oh please get over it ...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 08.11.2012, 09:58





oh please get over it
the bull was just brought down
from the mountain pastures



it's been days since I saw your face
frowning at me as usually
when you called me
your little fiddleneck
in the green waters of
my backyard pond
no I didn't kill you
or maybe I did I wish
I was your daughter cause
then - with the chirping
of a mountain chickadee
I could say: cattle
it's all the same to me




Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Max

Beitragvon Max » 14.11.2012, 22:22

Liebe Flora,

ich würde mich gerne an einer Übersetzung versuchen. Die Meise hätte ich auch noch so gefunden ... aber wenn ich den lyrischen Geigenhals mit Kelch-Amsinckie übersetzen muss (der Vorschlag eines Wörterbuchs), strecke ich die Waffen ;)

Liebe Grüße
max

Max

Beitragvon Max » 14.11.2012, 23:20

Ok, -- Rohübersetzung (ich mag ja doch .. )


Och bitte, krieg dich ein
gerad' haben wir die Kühe
von der Alm getrieben

seit Tagen habe ich dich nicht mehr gesehen
wie du grummelst
und mich kleiner Frauenschuh nennst
in den grünen Wassern
hinter meinem Haus
nein, ich hab dich nicht gewürgt
oder vielleicht doch, ich wollte
ich wäre dein Kind, denn
dann könnt‘ ich mit dem Zirpen
der Bergmeisen sagen: Kühe
sind mir doch wurscht!

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.11.2012, 11:20

Dank dir, Max! Das zeigt mir auf jeden Fall, dass und wo meine Intention offensichtlich nicht klar genug sichtbar wird. :((
Oh weh, du hast den Stier kastriert. :mrgreen:
Mich würde auch interessieren, warum du den Frauenschuh gewählt hast und das "gewürgt" und statt Tochter Kind?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 15.11.2012, 23:41

hi flora (und max)
jetzt bin ich echt neugierig die intention zu erfahren...willst du es nicht ein klitzekleinbisschen erklären, flora, bütte...?
lg, pjesma

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 16.11.2012, 01:00

Hallo Flora, ein Versuch der Annäherung ---

[quote="Flora"]




ach, das musst zu überwinden,
war der Stier nicht gerade eben
von der Alm herabgetrieben worden?

Tagelag habe ich dein Gesicht nicht zu sehen bekommen ...
das mir wie üblich die Zeit mit Lächeln vertrieben hätte.
Als du mich deinen kleinen Wollkragen nanntest
der in den grünen Wassern meines Hintergartenteichs wohnt:

mein hintergartenteich:
Nein, ich tötete dich nicht.

mein Hintergartenteich.
Nein, ich habe dich nicht getötet
oder manchmal wünscht ich mir, ich hätte es getan...



Ich war deiner Tochter Sorgenkind,
damals, und mit dem Zirpen eines Bergvogels
könnte ich behaupten: die Herde,
die ist mir einfach.... egal.


Ich habe das jetzt spontan und ohne Nachsuchen und Nachprüfen übersetzt. Alles in allem ein schöner, leicht rätselhafter Text.. .

Wahrscheinlich liege ich ganz daneben, obwohl neben mir eine Schachtel mit zu pflanzenden Kräutern steht ... Die Begegnung zwischen Insekt und Mensch in ihrer Ungleichzeitigkeit kommt gut heraus, ...

liebe Grüße
Renée

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 16.11.2012, 18:33

Hallo ihr,

ich hatte nicht erwartet, dass es so schwierig zu lesen wäre. Ich dachte eigentlich, es wäre alles sonnenklar. ;-)

Renée hat geschrieben:Die Begegnung zwischen Insekt und Mensch in ihrer Ungleichzeitigkeit kommt gut heraus, ...
:eek: Huch ... wie kommst du auf ein Insekt? Ich weiß nicht, ob es an der Sprache liegt, oder ob man durch die Übersetzung einfach klarer sieht, wo das Lesen auseinanderdriftet. Vielleicht sollte man wirklich viel öfter übersetzen, um sich das vor Augen zu führen. Dank dir für die Auseinandersetzung!

Pjesma hat geschrieben:jetzt bin ich echt neugierig die intention zu erfahren...willst du es nicht ein klitzekleinbisschen erklären, flora, bütte...?
Ungern. ;-) Aber ich versuche es. Hier mal eine Übersetzung, mit der ich zwar nicht wirklich glücklich bin, weil es auch klanglich ganz anders wirkt, die es dann aber vielleicht inhaltlich ein wenig klarer werden lässt?

► Text zeigen


Die Amsinckie/Fiddleneck wäre mir wichtig, weil sie auf Weiden vorkommt und für Rinder giftig ist. Der Leser muss das zwar nicht wissen, könnte es aber leicht herausfinden. LDu und LIch wissen es jedenfalls. :) (Dass sie zur gleichen Familie wie Vergissmeinnicht gehört fand ich auch schön.)
Den "mountain chickadee" habe ich wegen dem Bogen zum Berg gewählt, aber vor allem auch aus klanglichen Gründen in Verbindung mit dem "chirping", und weil man ihn durch seinen Namen "hört". Bei "Gabelmeise" funktioniert das nicht wirklich. .-) Deshalb habe ich ihn durch den Zilpzalp ersetzt.

Pjesma hat geschrieben:im grünen gewässer hinter meinem haus (teich würd ich hier auslassen, gewässer würde mir reichen)
Für mich werfen die "green waters" eine Größe und Weite auf, auch durch ihren poetischen Klang, die dann aber auf den Boden der Realität zurückgeholt, eingegrenzt werden. Der "backyard pond" oder Gartenteich ist eine Ernüchterung. .-)

Die Tochter kann für mich entweder auf eine reale Tocher hinweisen, die auch den Titel gegenüber LIch geäußert haben könnte, oder aber auf den Wunsch etwas von seiner Haltung, seiner Einstellung in sich zu haben, von ihm "geerbt" zu haben und so auch mit einem Schulterzucken sagen zu können, dass einem alles gleich ist, egal ist, es einen nicht rührt.

Max hat geschrieben:Kühe / sind mir doch wurscht!
Wurst hat natürlich einen gewissen Biss. :o)) Aber das wäre mir zu flapsig und trifft nicht den gleichen Ton für mich. Die Zeile finde ich aber auch schwierig stimmig zu übersetzen, es geht immer etwas verloren. :(

Liegen die Verständnisschwierigkeiten hauptsächlich an der Sprache, oder ist das Gedicht tatsächlich zu rätselhaft verstrickt? Das sollte es nämlich nicht sein.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Max

Beitragvon Max » 16.11.2012, 18:49

Liebe Flora,

tut mir leid, um den Stier und Deine Intention :) ... wird wohl an meinem Englisch liegen.

Liebe Grüße
Max

Sam

Beitragvon Sam » 19.11.2012, 18:52

Hallo Flora,

ein sehr schönes Gedicht!

Ich lese gerne hin und wieder englische oder spanische Lyrik. Bei deutschen Gedichten komme ich gegen meinen Hang zum verkopften Lesen selten an, aber in anderen Sprachen, die einem zwar sehr vertraut sind, die man aber niemals so beherrscht wie die eigene Sprache, achte ich auf den Klang und darauf, welche Bilder sich aus meinem "Halbverständnis" heraus ergeben. Deswegen ist mir eine möglichst genaue Übersetzung nicht wichtig, weil mich eine solche wieder ins gewohnte Fahrwasser des rationellen Textverständnisses bringt.

Für mich war dies beim ersten Lesen ein Text über ein weibliches LyrI, das sich augenzwinkert über seinen Geliebten lustig macht, weil der offensichtlich Probleme damit hat, sich seinen Gefühlen gestellt zu haben. Offensichtlich versucht sie den Ernst aus der Angelegenheit zu nehmen, in dem sie auf eine kindliche Sichtweise zurückgreift, die noch kein Verantwortungsbewusstsein kennt und einfach sagt: Ist doch alles gleich (oder: Ist doch gar nichts passiert).

Die nachfolgenden Kommentare und auch deine Erklärung mögen in eine andere Richtung gehen, aber ich bin mit meiner Lesart um deine schönen Worte sehr zufrieden.

Gruß

Sam

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.11.2012, 10:20

Hallo Sam,

vor allem das Klangliche freut mich sehr! Und deine Leseweise hat mich zwar völlig überrascht, aber wenn ich meine Intention wegschiebe, kann ich es mit der richtigen Stimme und Betonung tatsächlich auch so lesen.
Gefällt mir. :) Dank dir dafür.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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