Beitragvon Klimperer » 08.02.2013, 09:39
Lieber Niko,
ich habe dein Gedicht abgeschrieben, die sicherste Methode, die Gedanken des Anderen zu verstehen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass du, wie in einer Art Sonett, abwechselnd Strophen von drei und vier Versen verwendest.
Das tust du konsequent, es kann also kein Zufall sein.
Die erste Strophe erinnert mich an eine Flughafenhalle, aber der Titel bringt mich davon weg. Es muss eine Stadt in der Nacht sein, die beleuchteten Wegen die Straßen.
"Aus engen Fensterreihen..." Sind das die Augen der Passanten?
"Durch Schüsselwände empfängt man die Heimat in HD." Als ich das las, dachte ich, du bist im Urlaub in einem Hotelzimmer.
Die vierte Strophe hättest du nicht als "Quartett" gestalten sollen, denn das, bei den Japanern mindestens, bringt Unglück.
"Niemand beseitigt den Dreck zwischen uns, die Stadtreinigung ist Alibi." Das ist eine Schlüsselaussage. Dieser Satz enthält eine ganze Philosophie, eine bittere Wahrheit. Es lädt zum Nachdenken ein. Das lässt mich an die Worte Jesu denken: "Qui habet aures, audiat."
Die nächste Strophe ist ... zynisch? Ohne "noch" wäre sie vielleicht wirkungsvoller.
"In den Dönerbuden blüht das Geschäft." Interessant wie ausländische Wörter uns den Speichel im Munde treiben. So wie früher "Hotdog". Wir pendeln zwischen Pizza und Döner. Das wissen die Türken und haben den Begriff "türkische Pizza" eingeführt.
Die vorletzte Strophe, finde ich, tanzt aus der Reihe, schwächt das Ganze.
"Regen verschlägt Fensterscheiben."
"Die Kälte erinnert an Wärme." Tut sie das?
Ich hoffe, du bist nicht ganz unzufrieden mit meinen dilettantischen Interpretationen.
Liebe Grüße
Carlos