mit der erinnerung

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
scarlett

Beitragvon scarlett » 25.07.2012, 08:25

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Gerda

Beitragvon Gerda » 25.07.2012, 10:17

Liebe Monika,

da Gedanken angeblich fliegen können, bin ich zunächst geneigt deinem Gedicht zuzustimmen. :smile:
Dennoch glaube ich, hat dieser Text einen Pferdefuß. Denn die gesendeten Gedanken von denen du sprichst sind ebenso Erinnerungen, bzw. die Gednaken beruhen auf dem Erinnern an die Vergangenheit und können demzufolge nichts Neues erzählen. Lyrich dreht sich um sich selbst, bzw. im Kreis.
Allerdings glaube ich eher nicht, dass du dieses ausdrücken willst.

Was ich aber schon immer mal schreiben wollte, ist folgendes.
Die Art wie du (für mich) seit Neuestem die Titel im Text integrierst oder auch ans Ende setzt, die hat was.
Das finde ich Klasse. :daumen:

Liebe Sonnenschein-Grüße
Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 25.07.2012, 13:18

Liebe Monika,

nach meiner Lesart beschreibst du hier den Wunsch des LIs, sich an die Heimat zu erinnern und mehr zu erfahren als das LI in seiner Erinnerung hat. LI schickt seine Gedanken los, als Erfüllungsgehilfe sozusagen, weil LI selbst nicht hinfahren kann. Doch seine Gedanken kann LI "jetzt gefahrlos" absenden, sie können jetzt "frei fliegen". Diese Zeitangabe "zwischen drei und fünf" scheint mir eine Begrenzung anzuzeigen, die es damals in der Heimat gab und welche das LI noch heute im Kopf hat. In seinem Wunschdenken nimmt es deshalb genau diesen Zeitraum und lässt seine Gedanken frei fliegen. LI setzt sozusagen das freie Heute via Gedanken in das unfreie Damals und stellt sich vor bzw. möchte erfahren, wie es wäre, das Verbotene damals in der Heimat, mit Freiheit zu erleben.
So verstehe ich deine Zeilen.

Liebe Grüße
Gabi

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 25.07.2012, 13:40

Liebe Monika,

wieder eines deiner fein und klug gesetzten Gedichte, in dem sich die Zeit haarscharf genau verliert und die Orte unscharf bleiben, Felder, Wälder, wiesen.

Das ziehende Gefühl, das Dorthinweh, das drückst du meisterhaft aus.

Du bist eine Dichterin des Verlorenen, Vergangenen, der Bitterkeit, der Heftigkeit, des Sturms und dann auch wieder der Sanftheit.

Was mir jedoch manchmal fehlt, sind die Orte und Worte des Hier und Jetzt. Das unheimlich Heimische der Großstadtnischen --- die auch du kennst.

Liebe Grüße

in selbstverständlich großer Bewunderung

Renée

scarlett hat geschrieben:
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Eule
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Beitragvon Eule » 25.07.2012, 14:01

Hallo Monika, stolperte beim Lesen sehr über das Komma. Zuerst dachte ich an ein fehlendes Verb ("gleich schicke ... "), bevor mir einfiel, dass das "gleich" ja eine nicht gekennzeichnete Kurzform eines solchen sein könnte. Hier würde ich noch ein wenig nachfeilen um solche Schwierigkeiten zu vermeiden.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 25.07.2012, 14:10

Hallo Eule,

das "gleich" lese ich doppeldeutig. Einmal als Zeitfaktor: die Gedanken kommen ja gleich wieder zurück.
Und als "abgleichen" : gleich ich es ab mit ...
Das Komma finde ich wichtig, weil es, zumindest für mich, die Geschwindigkeit betonen soll, wie eine Aufforderung des LIs: Gedanken, kommt gleich (sofort) wieder, damit ich euch abgleichen kann ... Es betont also den Wunsch des LIs noch einmal.

Liebe Grüße
Gabi

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 25.07.2012, 16:23

ja, abgleichen, dachte ich. an absichtlichen Zeilenbruch auf jeden Fall...

Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.07.2012, 13:01

Liebe Monika,

liegen wir mit unseren Assoziationen total daneben oder passt es?
Würde gerne von dir hier lesen.

Liebe Grüße
Gabi

scarlett

Beitragvon scarlett » 29.07.2012, 21:48

liebe gabi und alle,

ich habe das hier weder vergessen, noch ist mein schweigen ausdruck dafür, dass ihr mit euren assoziationen falsch liegen würdet.

wenn ich so lange schweige, bedeutet das zweierlei: erstens ich denke über eure anmerkungen nach, weil ich spüre, dass da was dran ist/sein könnte, vor allem an einwänden, und zweitens wenn das alles in meine arbeitsintensiven tage fällt, sprich do, fr und sa - jeweils bis spät, alle zwei wochen - dann KANN ich hinterher auch einfach nimmer herz und hirn frei machen für lyrik.

du hast mit deiner auslegung meine gedanken aufgespürt, gabi, ja, beinah vollkommen.
nur dass es sich bei der zeitangabe, die man zwar so lesen kann, wie du das getan hast, lediglich um eine "spielerei" meinerseits handelt, die das gefahrlose in der hinsicht untermauern sollte, dass die sonne nach drei nicht mehr sooo gefährlich sein soll ... dh das beleuchten der tatsachen birgt weniger gefahren, ist weniger "heiß". ich dachte dabei natürlich an die "entschärfte" situation jetzt in diesem land, jenseits des sozialismus, und hab es in dieses bild der allgemeinen erwärmung gepackt.

das "gleich" ist natürlich auch so zu lesen, wie du es getan hast, gabi, das komma ist meiner meinung nach auch wichtig an dieser stelle, es entschleunigt und es passt ja auch für beide lesarten: gleich - als zeitadverbiale und als abgetrennter zusatz bei "abgleichen"

der grund für meine langen überlegungen war eigentlich dein einwand, gerda, dass die gedanken ja eh schon erinnerung seien - an das früher usw. und dass das gedicht sich dadurch im kreise drehen würde.

nun, ich glaube nicht, dass das so ist, weil die gedanken, die das li aussendet ja gedanken aus dem jetzt sind, die genährt werden könnten von etwas, was das li gerade gelesen, erfahren hat ... usw. über dieses land.
im endeffekt heißt es doch nichts anders, als dass sich das li gedanken macht darüber- und diese dann abgleicht mit dem, was es bisher als erinnerung gespeichert hat.
im klartext: ist das, was derzeit in der presse über rumänien zu lesen ist, so neu, so anders, so ungewohnt im verhältnis zu dem, was li bereits kennt, ihm in der erinnerung noch gegenwärtig ist?

also ich glaube, dass das durchaus funktioniert in meinem text.

dass du meine art, die titel der gedichte in den text zu integrieren, gut findest, gerda, das freut mich.
es ist aber auch damit wie mit so vielem in meinem schreiben: es ergibt sich plötzlich und ganz zufällig.
dh natürlich nicht, dass dem nicht was vorausgegangen wäre, in diesem fall mein permanentes problem mit titeln - das hat in mir gearbeitet und ja, jetzt hat es sich auf diese weise /vorläufig/ erledigt.

habt dank und bitte! seid mir nicht böse, das hat immer alles seinen grund, wenn ich mal nicht prompt reagiere.

herzlich,
monika

scarlett

Beitragvon scarlett » 29.07.2012, 21:51

liebe renée,

das hier:

"Du bist eine Dichterin des Verlorenen, Vergangenen, der Bitterkeit, der Heftigkeit, des Sturms und dann auch wieder der Sanftheit"

ist das größte kompliment, das du mir machen konntest.
wenn du wüsstest, wie sehr mich das erfreut.
JA, genau so sehe und begreife ich mich.

und mit dem hier:

"Was mir jedoch manchmal fehlt, sind die Orte und Worte des Hier und Jetzt. Das unheimlich Heimische der Großstadtnischen --- die auch du kennst"

hast du natürlich recht, daran muss ich arbeiten und ich tu es auch- siehe meinen letzten kurzprosatext. ja.
aber - es so gar nicht meines, DAS muss ich mir erarbeiten.

hab dank, renée!

eine glückliche
mo

Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.07.2012, 22:41

Liebe Monika,
scarlett hat geschrieben:im klartext: ist das, was derzeit in der presse über rumänien zu lesen ist, so neu, so anders, so ungewohnt im verhältnis zu dem, was li bereits kennt, ihm in der erinnerung noch gegenwärtig ist?

also ich glaube, dass das durchaus funktioniert in meinem text.

Jep, tut es für mich auf jeden Fall!
scarlett hat geschrieben:habt dank und bitte! seid mir nicht böse, das hat immer alles seinen grund, wenn ich mal nicht prompt reagiere.

Nein, nein, keine Sorge. Ich war nur total neugierig! ;-)

Liebe Grüße
Gabi


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