hunger
ungerichtet
wie der blick eines fremden
regen fällt zeit-
und absichtslos
du liest im buch
das dich füllt
und leert
dieses beisichsein
-
Niko
hallo ecb,
also paradoxon-freund gefällt mir vor allem die letzte strofe besonders. die zweite strofe empfinde ich als unnötig. das mag daran liegen, dass ich ihr im kontext nicht die unter umständen große bedeutung beimessen kann.
die erste strofe ist für mich ein echter "kracher"! sehr schönes bild, mehrfach beleuchtbar und immer stimmig.
extrem gern gelesen: niko
also paradoxon-freund gefällt mir vor allem die letzte strofe besonders. die zweite strofe empfinde ich als unnötig. das mag daran liegen, dass ich ihr im kontext nicht die unter umständen große bedeutung beimessen kann.
die erste strofe ist für mich ein echter "kracher"! sehr schönes bild, mehrfach beleuchtbar und immer stimmig.
extrem gern gelesen: niko
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Renée Lomris
guten Morgen Eva,
eine wundervoll vielklingende Sprache:
der ungerichtete Hunger.
das Buch, das dich füllt und leert ...
sind sofort einleuchtend.
Schwieriger wird es beim Vergleich zwischen: ungerichtet (der Hunger) wie der Blick eines Fremden (natürlich finde ich diesen Klang und das sich mir ergebende Bild sehr schön, es gibt mir mir etwas). Aber ich frage mich dennoch: was ist es? Und genau diese Frage empfinde ich als ... kohärent im Kontext.
die Zeile "regen fällt ..." ... "zeit- und absichtslos" führt auf Umwegen zurück zur Frage der Zeit und der Absicht, die zwar negiert werden, aber gerade deshalb mag irgendwann ein zeitlich absichtsvoller oder als absichtsvoll empfindender Regen niedergegangen sein. Woraus ich schließe, dass dieser Augenblick emotionsfremd (sic) nach einer durchlebten Krise, während der es zB zu peitschendem Regen gekommen sein mag, stattfindet.
Der in diesem Kontext erlebte Hunger ist ein friedlicher Hunger nach "dem Buch" als friedlichen Begleiter, dem es obliegt eine weitere Schicht der Fülle oder auch der Leere entstehen zu lassen.
ein schönes Bild, ein gelungener Kontext, in dessen Hülle der Text sich vielschichtig entfaltet.
lG
Renée
eine wundervoll vielklingende Sprache:
der ungerichtete Hunger.
das Buch, das dich füllt und leert ...
sind sofort einleuchtend.
Schwieriger wird es beim Vergleich zwischen: ungerichtet (der Hunger) wie der Blick eines Fremden (natürlich finde ich diesen Klang und das sich mir ergebende Bild sehr schön, es gibt mir mir etwas). Aber ich frage mich dennoch: was ist es? Und genau diese Frage empfinde ich als ... kohärent im Kontext.
die Zeile "regen fällt ..." ... "zeit- und absichtslos" führt auf Umwegen zurück zur Frage der Zeit und der Absicht, die zwar negiert werden, aber gerade deshalb mag irgendwann ein zeitlich absichtsvoller oder als absichtsvoll empfindender Regen niedergegangen sein. Woraus ich schließe, dass dieser Augenblick emotionsfremd (sic) nach einer durchlebten Krise, während der es zB zu peitschendem Regen gekommen sein mag, stattfindet.
Der in diesem Kontext erlebte Hunger ist ein friedlicher Hunger nach "dem Buch" als friedlichen Begleiter, dem es obliegt eine weitere Schicht der Fülle oder auch der Leere entstehen zu lassen.
ein schönes Bild, ein gelungener Kontext, in dessen Hülle der Text sich vielschichtig entfaltet.
lG
Renée
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ecb
Ich hoffe, du siehst es mir nach, Niko, daß ich hauptsächlich auf Renées Kommentar eingehe, weil ich glaube, damit auch deinen Haupteinwand zu beantworten.
regen fällt zeit-
und absichtslos
Die Bedingtheit dieser Zeilen hast du so gut durchschaut, liebe Renée, sie sind eine sozusagen aufgesetzte Einsicht, eine von vielen Möglichkeiten, Erfahrungen handhabbar zu machen.
Wie ja das Gedicht als Ganzes einen inneren Zustand zeigen oder darstellen oder sogar einer sein wollte (ich gebe gern zu, daß das ein ungeheurer Anspruch ist), wodurch du vielleicht deine Frage an die ersten Zeilen als kohärent im Kontext empfinden konntest. Insofern ist deine Irritation durch das Gedicht zu deinem Teil daran geworden - worin für mich im Idealfall der Zauber der Beschäftigung mit Gedichten überhaupt bestehen würde. Deshalb freue ich mich sehr über dein Lesen.
Habe überlegt, ob ich noch auf eine weitere überkommene übertragene Bedeutung des "Buches" hinweisen sollte, aber ich lasse es lieber ...
Danke euch beiden vielmals für euer eingehendes Lesen und dir, Niko, für dein "extrem gern"
regen fällt zeit-
und absichtslos
Die Bedingtheit dieser Zeilen hast du so gut durchschaut, liebe Renée, sie sind eine sozusagen aufgesetzte Einsicht, eine von vielen Möglichkeiten, Erfahrungen handhabbar zu machen.
Wie ja das Gedicht als Ganzes einen inneren Zustand zeigen oder darstellen oder sogar einer sein wollte (ich gebe gern zu, daß das ein ungeheurer Anspruch ist), wodurch du vielleicht deine Frage an die ersten Zeilen als kohärent im Kontext empfinden konntest. Insofern ist deine Irritation durch das Gedicht zu deinem Teil daran geworden - worin für mich im Idealfall der Zauber der Beschäftigung mit Gedichten überhaupt bestehen würde. Deshalb freue ich mich sehr über dein Lesen.
Habe überlegt, ob ich noch auf eine weitere überkommene übertragene Bedeutung des "Buches" hinweisen sollte, aber ich lasse es lieber ...
Danke euch beiden vielmals für euer eingehendes Lesen und dir, Niko, für dein "extrem gern"

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Gerda
Liebe Eva,
Ich frage mich ob der Text wirklich nur diese positive Sicht zulässt, oder ob er darüberhinaus mehr vermitteln kann.
Für mich ist er nicht eindeutig.
Denn in der Schlichtheit der benannten Bilder liegt m. E. eine nur oberflächliche Glätte.
Darunter schlummern andere Beweggründe, so z. B. jene, dass Hunger immer noch ein ganz realer täglicher Begleiter für einen Riesenanteil der Erdbevölkerung ist, während die anderen Menschen ihn nur aus Büchern kennen.
Für die einen spielt der Regen eineÜberlebens-Rolle, während er für die anderen vernachlässigbar ist, weil in diesem Teil der Welt Ernte schon lange nicht mehr in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nahungsaufnahme stehen ...
Ich kann diesen Text auch w. o. a. lesen und finde ihn auf jeden Fall sehr anregend.
Liebe Grüße
Gerda
Renée Lomris hat geschrieben:Der in diesem Kontext erlebte Hunger ist ein friedlicher Hunger nach "dem Buch" als friedlichen Begleiter, dem es obliegt eine weitere Schicht der Fülle oder auch der Leere entstehen zu lassen.
Ein schönes Bild, ein gelungener Kontext, in dessen Hülle der Text sich vielschichtig entfaltet.
Ich frage mich ob der Text wirklich nur diese positive Sicht zulässt, oder ob er darüberhinaus mehr vermitteln kann.
Für mich ist er nicht eindeutig.
Denn in der Schlichtheit der benannten Bilder liegt m. E. eine nur oberflächliche Glätte.
Darunter schlummern andere Beweggründe, so z. B. jene, dass Hunger immer noch ein ganz realer täglicher Begleiter für einen Riesenanteil der Erdbevölkerung ist, während die anderen Menschen ihn nur aus Büchern kennen.
Für die einen spielt der Regen eineÜberlebens-Rolle, während er für die anderen vernachlässigbar ist, weil in diesem Teil der Welt Ernte schon lange nicht mehr in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nahungsaufnahme stehen ...
Ich kann diesen Text auch w. o. a. lesen und finde ihn auf jeden Fall sehr anregend.
Liebe Grüße
Gerda
Zuletzt geändert von Gerda am 27.08.2012, 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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pjesma
hallo eva
mich verwirrt "hunger ungerichtet" ausdruck. dagegen gibt mir der titel in verbindung mit schönem wort absichtslos, abbild einer schönen stimmung---in welchem man da ist, und nicht da---passiv dennoch anwesend, irgendwie...wie mit ebbe und flut gewogen...frei unbeteiligt im beteiligung am leben...ich mag dieses kleines gedicht sehr, würde mich aber wirklich reizen wenn mir jemand, vielleicht auch du ungerichtete hunger etwas beleuchten würde...womöglich hab ich das rein sprachlich nicht gut verstanden...wie kann hunger ungerichtet sein?
lg
mich verwirrt "hunger ungerichtet" ausdruck. dagegen gibt mir der titel in verbindung mit schönem wort absichtslos, abbild einer schönen stimmung---in welchem man da ist, und nicht da---passiv dennoch anwesend, irgendwie...wie mit ebbe und flut gewogen...frei unbeteiligt im beteiligung am leben...ich mag dieses kleines gedicht sehr, würde mich aber wirklich reizen wenn mir jemand, vielleicht auch du ungerichtete hunger etwas beleuchten würde...womöglich hab ich das rein sprachlich nicht gut verstanden...wie kann hunger ungerichtet sein?
lg
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Renée Lomris
liebe Pjesma, auf die Gefahr hin, jetzt großen Unsinn von mir zu geben, und noch dazu, wieder mal pedantisch zu wirken, denke ich mal - und das ist ja alles subjektiv, was sich in mir abspielt wenn ich ein Gedicht lese und mir "erkläre" - dass das Wort so verstanden werden kann:
"Ungerichtet" ist der Hunger im Sinne von : richtungslos, er hat kein Ziel, ist nicht zielgerichtet, ist nicht ausgerichtet auf eine bestimmte Nahrung.
Richtungsloser Hunger, zielloser Hunger, --- das entspricht dem absichtslosen Regen, fällt mir gerade auf. Ich nehme an, dass diese ungewöhnliche Bedeutung des Wortes sehr absichtsvoll gewählt wurde, und das "richten / ausrichten" ins Zentrum stellen soll.
Ich ergreife die Gelegenheit, um auf eine mir bisher nicht bewusste Tendenz zeitgenössischer Lyrik hinzuweisen: sie kennzeichnet sich genau durch solche Grenzfälle, in denen ein Wort scharf an der Grenze grammatikalischer Unkorrektheit verwendet wird, aber gerade noch in den Bereich der korrekten Verwendung hineinfällt. Einmal wird dadurch der eventuelle Missklang mit hereingenommen, zum andern schärft sich daran der Sinn für stilistische Harmonie. Klang und Missklang, Ton und Misston stehen musikalisch nebeneinander. Zum Beispiel : breiten - Sie breitet die Arme // Sie breitet die Arme aus ...
herzlich
Renate
"Ungerichtet" ist der Hunger im Sinne von : richtungslos, er hat kein Ziel, ist nicht zielgerichtet, ist nicht ausgerichtet auf eine bestimmte Nahrung.
Richtungsloser Hunger, zielloser Hunger, --- das entspricht dem absichtslosen Regen, fällt mir gerade auf. Ich nehme an, dass diese ungewöhnliche Bedeutung des Wortes sehr absichtsvoll gewählt wurde, und das "richten / ausrichten" ins Zentrum stellen soll.
Ich ergreife die Gelegenheit, um auf eine mir bisher nicht bewusste Tendenz zeitgenössischer Lyrik hinzuweisen: sie kennzeichnet sich genau durch solche Grenzfälle, in denen ein Wort scharf an der Grenze grammatikalischer Unkorrektheit verwendet wird, aber gerade noch in den Bereich der korrekten Verwendung hineinfällt. Einmal wird dadurch der eventuelle Missklang mit hereingenommen, zum andern schärft sich daran der Sinn für stilistische Harmonie. Klang und Missklang, Ton und Misston stehen musikalisch nebeneinander. Zum Beispiel : breiten - Sie breitet die Arme // Sie breitet die Arme aus ...
herzlich
Renate
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ecb
pjesma hat geschrieben: würde mich aber wirklich reizen wenn mir jemand, vielleicht auch du ungerichtete hunger etwas beleuchten würde...womöglich hab ich das rein sprachlich nicht gut verstanden...wie kann hunger ungerichtet sein?
lg
Das hast du so schön erläutert und ganz in meinem Sinne, Renate, daß ich gar nichts weiter dazu sagen muß, herzlichen Dank dafür!
Und danke auch für´s Aufwerfen, Pjesma.

Liebe Grüße
Eva
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pjesma
danke renne, danke eva 
ja, jetzt weiß ich was gemeint worden ist...diese unbestimmte hunger kenne ich...das verbindung mit "richtung" hatte mich verwirrt...aber eh weiter ich nachdenke ist das wort wirklich ein treffer...ein hunger kann wohl gerichtet sein, auf futter, auf erlebniss, auf anderen mensch...auf etwas was einem fehlt...und wenn man bei sich ist, kann sie wohl ungerichtet sein...weil eigentlich fehlt nichts...konkretes, nennbares.gif)
lg euch

ja, jetzt weiß ich was gemeint worden ist...diese unbestimmte hunger kenne ich...das verbindung mit "richtung" hatte mich verwirrt...aber eh weiter ich nachdenke ist das wort wirklich ein treffer...ein hunger kann wohl gerichtet sein, auf futter, auf erlebniss, auf anderen mensch...auf etwas was einem fehlt...und wenn man bei sich ist, kann sie wohl ungerichtet sein...weil eigentlich fehlt nichts...konkretes, nennbares
.gif)
lg euch
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