eine freundschaft, mein chillizopf

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 15.10.2012, 16:42

sie traut meinem verandaglück nicht
mein knoblauchzopf, mein chillikranz
sind mir keine ausreichende gründe
dicke gemäuer hochzuziehen

ist es denn einem heim zu trauen
das keine zäune braucht?

sie spricht der tür die ehrlichkeit ab
und den leichtsinn zu
so wie die stetig offen steht
sie glaubt nicht an die neidlosen hände:

irgendwas muss ich auch horten wollen
um etwas muss sich auch bei mir bangen
irgendwo wird schon ein schlüsselbund hängen

lässt es sich denn gar nicht
von dem was ich nicht habe
rasch in der tasche mitnehmen?
mein knoblauchkranz, mein chillizopf?

so kopflos furchtlos ist doch keiner!
so also

argwöhnt sie meiner mageren katze
die kritische absichten
und zieht sich die hecke
dichter um den hals

schweigt immermehr
über die wassergräben

die unser brot und salz
teilen

ecb

Beitragvon ecb » 18.10.2012, 11:08

Ich ahne mich mehr in dieses Nachbarschaftsverhältnis hinein, als daß ich es rein sprachlich ganz und gar verstehe (die kritischen Absichten deiner mageren Katze, zum Beispiel), aber das macht eigentlich nichts, da teilt sich Spannung und Athmosphäre mit, und ich glaube, ich kann sie ganz gut nachempfinden - wie überaus verdächtig es ist, wenn jemand so gar nichts "hat", für dessen Besitz er/sie gegen einen, sagen wir, "Einbrecher" bereit wäre, sich zu verbarrikadieren - sehr verdächtig, indeed ...
Knoblauchzopf? Chilikranz? - Sie machen wohl Witze, das ist doch nichts, was zählt. :pfeifen:

Von feiner Schärfe und sehr aromatisch, pjesma Bild
Liebe Grüße
Eva

pjesma

Beitragvon pjesma » 18.10.2012, 15:37

danke eva :-)
ja, der tag an dem ich geheult hab...
bist schon auf der richtige spur...will jetzt nicht ganz aufdrösseln...es gibt ein kroatischer sprichwort der besgt
"der der satt ist, traut dem der hungrig ist, nicht"...neidlos ist mir das hauptwort in diesem gedicht gewesen... der neidlosigkeit, genügsamkeit glaubt man nicht...und das gräbt graben zwischen freunden...wedererwartung gibt mehr salz und brot (willkommengruß) für den anderen mensch auf der veranda, als hinter der hecke...hach. schwierig.
lg

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 18.10.2012, 22:55

Ganz klasse, liebe pjesma! Ich sehe alles genau vor mir: Das offene Häuschen, improvisiert, bunt, lebendig. Die verschlossene, argwöhnische Nachbarschaft. Sehr schön ausgemalt! Auch der Titel ist gut gemacht - er weckt Interesse, deswegen habe ich es gleich angeklickt!

Grammatikalisch habe ich einige Korrekturvorschläge:


sind mir keine ausreichenden gründe

ist denn einem heim zu trauen (ohne "es)

um etwas muss sich auch bei mir jemand bangen

oder einfach

um etwas muss doch auch ich bangen


lässt sich denn gar nichts
von dem was ich nicht habe
rasch in der tasche mitnehmen?


so also

argwöhnt sie meiner mageren katze
die kritischen absichten


Viele Grüße
fenestra

pjesma

Beitragvon pjesma » 19.10.2012, 14:23

vielen dank fenestra für deine meinung und für die korrektur, füge ich später ein :-)
lg, pjesma


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