haiku (für Herby)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klimperer

Beitragvon Klimperer » 05.02.2013, 10:07

die zeit versucht
mit ihrem pfeil
das pendel der wanduhr
zu treffen
Zuletzt geändert von Klimperer am 05.02.2013, 13:57, insgesamt 1-mal geändert.

Herby

Beitragvon Herby » 05.02.2013, 12:38

Hi Carlos,

ob dein Text tatsächlich, also unter formalen Gesichtspunkten, ein Haiku ist, vermag ich nicht zu beurteilen (irgendwo glaube ich mal die Silbenfolge von 5-7-5 gelesen zu haben??). Aber das ist auch nebensächlich für mich - mir gefällt das Bild sehr, das du mit deinen Zeilen ausdrückst, wie mich überhaupt Texte zum Thema Zeit faszinieren.
Eine Frage hab ich nur:

Klimperer hat geschrieben:mit seinem pfeil


Auf wen oder was bezieht sich hier "seinem"? Das Pendel kann ja wohl nicht gemeint sein. Müsste es nicht eher "ihrem" heißen mit Bezug auf die Zeit?

Liebe Grüße,
Herby

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 05.02.2013, 13:54

Vielen Dank, Herby, für deine Rückmeldung.

Du hast Recht, es soll mit ""ihrem" Pfeil heißen, denn es ist ja die Zeit gemeint. Ein blöder Fehler von mir. Vielleicht hatte ich Amor im Hinterkopf.

Wie dem auch sei, ich bin froh darüber, dass dir das Bild gefällt. Ich danke dir.

Ich werde sogleich den Fehler beheben.

Carlos

poeta

Beitragvon poeta » 09.02.2013, 13:12

hallo klimperer, hallo herby,

obs ein haiku ist? daran habe ich auch so meine zweifel, aber nicht wegen der 5-7-5 silbenaufteilung, davon hat sich die deutsche haikudichtung längst gelöst, da die zugrunde liegenden japanischen moiren nicht eins zu eins auf silben umgelegt werden können. ich vermisse hier den natur- und/oder jahreszeitlichen bezug, ein reales bild, eine beobachtung, die in einer überraschenden wendung ausläuft. abstraktion un metaphern sind dem haiku im ursprünglichen sinn fremd, wenn da auf einer weitere ebene fortgedacht werden kann, dann soll das dem rezipienten überlassen bleiben. ich bin keineswegs expertin auf dem gebiet der japanischen dichtung, doch würde ich hier eher ein senryû 'wittern', das nach karai senryû 'viele bereiche des gesellschaftlichen lebens beschreibt, kritisiert, meist auch mit trockenem humor...'

darüber hinaus ich auch mit der vorstellung, dass die zeit das pendel der uhr zu treffen versucht, meine liebe not. wie ichs auch drehe und wende, ich komme dem nicht ganz bei, mir ist die dahinter stehende aussage nicht klar. möchte die zeit die zeit anhalten, beeinflussen, ablenken durch den pfeil? wenn ich das möchte, weils mir im moment richtig, richtig gut geht, dann kann ich das einsehen... was hat die zeit davon?

gerade kommt mir die idee, dass die zeit einfach nicht bemessesn werden möchte, dass sie im pendel den versuch, zeit objektiv zu messen torpediert. Könnte es das sein?

o.k. ich hab mir den kopf gern zerbrochen (heilt alles wieder) und würde meinen recht mangelhaften kenntnissen zufolge, haiku in senryû umbenennen. aber natürlich ist es deins :smile: !

liebe grüße, poeta

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 09.02.2013, 19:27

Hallo Poeta,

danke, dass du dir Zeit nimmst, um über dieses Gedichtchen zu denken.

Mit dem Titel "Haiku" wollte ich eigentlich auf die Kürze des Geschriebenen hinweisen.

Alles, was ich im Kopf hatte, war ein Bild von dieser Zeit, schelmisch wie Amor, die mit ihrem Pfeil versucht, dieses bewegliches Objekt zu treffen ... Die Idee, das Bild, fand ich irgendwie harmlos, lustig. Das ist alles.

Darüber hinaus wollte ich schreiben, dass, wenn sie mal trifft, die Glocke der Wanduhr ertönt ...

Meine Sprache reichte aber nicht dazu und ich habe es so gelassen.

Liebe Grüße,

Carlos


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