeit.

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 31.08.2013, 13:34

Aber nicht nur die kleine Frau ...

ecb

Beitragvon ecb » 31.08.2013, 18:54

Reizvoll, dieses kleine Spiel mit "sich verlassen können" und "verlassen". Und der Gedanke spricht mich an, auch daß es mit einer Reihenfolge zu tun hat, weil man ja, erstens, noch in der Zeit, und, zweitens, ein Mensch ist.

Wie wäre es, wenn die beiden letzten Zeilen so lauteten?

"Wenn du ankommst in der Gegenwart,
dann verlässt dich die Zeit."


Liebe Grüße
Eva

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birke
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Beitragvon birke » 01.09.2013, 00:06

zeit ist gegenwärtig ;) immer.
insofern, denke ich, kann sie "einen" nicht verlassen.
man selbst kann sie /vielleicht?/ im tod verlassen.
aber den tod selbst verlassen? hm ...

nicht ganz stimmig /für mich/ dieser text ...
dennoch gern drüber sinniert :smile:

lg,
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Niko

Beitragvon Niko » 01.09.2013, 00:45

hallo xanthi,

finde ich gelunngen. das sich verlassen, das aktive verlassen, die kleine frau, die sicher irgendwo viel tiefer sitzt, als der kleine mann im ohr, das sinnieren über die reihenfolge. und auch das ende ist so, wie ich es mir immer für ein gedicht wünsche: man erhält als leser eine essenz des ganzen, einen aspekt im kontext, der mich wieder von vorne lesen lässt.
die letzten beiden zeilen beziehen sich nach meiner lesart auf die kleine frau. was sie sagt. da fände ich als schluss runder (ich bring's im textzusammenhang):

Worauf ich mich verlassen kann,
sagt die kleine Frau,
ist die Tatsache, dass ich alles verlassen kann.

Mein Leben und auch den Tod,
die Männer, die Frauen und sogar die Kinder.
Es ist nur eine Frage der Reihenfolge.

Und dass man ankommen muss in der Gegenwart,
bevor einen die Zeit verlässt.


zugegebenermaßen ist das ein wenig MEIN stil, zu schreiben, betrachte es mehr als "einen aspekt zum schluss" - nicht mehr!

gefallen würde mir auch als ende:

und das man ankommen muss
bevor man verlassen kann


liebe grüße: niko

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 01.09.2013, 11:42

Das finde ich schon schade, dass so viele von euch, meinen Schluss ändern wollen, denn der ist symptomatisch für die kleine Frau, dieses erst muss man und dann. Schade, wenn ds so schlecht ankommt, denn mir würde es schwer fallen es zu ändern, es wäre dann ein anderes Gedicht, keines mehr in dem die kleine Frau spricht.
und liebe Birke, ich sehe das anders: Zeit ist durchaus nichts, was feststeht, es gibt ganz wunderbare Augenblicke, in denen ich mich völlig gegenwärtig fühle, die sind für mich sehr kostbar, weil ich nur zu gut die andere "Seite" der Zeit kenne, das Grübeln über die Vergangenheit, Sorgen wegen der Zukunft usw. usf.
Danke jedenfalls für eure Gedanken und Anregungen.
Herzlich Xanthi

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birke
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Beitragvon birke » 01.09.2013, 12:14

Xanthippe hat geschrieben:Zeit ist durchaus nichts, was feststeht, es gibt ganz wunderbare Augenblicke, in denen ich mich völlig gegenwärtig fühle, die sind für mich sehr kostbar, weil ich nur zu gut die andere "Seite" der Zeit kenne, das Grübeln über die Vergangenheit, Sorgen wegen der Zukunft usw. usf.


ja, liebe xanthi, das macht sinn und kann ich vollkommen so unterschreiben und nachvollziehen.
nur - ist die zeit dann ja trotzdem gegenwärtig, ich verliere sie nur für einen augenblick :) aus dem blickwinkel.
oder aber zumindest ist es für mich andersherum, dass /ich/ einen augenblick die zeit verlasse (und so lese ich eigentlich auch den titel?)
aber das kann man wohl so oder so sehen ... ich verstehe schon, was du hier sagen willst - und letztlich muss ja für dich der text/ schluss stimmig sein :smile:

liebe grüße
birke
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